Emmet Brown und Bullshit-​​Science-​​Journalismus

Hui, was war der Emmet böse. Als mein Freund Emmet Brown mich unge­ach­tet der Zeit­ver­schie­bung diese Woche aus dem Bett klin­gelte, dachte ich schon, es sei ihm etwas zuge­sto­ßen. In gewis­ser Weise war es das auch, weil der Bou­le­vard näm­lich seine geliebte Wis­sen­schaft ver­ein­nahmt hatte. Das kann Emmet nicht auf die leichte Schul­ter neh­men, er ist schließ­lich Wis­sen­schaft­ler aus Lei­den­schaft. Wenn er auf den Titel­sei­ten am Kiosk liest, dass Libe­rale und Athe­is­ten einen höhe­ren IQ haben als Kon­ser­va­tive und dass Fremd­ge­her einen nied­ri­ge­ren IQ haben als treue Part­ner, dann fühlt er, der er eher agnos­tisch und viel­leicht auch libe­ral ist und trotz­dem kon­ser­va­tiv in sei­nem part­ner­schaft­li­chen Ver­hal­ten, sich nicht geschmei­chelt. Dann schril­len bei ihm alle Alarm­glo­cken und er möchte wis­sen, ob so eine markt­schreie­ri­sche Aus­sage auch stimmt.

Spä­tes­tens nach dem Satz »Wis­sen­schaft­ler haben her­aus­ge­fun­den, dass…« setzt näm­lich in den Redak­ti­ons­stu­ben die oft­mals eigen­ge­lobte Fak­ten­re­cher­che kom­plett aus und jeder Unsinn wird wie­der­ge­käut. Dass ein Jour­na­list sich auf fremde Exper­tise ver­lässt, bei einem Thema wo er aus­nahms­weise nicht das Gefühl hat, selbst aus­rei­chend Experte zu sein, um Mei­nung zu machen, finde ich eigent­lich nur mensch­lich und nicht ver­dam­mungs­wür­dig. Aber Emmet schreit mich durch den Hörer an, dass diese Schlag­zei­len ein Para­de­bei­spiel dafür lie­fern, was so grund­sätz­lich falsch läuft in der Bezie­hung von Wis­sen­schaft, Gesell­schaft und den ver­mit­teln­den Medien. Der wis­sen­schaft­li­che Arti­kel, der hin­ter der bou­le­var­des­ken Zuspit­zung steht, ist noch vor Abdruck in einem wis­sen­schaft­li­chen Maga­zin in den Medien lan­ciert wor­den. […] → zu Ende lesen

Emmet Brown und das Arbeitsamt

Ges­tern habe ich wie­der mit mei­nem Freund Emmet Brown tele­fo­niert. Emmet gehört zu dem, was man­che heute Pre­ka­riat nen­nen, einer sozia­len Grup­pie­rung von Men­schen, die in unsi­che­ren Ein­kom­mens­ver­hält­nis­sen leben. Weil Emmet sei­ner Pas­sion folgt, von der die glei­chen Leute, die das Wachs­tum des Pre­ka­ri­ats mit her­ab­las­sen­der Sorge betrach­ten, sagen, dass diese Pas­sion ein wich­ti­ges und schüt­zens­wer­tes Gut sei, wird er so schnell das Pre­ka­riat auch nicht ver­las­sen. Emmet ist näm­lich Wissenschaftler.

Für den sozia­len Auf­stieg ist seine Berufs­wahl wenig viel­ver­spre­chend. Lei­der ist er kei­ner die­ser Forschung-​​ist-​​die-​​beste-​​Medizin-​​ham-​​se-​​mal-​​ne-​​Milliarde-​​Euro-​​für-​​Schweinegrippe-​​Wissenschaftler, geschweige, dass er »was Ordent­li­ches« mit Tech­nik und so macht, son­dern ein Grund­la­gen­for­scher, dem es um den  finan­zi­ell irre­le­van­ten Gewinn von Erkennt­nis geht. Mit der Arbeit an Flu­x­kom­pen­sa­to­ren ist für »die Wirt­schaft« nun mal kein Staat zu machen. Emmet ver­zwei­felt aber nicht an der Unge­rech­tig­keit der Welt, son­dern kniet sich wei­ter in ein Leben ohne Wochen­en­den, pen­delt für For­schungs­pro­jekte regel­mä­ßig 600 Kilo­me­ter zwi­schen ver­schie­de­nen Labors hin und her und ist froh, dass er über­haupt einen Arbeits­ver­trag hat, der ihm seine For­schung und die Aus­bil­dung der nächs­ten Gene­ra­tion von Arbeits­su­chen­den ermög­licht. Dum­mer­weise läuft sein aktu­el­ler Ver­trag bald aus und weil Emmet wei­ter seine Miete(n) zah­len muss, wäh­rend er auf neue For­schungs­pro­jekte oder Lehr­auf­träge war­tet, wen­det er sich ans Arbeits­amt. […] → zu Ende lesen

