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	<title>Kontextschmiede &#187; Kultur</title>
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		<title>Wie der Schmutz ins Internet kommt</title>
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		<pubDate>Thu, 13 May 2010 23:15:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[analytisch]]></category>
		<category><![CDATA[hilfreich]]></category>
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		<description><![CDATA[Viele Medienschaffende publizieren Beiträge im Internet, mit denen sie sich an Debatten beteiligen wollen. Manche stellen dafür sogar ihre eigene Plattform zur Verfügung, auf der Leser sich mit eigenen Beiträgen beteiligen können. Wenn wir solche Plattformen als Gesprächsangebote und die darauf statt findenden Diskussionen als Gespräche betrachten, können wir eine drängende Frage der Plattformanbieter neu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Medienschaffende publizieren Beiträge im Internet, mit denen sie sich an Debatten beteiligen wollen. Manche stellen dafür sogar ihre eigene Plattform zur Verfügung, auf der Leser sich mit eigenen Beiträgen beteiligen können. Wenn wir solche Plattformen als Gesprächsangebote und die darauf statt findenden Diskussionen als Gespräche betrachten, können wir eine drängende Frage der Plattformanbieter neu bewerten: Wie kann ich die <a  title="DvG: Vom Umgang mit Leserkommentaren" href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/vom-umgang-mit-leser-kommentaren/" target="_blank">Qualität »meiner« Debatten steigern</a>?</p>
<p>Für die Analyse von Gesprächen gibt es sehr spezifische wissenschaftliche Modelle und Erklärungsansätze. Erkenntnisse der <a  title="Wikilink: Konversationsanalyse" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Konversationsanalyse" target="_blank">Soziolinguistik</a>, der <a  title="Wikilink: Sprecherwechsel" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sprecherwechsel" target="_blank">Pragmatik</a> und der <a  title="Nentwich: Cyberscience" href="http://www.itas.fzk.de/tatup/033/nent03a.htm" target="_blank">CMC-Forschung</a> bieten sich als dankbare Werkzeuge an, neue Interpretationen für das Wesen der Kommentarspalten im Internet zu finden. Denn vor der Frage nach dem »wie« sich die Qualität von Onlinedebatten steigern lässt, steht die Frage nach dem »<a  title="Ulrike Langer: Fehler der Printmedien beim Umgang mit Online-Kommentaren" href="http://medialdigital.de/2009/10/21/5-fehler-von-printmedien-beim-umgang-mit-online-kommentaren/" target="_blank">warum</a>«  diese Debatten so sind, wie sie sind. Dabei bietet kein Ansatz für sich eine allumfassende Lösung, aber jenseits des anwendungsbezogenen <a  title="Todd Zeigler: 9 ways to improve the quality of comments on your website" href="http://www.bivingsreport.com/2008/9-ways-to-improve-the-quality-of-comments-on-your-website/" target="_blank">Community-Managements</a> sind einige theoretische Überlegungen der Sprachwissenschaften verblüffend robust. Onlinedebatten verhalten sich tatsächlich häufig wie Gespräche.<span id="more-2659"></span></p>
<p>Die erste Annahme für Onlinedebatten muss in Analogie zur Gesprächsforschung lauten: Es gibt Mikroöffentlichkeiten, fragmentierte Sprechergemeinschaften, die sich in ihren Gesprächen spezifischer Regeln bedienen. Tatsächlich ist das Feuerwerk an Bonmots, das in manchen Onlinemedien wie ein Wettbewerb der Kommentatoren wirkt, ein starker Kontrast zu schlampig formulierten, dumpfen Ressentiments, die einem an anderer Stelle entgegen schlagen. Bei beiden Extremen lässt sich trotzdem eine Systematik in der Kommentarkultur erkennen. Es gibt ungeschriebene Regeln, an die sich der Großteil der Kommentatoren hält. Wie in Sprechergemeinschaften lassen sich »Dialekte« abhängig vom Ort der Kommentare erkennen, obwohl die technischen Voraussetzungen nahezu identisch sind.</p>
<p>Mit sprachwissenschaftlichen Modellen lassen sich auch die Erfahrungswerte übersetzen und erklären, die Alan Rusbridger, der Chefredakteur des <a  title="Alan Rusbridger: Does journalism exist?" href="http://www.guardian.co.uk/media/2010/jan/25/cudlipp-lecture-alan-rusbridger" target="_blank">Guardian</a> und Mathew Ingram vom kanadischen The Globe and Mail ins Feld führen. <a  title="Mathew Ingram: Newspapers get the kind of communities they deserve" href="http://www.niemanlab.org/2009/09/newspapers-get-the-kind-of-communities-they-deserve/" target="_blank">Ingram sagt</a>, dass die Qualität der Debatten deutlich steigt, wenn sich die Autoren an den Leserkommentaren beteiligen. Dafür sprechen gleich zwei Faktoren aus der Soziolinguistik: <a  title="Wikilink: Face (sociological concept)" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Face_%28sociological_concept%29" target="_blank"><em>Face</em></a> und <a  title="Wikilink: Prestige (auf Englisch)" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Prestige" target="_blank"><em>Prestige</em></a>.</p>
<h4>Gesichtsverlust und andere Kräfte</h4>
<p>Face bezeichnet die Übereinstimmung der individuellen Selbstwahrnehmung und des sozialen Status einer Person mit den Strukturen einer Gemeinschaft. Wer in ein Fettnäpfchen tritt, kann sein Gesicht verlieren. Die Selbstwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung des Status ist erschüttert. Das Konzept, das uns aus chinesischen Sprichworten bekannt ist, bestimmt auch unser zwischenmenschliches Verhalten: Wir benehmen uns zivilisiert, weil wir soziale Ächtung vermeiden wollen. Wer als Kind neue Schimpfworte an seiner Tante ausprobiert hat, dürfte diesen Grundsatz schnell verinnerlicht haben.</p>
<p>Prestige verdeutlicht, dass nicht jedes Wort das gleiche Gewicht hat. Ein Muttersprachler, der unsere englische Aussprache korrigiert, hat in dieser Situation einen höheren Status, da fangen wir kaum an, zu diskutieren. Ein Kind wird selten gleichberechtigt an einer Diskussion Erwachsener teilnehmen. Wenn der gefürchtete Chef einen Witz macht, lachen alle. Prestige kann abhängig von der Situation sein, sozialer Status ist nicht in jedem Umfeld der gleiche. Prestige wirkt sich allerdings direkt auf Face aus. Die Handlungen und der Sprachgebrauch einer Person mit höherem Prestige bestimmen in größerem Ausmaß die Regeln, die es nicht zu verletzen gilt.</p>
<p>Wenn sich nun ein Autor in einem Onlinemagazin an den Kommentaren beteiligt, trägt er oder sie automatisch das höchste Prestige und wirkt allein dank seiner Anwesenheit auf die Regeln des Sprachraumes. Zum Beispiel hat er mit dem Artikel das Thema der Diskussion gesetzt und deswegen diszipliniert er alle Teilnehmer dazu, sich in der Diskussion auch auf das Thema zu konzentrieren. Die Themenkohärenz wird, wenn der Autor Verstöße dagegen nicht öffentlich als akzeptabel markiert, zu einem wichtigen Faktor für Face.</p>
<h4>Tip des Tages: Inspirierende Diskursräume</h4>
<p>Ohne disziplinierende Maßnahmen der Gemeinschaft jedoch werden Offtopic-Verstöße schnell zu einem akzeptablen Verhalten. Da sich in einer Gemeinschaft nur langsam Prestige aus wahrgenommener Expertise und Persönlichkeit ergibt, ist der Autor die wichtigste Autorität — deutlich über jenen, die als Administratoren zwar besondere technische Macht haben, aber in der Diskussion keinen aus der Gesprächsdynamik erwachsenden Einfluss. Interessant ist dabei insbesondere, wie weit die selbststeuernde Dynamik der Gesprächskonventionen reicht. Wenn der Autor seine Leser siezt, werden diese auch untereinander häufiger eine Honorifikmarkierung verwenden, als wenn der Autor seine Leser duzt. Nach und nach entwickelt sich in den Sprachgemeinschaften der Kommentarspalten so ein jeweils gültiger Standard.</p>
<p>Face ist dabei <a  title="DvG: Intervies mit Markus Hofmann - Ende der Anonymität" href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/ende-der-anonymitat-interview-mit-markus-hofmann/" target="_blank">entgegen der häufig geltenden Intuition</a> nicht durch Anonymität aufgehoben. Im Gegenteil wird Face vielmehr durch das Medium zu höherer Komplexität verholfen. So manchen Kommentator wird es mehr schmerzen, dass er seine sorgsam gepflegte Onlineidentität nicht in ein Forum mitnehmen kann, als dass ihn stört, dass er nicht »anonym« sei, weil er dort mit seinem bürgerlichen Namen kommentieren muss. Womöglich ist das Prestige seiner »bürgerlichen Identität« sogar deutlich niedriger und die Hemmschwelle, ausfällig zu werden, sinkt, statt dass sie steigt.</p>
<p>Wenn eine Onlineplattform also nur eine technische Voraussetzung für Diskussionen schafft, statt sich in Gesprächen zu engagieren, müssen sich die Betreiber nicht wundern, dass sich in den solcherart abgeschlossenen Diskursräumen die Gesprächskultur verselbständigt. Insbesondere, wenn ohnehin kontroverse Themen den Anstoß bieten sollen, reichen wenige vergiftende Kommentare aus.</p>
<p>Auf einer Party ziehen wir uns ja auch schnell aus Gesprächen zurück, in denen ein paar betrunkene Idioten Anlass zum Fremdschämen bieten. Da versuchen wir doch nicht, die Gesprächskultur zu heben, wenn es viel leichter ist, sich der interessanten Diskussion im nächsten Zimmer anzuschließen. Auf unseren eigenen Parties bemühen wir uns hingegen in der Regel, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der die Gäste sich gegenseitig inspirieren. Wir preisen nicht einfach auf der Straße Freibier für alle an, verziehen uns auf den Dachboden und lamentieren dann darüber, dass nur betrunkene Idioten in unserem Wohnzimmer abhängen.</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
        	<br />
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        </p><p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/wie-der-schmutz-ins-internet-kommt//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Seid gegrüßt, Euer Diskurshoheit</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 17:36:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stil]]></category>
		<category><![CDATA[meinungsstark]]></category>

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		<description><![CDATA[Der päpstliche Bannstrahl trifft den deutschen Diskurs an empfindlicher Stelle. Der des Sprachpapstes, wohlgemerkt. "Geschwätz", hat er gesagt, und qua seines Amtes wird damit einem Großteil derjenigen, die sich der deutschen Sprache für ihre Teilnahme an öffentlichen Gesprächen bedienen, die Daseinsberechtigung in diesen Diskursen abgesprochen.
