Über Diskussionskultur, Wahrheitlichkeit und Berufsdemagogen

Was kön­nen wir von Thilo S. ler­nen? Wir leben in einem Zeit­al­ter der nor­ma­ti­ven Kraft der Öffent­lich­keit. Hin­ter der Wirk­macht von Öffent­lich­keit steht das Fak­ti­sche längst zurück. Schon vor Jah­ren prägte der ame­ri­ka­ni­sche Sati­ri­ker Ste­phen Col­bert das Wort der Trut­hi­ness. Trut­hi­ness (Wahr­heit­lich­keit) bezeich­net »Wahr­hei­ten«, die aus dem Bauch her­aus gefühlt wer­den und kei­ner ratio­na­len, logi­schen oder fak­ti­schen Über­prü­fung stand­hal­ten müs­sen. Wenn sol­che »Wahr­hei­ten« nur oft und laut genug wie­der­holt wer­den, wer­den sie in den Köp­fen der Men­schen zur Rea­li­tät. Dank Trut­hi­ness sind es nicht nur Mei­nun­gen, die jedem Men­schen frei zuste­hen. Mitt­ler­weile scheint auch jeder frei über Fak­ten ver­fü­gen zu dür­fen. […] → zu Ende lesen

WM-​​Taktikbericht: Ein Zwischenfazit

Zur WM habe ich mich auf tak­ti­sche Vari­an­ten gefreut und auf Inno­va­tio­nen durch Exo­ten gehofft. Anders als es die fast durch­weg nega­ti­ven Bewer­tun­gen der Vor­runde durch die Sport­be­richt­er­stat­tung erwar­ten lie­ßen, bin ich nicht ent­täuscht: Eine For­ma­tion ent­wi­ckelt sich spä­tes­tens mit die­sem Tur­nier vom Trend zum Stan­dard, wor­auf­hin neue For­ma­tio­nen erst rich­tig span­nend wer­den — und ein paar die­ser Ver­su­che, dem Stan­dard ein Schnipp­chen zu schla­gen waren gera­dezu spek­ta­ku­lär. […] → zu Ende lesen

Details bei der Fußballweltmeisterschaft

Die Bericht­er­stat­tung zur Welt­meis­ter­schaft in Süd­afrika ist breit gefä­chert: Neben der Auf­be­rei­tung für den Gele­gen­heits­fan fin­den sich dank des Medi­en­la­bors Inter­net auch Nischen für die Details des schö­nen Spiels. Wäh­rend das schon ein­schlä­gig zu nen­nende Zonal­mar­king sich bemüht, die Quan­ti­tät der Tak­ti­kana­ly­sen auf welt­meis­ter­li­ches Niveau zu heben, fin­den sich gra­fi­sche Detail­auf­nah­men auch auf Deutsch, zum Bei­spiel bei Johan Peter­sen. Eine beson­dere Perle möchte ich hier noch mal nach­drück­lich all jenen ans Herz legen, die Sport gerne aus wis­sen­schaft­li­cher Per­spek­tive betrachten:

Ross Tucker und Jona­than Dugass sind zwei Sport­wis­sen­schaft­ler aus Süd­afrika, deren Schwer­punkt in der Leis­tungs­dia­gnos­tik liegt. Auf »The Sci­ence of Sport« blog­gen sie dar­über, wie Tem­pe­ra­tur­un­ter­schiede sich auf Best­zei­ten im Mara­thon aus­wir­ken, über Doping, Ver­let­zungs­an­fäl­lig­keit, Trai­nings­steue­rung und mehr, und pünkt­lich zur WM im eige­nen Land blog­gen sie end­lich auch über Fuß­ball. […] → zu Ende lesen

Wie der Schmutz ins Internet kommt

Viele Medi­en­schaf­fende publi­zie­ren Bei­träge im Inter­net, mit denen sie sich an Debat­ten betei­li­gen wol­len. Man­che stel­len dafür sogar ihre eigene Platt­form zur Ver­fü­gung, auf der Leser sich mit eige­nen Bei­trä­gen betei­li­gen kön­nen. Wenn wir sol­che Platt­for­men als Gesprächs­an­ge­bote und die dar­auf statt fin­den­den Dis­kus­sio­nen als Gesprä­che betrach­ten, kön­nen wir eine drän­gende Frage der Platt­form­an­bie­ter neu bewer­ten: Wie kann ich die Qua­li­tät »mei­ner« Debat­ten stei­gern?

