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	<title>Kontextschmiede &#187; Menschliches</title>
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	<description>Wir schaffen Zusammenhänge</description>
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		<title>Wozu noch Feminismus in Blogs? Eine Frage der Perspektive</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 10:53:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[meinungsstark]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Frauen im deutschen Netzdiskurs verschaffen sich gerade mächtig Gehör — gemessen an der Lautstärke, die sie bislang an den Tag legten. Als Anne Roth im Freitag die Frage stellte, warum es keine Frauen unter den meinungsführenden deutschen Bloggern gäbe, bekam dieses oftmals unbemerkt vor sich hin köchelnde Thema Öffentlichkeit. Daraufhin wurde sie von Philip [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Frauen im deutschen Netzdiskurs verschaffen sich gerade mächtig Gehör — gemessen an der Lautstärke, die sie bislang an den Tag legten. Als <a  title="Wichtige Blogs" href="http://www.freitag.de/community/blogs/anne-roth/wichtige-blogs" target="_blank">Anne Roth im Freitag</a> die Frage stellte, warum es keine Frauen unter den meinungsführenden deutschen Bloggern gäbe, bekam dieses oftmals unbemerkt vor sich hin köchelnde Thema Öffentlichkeit. Daraufhin wurde sie von Philip Banse für seine <a  title="Philip Banse befragt unter anderem Anne Roth" href="http://philipbanse.de/wp/blogger-interviews-fur-dctp-tv-3/" target="_blank">dctp.tv-Interviewreihe</a> mit Bloggern befragt. Zeitnah gab es eine Wahl zur <a  title="Mädchenmannschaft: Nominierungen zur Bloggerin des Jahres 2009" href="http://maedchenmannschaft.net/jetzt-abstimmen-die-bloggerin-des-jahres/" target="_blank">Bloggerin des Jahres</a> und damit einher ging ein weiterer Zuwachs an Öffentlichkeit femininer und feministischer Diskurse. Denn viele der beteiligten Bloggerinnen bekennen sich zu Feminismus, Frauenrechten und Geschlechterdebatten.</p>
<p>Prompt <a  title="Nochmal die Mädchenmannschaft: Ihr durchtriebenen, miesen Fotzen" href="http://maedchenmannschaft.net/ihr-durchtriebenen-miesen-fotzen/" target="_blank">werden sie dafür angefeindet</a>. Selbst wenn wir die Trolle und Idioten vernachlässigen, die um des Radaus willen oder aus überzeugter Ignoranz gegen solche Emanzipationsbemühungen anstänkern, müssen wir feststellen: Der Teil des Netzes, in dem Meinung gemacht wird, ist ein von Männern dominierter Diskursraum und damit ein Paradebeispiel für <a  title="Wikilink: Androzentrismus" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Androzentrismus" target="_blank">patriarchalische </a>Strukturen. Die Stimmen von Frauen werden marginalisiert, auch aufgeklärte, moderne Männer betreiben unwillentlich beständig<em> <a  title="Wikilink: Othering" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Othering" target="_blank">othering</a></em> und gemäß dem Wesen von struktureller Diskriminierung arbeiten auch Frauen an der Bestätigung fremdbestimmter Selbstbilder mit<em>.</em></p>
<p>Wie sehr die eigene Perspektive von einem patriarchalischen System und den darin begründeten Erwartungen geprägt ist? Der geneigte Leser und auch die geneigte Leserin möge sich fragen: <strong>Was sind vier erfolgversprechende Verhaltensregeln, die Frauen Schutz vor Vergewaltigung bieten?</strong><span id="more-2526"></span></p>
<p>Jetzt runterscrollen.</p>
<p>Weiter.</p>
<p>OK.</p>
<ol>
<li>Wenn Du eine Frau siehst, die aufreizende, dich sexuell stimulierende Kleidung trägt, versuche, das nicht als Einladung zur Vergewaltigung zu verstehen.</li>
<li>Wenn Dir beim Ausgehen eine Frau begegnet, die sich ohne Begleitung zum Vergnügen bis zur Besinnungslosigkeit betrinkt, schließe nicht daraus, dass sie vergewaltigt werden will.</li>
<li>Wenn Deine Frau oder Freundin keine Lust hat, mit Dir zu schlafen, auch wenn sie es sich erst im Bett anders überlegt, bemühe Dich, diesen Wunsch zu respektieren und sie nicht zu vergewaltigen.</li>
<li>Wenn du alleine in eine unbeleuchtete Gegend gehen willst und Angst hast, deinen Trieb nicht kontrollieren zu können, falls eine Frau dir dort begegnen würde, rufe einen Freund an und bitte ihn, auf dich aufzupassen.</li>
</ol>
<p>Bei einer kleinen Stichprobe im Freundeskreis antworteten auch gut ausgebildete, emanzipierte Frauen spontan, dass ein guter Rat vielleicht sei, nicht zu kurze Röcke zu tragen. So sehr ist unser Weltbild von Denkstrukturen traditioneller Rollenklischees geprägt. Die Frau muss sich dem Mann anpassen. Implizit wird ihr sogar noch eine Mitschuld zugesprochen, wenn sie vergewaltigt wird. Und da fragt sich mancher ernsthaft, ob es vielleicht mal langsam Gut sei, mit Emanzipation?</p>
<h4>Für mehr Diversität im Blogmainstream</h4>
<p>Die Umkehrung der Perspektive aus dem obigen Beispiel konnte ich bis zu diesem <a  title="How to prevent rape: Tips for Men" href="http://womensstudies.homestead.com/tipsformen.html" target="_blank">Beitrag von Jennifer Robinson</a> verfolgen. Kluge Beobachtungen über die Privilegien von Männern und in amerikanischer Perspektive besonders die des weißen Mittelschichtsmannes, des »defaults«, finden sich bei <a  title="The male privilege checklist" href="http://www.amptoons.com/blog/the-male-privilege-checklist/" target="_blank">Alas</a>.</p>
<blockquote><p>Das erste Privileg der Weißen, von Männern, Mitgliedern bessergestellter Gesellschaftsschichten, der Heterosexuellen, der Nichtbehinderten ist, völlig in Ignoranz der Tatsache zu leben, dass sie privilegiert sind.</p>
<p><cite>Unbekannt</cite></p>
</blockquote>
<p>Flannel apparel war im letzten Jahr von der <a  title="flannel apparel: Helden in Hosenträgern" href="http://flannelapparel.blogspot.com/2009/04/helden-in-hosentragern.html" target="_blank">Bräsigkeit altherrlichen Alphabloggertums</a> schon ermüdet. Die Mädchenmannschaft arbeitet nicht erst seit der <a  title="Rückblick auf die re:publica 2009 aus feministischer Perspektive" href="http://maedchenmannschaft.net/ein-resumee/" target="_blank">vergangenen re:publica</a> an einer Vernetzung weiblicher Stimmen im Internet und ist vorsichtig optimistisch, dass die neue Öffentlichkeit auch erhöhte Wahrnehmung für ihre Anliegen mitbringt. Trotz dem Anne Roth mir auf Anfrage beschied, dass sie so kurz nach ihrem Interview außer leicht erhöhten Leserzahlen noch keinen eindeutigen Effekt ihres Wirkens auf die Blogosphäre feststellen könne (allerdings gebe es mehr Anfragen seitens der alten Medien), habe ich das Gefühl, dass mir Beiträge von Frauen in letzter Zeit häufiger aufgefallen sind als früher.</p>
<p>Das mag damit zu tun haben, dass ich jetzt sensibilisiert bin und darauf achte, von wem die Texte stammen. Aber ich glaube, dass gerade auch feministische Themen bei Aggregatoren wie Rivva in letzter Zeit vermehrt auftauchen. Die <a  title="Über Medien, Datenschutz, Journalismus, Blogs, Frauen und vieles mehr" href="http://opalkatze.wordpress.com/" target="_blank">Opalkatze</a> antwortete mir, sie habe sicher an Einfluss gewonnen. Der Erfolg sei messbar in Anfragen wie der meinen,und die Verlinkung bei Christiane Schulzki-Haddoutis <a  title="Kooperative Technologien in der sozial-medialen Revolution" href="http://blog.kooptech.de/" target="_blank">kooptech</a> (übrigens fallen mir neben ihr viele weitere Frauen aus meinem Feedreader ein, die auch ohne Topplatzierung in den Blogcharts sicher hohe Relevanz in ihren Themenbereichen haben), <a  title="Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit" href="http://carta.info/" target="_blank">Carta</a> und dem <a  title="Ein Watchblog für deutsche Medien" href="http://www.bildblog.de/" target="_blank">Bildblog</a> hätten sicher nicht geschadet.</p>
<p>Da scheint mein Eindruck vielleicht doch nicht zu trügen. Bleibt zu hoffen, dass die Diversität der deutschen Blogosphäre weiter zunimmt und die Vernetzung gleich mit. Und dass das erste Privileg der Privilegierten nicht länger Bestand haben möge.</p>
<p><em>Nachtrag 28.2. 22:00: Während ich den Artikel schrieb, wurde in der Piratenpartei gerade wieder eine Diskussion um den »Postfeminismus« losgetreten. Auch wenn ich persönlich Gründe für und wider den Stein des Anstoßes nachvollziehen kann, ein geschlossenes Forum in der Piratenpartei als Schutzraum für eine Diskussion unter Frauen einzurichten, so hoffe ich doch mich mit diesem Artikel eindeutig gegen die Annahme ausgesprochen zu haben, irgendetwas in unserer Gesellschaft und sei es auch die Piratenpartei, sei »Post-Gender«.</em></p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/wozu-noch-feminismus-in-blogs-eine-frage-der-perspektive//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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<li><a href='http://kontextschmiede.de/medienkompetenz-und-das-internet/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Medienkompetenz und das Internet'>Medienkompetenz und das Internet</a></li>
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		<title>Wie Elisabeth Wienbeck ihr Herz an Afghanistan verlor</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 12:32:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>maks</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschliches]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Würde der Menschen in Afghanistan wird auch in Deutschland von Menschen wie Elisabeth Wienbeck gestützt und getragen. Recht auf Bildung, Recht auf Gesundheit, letztendlich Recht auf Leben wird für die afghanische Bevölkerung nicht mit der Waffe in der Hand und nicht von Angst hinter Panzerglas gewährleistet, sondern mit Hilfe jener Menschen verwirklicht, die sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>D<em>ie Würde der Menschen in Afghanistan wird auch in Deutschland von Menschen wie Elisabeth Wienbeck gestützt und getragen. Recht auf Bildung, Recht auf Gesundheit, letztendlich Recht auf Leben wird für die afghanische Bevölkerung nicht mit der Waffe in der Hand und nicht von Angst hinter Panzerglas gewährleistet, sondern mit Hilfe jener Menschen verwirklicht, die sich von ihrem Gewissen und ihrer Neugier leiten lassen. Von diesen stillen Helden berichtet Maksim Hartwig.</em></p>
