Emmet Brown und Bullshit-​​Science-​​Journalismus

Hui, was war der Emmet böse. Als mein Freund Emmet Brown mich unge­ach­tet der Zeit­ver­schie­bung diese Woche aus dem Bett klin­gelte, dachte ich schon, es sei ihm etwas zuge­sto­ßen. In gewis­ser Weise war es das auch, weil der Bou­le­vard näm­lich seine geliebte Wis­sen­schaft ver­ein­nahmt hatte. Das kann Emmet nicht auf die leichte Schul­ter neh­men, er ist schließ­lich Wis­sen­schaft­ler aus Lei­den­schaft. Wenn er auf den Titel­sei­ten am Kiosk liest, dass Libe­rale und Athe­is­ten einen höhe­ren IQ haben als Kon­ser­va­tive und dass Fremd­ge­her einen nied­ri­ge­ren IQ haben als treue Part­ner, dann fühlt er, der er eher agnos­tisch und viel­leicht auch libe­ral ist und trotz­dem kon­ser­va­tiv in sei­nem part­ner­schaft­li­chen Ver­hal­ten, sich nicht geschmei­chelt. Dann schril­len bei ihm alle Alarm­glo­cken und er möchte wis­sen, ob so eine markt­schreie­ri­sche Aus­sage auch stimmt.

Spä­tes­tens nach dem Satz »Wis­sen­schaft­ler haben her­aus­ge­fun­den, dass…« setzt näm­lich in den Redak­ti­ons­stu­ben die oft­mals eigen­ge­lobte Fak­ten­re­cher­che kom­plett aus und jeder Unsinn wird wie­der­ge­käut. Dass ein Jour­na­list sich auf fremde Exper­tise ver­lässt, bei einem Thema wo er aus­nahms­weise nicht das Gefühl hat, selbst aus­rei­chend Experte zu sein, um Mei­nung zu machen, finde ich eigent­lich nur mensch­lich und nicht ver­dam­mungs­wür­dig. Aber Emmet schreit mich durch den Hörer an, dass diese Schlag­zei­len ein Para­de­bei­spiel dafür lie­fern, was so grund­sätz­lich falsch läuft in der Bezie­hung von Wis­sen­schaft, Gesell­schaft und den ver­mit­teln­den Medien. Der wis­sen­schaft­li­che Arti­kel, der hin­ter der bou­le­var­des­ken Zuspit­zung steht, ist noch vor Abdruck in einem wis­sen­schaft­li­chen Maga­zin in den Medien lan­ciert wor­den. […] → zu Ende lesen

Wozu noch Feminismus in Blogs? Eine Frage der Perspektive

Die Frauen im deut­schen Netz­dis­kurs ver­schaf­fen sich gerade mäch­tig Gehör — gemes­sen an der Laut­stärke, die sie bis­lang an den Tag leg­ten. Als Anne Roth im Frei­tag die Frage stellte, warum es keine Frauen unter den mei­nungs­füh­ren­den deut­schen Blog­gern gäbe, bekam die­ses oft­mals unbe­merkt vor sich hin köchelnde Thema Öffent­lich­keit. Dar­auf­hin wurde sie von Phi­lip Banse für seine dctp.tv-Interviewreihe mit Blog­gern befragt. Zeit­nah gab es eine Wahl zur Blog­ge­rin des Jah­res und damit ein­her ging ein wei­te­rer Zuwachs an Öffent­lich­keit femi­ni­ner und femi­nis­ti­scher Dis­kurse. Denn viele der betei­lig­ten Blog­ge­rin­nen beken­nen sich zu Femi­nis­mus, Frau­en­rech­ten und Geschlechterdebatten.

Prompt wer­den sie dafür ange­fein­det. Selbst wenn wir die Trolle und Idio­ten ver­nach­läs­si­gen, die um des Rad­aus wil­len oder aus über­zeug­ter Igno­ranz gegen sol­che Eman­zi­pa­ti­ons­be­mü­hun­gen anstän­kern, müs­sen wir fest­stel­len: Der Teil des Net­zes, in dem Mei­nung gemacht wird, ist ein von Män­nern domi­nier­ter Dis­kurs­raum und damit ein Para­de­bei­spiel für patri­ar­cha­li­sche Struk­tu­ren. Die Stim­men von Frauen wer­den mar­gi­na­li­siert, auch auf­ge­klärte, moderne Män­ner betrei­ben unwil­lent­lich bestän­dig othe­ring und gemäß dem Wesen von struk­tu­rel­ler Dis­kri­mi­nie­rung arbei­ten auch Frauen an der Bestä­ti­gung fremd­be­stimm­ter Selbst­bil­der mit.