Wolf Schneider hat in seinem Leben sicherlich viel Richtiges gesagt. Wo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der päpstliche Bannstrahl trifft den deutschen Diskurs an empfindlicher Stelle. Der des Sprachpapstes, wohlgemerkt. »<a  title="Interview mit Wolf Schneider: Die meisten Blogs sind Geschwätz" href="http://www.tagesspiegel.de/medien/die-meisten-blogs-sind-geschwaetz/1814164.html" target="_blank">Geschwätz</a>«, hat er gesagt, und qua seines Amtes wird damit einem Großteil derjenigen, die sich der deutschen Sprache für ihre Teilnahme an öffentlichen Gesprächen bedienen, die Daseinsberechtigung in diesen Diskursen abgesprochen.</p>
<p>Wolf Schneider hat in seinem Leben sicherlich viel Richtiges gesagt. Wo er jedem Autoren, jeder Autorin empfiehlt, sich selbst der größte Kritiker zu sein, da fällt es schwer, ihm nicht beizupflichten, der er gleichzeitig ein großer Fan seines eigenen Schaffens ist. Wolf Schneider tut allerdings trotz all seiner Bemühungen um klare Sprache und Verständlichkeit dem Diskurs nicht nur unrecht, er beschädigt ihn durch seine bloße Anwesenheit. Dafür kann er nichts, zumindest wird er es kaum gewollt haben. Und doch ist es seine Funktion in diesem Diskurs, die Rolle als Sprachpapst, als letztinstanzliche Autorität, die ihn zum traurigen Fanal des Scheiterns von Verständigung macht.<span id="more-2644"></span></p>
<p>Deutsche Diskussionen kranken nämlich häufig daran, dass Autoritäten wichtiger als Argumente sind. Der Sprachpapst ist selbst das beste Beispiel, denn seinen Worten wird dank seiner Autorität Gehör geschenkt, auch da, wo sie wenig überzeugend sind. Seine Autorität geht so weit, dass die ästhetischen Urteile Wolf Schneiders über Sprache zum Maßstab für richtig und falsch werden. Dabei ist er eigentlich ein Freund des <a  title="Wolf Schneider: Die Macht der Bilder" href="http://www.mehner.info/html/macht_der_bilder.html" target="_blank">gepflegten Lutherwortes</a>: Den Leuten auf’s Maul schauen. Geil, mag der unbedarfte Leser glauben.</p>
<p>Der gleiche Schneider, der eine <a  title="Wolf Schneider: Sprachlese - Der Bevölkerung auf's Maul geschaut" href="http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/eaff7374-427f-4a68-96c1-75a6e0249473.aspx" target="_blank">Kolumne</a> nach dem geflügelten Wort Luthers benennt und dessen Bibelübersetzung ob ihrer bildhaften Wortgewalt preist, sagt aber auch:</p>
<blockquote><p>Was die Leute reden ist nicht mein Thema, sondern was Journalisten  schreiben.</p>
</blockquote>
<p>Und findet in Fernsehtalkshows nebenbei, dass der Duden dummerweise den Sprachgebrauch der Leute registriere, selbst »wenn er falsch ist«. Denn was richtig und falsch ist und wie das Volk zu sprechen habe, das bestimmt in Deutschland, die wir ja schließlich Papst sind, der Sprachpapst immer noch selbst. Dessen Wort ist Gesetz auch dafür, wie Journalisten und nun also junge Autoren zu schreiben hätten, wollten sie verstanden werden.</p>
<p>Wolf Schneider mag ein großartiger Stilist sein. Er beweist nur leider wenig Expertise, wie Sprache funktioniert. Warum also bringt die Sprachgemeinschaft Luthers nicht die Kraft auf, sich gegen zur Institution gewordene Vorurteile zur Wehr zu setzen? Es sind Vorurteile über Sprache, die zur Bewertungsgrundlage für richtig und falsch werden. Schneiders ästhetisches Empfinden ist der Maßstab, statt dass Verständlichkeit die Ultima Ratio für den journalistischen Sprachgebrauch darstellt. Die Korrektheitsdoktrin geht über Verständigung. Dabei gilt es sich doch eigentlich nicht an Luthers Sprache auszurichten, sondern an seinem Willen, sich den Menschen in ihrer Sprache zu nähern, wenn sie die Botschaft verstehen sollen.</p>
<blockquote><p>Many of the rules that editors and other  grammatical zealots wave about  like cudgels are arbitrary and destined  to be swept aside as words and  usage evolve. <a  title="Rezension zu: The Lexicographer's Dilemma (Jack Lynch) The New  York Times" href="http://www.nytimes.com/2010/01/01/books/01book.html" target="_blank"><cite>Neil  Genzlinger</cite></a></p>
</blockquote>
<p>Es gibt sehr wohl andere Kriterien für den gelungenen Nutzen vom Kommunikationswerkzeug Sprache als das ästhetische Urteil sprachkonservativer Autoritäten. Leider finden <a  title="Anatol Stefanowitsch: Sprachlog" href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog" target="_blank">sprachwissenschaftlich fundierte</a> <a  title="Anatol Stefanowitsch: Archiv des alten Sprachlogs" href="http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2008/04/16/sick-of-sick/" target="_blank">Bewertungen</a> in der deutschen Öffentlichkeit kaum Gehör. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit, die von der Priesterkaste der schneiderschen Lehre bedient wird. Dabei hat der Journalismus, der seinen Standesdünkel gern als Monstranz vor sich herträgt, doch den Anspruch, stellvertretend für die Gesellschaft einen Diskurs zu führen. Wenn er dabei weniger Rücksicht auf überkommene Dogmen nähme und sich weniger an Autoritäten als vielmehr der Qualität der Argumente orientieren würde, könnten die Leser vielleicht auch häufiger etwas Neues lernen. Zumindest, wenn es um Sprache geht.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/seid-gegrust-euer-diskurshoheit//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Von alten Medien lernen</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 17:16:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<description><![CDATA[Im ersten Teil dieser Reihe um Kompetenz in alten und neuen Medien haben wir die Grundannahme vorgestellt, dass Medien von ihren Nutzern geformt werden. Außerdem haben wir uns mit einigen Besonderheiten des Mediums Internet beschäftigt. Heute wollen wir uns zum Ausgleich mit alten Medien beschäftigen und mit den Lehren, die wir für den Umgang mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im ersten Teil dieser Reihe um Kompetenz in alten und neuen Medien haben wir die Grundannahme vorgestellt, dass Medien von ihren Nutzern geformt werden. Außerdem haben wir uns mit einigen Besonderheiten des Mediums Internet beschäftigt. Heute wollen wir uns zum Ausgleich mit alten Medien beschäftigen und mit den Lehren, die wir für den Umgang mit neuen Medien daraus ziehen können. Denn auch wenn es konzeptionelle Unterschiede zwischen verschiedenen Medientypen gibt, darf man darüber deren Gemeinsamkeiten nicht vergessen: Es geht weniger darum, was ein Medium oder eine Technologie konzeptionell erlauben, als vielmehr darum, welche Konventionen sich für die Nutzung ergeben.</p>
<p>Alte Medien haben einen Reifungsprozess hinter sich, den wir als Erfahrungsschatz nicht vernachlässigen können. Viele der Konventionen übernehmen wir schließlich, ohne sie zu hinterfragen. Wir lesen auch im Internet von links nach rechts, <a  title="Gerald Brozek: Web-Abenteuer Textwüste - Werkzeuge und Strategie" href="http://hyperkontext.at/weblog/artikel/web-abenteuer-textwueste-werkzeuge-und-strategie/" target="_blank">wir benutzen Überschriften und Absätze</a>, um Themen einzuführen und zu gruppieren. Wir klicken auf Pixel, die wie die Piktogramme auf unseren Kassettenrekordern aussehen, wenn wir ein Video starten wollen. All die Gewohnheiten, die wir im Umgang mit anderen Medien erworben haben, begegnen uns in neuen Medien wieder.<span id="more-2588"></span></p>