<p>Düsseldorf im Winter 2010. Hinter dem Botanischen Garten der Heinrich-Heine-Universität steht ein Reihenhaus. Am Hauseingang ist ein Namensschild angebracht: »Wienbeck«. Alles, was ich hinter dieser Tür erfahren werde, liegt fern von diesem Ort. Afghanistan ist weit weg, und dennoch fand das Land einen Platz im Herzen des Menschen, der mir mit einem ruhigen und freundlichen Lächeln die Tür öffnet. Das Leben von Elisabeth Wienbeck ist unzertrennlich mit Afghanistan und seinen Menschen verbunden. »Das Afghanistan-Virus hat mich erwischt«, erklärt sie und im gleichen Atemzug: »Man wird unweigerlich davon befallen, wenn man einmal in das Land gereist ist und dort Menschen kennen gelernt hat.« Ich will versuchen, dieses »Virus« zu verstehen…<span id="more-2295"></span></p>
<p>Elisabeth Wienbeck macht ihre erste Erfahrung mit Afghanistan im Sommer 2003. Dort wird sie zu einer Schule am Rande von Kabul geführt. Die Schule wurde während des Krieges zerstört und ist eigentlich nicht für offizielle Besuche gedacht. Kinder sitzen im Freien entlang einer hohen Mauer, die früher einmal die Rückwand ihrer Klassenräume war. Viele finden keinen Platz im Schatten. Sie sitzen in Gruppen auf dem lehmigen Boden und lauschen aufmerksam ihren Lehrern oder hören den Mitschülern zu, die vor der Klasse etwas vortragen. Jungs und Mädchen sitzen getrennt. Ein Platz unter freiem Himmel, der von einer hohen Mauer umschlossen ist – eine Schule, wie sie in ähnlicher Form auch an vielen anderen Orten in Afghanistan zu finden ist. Aber lieber eine solche Schule als gar keine: Viele afghanische Kinder, besonders Mädchen, haben keine Chance auf Bildung. Frauen mit Ausbildung sind noch selten erwünscht in Afghanistan.</p>
<div id="attachment_2415" class="wp-caption alignright"><img class="size-medium wp-image-2415" src="http://kontextschmiede.de/wpkontext_333/wp-content/uploads/Maedchenschule_Gulbahar_Unterricht2-348x400.jpg" alt="Lehrerin in Afghanistan" width="348" height="400" /><span class="wp-caption-text">Mit freundlicher Genehmigung von Elisabeth Wienbeck</span></div>
<p>Seit ihrem Besuch dieser Schule engagiert sich Elisabeth Wienbeck als Schulbeauftragte in dem Verein <a  href="http://http://www.bildung-fuer-afghanistan.de/">Bildung für Afghanistan e.V. (BfA)</a>. Drei Mädchenschulen und eine Schule für Jungs werden vom Verein getragen. Die erste Mädchenschule, »Malalai«, die der Verein bauen ließ, wurde im Dorf Lalam errichtet. Das Dorf liegt in der Provinz Wardak, einer im Süd-Westen an Kabul angrenzenden Region. Auf Drohungen der Taliban hin wurde diese Mädchenschule wieder geschlossen. Seitdem dürfen im Dorf Lalam nur Jungs zu Schule gehen. Die Mädchenschule »Diwa« im Dorf Yusof Khel, das auch in der Provinz Wardak liegt, wurde ebenfalls aus Angst vor Taliban geschlossen, nachdem der Schulleiter entführt und seine Familie bedroht worden war.</p>
<p>In letzter Zeit ist die Lage in der Region nicht mehr überschaubar. Immerhin: In der Provinz Parwan, die im Nord-Westen an Kabul angrenzt, hält eine Mädchenschule, deren Bau die BfA unterstützt hat, noch ihre Pforten geöffnet.  1500 Schülerinnen kann die Schule »Gulbahar« hinter ihren Mauern beherbergen, 100 km von Kabul entfernt. Im selben Ort wurde auch eine Schule für Jungs gebaut.</p>
<p>Im vergangenen Jahr wurde eine weitere Mädchenschule in Mohmandan nördlich von Mazar-i-Sharif gebaut, die inzwischen schon erweitert werden musste, weil sie so regen Zuspruch fand.  Ein kleiner, aber auch ein sehr wichtiger Beitrag zum Bildungssystem Afghanistans, wenn man bedenkt, dass von den 25 Millionen Einwohnern etwa 90% Analphabeten sind.</p>
<p>Zeitgleich mit den Wahl-Unruhen wurden alle Schulen in Afghanistan im Oktober 2009 geschlossen. »Wegen des Schweinegrippen-Virus«, hieß es. Auch jetzt bleiben die Schulen zu. In der Winterzeit ist der Schulweg zu mühsam,  besonders für schlecht ernährte und notdürftig gekleidete Kinder. Die Winterferien dauern von Dezember bis zum Beginn des neuen Jahres — in Afghanistan beginnt das  Jahr nach islamischer Zeitrechnung im März.</p>
<p>Elisabeth Wienbeck hält inne…</p>
<p>Wir sitzen im Gästezimmer auf der weichen Couch, zwischen uns stehen auf dem Tisch Kaffee und Kekse. Ich nippe verlegen an der Kaffeetasse. Sie redet, ich höre zu. Ich schaue kurz zum großen Terassenfenster, das zum Garten im Innenhof des Hauses führt. Alles scheint eingefroren — draußen duckt sich ein Magnolienbaum unter der Schneelast, drinnen stehen zwei Schaukelstühle still. Im Raum ist es kühl.</p>
<p>Frau Wienbeck hat in Afghanistan einen schmerzlichen Verlust erlitten. Ihr Mann ist in Kabul verunglückt. Im April 2005 wurde er mit seinem Fahrrad von einem Polizeiauto erfasst. Er starb am Unglücksort. Jetzt ist an dieser Stelle entlang der Straßenmitte eine hohe  Betonmauer errichtet  – als Schutz eines Ministeriums  vor Anschlägen.</p>
<div id="attachment_2316" class="wp-caption alignright"><img class="size-medium wp-image-2316" src="http://kontextschmiede.de/wpkontext_333/wp-content/uploads/DSC00110-400x300.jpg" alt="Menschen vor Klinikeingang" width="400" height="300" /><span class="wp-caption-text">Mit freundlicher Genehmigung von Elisabeth Wienbeck</span></div>
<p>Prof. Dr. med. Martin Wienbeck gründete 2001 die <a  href="http://http://www.foundation.wienbeck.net/">Stiftung Wienbeck für medizinische Entwicklung</a>. Ziel der Stiftung ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Sie bildet unter anderem in Afghanistan Ärztinnen und Ärzte  im Bereich der Gastroenterologie, Endoskopie und Sonographie aus und schickt die dafür notwendigen medizinischen Geräte hin. Ein Viertel aller Erkrankungen in Afghanistan sind Darmerkrankungen.</p>
<p>Elisabeth Wienbeck hat nach dem Tod ihres Mannes die Stiftung übernommen. Mittlerweile unterhält die Stiftung sechs Endoskopiezentren in verschiedenen Regionen über Afghanistan verteilt,  in Kandahar, Kunduz, Herat, Masar-e-Sharif und Kabul.</p>
<p>Für ihre Stiftungen fliegt Elisabeth Wienbeck regelmässig nach Afghanistan, besucht Schulen, medizinische Einrichtungen, verhandelt mit den Ministerien, betreut Stipendiaten aus Afghanistan in Deutschland, führt Aufklärungsarbeit an deutschen Schulen durch, sammelt Spenden für medizinische Einrichtungen und für die Schulprojekte in Afghanistan…</p>
<p>In einem Brief beichtete sie kürzlich einer amerikanischen Freundin, dass sie immer öfter mit ihrem Engagement identifiziert wird. Immer seltener wird sie als der Privatmensch Elisabeth wahrgenommen. Allerdings gibt sie zu, dass das Engagement in Afghanistan sehr viel von ihrer Zeit und Energie in Anspruch nimmt. Das Land sei zu einem der wichtigsten Bezugspunkte in ihrem Leben geworden. Die Möglichkeit, so viel von diesem Land und seinen Menschen zu erfahren, sei der Lohn für ihr Bemühen. »It enriches my life, in spite of all the difficulties and frustration,« schrieb sie in dem Brief an ihre Freundin.</p>
<div id="attachment_2330" class="wp-caption alignright"><img class="size-medium wp-image-2330 " src="http://kontextschmiede.de/wpkontext_333/wp-content/uploads/Maedchenschule_Gulbahar_Pause-400x300.jpg" alt="Kinder laufen" width="400" height="300" /><span class="wp-caption-text">Mit freundlicher Genehmigung von Elisabeth Wienbeck</span></div>
<p>Es gibt viele Fehlschläge und Enttäuschungen, die mit den Projekten in Afghanistan verbunden sind. Die Bedrohung der Schulen durch die Taliban, die Korruption im Land und die bürokratischen Hürden bei den medizinischen Projekten. Die Erfolge aber, die mit der Arbeit erzielt werden, überwiegen die Frustrationen. Seit den Präsidentschaftswahlen im September 2009 hat sich die Lage weiter verschlechtert. Und dennoch: Schon bis zur Wahl wurden Schulen gebaut und medizinische Einrichtungen gespendet. Mit Hilfe der Stiftung ausgebildete afghanische Ärztinnen können selbstständig weitere Frauen ausbilden. Die Freude der Kinder, die in den letzten Jahren zur Schule gehen durften, kann ihnen nicht mehr genommen werden.</p>
<p><em>»</em>Es gibt viele stille Helden in Afghanistan, die helfen wo sie können, ohne Gegenleistung oder Anerkennung zu verlangen. Man erfährt nichts über sie in der Öffentlichkeit, aber es gibt sie<em>,«</em> erklärt Elisabeth Wienbeck, als ich ihr meine Vermutung mitteile, dass es wahrscheinlich wenige Menschen gibt, die nach Afghanistan gehen, um dort humanitäre Hilfe zu leisten.</p>
<p>Zu meiner Frage, was ihre Pläne, Befürchtungen oder Hoffnungen für die Zukunft sind, muss sie nicht lange überlegen. Sie kam von ihrem letzten Besuch in Afghanistan hochmotiviert nach Deutschland zurück: Sie wird ihr Engagement in Afghanistan fortsetzen, so lange es möglich ist. Und sie hofft, dass diese Möglichkeit ihr lange erhalten bleibt.</p>
<h4>Eindrücke aus Afghanistan mit freundlicher Genehmigung von Elisabeth Wienbeck:</h4>

<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/wie-das-afghanistan-virus-elisabeth-wienbeck-befiel//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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<li><a href='http://kontextschmiede.de/mutters-pfannkuchen/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Mutters Pfannkuchen'>Mutters Pfannkuchen</a></li>
<li><a href='http://kontextschmiede.de/japantag-in-dusseldorf-2009-cosplay-und-altbier/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Japantag in Düsseldorf 2009 — Cosplay und Altbier'>Japantag in Düsseldorf 2009 — Cosplay und Altbier</a></li>
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		<title>Dem Tag mehr Leben geben</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 15:26:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>else</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschliches]]></category>

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		<description><![CDATA[Ramona Burger arbeitet im Düsseldorfer Kinderhospiz »Regenbogenland«. Im vergangenen Jahr sind hier drei Kinder gestorben.