Culinary Short Cuts: Die Schokobombe

Ich sage es frei her­aus: Backen ist nicht meins. Irgend­wie fehlt mir das direkte Feed­back, die Mög­lich­keit, abschme­ckend in den Gar­pro­zess ein­grei­fen zu kön­nen. Wenn das Back­gut erst im Ofen ist, ist es zu spät für Kor­rek­tu­ren. Dem­ent­spre­chend muss sich der geneigte Hob­by­koch in Des­sert­fra­gen gera­dezu skla­visch an die Men­gen­an­ga­ben aus dem Rezept­buch hal­ten. Wohl dem, der eine auf das Mikro­gramm geeichte Küchen­waage hat.

Dum­mer­weise gehört zu einem voll­en­de­ten Menü auch ein Nach­tisch. Außer­dem gibt es immer wie­der Gele­gen­hei­ten, zu denen man einen Kuchen bei­steu­ern soll. So lange Kalo­rien oder Kakao­all­er­gie kein ein­schrän­ken­der Fak­tor sind, ist das fol­gende Rezept die Geheim­waffe der Back­muf­fel. Alle Zuta­ten kön­nen mit Hohl­ma­ßen wie Ess­löf­fel oder Tas­sen »abge­wo­gen« wer­den oder ein­fach nach Augen­maß ver­mengt. Wenn der geneigte Leser oder die Lese­rin sich nur ein Des­sert­re­zept aneig­nen möchte, dürfte die­ses das pas­sende sein. […] → zu Ende lesen

Falsche Freunde im Fußball

Als fal­schen Freund bezeich­net man in Leh­rer­krei­sen jene Voka­beln einer Fremd­spra­che, die sich so sehr anhö­ren wie ein Wort aus der Mut­ter­spra­che, dass der Schü­ler gerne annimmt, das Wort schon zu ken­nen. Zwar fin­den sich ab und an tat­säch­lich Wör­ter in einer Fremd­spra­che, die der eige­nen Spra­che ent­lehnt sind. Lei­der ist die Bedeu­tung von gleich­lau­ten­den Wör­tern jedoch häu­fig grund­ver­schie­den. Ein eng­li­sches genie zum Bei­spiel ist ein deut­scher Fla­schen­geist. Die­ses Pro­blem, dass sich schein­bar bekannte Inhalte in ver­trau­ten Aus­sa­gen ver­ber­gen, macht auch vor dem Fuß­ball nicht halt.

Der Gefoulte schießt nie selbst: Ziem­lich egal und aus­län­di­schen Stür­mern ein ungläu­bi­ges Kopf­schüt­teln wert.Wenn über Fuß­ball gespro­chen wird besteht immer der Bedarf, die Kom­ple­xi­tät des Fuß­balls auf ein­fa­che Aus­sa­gen zu redu­zie­ren. Dabei scheint es den Prot­ago­nis­ten der Bericht­er­stat­tung aller­dings mehr um Kna­ckig­keit als um Rich­tig­keit der Aus­sage zu gehen. Ein Phra­sen­schwein adelt All­ge­mein­plätze noch zusätz­lich — anstatt hohle Phra­sen als sinn­frei zu ent­lar­ven, bekom­men sie den Anstrich der tri­via­len Sinn­haf­tig­keit. Dadurch wird die Ten­denz, dass im Fuß­ball alte Weis­hei­ten nie über­prüft wer­den, noch geför­dert: Die alten Sinn­sprü­che wer­den durch bloße Wie­der­ho­lung zur unan­greif­ba­ren Wahr­heit und es kom­men stets neue hinzu. Roland Loy ver­rich­tet im wahrs­ten Sinne Sisy­phus­ar­beit, wenn er ver­sucht, mit fal­schen »Wahr­hei­ten« auf­zu­räu­men. […] → zu Ende lesen

Nobelpreis Schmobelpreis

Bes­ser­wis­ser aller­or­ten. Was haben sich die Spin­ner aus Nor­we­gen gedacht, die­sen Barack Obama, von dem man nun lang­sam wirk­lich genug gehört hat, auch noch zum Preis­trä­ger zu ernen­nen? »Der Preis kommt zu früh.« Die­ser Satz ist selbst preis­ver­däch­tig, ent­larvt er doch das Poli­tik­ver­ständ­nis und die Arro­ganz der vie­len Kom­men­ta­to­ren, die  schon Mei­nun­gen zum Nobel­preis­trä­ger in die Welt posaun­ten, bevor der Preis­trä­ger selbst über­haupt eine Erklä­rung abge­ge­ben hatte. Vom Blät­ter­wald bis zur Blo­go­sphäre wird an der Ent­schei­dung herumgekrittelt.