<p>Dabei sind diese Gewohnheiten teilweise völlig zufällig. Wir könnten ja auch von rechts nach links oder von oben nach unten schreiben, wie es uns andere Schriftsysteme vormachen. Allerdings gewinnen die sozialen Regeln, die wir im Umgang mit der Technik entwickeln, ein Eigenleben. Die Entscheidung für das Schriftsystem prägt sogar unsere psychologische Wahrnehmung. Wir scannen visuelle Hinweise von links nach rechts. Wer zum ersten mal einen japanischen Comic liest, hat dementsprechend Schwierigkeiten, die Erzählstruktur der Bilder nachzuvollziehen. Um so wichtiger ist es, dass wir uns über die Regeln klar werden. Einige Jahrhunderte Erfahrung im Umgang mit Text und Informationsvermittlung werden wir nicht einfach in die Tonne kloppen, nur weil gerade eine neue Technik unsere Aufmerksamkeit vereinnahmt.</p>
<h4>Hype und Hysterie</h4>
<p>Wenn eine neue Technik Zugang zu unserem Alltag findet, entzünden sich daran die Geister, weil wir als soziale Wesen uns noch nicht auf Konventionen über den Gebrauch verständigt haben. Erst wenn Nutzungskonventionen zur Norm werden, wird die Technik »unsichtbar«. Reife Technologien zeichnen sich dadurch aus, dass es weder Enthusiasmus noch Skeptizismus über sie gibt. Niemand fragt sich noch, was eine »richtige« Anwendung des Telefons sein könnte und ob es unsere sozialen Kontakte verkümmern lässt, weil wir nicht mehr vor die Tür gehen müssen, um mit unseren Nachbarn zu reden. Wir haben uns daran gewöhnt, dass das Telefon ganz selbstverständlich Teil unseres Lebens ist. Was aber ist gesellschaftlich akzeptierter Umgang mit dem Handy in der Öffentlichkeit?</p>
<p>Trennen wir zunächst den allgemeinen Kulturpessimismus von einem Phänomen, das immer wieder mit der Entwicklung gesellschaftlich relevanter Technologien einhergeht: Neue Technologien unterliegen einer polarisierenden Bewertung. Genau so, wie es dystopische Hysterie über die neue Technologie gibt, gibt es immer auch utopischen Hype. Aus diesem Spannungsfeld entstehen Mythen über die neue Technik, die einer pragmatischen Nutzung im Wege stehen. Das Internet ist eindeutig noch in dieser Phase der Polarisierung gefangen, <a  title="Thorsten Breustedt: Über Internetionalisierungsdebattendefizite" href="http://www.thorstena.de/?p=2262" target="_blank">die Gesellschaft streitet noch um Deutungshoheit</a>.</p>
<p>Zur Mythenbildung trägt ein Umstand ganz besonders bei, der Besitzstandswahrer und Netzapologeten in trauter Zweisamkeit eint: Die aktuelle Debatte ist in der Falle des <a  title="Wikilink: Technikdeterminismus" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Technikdeterminismus" target="_blank">technologischen Determinismus</a> gefangen. Kennzeichnend sowohl für ablehnende als auch zustimmende Beiträge zur Diskussion ist in den meisten Fällen ihre monokausale Beschränkung auf das Internet als originären Auslöser von gesellschaftlicher Umwälzung. Dabei war es auch zur Zeit Gutenbergs nicht allein die Druckerpresse, die alles verändert hat. Was die Menschen mit der Druckerpresse angestellt haben, hat die Welt verändert. Nicht zuletzt kam die gesellschaftliche Veränderung aber auch aus sozialen Spannungsfeldern, die ein Ventil für den voranschreitenden Wertewandel fanden.</p>
<p>Ohne gleich dem <a  title="Wikilink: Sozialkonstruktivismus" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialkonstruktivismus" target="_blank">Sozialkonstruktivismus</a> das Wort reden zu wollen, ist es doch zumindest bemerkenswert, zu überlegen, <a  title="Cem Basman: Das Web, das sind wir" href="http://sprechblase.wordpress.com/2010/03/13/das-web-das-sind-wir/" target="_blank">warum eigentlich die Pharaonen nicht mit Heißluftballons flogen</a>. Interessant ist es sicher auch, sich zu fragen, wie sehr das Internet kulturell und politisch voreingenommen ist. Immerhin ist das Protokoll eindeutig von seinen Urhebern geprägt und es haben nicht alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen Zugang, sich am Findungsprozess der künftigen Netzkonventionen zu beteiligen.</p>
<h4>Alles schon mal da gewesen</h4>
<p>Der Hype um neue Technologien ist alt. Neu scheint im Moment nur die Feedbackschleife, die diesen Hype weiter propagiert: <a  title="Christian Jakubeitz: Die Rückkehr der analogen Ritter" href="http://www.blog-cj.de/blog/?p=3062" target="_blank">Die Eigeninteressen von »Sendern« sind betroffen</a>, sowohl Sender der alten Medien als auch Sender der neuen Medien sehen ihre Stimme in Gefahr. Obendrein sind Machtstrukturen und nicht zuletzt finanzielle Interessen von ausgerechnet jener Gruppe Menschen betroffen, die in der Vergangenheit für sich in Anspruch nahm, gesellschaftliche Debatten stellvertretend für all jene auszuführen, die mangels eines Sendungskanals keine öffentliche Verbreitung fanden.﻿ Dabei sind es nicht »die Medien,« weder die Vertreter der alten, noch die der neuen, die darüber entscheiden werden, wie die Nutzer sich mit dem Internet arrangieren. Das haben die Nutzer zu allen Zeiten selbst entschieden.</p>
<p>Wir werden von Technologie beeinflusst und <a  title="Jürgen Kuri: Unser Denken soll das Internet lenken" href="http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~ECCAB25BA4C4F489E95E78C8DD1A0F884~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">formen die Technologie</a> im Gegenzug nach unseren Vorlieben und Bedürfnissen. Eine neue Technologie kann einen Paradigmenwechsel einläuten. Aber sie kann nicht »alles ändern«. Schon gar nicht gegen die Gewohnheiten der Nutzer. Und da, wo Technik einer Erweiterung von Kommunikation dient, sind die Gewohnheiten der Nutzer in der Regel schon sehr festgefahren. Immerhin übt sich jeder von uns schon verdammt lange in Kommunikation, spätestens seit wir Mama mit einem Lächeln dafür entschädigt haben, dass wir sie mit Geplärre zu Aufmerksamkeit erpressen.</p>
<p>Deswegen kann es sehr gut passieren, dass Nutzer, die neue Medienerfahrungen gesammelt haben, plötzlich auch andere Ansprüche an bekannte Medien stellen. Unter dieser Maßgabe ist es nur plausibel, dass sich alte Modelle verändern werden. Das ist keine Frage von »Anpassen oder sterben« sondern vielmehr eine grundsätzliche Konsequenz des nutzergetriebenen Medienwandels. Sat1 hat eine Zeitlang versucht, Fernsehzuschauer an neue Startzeiten um 20:00 zu gewöhnen und musste sich doch den Erwartungen der Nutzer beugen. Wer nicht an thematische Sortierung in Feuilleton, Wirtschaft, Politik etc. gewöhnt ist, ist mit anderen Sortierungen womöglich besser bedient. Das Feuilleton als thematisches Raster stirbt aus der Nutzerperspektive vielleicht völlig zurecht aus, völlig unabhängig von der inhaltlichen Qualität oder dem Stellenwert, die es für seine Macher haben mag.</p>
<p>Nun bin ich in der dankbaren Position, nicht finanziell von einem Geschäftsmodell abhängig zu sein, das <a  title="Björn Sievers: Warum das Dilemma der Agenturen die Zukunft der Medien weist" href="http://bjoern-sievers.de/2010/03/19/warum-das-dilemma-der-agenturen-die-zukunft-der-medien-weist/" target="_blank">an alte Nutzergewohnheiten gekoppelt </a>ist, und kann eine sehr akademische Perspektive einnehmen. Es geht mir gerade nicht um Inhalte oder die gesellschaftliche Bedeutung des Journalismus,  sondern um funktionale Wesenszüge eines Mediums. Um so zuversichtlicher bin ich aber, dass neue Medienmodelle und Nutzerkompetenzen entstehen werden. Die alten Medien haben es schließlich wieder und wieder vorgemacht. Nicht immer war der Wandel mit einem so offensichtlichen und erbitterten Kampf um Deutungshoheit verbunden, aber doch stets mit nachvollziehbaren Mechanismen und Ergebnissen. Diese Mechanismen gilt es zu entschlüsseln. Die vielleicht besten Hinweise auf das »wie« finden sich gebündelt übrigens an einem Ort, der die Haptik, die  Aura und den Duft komprimierten Wissens zur linearen Informationsvermittlung so wunderbar einfängt, dass viele Studenten ihn immer noch als bevorzugten Arbeitsplatz schätzen. Alte Medien sind eben nicht unbedingt von gestern.</p>
