Parteien, politische Partizipation & Piraten

Wo kommen eigentlich Parteien her? Was motiviert Menschen, sich zu politischen Gruppierungen zusammenzuschließen oder sich als Wähler mit diesen Gruppierungen zu identifizieren? Und was hat das alles mit Seeräubern zu tun? Die Politikwissenschaftler Seymour Martin Lipset und Stein Rokkan haben im vergangenen Jahrhundert eine einflussreiche Theorie für die Parteienforschung etabliert, die Cleavage-Theorie, die einen Erklärungsansatz von bestechender Schlichtheit bietet: Gesellschaftliche Konflikte werden in Parteiensysteme übersetzt.

Damit ein Modell diese Übersetzung abbilden kann, werden Konflikte in Gegensatzpaare aufgespalten. Für das Modell wurden dabei vier entscheidende Konfliktlinien definiert. Der Konflikt um Machtstrukturen von Eliten (Zentrum vs Peripherie), der Konflikt um Klassenzugehörigkeit (Kapital vs Arbeit), der Konflikt um moralische Deutungshoheit (Religion vs Säkularität) und der Konflikt territorialer Zugehörigkeit (Stadt vs Land). Anhand dieser Polarisierungen lässt sich die Entwicklung der europäischen Parteien seit dem 19. Jahrhundert recht zuverlässig beschreiben und eine Zuordnung in Parteifamilien vornehmen. […] → zu Ende lesen

Von alten Medien lernen

Im ersten Teil dieser Reihe um Kompetenz in alten und neuen Medien haben wir die Grundannahme vorgestellt, dass Medien von ihren Nutzern geformt werden. Außerdem haben wir uns mit einigen Besonderheiten des Mediums Distributionskanals Internet beschäftigt. Heute wollen wir uns zum Ausgleich mit alten Medien beschäftigen und mit den Lehren, die wir für den Umgang mit neuen Medien daraus ziehen können. Denn auch wenn es konzeptionelle Unterschiede zwischen verschiedenen Medientypen gibt, darf man darüber deren Gemeinsamkeiten nicht vergessen: Es geht weniger darum, was ein Medium oder eine Technologie konzeptionell erlauben, als vielmehr darum, welche Konventionen sich für die Nutzung ergeben.

Alte Medien haben einen Reifungsprozess hinter sich, den wir als Erfahrungsschatz nicht vernachlässigen können. Viele der Konventionen übernehmen wir schließlich, ohne sie zu hinterfragen. Wir lesen auch im Internet von links nach rechts, wir benutzen Überschriften und Absätze, um Themen einzuführen und zu gruppieren. Wir klicken auf Pixel, die wie die Piktogramme auf unseren Kassettenrekordern aussehen, wenn wir ein Video starten wollen. All die Gewohnheiten, die wir im Umgang mit anderen Medien erworben haben, begegnen uns in neuen Medien wieder. […] → zu Ende lesen

Medienkompetenz und das Internet

Stand der Dinge: Alles ändert sich. Also alles wie immer in diesem Internet. Mancherorts führt das die elder statesmen der deutschen Netzpublizistik und Blogszene zu melancholischen Betrachtungen, das Zwischenfazit für Blogs fällt entsprechend nüchtern aus. Aber es wird ja bald Frühling, da erwacht auch der cabriofahrtwindgeföhnte Eulenspiegel mit der Hasskappe wieder aus dem Winterschlaf und schießt gegen den Wildwuchs der selbsterklärten Netzexperten und social-media-Berater. Worauf eine kluge Replik dem lesenden Betrachter offenbart, dass es tatsächlich Experten mit Sachverstand und Willen zum Diskurs auch in Deutschland gibt. Wie schon regelmäßig zuvor stellt sich trotzdem die Speerspitze der Netzevangelisten die Frage, wohin die Reise eigentlich geht und gibt einige Antworten gleich mit.