Wie sehr die eigene Per­spek­tive von einem patri­ar­cha­li­schen Sys­tem und den darin begrün­de­ten Erwar­tun­gen geprägt ist? Der geneigte Leser und auch die geneigte Lese­rin möge sich fra­gen: Was sind vier erfolg­ver­spre­chende Ver­hal­tens­re­geln, die Frauen Schutz vor Ver­ge­wal­ti­gung bie­ten? […] → zu Ende lesen

Medienkompetenz und das Internet

Stand der Dinge: Alles ändert sich. Also alles wie immer in die­sem Inter­net. Man­cher­orts führt das die elder sta­tes­men der deut­schen Netz­pu­bli­zis­tik und Blog­szene zu melan­cho­li­schen Betrach­tun­gen, das Zwi­schen­fa­zit für Blogs fällt ent­spre­chend nüch­tern aus. Aber es wird ja bald Früh­ling, da erwacht auch der cabrio­fahrt­wind­ge­föhnte Eulen­spie­gel mit der Hass­kappe wie­der aus dem Win­ter­schlaf und schießt gegen den Wild­wuchs der selbst­er­klär­ten Netz­ex­per­ten und social-​​media-​​Berater. Wor­auf eine kluge Replik dem lesen­den Betrach­ter offen­bart, dass es tat­säch­lich Exper­ten mit Sach­ver­stand und Wil­len zum Dis­kurs auch in Deutsch­land gibt. Wie schon regel­mä­ßig zuvor stellt sich trotz­dem die Speer­spitze der Net­zevan­ge­lis­ten die Frage, wohin die Reise eigent­lich geht und gibt einige Ant­wor­ten gleich mit.

Der Wan­del scheint stets von Außen zu kom­men: Der ver­meint­lich hei­lige Gral der Online­jour­na­lis­mus­fi­nan­zie­rung wird in Gestalt einer pro­prie­tä­ren Platt­form aus Cuper­tino vor­ge­stellt und die Hys­te­rie der Ver­lags­me­dien implo­diert zur größ­ten pro bono Wer­be­kam­pa­gne aller Zei­ten. Es gibt auch Medi­en­men­schen, die kluge Fra­gen stel­len: Wo sol­len denn eigent­lich die Inhalte her­kom­men, same old, same old wird auch auf der eier­le­gen­den Woll­milch­sau iPad nicht funk­tio­nie­ren. Ein Maga­zin aus Ame­rika legt vor und die Mess­latte auf: Die Stu­die von Wired ist ange­sichts der dort ver­mut­lich gebün­del­ten Medi­en­kom­pe­tenz (das Blatt wird regel­mä­ßig in ein­schlä­gi­gen Schrif­ten aus der CMC-​​Forschung zitiert) aller­dings eher unter­wäl­ti­gend. […] → zu Ende lesen

Das Rubikonproblem im Fußball

Im letz­ten Teil der Tak­tik­ta­fel haben wir erläu­tert, wie Ent­schei­dun­gen das Spiel prä­gen. Dar­auf auf­bau­end wol­len wir uns heute kon­kre­ten Bei­spie­len wid­men, wie gute Spie­ler ihre Ent­schei­dun­gen tref­fen. Mein per­sön­li­cher Favo­rit ist der Schre­cken deut­scher Fans und inter­na­tio­na­ler Abwehr­rei­hen. Womög­lich wer­den wir sein Genie beim nächs­ten Cham­pi­ons­lea­gue­spiel der Ross­o­neri das letzte mal inter­na­tio­nal bewun­dern dür­fen. Filippo »Super­pippo« Inz­aghi.