Düsseldorf, im Dezember. Manchmal, sagt Ramona Burger, sei ihr danach, richtig auf die Rolle zu gehen. Alles rauszulassen, zu tanzen, den Kopf freizubekommen. »Man muss einen guten Freizeitausgleich haben, sonst geht es nicht«, sagt sie und rückt ihr milchgelbes Polohemd zurecht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ramona Burger arbeitet im Düsseldorfer Kinderhospiz »Regenbogenland«. Im vergangenen Jahr sind hier drei Kinder gestorben.</em></p>
<p>Düsseldorf, im Dezember. Manchmal, sagt Ramona Burger, sei ihr danach, richtig auf die Rolle zu gehen. Alles rauszulassen, zu tanzen, den Kopf freizubekommen. »Man muss einen guten Freizeitausgleich haben, sonst geht es nicht«, sagt sie und rückt ihr milchgelbes Polohemd zurecht. Ramona Burger arbeitet im Düsseldorfer Kinderhospiz »Regenbogenland«. In diesem Jahr sind hier drei Kinder gestorben. Doch vom Tod ist wenig zu spüren an diesem Montag nach den Weihnachtsfeiertagen.</p>
<p><span id="more-2195"></span><br />
 In den hellen Räumen mit dem Parkettboden sieht es aus wie im Lager des Christkinds. Warm ist es hier und bunt, von der Decke baumeln Geschenke, auf den Tischen stehen Teller mit Schokolade. Wer mag, kann mit riesigen Stofftieren spielen, dem Panda aus »Kung Fu Panda«, dem Hasen aus »Keinohrhasen«, Tigerenten und Teddybären. Neben der Hängematte steht ein gluckerndes Wasserbett, ein ferngesteuertes Auto liegt bereit, und der CD-Player spielt Musik von Rolf Zuckowski.</p>
<p>Als Moritz vor einigen Wochen hier war, war die Musik aus. Ramona hielt damals den sechs Wochen alten Säugling auf dem Arm. Er war blau im Gesicht, und sie pumpte mit einem Beutel Luft durch einen Schlitz in der Kehle. Eine Stunde lang. In seinem Mund steckte ein Schlauch, mit dem eine Maschine Schleim aus der Lunge saugte. Der Pulsschlag auf dem Monitor wurde immer schwächer. »Bleib noch Moritz, du musst doch auf deine Mutter warten«, hat Ramona gesagt. Moritz hat sich angestrengt und gequält, sein winziges Herz, gerade einmal so groß wie eine Walnuss, hat gepocht. Die Mutter kam, nahm das Bündel Leben in den Arm und setzte sich auf die Couch in den Abschiedsraum. Dann ist Moritz ist gestorben. Und Ramona Burger hat geweint.</p>
<p>»Es ist für die Kinder einfacher, wenn ihre Eltern sie gehen lassen wollen«, sagt die 29-Jährige mit der sportlichen Figur. Das spüren auch die Kleinsten, davon ist sie überzeugt. Ohnehin sei der Tod für die Angehörigen viel schwieriger, »für die Kinder ist er meist eine Erlösung«. So ist das Hospiz vor allem darauf ausgerichtet, Angst vor dem Tod zu nehmen. »Nicht dem Leben mehr Tage, sondern dem Tag mehr Leben geben«, steht in einem Buch, das am Eingang ausliegt und das »Regenbogenland« vorstellt.</p>
<h4>Manche Krankheiten könnte sich der Autor eines Horrorfilms ausgedacht haben</h4>
<p>Wenn ein Kind unmittelbar vor dem Tod steht, »final wird«, wie die Pfleger es nennen, hat es fast immer eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Da gibt es Krankheiten, die so perfide sind, dass der Autor eines Horrorfilms sie erdacht haben könnte. Etwa Muskeldystrophie: Bei klarem Verstand bilden sich allmählich alle Muskeln des Körpers zurück, bis schließlich die Atemmuskulatur schwindet. Ist ein Kind an Neuronaler Ceroid-Lipofuszinose erkrankt, entwickelt es sich über Jahre wie seine Altersgenossen. Dann, anfangs kaum bemerkbar, löst sich langsam das Gehirn auf. Und mit ihm die Persönlichkeit. »Demenz der Jugend« wird die Krankheit auch genannt. Es sind Krankheitsbilder, von denen die Wissenschaft wenig versteht, weil sie so selten vorkommen.</p>
<p>Auch Ramona muss nachschlagen, wenn sie etwas darüber erfahren will. In ihrer Ausbildung zur Kinderkrankenschwester hat sie nichts darüber gelernt, genauso wenig wie über den Umgang mit geistig oder körperlich Behinderten. Nach einigen Jahren im Krankenhaus las die Duisburgerin eine Stellenanzeige für das Hospiz im nahen Düsseldorf. Ohne viel nachzudenken, bewarb sie sich und wurde prompt genommen. Was folgte, war eine Umstellung. In mehrerer Hinsicht.</p>
<p>Die Arbeit im Hospiz verlaufe ruhiger, findet sie. »Man hat mehr Zeit und kann auf Fragen der Eltern besser eingehen, der Stress ist nicht so hoch.« An die Nähe des Todes hat sie sich gewöhnt, seit sie im Sommer 2007 angefangen hat. Der Alltag lasse sich auch davon nicht aufhalten. Wenn ein Kind stirbt, ruft sie den Kinderarzt an, um den Tod feststellen zu lassen, füllt Formulare aus und wäscht den Leichnam. »Da musst du aufpassen, dass die Putzfrau nicht über den Eimer fällt«, sagt sie und lächelt.</p>
<h4>»Den Tod nimmt man mit nach Hause«</h4>
<p>Wenn sie nach der Schicht ihr Hemd gegen Jeans und Pullover tauscht, die braunen Lederstiefel überstreift und mit dem schwarzen BMW nach Hause fährt, hat Ramona den Arbeitstag manchmal schon vergessen. Als Moritz starb, war das anders. »Den Tod nimmt man mit nach Hause.« Um die Trauer zu bewältigen, geht sie ins Fitnessstudio oder spricht mit Freunden. Aber das hat Grenzen. »Wenn ich meinen Zuhörer trauriger machen würde, als ich Trost bekäme, behalte ich es lieber für mich.« Ihrer Mutter hat sie die Geschichte von Moritz nicht erzählt. Feiern ist ja auch eine gute Strategie.</p>
<p>Das soll nach Ramonas Wunsch auch für den eigenen Tod gelten. »Ich hoffe, dass die Leute Party machen.« Sie möchte unter einem Baum liegen, mit Blick aufs Spargelfeld. »Typisch deutsch, in Reih und Glied auf dem Friedhof, das ist nichts für mich.«</p>
<p>Ob dann Schluss ist?</p>
<p>»Danach ist noch irgendwas. Sonst wär’ es ja sehr, sehr traurig.«</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/dem-tag-mehr-leben-geben//#respond">kommentieren</a></strong></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wir und die Anderen</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 12:41:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[analytisch]]></category>
		<category><![CDATA[grüblerisch]]></category>

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		<description><![CDATA[An Diskriminierung und einer ihrer Spielarten, dem Rassismus, ist wenig Fremdes. Im Gegenteil: Das Perfide am Rassismus ist seine Menschlichkeit. Jeder Mensch ist Rassist. Denn jeder Mensch kann nicht anders, als seine Umwelt zu diskriminieren. Gefährlich wird es dann, wenn die Natur des Rassismus verkannt oder gar geleugnet wird. Das allerdings geschieht ständig.