Der Wandel scheint stets von Außen zu kommen: Der vermeintlich heilige Gral der Onlinejournalismusfinanzierung wird in Gestalt einer proprietären Plattform aus Cupertino vorgestellt und die Hysterie der Verlagsmedien implodiert zur größten pro bono Werbekampagne aller Zeiten. Es gibt auch Medienmenschen, die kluge Fragen stellen: Wo sollen denn eigentlich die Inhalte herkommen, same old, same old wird auch auf der eierlegenden Wollmilchsau iPad nicht funktionieren. Ein Magazin aus Amerika legt vor und die Messlatte auf: Die Studie von Wired ist angesichts der dort vermutlich gebündelten Medienkompetenz (das Blatt wird regelmäßig in einschlägigen Schriften aus der CMC-Forschung zitiert) allerdings eher unterwältigend. […] → zu Ende lesen

Das Rubikonproblem im Fußball

Im letzten Teil der Taktiktafel haben wir erläutert, wie Entscheidungen das Spiel prägen. Darauf aufbauend wollen wir uns heute konkreten Beispielen widmen, wie gute Spieler ihre Entscheidungen treffen. Mein persönlicher Favorit ist der Schrecken deutscher Fans und internationaler Abwehrreihen. Womöglich werden wir sein Genie beim nächsten Championsleaguespiel der Rossoneri das letzte mal international bewundern dürfen. Filippo „Superpippo“ Inzaghi.

Inzaghi ist das positive Beispiel für eine Mischung aus Abschlußstärke (keine drei S in meinen Artikeln!) und Abgezocktheit. Wenn Pippo in der Nachspielzeit Elfmeter schindet, muss er ja erst mal einen Dummen finden, der ihn zu Fall bringt. Ein Freund von mir nannte Inzaghi den letzten Assassinen. Er erkennt die Schwäche seines Opfers, wie kein anderer Spieler, und beutet sie konsequent aus. So einen Spezialisten können Fans wohl nur lieben, wenn er für das eigene Team spielt. Alle anderen fürchten ihn. Anders als der grinsende Ohrschrauber macht Inzaghi aus seinen Absichten keinen Hehl und trägt die Aura des ruchlosen Killers mit Stolz. […] → zu Ende lesen

Ungewisse Zukunft

Die Australian Open sind das Grand Slam-Turnier mit den meisten Überraschungen. In down under stand einmal sogar ein gewisser Rainer Schüttler im Endspiel. Die diesjährige Auflage schreibt allerdings ihre eigenen Geschichten und hatte bislang, bis auf das Ausscheiden der amtierenden US Open-Champions Kim Clijsters und Juan Martin del Potro, wenig Sensationelles zu bieten. Auch der Sieg von Andy Murray im Viertelfinale nach Rafael Nadals Aufgabe gehört nicht in diese Kategorie. Das tragische Ausscheiden des Titelverteidigers wird dennoch in Erinnerung bleiben.

Verletzungspause, dritter Satz. Schmerzverzehrt wendet sich Rafael Nadal von seinem rechten Knie und den helfenden Händen des Physiotherapeuten ab. Nadal schaut sorgenvoll in den Melbourner Nachthimmel und der Eindruck entsteht, als müsse das spanische Kraftpacket die Tränen zurückhalten. Der Titelverteidiger der Australian Open kehrt zwar noch einmal auf den Platz zurück, nur wenige Minuten später ist es jedoch traurige Gewissheit. Rafael Nadal muss seine Viertelfinalbegegnung gegen den Briten Andy Murray aufgeben. […] → zu Ende lesen

Comeback im Kreis der Favoriten

Drei Tage sind die Australian Open 2010 nun bereits alt. Für hochklassiges Tennis garantierten bislang die Top-Spieler und Spielerinnen beim ersten Grand Slam-Event der jungen Saison. So kämpften US-Open-Champion Juan Martin del Potro und James Blake fast fünf Stunden um den Einzug in die dritte Runde – mit dem besseren Ende für den Argentinier, der 10:8 im entscheidenden Durchgang triumphierte. In Folge eins der Australian Open-Serie nimmt die Kontextschmiede ein Match in den Blick, zu dem es ungewöhnlich früh im Turnierverlauf kam. Justine Henin und Jelena Dementjewa begeisterten dabei 15 000 Zuschauer in der Rod Laver Arena. […] → zu Ende lesen



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