<p><small>Hinweis für Leute, die den Gang in die Bibliothek oder den Kauf nicht scheuen: Eine sehr kompakte Einführung in Medien– und Kommunikationstheorie des Internets bietet <a  href="http://www.amazon.de/Computer-Mediated-Communication-Introduction-Interaction/dp/0761949542">Computer Mediated Communication: An Introduction to Social Interaction Online</a>. Das in diesem Artikel eingebettete Video findet sich auch bei <a  href="http://www.youtube.com/watch?v=MxKmOdz_lxc">YouTube</a></small></p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
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		<series:name><![CDATA[Medienkompetenz]]></series:name>
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		<title>Para Tango</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 23:23:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>maks</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stil]]></category>

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		<description><![CDATA[Düsseldorf, März 2010. Im Tanzhaus-NRW fand am Wochenende vom 12 auf den 14 März ein Tangofestival statt. In den hellen Hallen des ehemaligen Strassenbahndepots tanzten Tangueras und Tangueros aus Argentinien, Schweiz und Deutschland. In der Landeshauptstadt gibt es ohnehin viele Möglichkeiten, beinah jeden Tag zu einer Milonga, einem Tango – Tanzabend, zu gehen. Tango Argentino [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Düsseldorf, März 2010. Im <a  href="http://www.tanzhaus-nrw.de/de/festivals/spielplan/detail.php?id=5&#038;month=">Tanzhaus-NRW</a> fand am Wochenende vom 12 auf den 14 März ein Tangofestival statt. In den hellen Hallen des ehemaligen Strassenbahndepots tanzten Tangueras und Tangueros aus Argentinien, Schweiz und Deutschland. In der Landeshauptstadt gibt es ohnehin viele <a  href="http://www.tango-ruhrgebiet.de/tango_tanzen.html">Möglichkeiten</a>, beinah jeden Tag zu einer Milonga, einem Tango – Tanzabend, zu gehen. <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tango_Argentino">Tango Argentino</a> ist die häufigste Form des Tanzes, die bei den Milongas praktiziert wird. Es gibt keine festgelegte Schrittabfolge. Der führende Tänzer bewegt den folgenden Partner durch den Raum und um seine Körperachse — Ganchos, Sacadas, Boleos, Ochos… die Beine spielen um und am Tanzpartner herum, die Körper sind in einer festen Umarmung.</p>
<p>Führen können und führen lassen – das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für diesen anspruchsvollen aber zugleich sehr <a  href="http://www.welt.de/wissenschaft/article4707047/Mehr-Sex-und-weniger-Stress-durch-Tango-Tanz.html">intensiven</a> Paartanz. Tango wurde von UNESCO als »kulturelle Identität« bezeichnet und zum <a  href="http://www.derwesten.de/kultur/Tango-ist-jetzt-Weltkulturerbe-id260862.html">Weltkulturerbe</a> ernannt — Identität, die weit über die Grenzen von <a  href="http://www.tangosaires.com/">Argentinien</a> ihre Geltung fand, ob in Japan, Finnland oder Deutschland – ein Lebensgefühl, das einen nicht mehr los läßt, sobald es Mann oder Frau in seinen Bann gezogen hat.</p>
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		<title>Medienkompetenz und das Internet</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 21:45:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[analytisch]]></category>
		<category><![CDATA[hilfreich]]></category>
		<category><![CDATA[meinungsstark]]></category>
		<category><![CDATA[video]]></category>

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		<description><![CDATA[Stand der Dinge: Alles ändert sich. Also alles wie immer in diesem Internet. Mancherorts führt das die elder statesmen der deutschen Netzpublizistik und Blogszene zu melancholischen Betrachtungen, das Zwischenfazit für Blogs fällt entsprechend nüchtern aus. Aber es wird ja bald Frühling, da erwacht auch der cabriofahrtwindgeföhnte Eulenspiegel mit der Hasskappe wieder aus dem Winterschlaf und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stand der Dinge: Alles ändert sich. Also alles wie immer in diesem Internet. Mancherorts führt das die <em>elder statesmen </em>der deutschen Netzpublizistik und Blogszene zu <a  title="Don Dahlmann: Haben sich Blogs verändert?" href="http://www.dondahlmann.de/?p=468" target="_blank">melancholischen Betrachtungen</a>, das Zwischenfazit für Blogs fällt entsprechend nüchtern aus. Aber es wird ja bald Frühling, da erwacht auch der cabriofahrtwindgeföhnte Eulenspiegel mit der Hasskappe wieder aus dem Winterschlaf und schießt <a  title="Don Alphonso: Schelme wie ihr" href="http://blogbar.de/archiv/2010/02/18/schelme-wie-ihr/" target="_blank">gegen den Wildwuchs der selbsterklärten Netzexperten</a> und social-media-Berater. Worauf eine <a  title="Jörg Wittkewitz: Was ist social media?" href="http://www.blogpiloten.de/2010/02/19/was-ist-social-media-2/" target="_blank">kluge Replik</a> dem lesenden Betrachter offenbart, dass es tatsächlich Experten mit Sachverstand und Willen zum Diskurs auch in Deutschland gibt. Wie schon regelmäßig zuvor stellt sich trotzdem die Speerspitze der Netzevangelisten die Frage, <a  title="Marcel Weiss: Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland" href="http://netzwertig.com/2010/02/18/deutschland-degeneriert-in-ein-entwicklungsland-teil-3-von-3/" target="_blank">wohin die Reise eigentlich geht</a> und <a  title="Martin Weigert: 8 Schritte auf dem Weg zu einem besseren Internet" href="http://netzwertig.com/2010/02/17/8-schritte-auf-dem-weg-zu-einem-besseren-internet/" target="_blank">gibt einige Antworten gleich mit</a>.</p>
<p>Der Wandel scheint stets von Außen zu kommen: Der vermeintlich heilige Gral der Onlinejournalismusfinanzierung wird in Gestalt einer proprietären Plattform aus Cupertino vorgestellt und die Hysterie der Verlagsmedien implodiert zur <a  title="Christian Jakubeitz: Ein paar iPad-Gedanken" href="http://www.blog-cj.de/blog/?p=2915" target="_blank">größten pro bono Werbekampagne aller Zeiten</a>. Es gibt auch Medienmenschen, die kluge Fragen stellen: <a  title="Thomas Knüwer: Klondyke mit Apfel-Logo" href="http://www.indiskretionehrensache.de/2010/02/klondyke-mit-apfel-logo/" target="_blank">Wo sollen denn eigentlich die Inhalte herkommen</a>, <em>same old, same old</em> wird auch auf der eierlegenden Wollmilchsau iPad nicht funktionieren. Ein Magazin aus Amerika legt vor und die Messlatte auf: Die Studie von Wired ist angesichts der dort vermutlich gebündelten Medienkompetenz (das Blatt wird regelmäßig in einschlägigen Schriften aus der <a  title="Journal of Computer Mediated Communication" href="http://www3.interscience.wiley.com/journal/117979306/home" target="_blank">CMC-Forschung</a> zitiert) allerdings eher unterwältigend.<span id="more-2511"></span></p>