Bevor ich mich dem all­ge­mei­nen Rum­ge­meine anschließe, mal etwas Grund­sätz­li­ches vor­weg: Das Nobel­preis­ko­mi­tee schul­det mir, dem Heer der übri­gen poli­ti­schen Kom­men­ta­to­ren und im Grunde auch dem Rest der Welt ganz genau: Nichts. Schon gar keine Rechen­schaft. Pres­ti­ge­träch­tig wird ein Preis erst in den Augen des Publi­kums — dar­aus lässt sich aber noch lange kein Anspruch ablei­ten, dass die eige­nen Vor­lie­ben die der Juro­ren seien. Ganz im Gegen­teil gewinnt neben dem Preis­trä­ger der Preis selbst an Auf­merk­sam­keit, wenn er kon­tro­vers dis­ku­tiert wird.  Da macht das Biss­chen Geld den Kohl nicht fett. Herz­li­chen Glück­wunsch nach Oslo, man redet wie­der über euch und setzt sich sogar mit den Moti­ven eures Stif­tungs­grün­ders aus­ein­an­der. So viel Wirk­macht war ihm lange nicht ver­gönnt, dem guten Alfred Nobel. […] → zu Ende lesen

Das Schmiedefeuer schüren

Die Kon­text­schmiede ist zurück. Unsere Auto­ren kön­nen also wie­der Absei­ti­ges und Main­strea­mi­ges ganz nach ihrem Geschmack auf­be­rei­ten und so ver­schie­dene Aus­schnitte der Gesell­schaft betrachten.

Wir kate­go­ri­sie­ren unsere Arti­kel in drei Rubriken:

  1. Gesell­schaft — Hier fin­den sich alle Arti­kel, die sich mit den Struk­tu­ren, Gesetz­mä­ßig­kei­ten und Phä­no­me­nen mensch­li­chen Lebens und Zusam­men­le­bens beschäf­ti­gen. Hier hin­ein gehö­ren nun auch die Struk­tu­ren von Macht und Geld, die mensch­li­ches Zusam­men­le­ben prägen.
  2. Kul­tur — Hier fin­den sich alle Arti­kel, die sich mit den Pro­duk­ten des mensch­li­chen Geis­tes befas­sen. Vom Lager­feuer bis zur Licht­schwert­cho­reo­gra­phie und dar­über hinaus.
  3. Sport — Gehört nach unse­rem Ver­ständ­nis ja eigent­lich zur Kul­tur. Aber wir sind so fas­zi­niert davon, dass wir dem Thema eine eigene Rubrik gön­nen. So kön­nen Sport­muf­fel auch unge­stört den Kul­tur­teil durchstöbern.

Ab und zu bemü­hen wir uns in einem Arti­kel ganz beson­ders darum, Zusam­men­hänge her­zu­stel­len, neue Per­spek­ti­ven zu ent­de­cken und grif­fige Beschrei­bun­gen dafür zu fin­den. Sol­che Arti­kel wer­den von der Gemein­schaft der Stamm­au­to­ren redak­tio­nell beglei­tet und mit der Kenn­zeich­nung »K« gekürt. Diese fin­det sich neben allen ande­ren Metain­for­ma­tio­nen in Zukunft am lin­ken Rand eines Artikels.

Dort fin­den sich dann auch die Tags, die wir Attri­bute nen­nen, weil sie bei uns Infor­ma­tio­nen zur Art eines Arti­kels lie­fern, nicht aber zum Inhalt. Das Attri­but zeit­los etwa bedeu­tet nur, dass der Arti­kel unse­rer Mei­nung nach auch unab­hän­gig vom Tages­ge­sche­hen noch Rele­vanz hat und jeder­zeit inter­es­sant zu lesen sein könnte. Über den the­ma­ti­schen Gehalt des Arti­kels sagt es nichts.

Auf ein Neues also — in neuem Gewand mit locke­rer Gelas­sen­heit; wir hof­fen es gefällt. Viel Spaß beim Lesen.



  • Über uns

    Die Kon­text­schmiede ist eine Platt­form für junge Auto­ren, auf der ein brei­tes Spek­trum von gesell­schaft­lich rele­van­ten The­men abge­deckt wird. Die Bei­träge sol­len Zusam­men­hänge, Hin­ter­gründe und Ana­ly­sen bie­ten und Inhalte stets in einen Kon­text ein­bet­ten, der neue Per­spek­ti­ven eröffnet.

↑ Springe zum Seitenanfang

An der Technik der Kontextschmiede wird beständig gefeilt. Für Fehler bitten wir um Nachsicht. © Kontextschmiede