6 degrees of separation — von den G8 zu Außerirdischen

Heute, am 8. Juli vor genau 60 51 Jah­ren, wurde der Schau­spie­ler Kevin Bacon gebo­ren. Seine Leis­tung für die Pop­kul­tur besteht nicht allein in sei­nem Mit­wir­ken in zahl­rei­chen Hollywood-​​Produktionen. Viel wich­ti­ger für künf­tige Gene­ra­tio­nen könnte sein Bei­trag als fleisch­ge­wor­de­nes Pop­kul­tur­phä­no­men sein. Der 8. Juli soll in die­sem Bei­trag als exem­pla­ri­scher Aus­gangs­punkt für eine »six degrees«-Betrachtung der his­to­risch wach­sen­den Bedeu­tung von Ver­net­zung herhalten.

Kevin Bacon dient als augen­zwin­kern­des proof of con­cept für ein sta­tis­ti­sches Modell der Netz­werk­theo­rie. Durch die vor­an­schrei­tende Glo­ba­li­sie­rung schrumpfe die Welt zusam­men, besagt eine Idee der Sozi­al­wis­sen­schaft­ler. Dies lasse sich in Zah­len­spie­len anhand von sozia­len Netz­wer­ken nach­rech­nen. Über Bekannte von Bekann­ten von Bekann­ten las­sen sich in nur sechs Schrit­ten zwei belie­bige Men­schen auf der Welt mit­ein­an­der ver­knüp­fen. Selbst wenn iso­la­tio­nis­ti­sche Sied­lun­gen der small world theory ein Bein stel­len und es ent­ge­gen der mathe­ma­ti­schen Annahme nicht mög­lich ist, wirk­lich jeden Men­schen mit einem belie­bi­gen ande­ren in nur sechs Schrit­ten direk­ter Kon­takte zu ver­knüp­fen, ist die Idee der six degrees of sepa­ra­tion ein belieb­ter Zeit­ver­treib der ver­netz­ten Gene­ra­tion. Kevin Bacon ist mit jedem leben­den Schau­spie­ler in nur sechs Schrit­ten der Form »haben am glei­chen Film mit­ge­wirkt« zu ver­knüp­fen. Die kurio­ses­ten Ver­bin­dun­gen in kür­zes­ter Zeit zu fin­den, ist zu einem Par­ty­spiel gewor­den.

Heute, am 8. Juli 2009, fin­det außer­dem der G8-​​Gipfel, der lose Zusam­men­schluss von sie­ben wirt­schafts­mäch­ti­gen Staa­ten der 70er Jahre und Russ­land statt. Ursprüng­lich tra­fen sich die Staats­ober­häup­ter von Frank­reich, Deutsch­land, Groß­bri­tan­nien, Ita­lien, Japan und den USA, um in klei­ner Runde ein gemein­sa­mes Vor­ge­hen nach dem Zusam­men­bruch des Bretton-​​Woods-​​Systems abzu­spre­chen. Die Kop­pe­lung des inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­sys­tems an den ame­ri­ka­ni­schen Dol­lar als Leit­wäh­rung, der sei­ner­seits von den Gold­re­ser­ven der USA gestützt wurde, war nicht mehr auf­recht zu erhal­ten, als die Gold­re­ser­ven mit der Infla­tion nicht mit­hal­ten konn­ten. Aus dem klei­nen Tref­fen, das in der Folge jähr­lich statt fand, ent­wi­ckelte sich bis heute eine umfas­sende Zusam­men­ar­beit bis in die Ebene der Minis­te­ri­al­bü­ro­kra­tie hin­ein. Der Anspruch des Krei­ses von mitt­ler­weile 8 Staa­ten (hinzu kamen Kanada und Russ­land), das außen­po­li­ti­sche Geschick der Welt zu bestim­men, ist Stein des Ansto­ßes für viele Glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­ker. Nach­dem die G8 im letz­ten Jahr aber offen­sicht­lich den erneut dro­hen­den Zusam­men­bruch des Welt­fi­nanz­sys­tems über­sa­hen und sich auch in drän­gen­den Fra­gen des Kli­ma­schut­zes und ande­ren wich­ti­gen The­men nicht auf not­wen­dige Hand­lungs­vor­ga­ben eini­gen konn­ten, ver­liert der Zusam­men­schluss womög­lich an Bedeu­tung. Einige stim­men bereits in den Abge­sang auf die mul­ti­la­te­ra­len Netz­werke ein, doch die gewach­sene Ver­net­zung der Welt und ihrer Bewoh­ner ist nicht zu leugnen.

Heute, am 8. Juli vor 156 Jah­ren, wurde Japan aus der Iso­la­tion geholt, die seine Bewoh­ner zuver­läs­sig von der Ver­knüp­fung über sechs Ecken abschot­tete. Die Ver­net­zung der Welt­bür­ger ist es, die viel­leicht in Zukunft die Ohn­macht ihrer poli­ti­schen Füh­rer etwas aus­glei­chen kann. Nord­ko­rea erlebt trotz der all­um­fas­sen­den Kon­trolle eines men­schen­feind­li­chen Regimes seine eigene Form der under­ground railroad. Im Iran ver­bün­den sich junge Demons­tran­ten mit dem Rest der Welt — und anrüh­rende Augen­zeu­gen­be­richte zu bei­den Ereig­nis­sen wer­den von einer ame­ri­ka­ni­schen Come­dy­show für den Rest der Welt im Inter­net zur Ver­fü­gung gestellt: Mike Kim zu Gast in der Daily Show und der Sohn des vom ira­ni­schen Regime ver­haf­te­ten Ebra­him Yazdi zu Gast in der Daily Show.

Sogar Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker kom­men am 8. Juli auf ihre Kos­ten: Vor genau 62 Jah­ren wur­den nach Ansicht man­cher UFO-​​Gläubigen die ers­ten Kon­takte zu Außer­ir­di­schen geknüpft. Wie viele Ver­bin­dun­gen braucht es wohl von Kevin Bacon bis zum Herr­scher über Alpha Centauri?

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  • ker0zene sagt:

    Laut Wiki­pe­dia (Deutsch und Eng­lisch) sowie IMDB​.com ist Bacon am 08.07.1958 gebo­ren — und wurde somit in die­sem Jahr 51 und nicht 60 Jahre alt. Ange­sichts sei­nes Aus­se­hens und sei­nes fil­mi­schen Schaf­fens halte ich die 51 für wahrscheinlicher.

    • erz sagt:

      Du hast abso­lut Recht! Jetzt ver­su­che ich gerade zu ergrün­den, was beim Edi­tie­ren der Grund für die 60 Jahre gewe­sen sein könnte. Aber »this day in history« lie­fert mir kein Ereig­nis, das der ursprüng­li­che Auf­hän­ger gewe­sen sein könnte, jeden­falls erin­nere ich mich nicht, eines davon in Betracht gezo­gen zu haben. Wenn Bacon die­ses Jahr 50 gewor­den wäre würde ich ja sofort von einem Mathefail mei­ner­seits aus­ge­hen, aber so…
      Da war irgend­was, ich weiß noch, dass ich den Anfang umschrei­ben musste. Verflixt!




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