Deutsch zu sein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An Diskriminierung und einer ihrer Spielarten, dem Rassismus, ist wenig Fremdes. Im Gegenteil: Das Perfide am Rassismus ist seine Menschlichkeit. Jeder Mensch ist Rassist. Denn jeder Mensch kann nicht anders, als seine Umwelt zu diskriminieren. Gefährlich wird es dann, wenn die Natur des Rassismus verkannt oder gar geleugnet wird. Das allerdings geschieht ständig.</p>
<p><q class="pullquote">Deutsch zu sein bedarf es wenig, schon gar keiner Selbstreflexion oder Leitkultur. Es reicht, zu wissen, wer die Anderen sind.</q></p>
<p>Wie anders ist es zu erklären, dass Roland Koch voller Empörung den Vorwurf des Rassismus von sich weist, während er gleichzeitig im Wahlkampf dafür wirbt, Jugendkriminalität anhand von ethnischer Zugehörigkeit zu bewerten? Wie sonst kann Kristina Köhler eine »deutschenfeindliche Gewalt von Ausländern gegenüber Deutschen« herbeireden, die entgegen ihrer Weltsicht von keiner Kriminalstatistik bestätigt wird, und trotzdem überzeugt sein, dass eben diese Weltsicht notwendiger Bestandteil des demokratischen Spektrums und keinesfalls rassistisch sei? Warum sonst sollte eine Schweizer Professorin, mithin eine gebildete Frau, in einem privaten Gespräch über Politik die minarettfreien Eidgenossen vor dem Verdacht des Rassismus in Schutz nehmen und anschließend ungeniert fortfahren:</p>
<blockquote><p>Aber als wir die Religionsfreiheit eingeführt haben, da ging es um die Christen und die Juden, da war von Islam nicht die Rede.<span id="more-2158"></span></p>
</blockquote>
<p>Diskriminierung bedeutet zunächst einmal »Unterscheidung«. Unterscheidung ist psychologische Grundlage für menschliche Identität, doch der Mensch stellt sich diesem Teil seiner Natur viel zu selten und verbindet unreflektiert die psychologisch reale Unterscheidung von Gruppen mit schädlichen Vorurteilen. Daraus gewinnt Diskriminierung ihren zersetzenden Einfluss. Vielleicht hilft es, sich am folgenden Beispiel einzugestehen, dass menschliches Handeln häufig unwillkürlich ist:</p>
<p> Ein halbkreisförmiger, gepflasterter Weg verbindet Eingang und Ausgang eines Parks, durch den täglich viele Menschen auf dem Weg zu ihrer Arbeit strömen. Der Park besteht aus einer gepflegten Grünfläche ohne Hindernisse. Immer wieder kürzen Menschen den Weg zum Ausgang ab. Niemand hat ein anderes Motiv, als den schnellsten Weg zum Ausgang zu nehmen und doch wirken alle, die den Weg zu diesem Zweck verlassen, an einer gemeinsamen , unwillkürlichen Handlung mit. Sie schaffen einen Trampelpfad, der den gepflegten Rasen durchschneidet. Wenn der Pfad einmal geschaffen ist, folgen auch die weniger eiligen Parkbesucher dem kürzeren Weg.</p>
<h4>Eine Gesellschaft ist das Produkt etablierter Machtstrukturen und Rollenidentitäten</h4>
<p>Solcher Art sind Strukturen menschlichen Zusammenlebens. Sie entstehen oft zufällig und entwickeln dann eine Sogwirkung, die ihr Bestehen noch verfestigt. Der Feminismus und der Postkolonialismus haben dieses Phänomen beispielhaft anschaulich gemacht. Erst aus dem Willen zur Emanzipation, der Ablehnung von etablierten Machtstrukturen, entstand überhaupt die Erkenntnis um deren Zusammenhänge. Unschuldige Alltagshandlungen zementieren die bestehenden Strukturen von Machtgefügen und Rollenidentitäten. Neben den Profiteuren der bestehenden Machtverhältnisse sind es stets auch die nachteilig Betroffenen selbst, die im Kollektiv unwillkürlich ihre Benachteiligung verfestigen, indem sie Rollenklischees erfüllen, die im Einzelfall einen persönlichen Vorteil bedeuten.</p>
<p>Die hübsche Mitarbeiterin, die ihre Reize statt ihrer Qualifikation betont und damit ihre Karriere kurzfristig dank eines empfänglichen Vorgesetzten beschleunigt, dabei aber bestehende Vorurteile unterschwellig bedient, folgt diesem Muster.  Selbst Angela Merkel, die sich bis heute für ihre Garderobe und ihren Haarschnitt rechtfertigen muss, unterliegt noch als mächtigste Frau der Welt einer patriarchalischen Weltsicht. Bis heute ist den meisten Menschen in Deutschland die strukturelle Dimension von Geschlechterdiskriminierung weitgehend unverständlich. Und das, obwohl eine populäre Bewegung es sich zum Ziel gemacht hat, gegen diese Benachteiligung anzukämpfen. Eine dem Feminismus vergleichbare Bewegung gegen Rassismus und andere Formen struktureller Diskriminierung gibt es bis heute nicht. Da ist es kein Wunder, wenn Ausmaß und Form von Diskriminierung in ihrem schädlichen Einfluss unerkannt bleibt.</p>
<p>Strukturelle Benachteiligung, wie Rassismus, speist sich aus zwei grundsätzlichen Elementen menschlichen Zusammenlebens. Hierarchie und Identität. Wo zwei Menschen aufeinandertreffen, gibt es für jeden Moment ihrer Interaktion eine Balance der Hierarchie. Einer hat mehr Macht als der Andere. Hierarchien sind offensichtlich, wie die zwischen Eltern und Kind, oder auch subtil, wie die zwischen besten Freundinnen. Sie können je nach Kontext wechseln und ganze Gruppen einschließen, aber sie sind immer da. Und sie sind verknüpft mit Identität.</p>
<p>Identität entsteht aus Unterscheidung. Ich oder wir sind nicht wie Leute, die nicht ich oder nicht wir sind. Das sind die Anderen. Die Anderen sind die Abweichung von einem Standard, der keiner weiteren Definition bedarf, der nicht hinterfragt wird. Deutsch zu sein bedarf es wenig, schon gar keiner Selbstreflexion oder Leitkultur. Es reicht, zu wissen, wer die Anderen sind. Damit wird bereits eine Hierarchie etabliert. Das Andere muss sich rechtfertigen, das Eine, die Norm, nicht.</p>
<h4>Wenn aus Beobachtungen Verallgemeinerungen werden</h4>
<p>Eine weitere psychologische Eigenschaft des Menschen, die Unterteilung der Welt in Kategorien, tut ihr Übriges. Für Kategorien braucht es Eigenschaften. Wir erkennen einen Kreis daran, dass er rund ist. Wir unterscheiden Menschen anhand ihrer Muttersprache, Hautfarbe, ihrem bevorzugten Fußballverein und unzähliger weiterer Eigenschaften. Und für jede Kategorie, die wir auf Andere anwenden, kommen schnell einige Eigenschaften zusammen, die kaum eine Grundlage haben oder wo schlicht falsche Zusammenhänge hergestellt werden. Hier begegnet uns noch ein Fallstrick des menschlichen Geistes. Wir ziehen voreilige Schlüsse. Alle Schwäne sind weiß. Alle Neger sind schwarz. Alle Ausländer sind faul und wollen uns die Arbeitsplätze wegnehmen.</p>
<p>Wie sehr solche Klischees psychologische Realität werden, zeigen <a  title="Eine kurze Einführung in den stereotype threat (Wikipedia, auf Englisch)" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Stereotype_threat" target="_blank">einfache Versuche.</a> Schwarze Studenten wurden in Amerika zum Vergleich in zwei Situationen auf ihre Rechenfähigkeit getestet. Einmal wurden sie ohne besondere Vorbereitung getestet und einmal in einem Umfeld, in dem sie von der Versuchsleitung mit Stereotypen über die akademische Unzulänglichkeit von Schwarzen konfrontiert wurden. Die Studenten schnitten schlechter ab, wenn sie vor dem Test an ihre Ethnie erinnert wurden, weil sie schwarzen Studenten, genau wie jeder andere Rassist, weniger zutrauten.</p>
<p>Auf der anderen Seite können sich die gleichen Stammtischbrüder, die Angst vor Überfremdung haben, mit ihrem türkischen Taxifahrerkollegen solidarisieren. Das ist ja unser Ali, der ist nicht wie die anderen Ausländer. Die wollen wir lieber nicht hier haben. Ali nickt und schweigt, damit er seine Rolle als exotisches Mitglied der Gruppe nicht gefährdet. Der ehemalige Steinewerfer und überzeugte Bildungsbürger prahlt mit seiner Weltoffenheit, wenn er seine Tochter mit Ausländerkindern spielen lässt. Aber den Türkenjungen heiraten, das muss dann doch nicht sein. Der Junge mit ghanaischem Vater, der in Deutschland aufgewachsen keinem afrikanischen Einfluss als dem seiner Gene ausgesetzt war, lässt sich eigens für seine Bewerbung bei einem Musiksender Rastalocken drehen, weil Exotik ein gewünschtes Merkmal ist. Er erfüllt ein Rollenklischee, das gar nicht seiner deutschen Identität entspricht und beschwert sich hinterher bei seinen Freunden über Rassismus in Deutschland. Wir alle sind Rassisten. Ist es nicht besser, sich selbstkritisch mit diesem Schatten auf unserer Seele auseinanderzusetzen, als ihn zu leugnen?</p>
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		<title>Geschlechterverwirrung</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 07:58:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[analytisch]]></category>
		<category><![CDATA[meinungsstark]]></category>
		<category><![CDATA[zeitlos]]></category>

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		<description><![CDATA[Als ich mit den Recherchen zum folgenden Artikel begann, hatte ich eine aufklärerische Story über die Geschlechterdebatte und den katalytischen Effekt von Sportereignissen für gesellschaftliche Diskurse im Sinn. Caster Semanya hatte gerade den 800-Meter-Lauf der Frauen gewonnen, da stürzte sich die Weltöffentlichkeit auf ihr Privatleben. Sie sei womöglich keine Frau, der Sieg somit erschlichen. Über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich mit den Recherchen zum folgenden Artikel begann, hatte ich eine aufklärerische Story über die Geschlechterdebatte und den katalytischen Effekt von Sportereignissen für gesellschaftliche Diskurse im Sinn. Caster Semanya hatte gerade den 800-Meter-Lauf der Frauen gewonnen, da stürzte sich die Weltöffentlichkeit auf ihr Privatleben. Sie sei womöglich keine Frau, der Sieg somit erschlichen. Über ihr Geschlecht wurde öffentlich spekuliert, Vorurteile willfährig bedient, auch die beteiligten Funktionäre der Leichtathletik erschienen in keinem guten Licht. Ich wollte das Schicksal von Caster Semanya als Aufhänger nehmen, um über Diskriminierung und Rückständigkeit zu schreiben. Einige Emailanfragen, Dokumentensichtungen und Telefonate später beschloss ich, statt dessen über Menschen zu schreiben. Und darüber, wie Menschen dem Unbekannten begegnen.</p>