Für die Ana­lyse von Gesprä­chen gibt es sehr spe­zi­fi­sche wis­sen­schaft­li­che Modelle und Erklä­rungs­an­sätze. Erkennt­nisse der Sozio­lin­gu­is­tik, der Prag­ma­tik und der CMC-​​Forschung bie­ten sich als dank­bare Werk­zeuge an, neue Inter­pre­ta­tio­nen für das Wesen der Kom­men­tar­spal­ten im Inter­net zu fin­den. Denn vor der Frage nach dem »wie« sich die Qua­li­tät von Online­de­bat­ten stei­gern lässt, steht die Frage nach dem »warum«  diese Debat­ten so sind, wie sie sind. Dabei bie­tet kein Ansatz für sich eine all­um­fas­sende Lösung, aber jen­seits des anwen­dungs­be­zo­ge­nen Community-​​Managements sind einige theo­re­ti­sche Über­le­gun­gen der Sprach­wis­sen­schaf­ten ver­blüf­fend robust. Online­de­bat­ten ver­hal­ten sich tat­säch­lich häu­fig wie Gesprä­che. […] → zu Ende lesen

Spielbericht: Bayern München gegen Olympique Lyon

Die Tak­tik­ta­fel wurde in die­ser Woche bei einem Expe­ri­ment der taz in ein neues Medium trans­por­tiert. Dort möchte man sehen, ob eine tak­ti­sche Ana­lyse neben der klas­si­schen Spiel­be­richt­er­stat­tung funk­tio­niert und natür­lich schauen, wie die Leser so eine Neue­rung anneh­men. Ich selbst ver­su­che ja mit die­ser Reihe, das Inter­esse für die Hin­ter­gründe des beau­ti­ful game beim Leser zu wecken, die mög­li­che Erklä­rungs­an­sätze bie­ten, wie der Fuß­ball funk­tio­niert. Dabei wer­den zwar man­che Berei­che des Sports ent­my­tho­lo­gi­siert, dafür aber erkennt der Betrach­ter viel­leicht eine  unge­ahnte Kom­ple­xi­tät des Spie­les und neue, span­nende Ein­drü­cke, die Fuß­ball immer wie­der reiz­voll machen. Nicht zuletzt den Spaß an Spie­len, die »nur was für Tak­tik­freunde sind«, wie es manch­mal abfäl­lig heißt. Nicht sel­ten übri­gens zu unrecht, weil Spiele auch ein­fach nur grot­ten­lang­wei­lig sein kön­nen. […] → zu Ende lesen

Erfolg im Fußball: Das Glück erzwingen

Es waren erfolg­rei­che Wochen für den Bran­chen­pri­mus der Bun­des­liga. Für die Tak­tik­ta­fel aber deut­lich ergie­bi­ger als eine Dis­kus­sion über Erfolg ist die Erkennt­nis: Das Ball­ge­schiebe, mit dem die Bay­ern ab und zu noch am Durch­hal­te­wil­len fuß­bal­le­risch limi­tier­ter Bun­des­li­gis­ten schei­tern, folgt immer offen­sicht­li­cher einem Plan. Das kann man in einer Liga, deren Fans bis heute zu gro­ßen Tei­len dem Hel­den­fuß­ball und der Über­hö­hung des indi­vi­du­el­len Genius frö­nen, kaum über­be­wer­ten. Nach vorne rich­tet es bei Bay­ern eben nicht aus­schließ­lich die indi­vi­du­elle Klasse der Offen­siv­spie­ler. Die spie­le­ri­sche Domi­nanz, die der FCB beson­ders im Hin­spiel gegen United ent­wi­ckelte, wurde von flei­ßi­gen und dis­zi­pli­nier­ten Arbei­tern im Kol­lek­tiv erzeugt.

Natür­lich sind in einem Sport, des­sen Spiel­ziel im Ver­gleich zu ande­ren Sport­ar­ten sel­ten erreicht wird, Ein­zel­ak­tio­nen häu­fig ent­schei­dend. Viel häu­fi­ger als etwa beim Bas­ket­ball oder beim Hand­ball kann ein ein­zi­ger Moment, ein Dribb­ling, ein Tor­schuss, das kom­plette Spiel ent­schei­den. Eine Abseits­ent­schei­dung, der Pfos­ten oder eine Rasen­un­eben­heit aber eben auch. Fuß­ball ist wegen der gerin­gen Anzahl an Toren anfäl­lig für den Zufall. Favo­ri­ten schei­tern viel häu­fi­ger am Under­dog, als in ande­ren Sport­ar­ten. Erst in der Summe vie­ler Spiele glei­chen sich die Zufälle aus. Eine 20% höhere Erfolgs­wahr­schein­lich­keit macht sich irgend­wann in der Tabelle bemerk­bar. […] → zu Ende lesen



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