Über Diskussionskultur, Wahrheitlichkeit und Berufsdemagogen

Was kön­nen wir von Thilo S. ler­nen? Wir leben in einem Zeit­al­ter der nor­ma­ti­ven Kraft der Öffent­lich­keit. Hin­ter der Wirk­macht von Öffent­lich­keit steht das Fak­ti­sche längst zurück. Schon vor Jah­ren prägte der ame­ri­ka­ni­sche Sati­ri­ker Ste­phen Col­bert das Wort der Trut­hi­ness. Trut­hi­ness (Wahr­heit­lich­keit) bezeich­net »Wahr­hei­ten«, die aus dem Bauch her­aus gefühlt wer­den und kei­ner ratio­na­len, logi­schen oder fak­ti­schen Über­prü­fung stand­hal­ten müs­sen. Wenn sol­che »Wahr­hei­ten« nur oft und laut genug wie­der­holt wer­den, wer­den sie in den Köp­fen der Men­schen zur Rea­li­tät. Dank Trut­hi­ness sind es nicht nur Mei­nun­gen, die jedem Men­schen frei zuste­hen. Mitt­ler­weile scheint auch jeder frei über Fak­ten ver­fü­gen zu dür­fen. […] → zu Ende lesen

Manifest eines Fußballpuristen

Respek­tiere das Spiel. Es beginnt und endet auf dem Platz. Alles andere ist Nebensache.

Lerne das Spiel lesen, nicht die Ergebnisse.

Widme deine Lei­den­schaft dem Spiel, nicht der see­len­lo­sen Hülle des Events.

Teile deine Lei­den­schaft mit anderen.

Medienkompetenz ist soziale Kompetenz

Wie­der ein­mal zer­bre­chen kluge Köpfe sich den ihri­gen, Regeln auf­zu­stel­len für den Umgang, den Men­schen mit­ein­an­der pfle­gen.  Mensch­li­ches ist den Nut­zern des Inter­nets zwar schon lange ver­traut, doch die tech­ni­schen Ver­bin­dun­gen des Net­zes ent­pup­pen sich schließ­lich auch den Lord­sie­gel­be­wah­rern des rich­ti­gen Lebens im Unge­ho­bel­ten als soziale Bande. Nun gilt es, Eti­ket­te­ver­stöße die­ses digi­ta­len Men­schelns anzu­grei­fen. Wer bes­ser als der Name Knigge stünde für ein Unter­fan­gen, Rat zu bie­ten wider die Fall­stri­cke des Sozia­len Net­zes? Wie sich her­aus­stellt: Jeder mit einer Spur von Medienkompetenz.

Der 2005 als Mar­ke­ting­platt­form für teil­neh­mende Benimm­be­ra­ter und –Auto­ren gegrün­dete Knigge-​​Rat hat in einer Pres­se­mit­tei­lung »[…] die For­de­rung von Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin Ilse Aigner nach neuen Ver­hal­tens­re­geln im Netz auf­ge­grif­fen und einen Social-​​Media-​​Knigge erar­bei­tet.« Das Ergeb­nis ist eine Kata­stro­phe. Gleich­zei­tig ist es ein gutes Bei­spiel für die These, dass Medi­en­kom­pe­tenz zu nicht gerin­gen Tei­len soziale Kom­pe­tenz ist. Für Umgangs­for­men gilt: Es gibt kaum »rich­ti­ges Beneh­men«. Es gibt nur ange­mes­se­nes Ver­hal­ten. […] → zu Ende lesen

Seid gegrüßt, Euer Diskurshoheit

Der päpst­li­che Bann­strahl trifft den deut­schen Dis­kurs an emp­find­li­cher Stelle. Der des Sprach­paps­tes, wohl­ge­merkt. »Geschwätz«, hat er gesagt, und qua sei­nes Amtes wird damit einem Groß­teil der­je­ni­gen, die sich der deut­schen Spra­che für ihre Teil­nahme an öffent­li­chen Gesprä­chen bedie­nen, die Daseins­be­rech­ti­gung in die­sen Dis­kur­sen abgesprochen.

Wolf Schnei­der hat in sei­nem Leben sicher­lich viel Rich­ti­ges gesagt. Wo er jedem Auto­ren, jeder Auto­rin emp­fiehlt, sich selbst der größte Kri­ti­ker zu sein, da fällt es schwer, ihm nicht bei­zu­pflich­ten, der er gleich­zei­tig ein gro­ßer Fan sei­nes eige­nen Schaf­fens ist. Wolf Schnei­der tut aller­dings trotz all sei­ner Bemü­hun­gen um klare Spra­che und Ver­ständ­lich­keit dem Dis­kurs nicht nur unrecht, er beschä­digt ihn durch seine bloße Anwe­sen­heit. Dafür kann er nichts, zumin­dest wird er es kaum gewollt haben. Und doch ist es seine Funk­tion in die­sem Dis­kurs, die Rolle als Sprach­papst, als letzt­in­stanz­li­che Auto­ri­tät, die ihn zum trau­ri­gen Fanal des Schei­terns von Ver­stän­di­gung macht. […] → zu Ende lesen