<blockquote><p>Ein Ingenieur, ein Mathematiker und ein Philosoph entdecken auf einer Wandertour durch Schottland ein einzelnes, schwarzes Schaf. »Na so was, in Schottland sind die Schafe schwarz« meint der Ingenieur. »Das kannst du gar nicht wissen,« verbessert ihn der Mathematiker, »wir wissen nur, dass es mindestens ein schwarzes Schaf in Schottland gibt.« »Eigentlich,« wirft der Philosoph ein, »sehen wir nur, dass es auf der uns zugewandten Seite schwarz ist.«</p>
</blockquote>
<p>Weil uns in der Welt immer wieder Männer und Frauen begegnen, nehmen die meisten Menschen an, es gebe genau diese zwei Geschlechter. Diese Unterteilung der Menschheit ist in unserer Gesellschaft so fest verankert, dass sie nie hinterfragt wird. Wir sind keine Mathematiker und keine Philosophen, zumindest sind wir das nicht ständig und selten bei banalen Alltagsweisheiten. Alle Menschen sind entweder männlich oder weiblich.<span id="more-1991"></span></p>
<h4>Rollenverteilung: Wann ist ein Mann ein Mann?</h4>
<p>Dabei gibt es durchaus Kulturen, die andere Geschlechterrollen in ihrer Gesellschaft verankert haben als nur unsere zwei Dimensionen. Anhand welcher Kriterien sie diese Rollen definieren und wie diese historisch entstanden sind, ist ein faszinierendes Thema nicht nur für Ethnologen und Kulturwissenschaftler. Seien es <a  href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mahu" target="_blank">Mahu</a> oder <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hijra" target="_blank">Hijra</a>, geschlechtliche Identität und Biologie sind nicht notwendigerweise direkt miteinander verknüpft.</p>
<p>Auch in unserer Gesellschaft werden Geschlechterrollen seit den Erfolgen der Feminismusbewegung, spätestens aber seit der wachsenden Emanzipation der Homosexuellen hinterfragt. Sie haben zumindest im akademischen Diskurs dafür gesorgt, dass Geschlecht als eine gesellschaftliche Rolle wahrgenommen wird. Mann und Frau ist nicht länger eine rein biologische Größe, sondern geschlechtliche Sexualität wird mehr und mehr als kulturelles Konstrukt angesehen. Im Englischen fällt eine solche Unterscheidung leichter, weil »<em>sex</em>« und »<em>gender</em>« sich schon auf zwei verschiedene Bedeutungen von »Geschlecht« stützen, einer biologischen und einer sozialen Interpretation.</p>
<p>Das biologische Paradigma allerdings bleibt bis heute weitgehend unangetastet. Der Staat akzeptiert nur <a  title="Eine einfühlsame Reportage über Intersexualität" href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,517983,00.html" target="_blank">zwei Geschlechter </a>auf dem Papier. Kinder mit biologisch uneindeutiger Zuordnung werden willkürlich auf ein Geschlecht festgelegt, notfalls mit chirurgischen Eingriffen. Dabei zeigt sich gerade hier, wie die gesellschaftliche Konvention zu den zwei Geschlechtern sich als Konstrukt entpuppt. Die Natur ist da bei weitem nicht so eindeutig auf ein binäres Schema bedacht. Je nach Spezies werden andere Chromosomenpaare relevant für sexuelle Fortpflanzung, manche Fische wechseln munter zwischen den biologischen Geschlechtern und Regenwürmer legen sich erst gar nicht fest.</p>
<p>Auch beim Menschen ist die <a  title="Wikilink: Intersexualität" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Intersexualit%C3%A4t">Chromosomengrenze nicht eindeutig</a>. Immer mal wieder brechen Menschen aus dem XX/XY-Schema aus. Es gibt Chromosomentripel, manche Y-Chromosomenträger sind für Testosteron unempfänglich und geradezu weiblicher als XX-Frauen, es gibt Chimarismus und mehr. Die Natur liebt Variation. Biologische Geschlechtsmerkmale sind häufiger abweichend von der Norm, als einen der Alltag glauben macht. Einer <a  title="Eine Einführung in den Forschungsbereich Intersexualität" href="http://www.uni-luebeck.de/aktuelles/pressemitteilungen/2002/01_29.php" target="_blank">Studie der Universität Lübeck</a> zufolge gilt das für ein Kind von 2000.</p>
<p>Die Diskussion um Geschlechterrollen allerdings ist heute noch so weit tabuisiert und stigmatisiert, dass längst nicht jeder Homosexuelle sich in diesem gesellschaftlichen Umfeld outet. Wenn neben Sexualität auch noch Geschlechtsidentitäten oder gar der <a  title="Wikilink: Geschlechtsdimorphismus" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sexualdimorphismus" target="_blank">Dimorphismus </a>selbst in Frage gestellt wird, stößt Toleranz sehr schnell an Grenzen. Eine Frau, die im Körper eines Mannes lebt? Befremdlich. Ein Mensch, der sich erst gar <a  title="Blogbeitrag einer Interessengruppe von Zwittern" href="http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2009/10/05/%22Weder-Mann-noch-Frau%22-Mona-Lisa%2C-ZDF-4.10.09" target="_blank">nicht auf Mann oder Frau festlegen</a> will? Unerhört. Eine Sportlerin, die womöglich gar keine Frau ist? Unglaublich.</p>
<p>Als ich mich mit der Leichtathletik auseinander setzte, um zu sehen, wie in diesem sportlichen Mikrokosmos mit gender-spezifischen Fragen umgegangen wird, musste ich mich meinen eigenen Vorurteilen stellen. Ich erkannte, dass Sport nicht notwendigerweise wertkonservativ bis zur Rückständigkeit ist. Caster Semanya wurde, nach allem was bis heute nachvollziehbar ist, <a  title="Science of Sport hat den Fall mit vielen erhellenden Beiträgen begleitet" href="http://www.sportsscientists.com/2009/09/caster-semenya-cover-ups-lies-and.html" target="_blank">Opfer der rücksichtslosen Interessen von Sportpolitikern</a> und als Konsequenz zum Opfer einer sensationslüsternen Öffentlichkeit. Aber auf meine Nachfrage beim deutschen Verband, wie er zu dem Fall stehe, traf ich auf ein sehr menschliches Eingeständnis von Hilflosigkeit. Ich fand Bemühen um Einfühlung und Respekt.</p>
<h4>»Ich kann nur hoffen, dass uns so ein Fall nie betrifft.«</h4>
<p>Jan Kern, der technische Direktor des Verbandes, war für Geschlechterfragen deutlich sensibilisiert und verwies darauf, dass immer tragische persönliche Schicksale mit öffentlich diskutierten Identitätsfragen einhergingen. Einige konkrete Fälle waren ihm noch im Gedächtnis. Außerdem hat er miterlebt, wie der internationale Verband eine Zeit lang weibliche Sportler zu Geschlechtstests zwangsverpflichtete.</p>
<p>Der Sport steht an besonders exponierter Stelle für Fragen zur Geschlechtsidentität. Er muss dafür Sorge tragen, dass Frauen im gleichen Maße an Wettkämpfen teilnehmen können wie Männer. Zusätzlich muss er Mechanismen zur Chancengleichheit der Athleten anbieten. Da dem biologisch männlichen Geschlecht physische Vorteile für athletische Leistungen gegeben sind, werden die Geschlechter getrennt. Sobald es im Sport Fälle gibt, die eine  eindeutig binäre Zuordnung zweifelhaft erscheinen lassen, muss der Sport sich Regeln geben, nach denen geschlechtliche Identität für die Zulassung zum Wettbewerb definiert wird.</p>
<p>Das hat der internationale Leichtathletikverband als erster Sportverband überhaupt getan. Einige Mitglieder des Verbandes haben sich mit gesellschaftlich relevanten Fragen zu Geschlecht und Diskriminierung befasst und auch mit medizinischen Definitionen, wer an welchen Wettkämpfen teilnehmen darf. Das Dilemma ist nicht aufzulösen: Wenn die Selbstauskunft über die geschlechtliche Identität, also <em>gender,</em> der Maßstab ist, werden Frauen benachteiligt, deren biologisches Geschlecht, <em>sex</em>, die charakteristischen Merkmale für »weiblich« aufweist. Das männliche Geschlechtshormon Testosteron ist schließlich ein mächtiges Mittel zur Leistungssteigerung. Wenn aber zum Beispiel der Chromosomensatz der Maßstab ist, werden Personen mit Y-Chromosom, deren geschlechtliche Identität weiblich ist, die obendrein alle oberflächlichen Merkmale weiblichen biologischen Geschlechts auf sich vereinigen, faktisch vom sportlichen Wettkampf ausgeschlossen. Mangels natürlichem Testosteron können sie nicht mit Männern konkurrieren.</p>
<p>Der Verband hat sich deutlich positioniert: Geschlechterfragen sind alles andere als einfach, man muss der Vielfalt der Natur und den delikaten Fragen zu geschlechtlicher Identität Rechnung tragen. Man möchte Wettbewerbsvorteile ausschließen, aber gleichzeitig Diskriminierung vermeiden und versucht einen Mittelweg zu finden. Laut der <a  title="PDF policy on gender verification" href="http://www.iaaf.org/mm/Document/imported/36983.pdf"><em>policy on gender verification</em></a> des IAAF gibt es einige medizinische Definitionen von biologischen Männern, die sehr wohl bei den Frauen antreten dürfen. Es gibt Regelungen, wie man mit Zweifeln am Geschlecht umzugehen habe — im Dokument wird eindeutig auf das soziale Geschlecht referiert. Was fehlt, sind Regeln, die den menschlichen Faktor der Angst vor Begegnung mit dem Unbekannten ausschalten.</p>