<h4>Deutschland, Land der Ideen?</h4>
<p>Onlinejournalisten und Journalismusdozenten <a  title="Philipp Ostrop: Was ist ihr Medientrend 2010?" href="http://ostrop.wordpress.com/2010/02/01/was-ist-ihr-medientrend-2010/" target="_blank">diskutieren</a>, <a  title="Fiete Stegers: Audio-Slideshow vs Video - Nie mehr als Nische?" href="http://www.onlinejournalismus.de/2010/01/10/audio-slideshow-vs-video-nie-mehr-als-nische/" target="_blank">welche Medienformen dem Internet angemessen seien</a>, theorisieren, tragen ansprechende aber <a  title="Fabian Mohr: Video vs Audioslideshow, über ein Rennen, das gelaufen ist." href="http://www.fabianmohr.de/iso800/2010/01/10/video-vs-audio-slideshow-ueber-ein-rennen-das-gelaufen-ist/" target="_blank">unpraktische Entwicklungen</a> zu Grabe (ich würde die Audioslideshow übrigens konzeptionell noch nicht abschreiben) und <a  title="Steffen Leidel: Multimediale Zukunft ohne Flash?" href="http://training.dw-world.de/ausbildung/blogs/lab/?p=1123" target="_blank">grübeln über das Potential</a> des Netzes. Neue Medienkonzepte hingegen sind rar, obwohl eine Branche, deren fetten Jahre vorbei sind, gerade in Deutschland einen Innovationsschub dringend herbeisehnt.</p>
<p>Im Spannungsfeld alte Medien/neue Medien wird <a  title="CARTA: Warum man 2009 Blogs lieber gelesen haben sollte" href="http://carta.info/22543/zehn-gute-gruende-warum-man-2009-blogs-lieber-gelesen-haben-sollte/" target="_blank">viel lamentiert</a>, manche wissen alles besser als andere, das Internet wird zur Bedrohung oder zum Heilsbringer erklärt (natürlich gibt es auch Zwischentöne), aber niemand, egal auf welcher Seite des <a  title="Wikilink: Digital Divide" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_divide" target="_blank"><em>digital divide</em></a> er oder sie steht, tut sich wirklich damit hervor, eigene Innovationen anzuschieben, statt auf das nächste große Ding zu warten oder einen neuen Onlinedienst dazu zu erklären. Dabei kann Innovation sehr wohl aus dem eigenen Wohnzimmer kommen, es muss nicht immer ein großes Ding sein.</p>
<p>Einige <a  title="Oliver Bechmann: Seacloud Videominiaturen" href="http://www.bechmann.org/appl-z/?p=633" target="_blank">löbliche Ausnahmen</a>, <a  title="Matthias Eberl: Rufposten (Audioslides und Co)" href="http://rufposten.de/weblog/" target="_blank">tapfere Streiter</a> für Totgesagtes und <a  title="Franziska Bluhm, Daniel Fiehne: Die Sendung mit dem Internet" href="http://www.sendung-mit-dem-internet.de/" target="_blank">Konvergenzspezialisten</a> <a  title="Leander Wattig: In eigener Sache - Neue Website für ich mach was mit Büchern" href="http://leanderwattig.de/index.php/2010/02/22/in-eigener-sache-neue-website-fur-ich-mach-was-mit-buchern/" target="_blank">probieren einfach mal</a> aus. Leider gibt es davon viel zu wenige (die ich kenne) oder zumindest schaffen sie es nicht über die Wahrnehmungsschwelle, ab der die Ideen von einer kritischen Menge aufgegriffen und weitergetragen würden. Womit sich der Kreis zum Zwischenfazit der Blogosphäre schließt und wir wieder auf ein Problem des <a  title="Simon Welte: Strukturen in der Blogosphäre" href="http://swelte.de/" target="_blank">long tail</a> stoßen: Die Ideen, die dort geboren werden, schaffen es selten in den Mainstream. Und es fehlt den Ideengebern der Rückhalt und das Feedback, kleine Ideen zu größeren Lösungen heranreifen zu lassen.</p>
<h4>Ich mach was mit Medien</h4>
<p>Ich würde gerne zu denen gehören, die einfach mal ausprobieren. Ich würde gerne die Themen aus den Metadiskursen aufgreifen und zur Inspiration für Innovation werden lassen. In der kleinen, aber feinen Welt der Sportblogger hat sich ein Trend etabliert, den ich beispielhaft aufgreifen möchte und in das große Thema Medienwandel einbetten. Deswegen mach ich jetzt mal was mit Medien, statt nur darüber zu reden.</p>
<p>Eine Woche hat das Projekt gebraucht, die meiste Zeit davon für Konzeption. Mit Keynote wurden die Animationen erstellt und als Video exportiert, via <a  title="Carsten Knobloch: Evom - Videos umwandeln oder Musik extrahieren" href="http://stadt-bremerhaven.de/evom-videos-umwandeln-oder-musik-extrahieren/" target="_blank">Evom</a> in lesbares Format für iMovie gebracht, in iMovie mit dem green-screen-Effekt (der Hintergrund der Animationen war grün) in die Videos eingefügt, die ich mit einer Einsteigerdigicam gefilmt habe (hätte ich mal mehr Geld in die Hand genommen) und schließlich bei Vimeo für die Einbettung freigegeben. Wenn man den Workflow perfektioniert, kann der Aufwand vermutlich auf einen Tag gedrückt werden, aber ich war alleine und musste ständig neue Lösungen improvisieren.</p>
<p>Wir, die wir uns im Netz bewegen, vergessen häufig ein fundamentales Dogma der Medientheorie: Der Mensch macht das Medium. Wir Nutzer entscheiden, was wir aus den technischen Möglichkeiten erschaffen. Packen wir’s an. Wer hat noch eine Idee?</p>
<p><em>Nachtrag: <a  title="Youtube: Internet und Medienkompetenz" href="http://www.youtube.com/watch?v=Xds84UBDmog" target="_blank">Youtubelink zum Video</a></em></p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
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		<series:name><![CDATA[Medienkompetenz]]></series:name>
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		<title>Der Rundgang – Sehen und gesehen werden</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 19:08:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rmb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Spannung steigt. Schon Wochen zuvor kreisen die Gedanken der Studierenden der Kunstakademie Düsseldorf um die alljährliche Ausstellung, mit der jedes Wintersemester seit 1932 abschließt: An fünf offiziellen Besuchstagen strömen die unterschiedlichsten Menschen zu einem eintrittsfreien Kulturereignis, das sich nicht allein durch die Werke und ihre Auseinandersetzung mit der Lebenswelt der Kunstschaffenden erschöpft. Die Akademie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Spannung steigt. Schon Wochen zuvor kreisen die Gedanken der Studierenden der Kunstakademie Düsseldorf um die alljährliche Ausstellung, mit der jedes Wintersemester seit 1932 abschließt: An fünf offiziellen Besuchstagen strömen die unterschiedlichsten Menschen zu einem eintrittsfreien Kulturereignis, das sich nicht allein durch die Werke und ihre Auseinandersetzung mit der Lebenswelt der Kunstschaffenden erschöpft. Die Akademie wird Schauplatz der Kritik, der Inspiration und der divergierenden Auffassungen über Kunst und das sowohl für den Besucher als auch für die Studierenden selbst.</p>
<p>Letztere erleben diese Woche eine Art Ausnahmezustand, gehen nur noch zum Schlafen nach hause, sitzen in oder vor den Räumen ihrer Klassen und erfahren neben dem Gefühl, eine Leistung vollbracht zu haben, gleichzeitig die Ohnmacht gegenüber ihren Werken. Die hängen jetzt da, müssen für sich selbst sprechen, denn nach zu fragen kostet gerade den Beobachter Überwindung, dem der inhaltliche Zugang versperrt bleibt.</p>
<p>In diesem Jahr wandere ich nicht ziellos durch die Räume, denn meine persönliche Insideradresse stellt gleich im ersten Stock aus. Erstmal akklimatisieren, den Overkill verhindern. Was gleich folgen soll, ist eine Flut von Eindrücken, für die ich mich wappnen will.<span id="more-2492"></span></p>
