Medienkompetenz und das Internet

Stand der Dinge: Alles ändert sich. Also alles wie immer in die­sem Inter­net. Man­cher­orts führt das die elder sta­tes­men der deut­schen Netz­pu­bli­zis­tik und Blog­szene zu melan­cho­li­schen Betrach­tun­gen, das Zwi­schen­fa­zit für Blogs fällt ent­spre­chend nüch­tern aus. Aber es wird ja bald Früh­ling, da erwacht auch der cabrio­fahrt­wind­ge­föhnte Eulen­spie­gel mit der Hass­kappe wie­der aus dem Win­ter­schlaf und schießt gegen den Wild­wuchs der selbst­er­klär­ten Netz­ex­per­ten und social-​​media-​​Berater. Wor­auf eine kluge Replik dem lesen­den Betrach­ter offen­bart, dass es tat­säch­lich Exper­ten mit Sach­ver­stand und Wil­len zum Dis­kurs auch in Deutsch­land gibt. Wie schon regel­mä­ßig zuvor stellt sich trotz­dem die Speer­spitze der Net­zevan­ge­lis­ten die Frage, wohin die Reise eigent­lich geht und gibt einige Ant­wor­ten gleich mit.

Der Wan­del scheint stets von Außen zu kom­men: Der ver­meint­lich hei­lige Gral der Online­jour­na­lis­mus­fi­nan­zie­rung wird in Gestalt einer pro­prie­tä­ren Platt­form aus Cuper­tino vor­ge­stellt und die Hys­te­rie der Ver­lags­me­dien implo­diert zur größ­ten pro bono Wer­be­kam­pa­gne aller Zei­ten. Es gibt auch Medi­en­men­schen, die kluge Fra­gen stel­len: Wo sol­len denn eigent­lich die Inhalte her­kom­men, same old, same old wird auch auf der eier­le­gen­den Woll­milch­sau iPad nicht funk­tio­nie­ren. Ein Maga­zin aus Ame­rika legt vor und die Mess­latte auf: Die Stu­die von Wired ist ange­sichts der dort ver­mut­lich gebün­del­ten Medi­en­kom­pe­tenz (das Blatt wird regel­mä­ßig in ein­schlä­gi­gen Schrif­ten aus der CMC-​​Forschung zitiert) aller­dings eher unter­wäl­ti­gend. […] → zu Ende lesen

Das Rubikonproblem im Fußball

Im letz­ten Teil der Tak­tik­ta­fel haben wir erläu­tert, wie Ent­schei­dun­gen das Spiel prä­gen. Dar­auf auf­bau­end wol­len wir uns heute kon­kre­ten Bei­spie­len wid­men, wie gute Spie­ler ihre Ent­schei­dun­gen tref­fen. Mein per­sön­li­cher Favo­rit ist der Schre­cken deut­scher Fans und inter­na­tio­na­ler Abwehr­rei­hen. Womög­lich wer­den wir sein Genie beim nächs­ten Cham­pi­ons­lea­gue­spiel der Ross­o­neri das letzte mal inter­na­tio­nal bewun­dern dür­fen. Filippo »Super­pippo« Inz­aghi.

Inz­aghi ist das posi­tive Bei­spiel für eine Mischung aus Abschluß­stärke (keine drei S in mei­nen Arti­keln!) und Abge­zockt­heit. Wenn Pippo in der Nach­spiel­zeit Elf­me­ter schin­det, muss er ja erst mal einen Dum­men fin­den, der ihn zu Fall bringt. Ein Freund von mir nannte Inz­aghi den letz­ten Assas­si­nen. Er erkennt die Schwä­che sei­nes Opfers, wie kein ande­rer Spie­ler, und beu­tet sie kon­se­quent aus. So einen Spe­zia­lis­ten kön­nen Fans wohl nur lie­ben, wenn er für das eigene Team spielt. Alle ande­ren fürch­ten ihn. Anders als der grin­sende Ohr­schrau­ber macht Inz­aghi aus sei­nen Absich­ten kei­nen Hehl und trägt die Aura des ruch­lo­sen Kil­lers mit Stolz. […] → zu Ende lesen

Entscheidungen im Fußball — von der Individualtaktik zur Mannschaftstaktik

Das Bes­sere ist der Feind des Guten. Diese Fest­stel­lung gilt ins­be­son­dere für den sport­li­chen Wett­kampf, folg­lich auch für den Fuß­ball. Es geht in jeder Stua­tion des Spiels darum, die bes­se­ren Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Die Grund­la­gen für diese Ent­schei­dun­gen wer­den zwar im Trai­ning gelegt, aber jeder Trai­ner muss schließ­lich Adi Preiß­ler zustim­men: »Ent­schei­dend is auf’m Platz.«

Het moei­li­jkste voor een coach is de spe­lers de keuze te laten. Maar dat is wel wat het is; voet­bal is een keuzesport.