<p>Denn die <a  title="Im Selbstversuch über heikle Fragen entscheiden - Sportlerin oder nicht? (auf Englisch)" href="http://www.hhmi.org/biointeractive/gendertest/gendertest.html" target="_blank">Entscheidungen</a>, wie die knappen und meist theoretischen Anweisungen umzusetzen seien, werden an Landesverbände und unbestimmtes medizinisches und sportpolitisches Personal delegiert. Es gibt keine fest eingesetzte Kommission, die über so komplexe Fälle wie die von Caster Semanya entscheidet. Auch beim deutschen Verband müsste eine solche Kommission ad hoc gebildet werden — und längst nicht alle Mitglieder eines Sportverbandes sind auch nur soweit aufgeklärt, dass sie, wie Jan Kern, Demut vor der Komplexität des Themas mitbringen. Die Kolumnen einiger Sportredaktionen zeugen von der inkompetenten Impertinenz, mit der der Geschlechterdebatte im Sport auch begegnet werden kann.</p>
<p>Man kann allen Athleten also nur wünschen, mehr Glück zu haben mit den Personen, die über ihr Schicksal bestimmen. Mehr Glück bei den Personen, die über ihr Schicksal schreiben. Vor allem aber eine Gesellschaft, deren Mitglieder aufgeklärter über Geschlechterfragen sind, und so anderen Geschlechtsidentitäten mit Respekt begegnen, statt mit Ablehnung und Furcht. Eine Gesellschaft, in der man weniger Glück braucht, um nicht als Freak im Medienzirkus zu enden.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/geschlechterverwirrung//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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</ol>]]></content:encoded>
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		<title>Sport und Geschichte: Jesse Owens in Berlin</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Aug 2009 16:03:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschliches]]></category>

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		<description><![CDATA[Sport ist ein besonderes Kulturprodukt des Menschen. In ihm fügen sich die Lust am Spiel, die Sehnsucht nach schlichten Regeln und die gezähmte Aggression unserer Gattung zu einem mythisch aufgeladenen Modell der Welt zusammen. Sport bietet die perfekte Projektionsfläche für Geschichten, die Geschichte erlebbar machen. In der Verdichtung von historischen Strömungen auf menschliche Einzelschicksale werden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="cap"><span>S</span></span><em class="update">port ist ein besonderes Kulturprodukt des Menschen. In ihm fügen sich die Lust am Spiel, die Sehnsucht nach schlichten Regeln und die gezähmte Aggression unserer Gattung zu einem mythisch aufgeladenen Modell der Welt zusammen. Sport bietet die perfekte Projektionsfläche für Geschichten, die Geschichte erlebbar machen. In der Verdichtung von historischen Strömungen auf menschliche Einzelschicksale werden große Zusammenhänge nachvollziehbar. Darin liegt ein Verdienst des Sports, das tatsächlich größer ist als die Mitwirkung seiner Athleten. Der Triumph der Menschlichkeit lachte die Welt in dunkler Stunde an, als Carl Ludwig Long und Jesse Owens sich im Berliner Olympiastadion in einem sportlichen Wettkampf begegneten.</em></p>
<p>Menschen reden gerne über Sport. Im Moment sprechen viele von Fabelweltrekorden und Dopingverdacht, von triumphaler Selbstüberwindung und Kommerzialisierung, von spektakulären Events und von schlichter Banalität der Langeweile. In Berlin findet die Leichtathletikweltmeisterschaft 2009 statt. Der Ort und der Anlass sollten den Besucher ermuntern, über Menschlichkeit und über die eigene Vergangenheit nachzudenken: Wer genau hinsieht, der kann den größenwahnsinnigen Glanz Germanias noch immer im Olympiastadion entdecken. Die Ästhetik des Monumentalen wird allerdings vom Schatten der Führerloge getrübt, der bis heute auf dem Stadion liegt.<br />
<span id="more-1977"></span><br />
An gleicher Stelle wurde <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_1936" title="Wikilink: Olympia 1936">1936 Geschichte gemacht</a>. Hier konnten die Zuschauer erleben, dass die Welt nicht schwarz und weiß gemalt ist, selbst wenn sie eigentlich nur kamen, um einem sportlichen Wettkampf beizuwohnen. Damals redete man von der Überlegenheit der arischen Rasse und des faschistischen Systems. Für die Dauer der olympischen Spiele schwiegen die Hetzblätter des Regimes und die Schilder »Juden unerwünscht« wurden in der Hauptstadt abgehängt. Sport wurde das Medium des ersten generalstabsmäßigen <em><a  href="http://en.wikipedia.org/wiki/Whitewash_%28censorship%29" title="Wikilink white washing (Englisch)">white washings</a></em> der Geschichte. Doch während die Deutschen weiter Konzentrationslager bauten, jubelten sie gleichzeitig dem Star der Spiele zu, dem <a  href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jesse_Owens" title="Wikilink: Jesse Owens (Englisch)">„Mann dem Hitler nicht die Hand gab“</a>.</p>
<p>Die Ereignisse um den schwarzen Sprinter Jesse Owens <a  href="http://berufundchance.fazjob.net/s/RubD94398B340E041ED8AB910C370C24ADD/Doc~EB8226750244249E4950B4DE9ACFEC08F~ATpl~Ecommon~Scontent.html" title="Die FAZ über das Gedenken an Jesse Owens">bewegen die Beteiligten der WM auch heute</a>. Tyson Gay, der zweitplatzierte Sprintstar von 2009, sagte, es sei ihm eine Ehre, im gleichen Stadion anzutreten, wie der Weltrekordler von 1936. Die amerikanische Delegation trägt eine Gedenkedition ihres Trikotsponsors in Anlehnung an die Kleidung der Athleten vor 73 Jahren. Dabei ist das spannendste an der Geschichte des Sportlers Jesse Owens nicht die Tatsache, dass er als <a  href="http://www.olympic.org/uk/games/past/index_uk.asp?OLGT=1&#038;OLGY=1936">erster Athlet vier Goldmedaillen</a> bei den olympischen Spielen gewinnen konnte. Faszinierend ist vor allem das Schicksal des Menschen, und derer, mit denen er Kontakt hatte. </p>
<h4>Zwei Menschen unter Tausenden: Schicksale, die berühren</h4>
<p>Obwohl die Nazis sich über die Amerikaner lustig machten, dass diese ihre Reihen mit „Menschen minderer Qualität“ füllten, wurde ihre Rassenideologie prompt lächerlich gemacht von einem Athleten, den Adi Dassler vor Beginn der Spiele zum ersten schwarzen Sportler mit Sponsorenvertrag machte. Obwohl die deutschen Zuschauer die Athleten euphorisch mit dem Hitlergruß empfingen, bejubelten sie doch den schwarzen Sprinter. Obwohl Hitler Jesse Owens nicht die Hand gab, weil er nur deutsche Teilnehmer so begrüßte — und nach Ermahnung durch das olympische Komitee überhaupt niemanden mehr — war der Amerikaner viel mehr davon enttäuscht, dass sein <a  href="http://espn.go.com/sportscentury/features/00016393.html">eigener Präsident ihm nicht ein mal ein Telegramm schickte</a> und er in der Heimat noch lange der <em><a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rassentrennung" title="Wikilink: Rassentrennung">segregation</a></em> ausgesetzt war. Und obwohl der Führer persönlich zusah, bewies ein deutscher Athlet <a  href="http://www.guardian.co.uk/sport/2009/mar/29/10-sporting-gestures" title="Ich nenne es Menschlichkeit, nicht Sportlichkeit">Menschlichkeit in schier übermenschlichem Maße</a> und verhalf seinem Konkurrenten zum Sieg.</p>
<p>Jesse Owens stand in der Qualifikation für die Finalrunde im Weitsprung kurz vor dem Aus. Zu seinem Unglauben hatten die Wettkampfrichter einen Testlauf, mit dem der Amerikaner seinen Anlauf ausmessen wollte, als ungültigen Versuch gewertet. Bei zwei weiteren Versuchen war er übergetreten. Einen weiteren ungültigen Versuch konnte er sich nicht erlauben. <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Luz_Long" title="Wikilink: Luz Long">Carl Ludwig Long</a> hingegen hatte sich bereits qualifiziert und dabei sogar einen neuen olympischen Rekord aufgestellt. Er ging zum nervösen Amerikaner und riet ihm, entsprechend den damals gültigen Regeln eine Absprungstelle deutlich vor der Sprungmarkierung zu wählen, um die Gefahr des Übertretens auszuschließen. Die geforderte Weite von 7,15m sollte für Owens auch mit einigen verschenkten Zentimetern kein Problem darstellen. Dieser Rat erwies sich als Gold wert: Im Finale stellte Owens einen neuen Weltrekord auf. „Luz“ Long war der erste Gratulant, umarmte den Amerikaner und begleitete ihn in die Umkleidekabine.</p>
<p>Owens wollte nach den Spielen seine Popularität gewinnbringend nutzen und mit seiner Bekanntheit Geld verdienen. Er fuhr nach Amerika zurück, statt an weiteren Wettkämpfen in Europa teilzunehmen. Dafür wurde er vom amerikanischen Verband ausgeschlossen: Ihm wurde sein Amateurstatus aberkannt. Der Olympiasieger musste sich mit Showwettkämpfen durchschlagen. Long kämpfte als Soldat im zweiten Weltkrieg. Er wurde angeschossen und erlag seinen Verletzungen. Entgegen Hitlers Wünschen wurden Menschen afrikanischer Herkunft nicht von zukünftigen Wettkämpfen ausgeschlossen.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/sport-geschichte-jesse-owens-berli//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>6 degrees of separation — von den G8 zu Außerirdischen</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 21:21:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschliches]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute, am 8. Juli vor genau 60 51 Jahren, wurde der Schauspieler Kevin Bacon geboren. Seine Leistung für die Popkultur besteht nicht allein in seinem Mitwirken in zahlreichen Hollywood-Produktionen. Viel wichtiger für künftige Generationen könnte sein Beitrag als fleischgewordenes Popkulturphänomen sein. Der 8. Juli soll in diesem Beitrag als exemplarischer Ausgangspunkt für eine »six degrees«-Betrachtung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="cap"><span>H</span></span><em class="update">eute, am 8. Juli vor genau <del>60</del> 51 Jahren, wurde der Schauspieler Kevin Bacon geboren. Seine Leistung für die Popkultur besteht nicht allein in seinem Mitwirken in zahlreichen Hollywood-Produktionen. Viel wichtiger für künftige Generationen könnte sein Beitrag als fleischgewordenes Popkulturphänomen sein. Der 8. Juli soll in diesem Beitrag als exemplarischer Ausgangspunkt für eine »six degrees«-Betrachtung der historisch wachsenden Bedeutung von Vernetzung herhalten.</em></p>