<p>Mit Schreibbrett bewaffnet – damit ich wenigstens einige meiner Favoriten erneut aufsuchen und in Ruhe betrachten kann – falle ich deutlicher auf, als mir lieb ist. Ein älterer Herr fragt mich anlässlich eines Exponates prompt nach der Bedeutung des Wortes »cunt«. Ich übersetze mit: Es ist ein unschönes Wort für Vagina. Nachdem ich die Frage, ob ich auch ausstelle, verneint habe, entfernt sich der freundliche Mann.</p>
<p>Schnell sehe ich ein, dass sich hier auch die Zuschauer selbst präsentieren. Ich erwische mich dabei, wie ich mich hinter einer Skulptur verstecke, um mein Unverständnis dem Künstler nicht zu zeigen. Andere Besucher sind weit weniger scheu: Der Satz »Das hätte ich auch gekonnt!« kommt mir noch häufiger zu Ohren.</p>
<h4>Was kann Kunst?</h4>
<p>Abgesehen von der Fertigkeit der Darstellung – in naturalistischer bis völlig abstrakter Manier – leben die Kunstwerke von den Ideen, die sie ins Leben gerufen haben. Schön ist, was gefällt. Aber was ist Kunst? Das Spektrum des Kreativen reicht von subjektiver Gefälligkeit über die irritierende oder gar abstoßende Wirkung des Dargestellten bis hin zur Illustration politischer Positionen.</p>
<p>Sich zu einer wertenden Definition von Kunst verleiten zu lassen, würde gerade ihren freien Charakter verkennen, der sie innerhalb einer auf Funktion und messbare Leistung fixierten Gesellschaft so wertvoll macht. Weniger angebracht als eine sehr enge Meinung über Kunst erscheint mir nur noch eine Haltung, die ihr gegenüber völlig gleichgültig bleibt.</p>
<p>Am Angebot des Rundgangs lassen sich zahlreiche Möglichkeiten aufzeigen, was Kunst (sein) kann: Da wäre zunächst die Kritik an bestehenden Normen und Idealen, die beispielsweise in den gruseligen Darstellungen übertriebenen Körperkults zu Tage tritt. Noch deutlicher stellen Künstler einen Zusammenhang zwischen Popikonen oder politischen Personen und ihrer fast religiösen Verehrung dar. Von leider zeitlosen Phänomenen vergangener und gegenwärtiger Verhältnisse, wie Stigmatisierung, Verfolgung und Abschiebung und deren tödlichen Folgen sprechen zum Beispiel die »Skulptur des Jungen mit Totenkopf unter der Mütze« und das »Bild der verängstigten Afrikaner im Flüchtlingsboot«.</p>
<p>Bekanntes nicht nur abzubilden, sondern durch Überzeichnen der Realität fraglich zu machen, scheint mir eine Stärke der Kunst auch in weniger offensichtlichen Bereichen zu sein. Der »Überdimensionale Modeschmuck mit Stecker« — jedoch ohne Strom — erzählt mir persönlich von der Substanzlosigkeit bestehender Wertvorstellungen. Indem gängige Zusammenhänge und Erwartungen zerstört werden, können sowohl die »Tomate unterm Bügelbrett,« als auch das interaktive »Klappbild Baum-Vogel fressende Katze,« darauf verweisen wie selbstverständlich wir unserer Wahrnehmung vertrauen. In der gleichen Richtung lässt sich auch das »illusionäre Metallgitter« interpretieren.</p>
<h4>Lassen wir uns eigentlich gerne täuschen?</h4>
<p>Das Spiel mit den Wesenheiten des Betrachters treiben einige Arbeiten deutlicher als andere. Ein Kokon weckt die Neugier; nur durch einen Spalt ist sein Innenleben zu erblicken. Haben die anderen Besucher das wohl auch gesehen? Eine weitere menschliche Eigenschaft: Anderen etwas voraus haben wollen. Einen direkten Verweis auf den Voyeurismus kann das »Video der Tanzenden« darstellen, da ich schon hinter den schwarzen Vorhang schauen muss, um sie beobachten zu können. Will ich mich selbst beobachten, lockt mich der »Blick in den Spiegel«. Deckt sich mein Abbild mit der Kontur des eingeritzten Jesus? Schließlich ist da noch das »Gläser Tablett (mit Saft?)«. Darüber das Bild einer Natursektdusche. Die Assoziation, es sei Urin im Glas, lässt mich vom Beschnuppern der Gläser Abstand nehmen. So neugierig bin ich jetzt doch nicht.</p>
<p>So kritisch oder gar ironisch die Kunst auf den Menschen und sich selbst zeigt – macht der Affe im Video etwa eine abstrakte Plastik? – sie zeugt darüber hinaus von einer erfrischenden und inspirierenden Erfindungsgabe. Im Bereich der Baukunst sind Formen umgesetzt, die spielerisch anmuten und doch durch klare Linien bestechen. Unterschätzen wir die Gestaltung unseres Lebensraumes bloß nicht, denn</p>
<blockquote><p>das Bauen wirkt auf das Wohnen wirkt auf das Denken und wieder von vorn. <br />
 <cite>frei nach Heidegger </cite></p>
</blockquote>
<p>Wer denkt noch an die Gesetzmäßigkeit der Schwerkraft, scheint die kleine Seilspringerfigur doch schwebend selbige außer Kraft zu setzen. Eine Momentaufnahme. Nur in meiner Vorstellung tippen ihre kleinen Füße gleich wieder auf den Boden. Phantasievoll erdacht weckt das Zeppelin-Wannen-Mobil meine Abenteuerlust. Dank seiner liebevoll detaillierten Ausstattung scheint die Reise ja gleich losgehen zu können. Also los, Anker einholen.</p>
<p>Ein grundlegendes Element künstlerischer Darstellung bleibt neben dem Motiv die Kreation von Stimmung durch Farb– und Formgebung, durch den Wechsel von Hell und Dunkel. Hier ist Wirkung gewiss, denn ein möglicher Zugang eröffnet sich jedem, der hinsieht. Liegt das Gewicht stärker auf dem Prozess der Kunst, muss ich nachfragen. Nur heimlich zeugen einige Endprodukte von ihrem außergewöhnlichen Entstehungsweg. So kommen beispielsweise unübliche Materialien zum Einsatz, werden statt herkömmlichem Künstlerbedarf Teer und Säure verwendet. Eine Künstlerin folgt dem Weg eines Flaschensammlers und reduziert das sichtbare Ergebnis ihrer Konzeptkunst auf die abstrakte Darstellung des Weges selbst in einem kontrastierenden edlen Material.</p>
<p>Für das Verstehen dieser Kunstform ist eine Erläuterung unverzichtbar. Wenn ich eine Einsicht – wenn schon kein Kunstwerk – auf meinem Rundgang mitgenommen habe, dann jedoch die, dass auch das zunächst eingängige, vorschnell als verstanden abgehakte Werk im Dialog mit dem Künstler noch hinzu gewinnt.</p>
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		<title>»Niemand ist objektiv« — Interview mit Sabine Schiffer</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 16:51:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>

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		<description><![CDATA[Dr. Sabine Schiffer ist Gründerin und Vorsitzende des Institutes für Medienverantwortung. Sie promovierte über die Islamdarstellung in den Medien und formuliert zu diesem Themenkomplex Positionen, die durchaus das Prädikat kontrovers verdienen. Zumindest dienen ihre Thesen immer wieder als Projektionsfolie für wütenden Widerspruch, zum Beispiel den des Kolumnisten Henryk M. Broders. Wegen einer Aussage in einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2208" class="wp-caption alignright"><a  rel="attachment wp-att-2208" href="http://kontextschmiede.de/niemand-ist-objektiv-interview-mit-sabine-schiffer/cgabler_dr-sabine-schiffer/"><img class="size-full wp-image-2208  " title="Dr. Sabine Schiffer" src="http://kontextschmiede.de/wpkontext_333/wp-content/uploads/cGabler_Dr.-Sabine-Schiffer-e1263743491383.jpg" alt="Portrait Dr. Sabine Schiffer" width="298" height="277" /></a><span class="wp-caption-text">Foto: Susanne Gabler. Mit freundlicher Genehmigung von Sabine Schiffer</span></div>