Inz­aghi ist das posi­tive Bei­spiel für eine Mischung aus Abschluß­stärke (keine drei S in mei­nen Arti­keln!) und Abge­zockt­heit. Wenn Pippo in der Nach­spiel­zeit Elf­me­ter schin­det, muss er ja erst mal einen Dum­men fin­den, der ihn zu Fall bringt. Ein Freund von mir nannte Inz­aghi den letz­ten Assas­si­nen. Er erkennt die Schwä­che sei­nes Opfers, wie kein ande­rer Spie­ler, und beu­tet sie kon­se­quent aus. So einen Spe­zia­lis­ten kön­nen Fans wohl nur lie­ben, wenn er für das eigene Team spielt. Alle ande­ren fürch­ten ihn. Anders als der grin­sende Ohr­schrau­ber macht Inz­aghi aus sei­nen Absich­ten kei­nen Hehl und trägt die Aura des ruch­lo­sen Kil­lers mit Stolz. […] → zu Ende lesen

Der Rundgang – Sehen und gesehen werden

Die Span­nung steigt. Schon Wochen zuvor krei­sen die Gedan­ken der Stu­die­ren­den der Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf um die all­jähr­li­che Aus­stel­lung, mit der jedes Win­ter­se­mes­ter seit 1932 abschließt: An fünf offi­zi­el­len Besuchs­ta­gen strö­men die unter­schied­lichs­ten Men­schen zu einem ein­tritts­freien Kul­tur­er­eig­nis, das sich nicht allein durch die Werke und ihre Aus­ein­an­der­set­zung mit der Lebens­welt der Kunst­schaf­fen­den erschöpft. Die Aka­de­mie wird Schau­platz der Kri­tik, der Inspi­ra­tion und der diver­gie­ren­den Auf­fas­sun­gen über Kunst und das sowohl für den Besu­cher als auch für die Stu­die­ren­den selbst.

Letz­tere erle­ben diese Woche eine Art Aus­nah­me­zu­stand, gehen nur noch zum Schla­fen nach hause, sit­zen in oder vor den Räu­men ihrer Klas­sen und erfah­ren neben dem Gefühl, eine Leis­tung voll­bracht zu haben, gleich­zei­tig die Ohn­macht gegen­über ihren Wer­ken. Die hän­gen jetzt da, müs­sen für sich selbst spre­chen, denn nach zu fra­gen kos­tet gerade den Beob­ach­ter Über­win­dung, dem der inhalt­li­che Zugang ver­sperrt bleibt.

In die­sem Jahr wan­dere ich nicht ziel­los durch die Räume, denn meine per­sön­li­che Insi­de­r­adresse stellt gleich im ers­ten Stock aus. Erst­mal akkli­ma­ti­sie­ren, den Over­kill ver­hin­dern. Was gleich fol­gen soll, ist eine Flut von Ein­drü­cken, für die ich mich wapp­nen will. […] → zu Ende lesen

Wahre Liebe — Bremer Fans versuchen Zuculinis Herz zu erobern

For­tuna Köln, sei­nes Zei­chens NRW-​​Ligist, hat über die Platt­form dein​fuss​ball​club​.de (DFC), über die auch die Kon­text­schmiede  berich­tete, vor gut einem Jahr für deutsch­land­weite Auf­merk­sam­keit gesorgt. Unter dem Motto »Manage ein ech­tes Fuß­ball­team!« neh­men der­zeit bei­nahe 11000 User mit pro­mi­nen­ter Unter­stüt­zung durch Sönke Wort­mann und Jens Nowotny Ein­fluss auf diverse Ent­schei­dun­gen rund um Mann­schaft und Ver­ein. Neben all­täg­li­chen Din­gen, wie der Mann­schafts­auf­stel­lung, steht zur Zeit bei­spiels­weise eine Abstim­mung über einen Antrag für die Lizenz zur Regionalliga-​​Saison 2010/​11 auf der Agenda der Teilnehmer.

Etwas sub­ti­ler wer­den Fans des SV Wer­der Bre­men im DFB-​​Pokal-​​Viertelfinale gegen 1899 Hof­fen­heim (Diens­tag, 09.02.2010, ab 20:15 live in der ARD) ver­su­chen, die Geschi­cke ihres Ver­eins zu beein­flus­sen: […] → zu Ende lesen



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