<p>Kevin Bacon dient als augenzwinkerndes <em>proof of concept</em> für ein statistisches Modell der Netzwerktheorie. Durch die voranschreitende Globalisierung schrumpfe die Welt zusammen, besagt eine Idee der Sozialwissenschaftler. Dies lasse sich in Zahlenspielen anhand von sozialen Netzwerken nachrechnen. Über Bekannte von Bekannten von Bekannten lassen sich in nur sechs Schritten zwei beliebige Menschen auf der Welt miteinander verknüpfen. Selbst wenn isolationistische Siedlungen der <em>small world theory</em> ein Bein stellen und es entgegen der mathematischen Annahme nicht möglich ist, wirklich jeden Menschen mit einem beliebigen anderen in nur sechs Schritten direkter Kontakte zu verknüpfen, ist die Idee der <a  href="http://en.wikipedia.org/wiki/Six_degrees_of_separation" title="Wikilink: six degrees of separation in Englisch"><em>six degrees of separation</em></a> ein beliebter Zeitvertreib der vernetzten Generation. Kevin Bacon ist mit jedem lebenden Schauspieler in nur sechs Schritten der Form »haben am gleichen Film mitgewirkt« zu verknüpfen. Die kuriosesten Verbindungen in kürzester Zeit zu finden, ist zu einem Partyspiel geworden.<br />
<span id="more-1570"></span><br />
Heute, am 8. Juli 2009, findet außerdem der G8-Gipfel, der lose Zusammenschluss von sieben wirtschaftsmächtigen Staaten der 70er Jahre und Russland statt. Ursprünglich trafen sich die Staatsoberhäupter von Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, Japan und den USA, um in kleiner Runde ein gemeinsames Vorgehen nach dem Zusammenbruch des <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bretton-Woods-System" title="Wikilink Bretton-Woods-System">Bretton-Woods-Systems</a> abzusprechen. Die Koppelung des internationalen Währungssystems an den amerikanischen Dollar als Leitwährung, der seinerseits von den Goldreserven der USA gestützt wurde, war nicht mehr aufrecht zu erhalten, als die Goldreserven mit der Inflation nicht mithalten konnten. Aus dem kleinen Treffen, das in der Folge jährlich statt fand, entwickelte sich bis heute eine umfassende Zusammenarbeit bis in die Ebene der Ministerialbürokratie hinein. Der Anspruch des Kreises von mittlerweile 8 Staaten (hinzu kamen Kanada und Russland), das außenpolitische Geschick der Welt zu bestimmen, ist Stein des Anstoßes für viele Globalisierungskritiker. Nachdem die G8 im letzten Jahr aber offensichtlich den erneut drohenden Zusammenbruch des Weltfinanzsystems übersahen und sich auch in drängenden Fragen des Klimaschutzes und anderen wichtigen Themen nicht auf notwendige Handlungsvorgaben einigen konnten, <a  href="http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/gute-nacht-g-8/" title="taz: Gute Nacht G 8">verliert der Zusammenschluss womöglich an Bedeutung</a>. Einige stimmen bereits in den <a  href="http://www.readers-edition.de/2009/07/07/glosse-g8-gipfel-in-laquila/" title="Das alte Lied von Dekadenz und Niedergang">Abgesang auf die multilateralen Netzwerke</a> ein, doch die gewachsene Vernetzung der Welt und ihrer Bewohner ist nicht zu leugnen. </p>
<p>Heute, am 8. Juli vor 156 Jahren, <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bakumatsu" title="Wikilink: Die schwarzen Schiffe läuteten das Ende des Shogunats ein">wurde Japan aus der Isolation geholt</a>, die seine Bewohner zuverlässig von der Verknüpfung über sechs Ecken abschottete. Die Vernetzung der Weltbürger ist es, die vielleicht in Zukunft die Ohnmacht ihrer politischen Führer etwas ausgleichen kann. Nordkorea erlebt trotz der allumfassenden Kontrolle eines menschenfeindlichen Regimes seine eigene Form der <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Underground_Railroad" title="Wikilink: Ein Netzwerk, das Sklaven befreite"><em>underground railroad</a></em>. Im Iran verbünden sich junge Demonstranten mit dem Rest der Welt — und anrührende Augenzeugenberichte zu beiden Ereignissen werden von einer amerikanischen Comedyshow für den Rest der Welt im Internet zur Verfügung gestellt: <a  href="http://www.thedailyshow.com/video/index.jhtml?videoId=232235&#038;title=Mike-Kim" title="The Daily Show - Interview mit Mike Kim">Mike Kim zu Gast in der Daily Show</a> und <a  href="http://www.thedailyshow.com/video/index.jhtml?videoId=230713&#038;title=Ebrahim-Yazdi%27s-Arrest" title="Der Sohn des verhafteten Generalsekretärs der Iranischen Freiheitsbewegung Ebrahim Yazdi zu Gast in der Daily Show">der Sohn des vom iranischen Regime verhafteten Ebrahim Yazdi</a> zu Gast in der Daily Show.</p>
<p>Sogar Verschwörungstheoretiker kommen am 8. Juli auf ihre Kosten: Vor genau 62 Jahren wurden nach Ansicht mancher UFO-Gläubigen die ersten Kontakte zu <a  href="http://en.wikipedia.org/wiki/Roswell_UFO_incident" title="Wikilink: Roswell Incident">Außerirdischen</a> geknüpft. Wie viele Verbindungen braucht es wohl von Kevin Bacon bis zum Herrscher über Alpha Centauri?</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/60-degrees-of-separation-g8-auserirdische//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Japantag in Düsseldorf 2009 — Cosplay und Altbier</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 08:11:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschliches]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit einem Knall verabschiedete die japanische Gemeinde Düsseldorfs ihre Besucher vom Nihon-Day 2009. Jedes Jahr lädt die nach London und Paris offiziell drittgrößte Ansiedlung japanischer und japanischstämmieger Bürger in Europa zu einem Fest der Kulturbegegnung in der Landeshauptstadt ein. 
Mittlerweile ist die Gemeinde in Düsseldorf die wahrscheinlich bestorganiserte außerjapanische Siedlung und nach inoffizieller Zählung der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="cap"><span>M</span></span><em class="update">it einem Knall verabschiedete die japanische Gemeinde Düsseldorfs ihre Besucher vom Nihon-Day 2009. Jedes Jahr lädt die nach London und Paris offiziell drittgrößte Ansiedlung japanischer und japanischstämmieger Bürger in Europa zu einem Fest der Kulturbegegnung in der Landeshauptstadt ein.</em> </p>
<p>Mittlerweile ist die Gemeinde in Düsseldorf die wahrscheinlich bestorganiserte außerjapanische Siedlung und nach inoffizieller Zählung der für kurzfristige Einsätze eingeflogenen, nicht gemeldeten Firmenangestellten womöglich noch einmal deutlich größer, als es die offiziellen Zahlen belegen. Es hat sich um die Handelsvertretung eine Infrastruktur mit besonders gastlichem Flair in Düsseldorf entwickelt, die eine immense Sogwirkung ausübt — nicht nur auf Japaner.</p>
<p><span class="halfwidth" style="width: 27%; height: 14.4em; margin-right: 1%;"><img src="/wpkontext_333/wp-content/uploads/japantagrheintreppe.jpg" alt="Rheintreppe Düsseldorf, Menschenmenge" title="Vor dem Rheinturm sammeln sich Besucher zum Sonnen, Staunen und Posieren" /></span><span class="halfwidth" style="width: 17%; height: 14.4em;"><img src="/wpkontext_333/wp-content/uploads/japantagcosplay.jpg" alt="Verkleidete Menschen" title="Inmitten der Besucherströme tauchen immer wieder Gestalten aus einer anderen Welt auf" /></span><span class="imagecaption">Auf der Rheinpromenade sammeln sich Besucher zum Sonnen, Staunen und Posieren</span> So haben sich in den letzten Jahren vermehrt Anhänger der <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cosplay" title="Wikilink Cosplay">Cosplay-Subkultur</a> Düsseldorf als zentrale Anlaufstelle auserkoren. Am Japantag zelebrieren Fans aus ganz Deutschland ihre Liebe zur japanischen Comic-Kultur in einer besonderen Form des Rollenspiels mit detailgetreuer Kostümierung nach Vorbild der Anime– und Mangahelden. Dabei ist es mit bloßer Kostümierung nicht getan, was zu amüsanten Szenen in der Begegnung der Cosplayer mit ihrem Publikum führt. Gerne posieren sie für die Fotografen — nach ihren eigenen Regeln.<br />
<span id="more-792"></span><br />
»Wir stellen uns am Besten hier vor die Mauer. Aber ich kann nicht in die Kamera gucken,« erklärt eine grau gewandete Vampirin, die ihren männlichen Begleiter an einer Schaumstoffkette durch die Menge führt, ihrem verblüfften Fotografen. »Weil mein Charakter das nicht macht!« Die Identifikation mit der Kunstfigur, die als Vorbild dient, ist Voraussetzung für einen Cosplayer. Deswegen verkünden die meisten auf Nachfrage stolz: »Das habe ich alles selber geschneidert«. Es ist eine Form von Eskapismus, eine Flucht aus der Realität, die die Bewegung ursprünglich auszeichnet. Die japanischen Vorbilder, die die Kultur ins Leben riefen, sind längst nicht alle so selbstbewusst, wie die jungen Menschen, die sich in Düsseldorf versammeln.</p>