<p>Dr. Sabine Schiffer ist Gründerin und Vorsitzende des <a  title="Startseite des Instituts für Medienverantwortung" href="http://www.medienverantwortung.de/" target="_blank">Institutes für Medienverantwortung</a>. Sie promovierte über die Islamdarstellung in den Medien und formuliert zu diesem Themenkomplex Positionen, die durchaus das Prädikat kontrovers verdienen. Zumindest dienen ihre Thesen immer wieder als Projektionsfolie für wütenden Widerspruch, zum Beispiel den des Kolumnisten <a  title="Fun-Fact: Herr Broder gab an gleicher Stelle selbst ein Interview" href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/endstation_irib/" target="_blank">Henryk M. Broders</a>. Wegen einer Aussage in einem Interview zum <a  title="Die Zeit: Stiche ins Herz" href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2009-10/prozess-marwa-dresden?page=all" target="_blank">Mord an Marwa El-Sherbini</a>, in dem Sie einen »sicherlich rassistischen« Hintergrund des Polizistenfehlschusses in dem tragischen Ereignis vermutete, wurde ihr ein Strafbefehl des Amtsgerichtes Erlangen zugestellt. Ein in den Gerichtssaal stürmender Polizist schoss damals auf den Ehemann El-Sherbinis, während dieser mit dem Angreifer rang.</p>
<p><em>Frau Schiffer erklärte sich bereit, trotz des laufenden Verfahrens einige Fragen per Mail zu beantworten, nachdem Sie bereits einen anderen <a  title="Ein Kommentar Sabine Schiffers zu &quot;Wir und die Anderen&quot;" href="http://kontextschmiede.de/wir-und-die-anderen/comment-page-1/#comment-145">Artikel der Kontextschmiede kommentiert</a> hatte. Wir haben uns darauf geeinigt, das Interview ungekürzt im Wortlaut zu veröffentlichen.</em><span id="more-2202"></span></p>
<p><strong>Mit Ihren Äußerungen zum Rassismus bewegen Sie sich stets auf heiklem Terrain zwischen Meinungsäußerung und Beleidigung, weil der Begriff in der Alltagswahrnehmung weithin mit einer diffamierenden Konnotation belegt ist. Zumindest die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth sieht das anscheinend so. Mussten Sie eigentlich Ihrem Anwalt erst Ihre Verwendung des Rassismusbegriffs erläutern? </strong></p>
<p>Nein, mein Anwalt hatte sofort begriffen, dass es hier unter anderem um die Diskrepanz zwischen der Verwendung des Begriffs in der Wissenschaft und der des Alltags geht. Er hat sich nur gewundert, warum die Staatsanwaltschaft weder meine Doktorarbeit, in der alles akribisch definiert wurde, noch unsere Stellungnahmen in Form von Pressemitteilungen zur Kenntnis genommen zu haben scheint.</p>
<p><strong>Was ist das Anliegen, das Ihnen persönlich am Meisten am Herzen liegt, wenn Sie an Ihren Alltag denken? Können Sie dieses Anliegen in nur einem Satz ganz umgangssprachlich formulieren? </strong></p>
<p>In einem Satz und umgangssprachlich – sicher nicht, sorry! Das Zusammenleben von Menschen wird durch Kommunikation getragen und gestört – wie man auch hier sehen kann – und eines meiner Hauptanliegen ist die Verbesserung dieser Kommunikation, sprich dabei zu helfen, dass eigene Wahrnehmungs– und Handlungsmuster als Produkt der eigenen Umwelt bewusster werden und man eine kritische Distanz zu Vorurteilen jedweder Art entwickeln kann, um offen für weitere Eindrücke zu sein.</p>
<p><strong>Sie selbst wurden wegen Ihrer Äußerungen in der Vergangenheit heftig angegangen. Von Ihren Gegnern werden Sie teilweise als verblendete Ideologin bezeichnet, und das ist noch die Sprache derer, die sich zivilisiert ausdrücken. Wie wirken sich solche medialen und auch jenseits der Öffentlichkeit vollzogenen Schlammschlachten auf ihr Privatleben aus?</strong></p>
<p>Ich habe den Eindruck, dass meine Kinder sehr viel dabei lernen, denn sie kennen mich ja und können genau das immer wieder nachvollziehen, worum es mir mit der Arbeit geht: Sie sehen die Diskrepanz zwischen dem, was mich bewegt und wofür ich mich mit welchem Ziel einsetze, und dem, was manche versuchen als Realität zu formulieren und was ihnen in ihren Kreisen auch gelingen mag, weil mich die Leser dieser Anwürfe nicht kennen, beziehungsweise verkennen. Damit muss man leben, wenn man sich öffentlich äußert – das tangiert mich persönlich nicht. Und ich vertraue darauf, dass die meisten Menschen doch die Schullektion gelernt haben, dass Attacken auf Personen darauf hinweisen, dass die Argumente fehlen. Über eine inhaltliche und fundierte Auseinandersetzung freue ich mich stets, die bringt auch für mich den Erkenntnisgewinn voran und derer gibt es zum Glück genug und daran orientiere ich mich im Arbeitsalltag als Wissenschaftler. Was man natürlich nicht ignorieren kann, sind die offenen Drohungen, die deutlich zunehmen. Da warte ich noch auf die Staatsanwaltschaft, dass sie dieses Gebaren ebenso ernst nimmt.</p>
<p><strong>Warum glauben Sie, dass gerade das Thema Islam zu einer so unversöhnlichen Polarisierung in den diskutierten Positionen führt? </strong></p>
<p>Ich kann verstehen, dass das so gekommen ist. In meiner Doktorarbeit beschäftige ich mich ja ausführlich mit dem Zustandekommen des subjektiven Islambildes durch übliche Medienmechanismen: Auswahl– und Kombinationsverfahren und metaphorische Strukturen, was andere Themen ähnlich betrifft, vor allem in den 1990er Jahren und dann dem Schub nach dem 11. September 2001. Die Erklärungen seither, dass der Islam für Anschläge verantwortlich sei, wenn Muslime die Täter sind, ist nicht nur extrem verallgemeinernd und anti-aufklärerisch, sondern sicherlich diesen frühen »Lektionen« geschuldet. Besonderes Gewicht erhält ja die Tatsache, dass einige Täter versuchen, ihre Taten besonders islamisch zu begründen. Derlei Begründungen gibt es viele: Neo-Nazis, die glauben das Deutschtum notfalls mit Gewalt »verteidigen« zu müssen, christliche Fundamentalisten, die die Welt auch nicht ganz gewaltfrei christianisieren wollen, oder auch demokratisch gewählte Regierungen, die behaupten mittels »Krieg gegen den Terror« die Freiheit und die Demokratie zu verteidigen und zu verbreiten. Diese Behauptungen sind zu analysieren und nicht nur dann für bare Münze zu nehmen, wenn sie ins eigene Weltbild passen. Dabei reicht es nicht aus, eine fundamentalistische Textinterpretation des Korans vorzunehmen und auf Grund des Vorhandenseins bestimmter Textstellen allen Muslimen von Grund auf eine kriegerische Haltung zu unterstellen – das ist eben Neo-Rassismus im Sinne Memmis und Balibars. Genauso könnte man Christen das Einverständnis mit Menschenfressertum unterstellen und Juden eine Weltverschwörung, was im 19. Jahrhundert ja mit dem Verweis auf jüdische Quellen versucht wurde. Im Buch »Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich« gehen Constantin Wagner und ich darauf ein.</p>
<p><strong>Welchen Satz aus der Feder Henryk M. Broders würden Sie gerne irgendwann einmal über sich lesen?</strong></p>
<p>Och, der darf ruhig weiter seine selbstentlarvenden Textversuche produzieren. Einem argumentativen Diskurs scheint er ja nicht gewachsen zu sein. Da habe ich keine Erwartungen, keine Hoffung und auch kein Interesse.</p>
<p><strong>Sie selbst wirken mit Ihren öffentlichen Äußerungen ja auch immer an einer Medieninszenierung von gesellschaftlichem Diskurs mit. Pointierte Seitenhiebe auf den Gegner und knackige Parolen generieren Aufmerksamkeit. Da ist es doch stets verlockend, solche Zuspitzungen im Sinne der eigenen Präsenz auch mal etwas weiter zu treiben, als zur Verständigung beiträgt. Hinterfragen Sie manchmal die Rolle, die Sie in diesem Medienzirkus spielen?</strong></p>