Louis van Gaal

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Das Wohlfühlprogramm der klassischen Nassrasur

Ein guter Vor­satz passt immer: Sich auch mal etwas Gutes tun. Manch­mal ist dafür die Rück­be­sin­nung auf alte Bräu­che das Mit­tel der Wahl. Frü­her war ja nicht alles schlechter.

Ganz im Gegen­teil sind man­che Ent­wick­lun­gen des Kon­sum­ver­hal­tens gera­dezu skur­ril. Wir kau­fen stän­dig Krem­pel, den wir nicht brau­chen. Pro­dukt­ent­wick­lung wird von der Mar­ke­ting­ab­tei­lung gesteu­ert, damit bunte Gim­micks in der Wer­bung Unter­scheid­bar­keit der sonst belie­bi­gen Mar­ken gewähr­leis­ten können.

Sys­tem­ra­sie­rer mit atom­ge­trie­be­ner Laser­vi­bra­tion und 12 beweg­li­chen, kryp­to­nit­be­schich­te­ten Klin­gen zum Bei­spiel bie­ten kaum Fort­schritt an Kom­fort. Dafür sind sie ein evo­lu­tio­nä­rer Höhe­punkt der wer­be­in­du­zier­ten Geld­ver­nich­tung. Im Bade­zim­mer­schrank ste­hen sie meist unweit eines Pro­duk­tes, das direkt aus der Hölle in die Super­markt­re­gale auf­steigt: Dosen­schaum. […] → zu Ende lesen

Culinary Short Cuts: Die Schokobombe

Ich sage es frei her­aus: Backen ist nicht meins. Irgend­wie fehlt mir das direkte Feed­back, die Mög­lich­keit, abschme­ckend in den Gar­pro­zess ein­grei­fen zu kön­nen. Wenn das Back­gut erst im Ofen ist, ist es zu spät für Kor­rek­tu­ren. Dem­ent­spre­chend muss sich der geneigte Hob­by­koch in Des­sert­fra­gen gera­dezu skla­visch an die Men­gen­an­ga­ben aus dem Rezept­buch hal­ten. Wohl dem, der eine auf das Mikro­gramm geeichte Küchen­waage hat.

Dum­mer­weise gehört zu einem voll­en­de­ten Menü auch ein Nach­tisch. Außer­dem gibt es immer wie­der Gele­gen­hei­ten, zu denen man einen Kuchen bei­steu­ern soll. So lange Kalo­rien oder Kakao­all­er­gie kein ein­schrän­ken­der Fak­tor sind, ist das fol­gende Rezept die Geheim­waffe der Back­muf­fel. Alle Zuta­ten kön­nen mit Hohl­ma­ßen wie Ess­löf­fel oder Tas­sen »abge­wo­gen« wer­den oder ein­fach nach Augen­maß ver­mengt. Wenn der geneigte Leser oder die Lese­rin sich nur ein Des­sert­re­zept aneig­nen möchte, dürfte die­ses das pas­sende sein. […] → zu Ende lesen

Position vs Funktion — Begriffsklärung für die Taktiktafel

Ein Pro­blem, dem der geneigte Leser und natür­lich auch die Lese­rin in der Dis­kus­sion um Tak­tik im Fuß­ball begeg­net sein mag, ist die man­gelnde Klar­heit der Begriffe, mit denen han­tiert wird. Bevor wir uns im Fol­gen­den mit Stra­te­gien zur Tor­ver­hin­de­rung oder erfolgs­träch­ti­gen Offen­siv­be­mü­hun­gen beschäf­ti­gen, ist es viel­leicht ange­bracht, ein wenig über diese Begriffe nach­zu­den­ken. Zwei häu­fig pro­ble­ma­ti­sche Begriffe sol­len zur Erläu­te­rung als Bei­spiel die­nen: Posi­tion und Funktion.

1. Posi­tion

Die gän­gi­gen Erklä­rungs­an­sätze zu tak­ti­schen Vari­an­ten im Fuß­ball gehen davon aus, dass räum­li­che Kon­trolle eine ent­schei­dende Größe für das Spiel sei. Felix Magath ver­glich Fuß­ball tat­säch­lich ein­mal mit Schach, weil es ins­be­son­dere darum ginge, die Posi­tio­nie­rung der Spiel­fi­gu­ren oder Spie­ler in beson­ders gefah­ren­träch­ti­gen Räu­men in der Mitte des Spiel­fel­des zu kon­trol­lie­ren. […] → zu Ende lesen



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