<p>Einigen dient die Rolle des Helden oder der Heldin (und einigen mehr noch die Rolle des Schurken oder auch eines gepeinigten Opfers) als Halt, wenn sie auf der <em>Jingūbashi</em>, der Brücke vor dem Meiji-Schrein in Tokio, verkleidet ihrer Rolle des Außenseiters im Schulalltag entsagen. Vorbild für deas Entstehen des neuen Trends waren die Fans amerikanischer Science-Fiction Serien, wie zum Beispiel Star-Trek, die auf Fantreffen in das Universum ihrer Vorbilder eintauchten. Das Verkleiden als Charakter einer Science-Fiction Serie wurde beim Transfer in die japanische Subkultur mit einer tieferen Bedeutungsebene der persönlichen Identifikation mit einer fiktiven Person aufgeladen. Gleichzeitig mit dem Schlüpfen in eine neue Identität, wird die eigene, normale Persönlichkeit abgelegt, die oft als enttäuschend empfunden wird. Bei der Interpretation des Phänomens in Deutschland ist von dieser tragischen Komponente einiges verloren gegangen: Die Darsteller hier profitieren von der Auseinandersetzung nicht nur mit der Cosplay-Subkultur, sondern mit dem Phänomen Japan insgesamt. Viele beschäftigen sich mit der japanischen Sprache und vielen weiteren Aspekten der japanischen Kultur über das Ausleben ihres exotischen Hobbys hinaus.</p>
<p><span class="halfwidth" style="height: 12.4em;"><img src="/wpkontext_333/wp-content/uploads/japantagbuehne.jpg" alt="Bühne Japantag" title="Den ganzen Tag über wird auf der Hauptbühne Programm für die Besucher des Stadtfestes geboten" /></span><span class="imagecaption">Den ganzen Tag über wird auf der Hauptbühne Programm für die Besucher des Stadtfestes geboten</span>Als Begegnungsstätte bietet Düsseldorf dazu beste Voraussetzungen. Auf der Immermannstraße, dem Zentrum der japanischen Unternehmen in Düsseldorf, reihen sich Buch und Mangaläden aneinander, selbst ein Ableger der Kaufhauskette Mitsukoshi findet sich hier. Das EKŌ-Haus in Niederkassel dient dem Kulturaustausch und beherbergt auf seinem Areal den einzigen, von Japanern erbauten, buddhistischen Tempel Europas. Vor allem aber ist es die hervorragende Vernetzung der japanischen Gemeinde mit der Stadt, die sich nicht zuletzt in der Organisation eines solch beeindruckenden Spektakels wie des Japantages manifestiert, die einen strukturellen Vorteil des Standortes bietet. Um die Bedürfnisse der japanischen <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Expatriate" title="Wikilink Expat"><em>Expats</em></a> zu bedienen, hat sich den Konzernen und Handelsvertretern Infrastruktur in Form von Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie und sogar einer japanischen Schule angegliedert, die sich, von den Bürgern Düsseldorfs angenommen, schnell zu einer neuen, multikulturellen Düsseldorfer Identität entwickelt hat. </p>
<p>So trifft am Japantag Sushi auf Altbier (was, nebenbei bemerkt, eine vorzügliche Kombination ist) und die Stände, die neben kulinarischen Entdeckungen auch ein breites Kulturangebot mit Einführungen in Schreibkunst, das Go-Spiel, Ikebana, Kendō, <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Iaid%C5%8D" title="Wikilink zu Iaidō">Iaidō</a> und vieles mehr bieten, können den Besucheransturm kaum bewältigen.<span class="halfwidth" style="height: 12.4em;"><img src="/wpkontext_333/wp-content/uploads/japantagfressbude.jpg" alt="Ein japanischer Gastronomiestand" title="Die Auswahl an Köstlichkeiten ist groß und sehr begehrt" /></span><span class="halfwidth" style="height: 12.4em; margin-right: 0; margin-left: -0.6em;"><img src="/wpkontext_333/wp-content/uploads/japantagkoeche.jpg" alt="Japanische Köche in einem Gastronomiestand" title="Die Köche kommen mit der Arbeit kaum hinterher." /></span></p>
<p>Und zum Abschluss bestaunen kostümierte und nichtkostümierte Japanliebhaber gemeinsam das Feuerwerk, für dessen Ausrichtung jedes Jahr Spezialisten aus Nippon einfliegen.</p>
<div class="update">
<p class="updatestamp"><strong>Update 14.06. 18:44</strong></p>
<p><span class="halfwidth" style="height: 25.6em;"><img src="/wpkontext_333/wp-content/uploads/japantagmundschutz.jpg" alt="Cosplayer mit Mundschutz" title="Cosplayer nehmen die Hysterie um die Schweinegrippe auf die Schippe" /></span><br />
<strong>Die japanische Schule macht in diesen Tagen leider auf unangenehme Weise Schlagzeilen: <a  href="http://www.tagesschau.de/inland/schweinegrippe400.html" title="Die Tagesschau zur Ausbreitung der Schweinegrippe">Zwei Schüler hatten sich unabhängig voneinander mit der Schweinegrippe infiziert und ihre Mitschüler angesteckt</a>.  Einige der Cosplayer vor Ort thematisierten das Tagesgeschehen, in dem sie eine gespielte Hysterie in ihrer Charakterrolle anlegten und mit Mundschutz herumliefen. Japaner, die man zumindest auf Fotos aus Japan auch mal mit einem Mundschutz sieht, tragen diesen übrigens nicht aus Angst vor Ansteckung, sondern vielmehr aus Höflichkeit, wenn sie selbst erkältet sind und andere vor ihrer Erkältung schützen wollen.</strong>
</div>
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		<title>Mutters Pfannkuchen</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 17:33:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschliches]]></category>
		<category><![CDATA[hilfreich]]></category>
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		<description><![CDATA[Es hat schon eine gewisse Tradition, dass ich immer, wenn ich Pfannkuchen backe, meine Mutter anrufe, um sie noch einmal nach dem Rezept für den Teig zu fragen. Das war bis vor Kurzem noch nicht einmal gespielt: Ich habe mir die Mengenangaben wirklich nie gemerkt - vielleicht weil mein Unterbewusstsein eine kleine Löschroutine installiert hat, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="cap"><span>E</span></span><em class="update">s hat schon eine gewisse Tradition, dass ich immer, wenn ich Pfannkuchen backe, meine Mutter anrufe, um sie noch einmal nach dem Rezept für den Teig zu fragen. Das war bis vor Kurzem noch nicht einmal gespielt: Ich habe mir die Mengenangaben wirklich nie gemerkt — vielleicht weil mein Unterbewusstsein eine kleine Löschroutine installiert hat, die mich zwingen sollte, mich öfter bei Mama zu melden. Spätestens, wenn ich oder eine zu Speiseplanwünschen berechtigte Person in meinem Umfeld wieder Lust auf Pfannkuchen hatte, musste ich also telefonieren. </em></p>
<p>Irgendwann im letzten Jahr hat sich wohl mein Gedächtnis gegen mein Unterbewusstsein durchgesetzt, zumindest kann ich nun die Mengenangaben ohne Anruf abrufen. Weil aber jeder Tag, an dem man an seine Liebsten denkt, ein schon ein bisschen weniger schlechter Tag ist, werde ich als Appetithäppchen für alle weiteren Artikel über das Kochen dieses Rezept hier verewigen.<q class="pullquote">Jeden Tag die Nerven und die Leidenschaft aufzubringen, sich ohne Ruhm um das Wohlergehen anderer zu sorgen, das ist hohe Schule</q></p>
<p>Im letzten Jahr ebbte die geradezu rauschhafte Begeisterung in Deutschland für das Kochen, anschaulich dokumentiert in der Inflation der Kochdarsteller, den Fernsehköchen, merklich ab. Zumindest die gefühlte Penetranz der löffelschwingenden Selbstdarsteller scheint zugunsten von Käfigreinigung und Gehegesanierung einer neuen Form des Renovierungsfernsehens gewichen. Die größte Wohltat in diesem Zusammenhang ist vermutlich die geradezu meditative Abkehr von der Selbstdarstellung. Kein Pfau ist so eitel wie ein Fernsehkoch. Und aus der Nabelschau ums Kochen erwuchs geradezu ein Leistungsdruck, in der heimischen Küche den neuen Ansprüchen an ein perfektes Abendessen gewachsen zu sein.<br />
<span id="more-490"></span><br />
Wenn man denn nationale Tugenden im europäischen Vergleich überhaupt als existent annimmt, so mag man sich in seinen Vorurteilen vom Michel bestätigt sehen, dass er sogar aus einer Tätigkeit, deren Produkt Menschen zusammenführt, einen Wettbewerb macht. In England bat man schlicht <a  href="http://en.wikipedia.org/wiki/Come_Dine_With_Me" title="Schon auch ein Kampf ums perfekte Dinner"><em>Come Dine With Me</em></a>. Diese Interpretation des Kochwahns ist natürlich willkürlich und gemein, man könnte den Kampf ums perfekt durchgebratene Kalb auch gut als Ausdruck eines patriarchalischen Besitzergreifungsanspruchs auf vormals weibliches Territorium begreifen. Wie immer man den in Deutschland neu entfachten Diskurs des Kochens auch betrachtet — er war auf frappierende Weise dem Fußballdiskurs gleich. Die inhaltliche Qualität entpuppte sich als heiße Luft, wenn gestandene Restauranteure und Köche sich vor den Kameras nur noch darin gefielen, Phrasenschweine zu mästen und den Showkasper zu spielen.</p>
<p>Das Wettrüsten in der Küche nahm budgetschädigende Ausmaße an. Bis ich irgendwann wieder Pfannkuchen machen wollte und meine Mutter anrief. Selbst wenn ich nach einer harten Schule von Schneidetechnik und Lebensmittelchemie womöglich die ausgefalleneren Arrangements für den Gruß aus der Küche zusammenstellen konnte: Nestwärme kann kein Herd ersetzen. Jeden Tag die Nerven und die Leidenschaft aufzubringen, sich ohne Ruhm um das Wohlergehen anderer zu sorgen (auch der eigenen Gesundheit übrigens — tut euch was gutes und kocht auch mal für euch alleine), das ist hohe Schule. Vielleicht wollte mein Unterbewusstsein mir auch nur eine Lektion in Demut erteilen. Ich koche jetzt viel mehr als früher und weniger prätentiös. Prätentiös zu kochen bedeutet übrigens in etwa, so zu kochen, wie Texte zu schreiben, in denen das Wort <em>prätentiös</em> vorkommt.</p>
<p>Bevor ich’s vergesse: Einen viertel Liter Milch, ein viertel Liter Sprudelwasser, ein viertel Kilo Mehl, 4 kleine (oder 3 normale) Eier, eine Prise Salz und eine Prise Zucker ordentlich verrühren. Das ist die perfekte Basis, um in einer heißen Pfanne in ein wenig schäumender Butter sowohl herzhafte, als auch süße, dünne Pfannkuchen zu backen, je nach Belag.</p>
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