Von alten Medien lernen

Im ers­ten Teil die­ser Reihe um Kom­pe­tenz in alten und neuen Medien haben wir die Grund­an­nahme vor­ge­stellt, dass Medien von ihren Nut­zern geformt wer­den. Außer­dem haben wir uns mit eini­gen Beson­der­hei­ten des Medi­ums Inter­net beschäf­tigt. Heute wol­len wir uns zum Aus­gleich mit alten Medien beschäf­ti­gen und mit den Leh­ren, die wir für den Umgang mit neuen Medien dar­aus zie­hen kön­nen. Denn auch wenn es kon­zep­tio­nelle Unter­schiede zwi­schen ver­schie­de­nen Medi­en­ty­pen gibt, darf man dar­über deren Gemein­sam­kei­ten nicht ver­ges­sen: Es geht weni­ger darum, was ein Medium oder eine Tech­no­lo­gie kon­zep­tio­nell erlau­ben, als viel­mehr darum, wel­che Kon­ven­tio­nen sich für die Nut­zung ergeben.

Alte Medien haben einen Rei­fungs­pro­zess hin­ter sich, den wir als Erfah­rungs­schatz nicht ver­nach­läs­si­gen kön­nen. Viele der Kon­ven­tio­nen über­neh­men wir schließ­lich, ohne sie zu hin­ter­fra­gen. Wir lesen auch im Inter­net von links nach rechts, wir benut­zen Über­schrif­ten und Absätze, um The­men ein­zu­füh­ren und zu grup­pie­ren. Wir kli­cken auf Pixel, die wie die Pik­to­gramme auf unse­ren Kas­set­ten­re­kor­dern aus­se­hen, wenn wir ein Video star­ten wol­len. All die Gewohn­hei­ten, die wir im Umgang mit ande­ren Medien erwor­ben haben, begeg­nen uns in neuen Medien wie­der. […] → zu Ende lesen

Wozu noch Feminismus in Blogs? Eine Frage der Perspektive

Die Frauen im deut­schen Netz­dis­kurs ver­schaf­fen sich gerade mäch­tig Gehör — gemes­sen an der Laut­stärke, die sie bis­lang an den Tag leg­ten. Als Anne Roth im Frei­tag die Frage stellte, warum es keine Frauen unter den mei­nungs­füh­ren­den deut­schen Blog­gern gäbe, bekam die­ses oft­mals unbe­merkt vor sich hin köchelnde Thema Öffent­lich­keit. Dar­auf­hin wurde sie von Phi­lip Banse für seine dctp.tv-Interviewreihe mit Blog­gern befragt. Zeit­nah gab es eine Wahl zur Blog­ge­rin des Jah­res und damit ein­her ging ein wei­te­rer Zuwachs an Öffent­lich­keit femi­ni­ner und femi­nis­ti­scher Dis­kurse. Denn viele der betei­lig­ten Blog­ge­rin­nen beken­nen sich zu Femi­nis­mus, Frau­en­rech­ten und Geschlechterdebatten.

Prompt wer­den sie dafür ange­fein­det. Selbst wenn wir die Trolle und Idio­ten ver­nach­läs­si­gen, die um des Rad­aus wil­len oder aus über­zeug­ter Igno­ranz gegen sol­che Eman­zi­pa­ti­ons­be­mü­hun­gen anstän­kern, müs­sen wir fest­stel­len: Der Teil des Net­zes, in dem Mei­nung gemacht wird, ist ein von Män­nern domi­nier­ter Dis­kurs­raum und damit ein Para­de­bei­spiel für patri­ar­cha­li­sche Struk­tu­ren. Die Stim­men von Frauen wer­den mar­gi­na­li­siert, auch auf­ge­klärte, moderne Män­ner betrei­ben unwil­lent­lich bestän­dig othe­ring und gemäß dem Wesen von struk­tu­rel­ler Dis­kri­mi­nie­rung arbei­ten auch Frauen an der Bestä­ti­gung fremd­be­stimm­ter Selbst­bil­der mit.

Wie sehr die eigene Per­spek­tive von einem patri­ar­cha­li­schen Sys­tem und den darin begrün­de­ten Erwar­tun­gen geprägt ist? Der geneigte Leser und auch die geneigte Lese­rin möge sich fra­gen: Was sind vier erfolg­ver­spre­chende Ver­hal­tens­re­geln, die Frauen Schutz vor Ver­ge­wal­ti­gung bie­ten? […] → zu Ende lesen



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