<p>Echt, Zuspitzungen? Ich hoffe doch nicht! Bitte liefern Sie mir mal ein Beispiel! Es macht natürlich einen Unterschied, ob ich etwas schriftlich veröffentliche oder mündlich ausspreche – bei letzterem ist man natürlich pointierter und es empfiehlt sich zum Nachlesen, mit samt der Belegstellen. Dabei muss ich mir ja auch ständig des Risikos bewusst sein, dass nicht ich die Definitionsmacht über mich habe. Für die Arbeit, die wir im IMV leisten, haben wir ja vergleichsweise wenig Resonanz in den Mainstream-Medien – und diese haben die Möglichkeit, uns zu »framen« oder zu »rahmen«, das heißt, uns einen Touch der Glaubwürdigkeit oder Unglaubwürdigkeit zu geben, allein schon durch die Wortwahl. Zwar greifen viele gerne auf unser Know-How zurück — man erwähnt uns dann aber oft nicht in den veröffentlichten Statements. Auf der persönlichen Ebene mache ich da übrigens sehr gute Erfahrungen, aber es kommt ja auch darauf an, welches Standing der Einzelne innerhalb der eigenen Organisation hat. Und ich kann mir gut vorstellen, dass gerade die kritisierten Medien in der Öffentlichkeit auch mal verführt werden, eine Gelegenheit zu nutzen, um uns in die Schranken zu weisen, weil wir ja nicht ganz bequem sind. Wie kürzlich im Kölner Stadtanzeiger geschehen. Es gibt zwar dann auch etliche Leser, die sich durch so eine Aneinanderreihung von Andeutungen und Behauptungen angeregt sehen, sich unsere Arbeit übers Internet erst einmal anzugucken – aber die Abhängigkeit von denen, die hier eine Gatekeeper-Funktion ausüben können, ist gegeben und bekommen wir deutlich zu spüren. <br />
 <strong><br />
 Der Strafbefehl wegen Beleidigung ist nun eine besondere Form der Eskalation. Wenn Sie auf die Ereignisse der letzten Wochen zurückblicken, haben Sie bei aller Enttäuschung das Gefühl, für sich wenigstens neue Erkenntnis gewonnen zu haben? Würden Sie in Zukunft anders handeln? </strong></p>
<p>Ehrlich gesagt, nein – die angemahnten Klärungen und offenen Fragen stehen ja noch immer an und ich habe die Interviews in der ersten Juli-Hälfte 2009 gegeben, wo noch nicht klar war, dass auch der Polizistenfehlschuss sowie die anderen Versäumnisse um den tragischen Tod von Marwa El-Sherbini auf die Tagesordnung kommen. Außerdem macht sich die Klage an einer linguistischen Spitzfindigkeit und eben dem genannten Rassismusbegriff fest. Beobachten Sie doch mal an sich die Verwendung des Wörtchens »sicherlich« im mündlichen Diskurs! Und dann schlagen Sie mal im Wörterbuch nach. Das scheint mir eher Ausdruck von etwas anderem zu sein und ich bin sehr gespannt, was im Laufe des Prozesses ans Tageslicht kommt, denn die angebliche Beleidigung eines Polizeibeamten, dessen Namen bis heute niemand kennt, kann ja nicht acht Mal so teuer sein, wie die Beleidigung Marwa El-Sherbinis, die während dieses Lappalien-Prozesses starb.</p>
<p><strong>Würden Sie von sich selbst sagen, objektiv zu sein, oder begreifen Sie sich als Partei in einem Konflikt?</strong></p>
<p>Niemand ist objektiv. Das ist wichtig zu erkennen. Ich muss meinen Standpunkt kennen, um das was ich sehe oder nicht, einordnen und im Rahmen des Vorgewussten erkennen zu können. Darum werbe ich ja auch immer für Selbstreflexion. Wenn ich Angst habe vor Spinnen, habe ich einen bestimmten Blick auf die Tiere und werde ihnen sicher nicht gerecht, wenn ich sie beobachte. Das lässt sich vielleicht nicht beheben, aber ich muss ein Bewusstsein für diese Verzerrung entwickeln, mich kennen, um mein eigenes Urteil einschätzen und einordnen zu können. Darum war und ist es mein Auf und Um, für diese Selbstreflexion zu werben: Welche Stereotype haben wir vom Bilderbuch bis zum heute journal vermittelt bekommen und wie wirken die sich auf weitere Wahrnehmungen und deren Interpretationen aus? Das führt oft zu überraschenden Ergebnissen, die man dann prüfen kann und immer wieder prüfen muss. Das ist das Gegenteil von einem geschlossenen Weltbild, wie es manche Propagandisten in Endlosschleifen herbeten.</p>
<p><strong>Die Genderforschung und die Rassismusforschung sind geprägt von ihren Ursprüngen, sie können ihre Verwandtschaft mit emanzipatorischen Bewegungen nicht verhehlen. Viele Forscher und Forscherinnen arbeiten mit dem Anspruch, einen gesellschaftlichen Wandel mit zu gestalten und definieren klare Feindbilder, die es zu bekämpfen gilt. Wie kann das Lagerdenken, das mit so einer Selbstwahrnehmung einhergeht und die resultierende Gefahr der Selbstreferenzialität im Sinne des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns überwunden werden?</strong></p>
<p>Das ist eine sehr gute Frage! Ich glaube, zum Teil habe ich die Problematik vorher auch schon angetippt; Stichwort Selbstreflexion. Ich möchte meinen selbstreflexiven Prozess mal an einem Beispiel festmachen: Es war und ist ungerecht und ärgert mich auch, dass Frauen sich immer noch irgendwie zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen. Männer nicht. Und egal, wie sich Frau entscheidet – sie wird entweder Karriereweib, Hausmütterchen oder Rabenmutter. Im Gegensatz zum Mann gibt es keine positiv konnotierte Rolle und bei ihm ist es auch nur der berufliche Erfolg, der gesellschaftlich zählt. Auch der Feminismus à la Alice Schwarzer hat hier versagt, weil nur die Berufstätigkeit als Emanzipationsmerkmal zu zählen scheint und damit den Mann zur Norm erklärt. Das entwertet Haus– und vor allem Erziehungsarbeit, wie auch die aktuelle politische Entwicklung in Bezug auf Unterhaltsregelungen zeigt.</p>
<p>Ein rassismuskritischer Ansatz in diesem Bereich wäre also, nicht nur von den einzelnen gleiche Leistungen und auch nur in äußerlich sichtbaren Domänen zu verlangen, sondern auch da Strukturen anzubieten, wo die Menschen eben nicht gleich sind, um ihre unterschiedlichen Fähigkeiten optimal zur Entfaltung zu bringen und sie wirklich für alle sinnvoll zu nutzen. So habe ich mal eben 9 Jahre für meine Doktorarbeit gebraucht, weil ich mich unbedingt um meine Kinder kümmern wollte und das war gut so, weil ich durch diese direkten Beziehungen viel mehr mit der Selbstreflexion konfrontiert war als nur im beruflichen Kontext. Das bedeutet aber die ganz bewusste Inkaufnahme des Verpassens etwa einer geregelten Laufbahn mit Einstiegsaltergrenzen, die es im akademischen Bereich nun mal gibt, und einer Absicherung im Alter. Ich habe mir die Freiheit genommen, mich für diesen Lebensweg zu entscheiden und würde es genauso wieder tun – wohl wissend, dass ich einem ungerechten System damit eigentlich zuarbeite, es nicht radikal bekämpfe. Wenn ich mir heute die chauvinistischen und hämischen Kommentare und auch die teilweise unflätige Post, die ich erhalte, anschaue, dann habe ich große Zweifel, dass die Ansprüche dieser Forschungsrichtungen weit über den Anspruchscharakter hinaus gekommen sind. Also, mit Ungerechtigkeit, struktureller Gewalt und Diskriminierung muss und kann man leben und dennoch innerhalb der Strukturen seine Möglichkeiten ausschöpfen und seine möglichst unabhängigen Ansprüche stellen und Wege gehen – das nennt man gesellschaftliche Entwicklung und die sollten wir ja nicht aufgeben, auch ohne in Verbissenheit zu geraten und sich das eigene Leben zu vermiesen.</p>
<p>Wenn es mir dann noch gelingt, die persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse zu abstrahieren – also auch das Dilemma der emotional eingeschränkten Lebensentwürfe für Männer zu erkennen, die zwar immer noch vom System mehr profitieren, aber darum nicht glücklicher werden – dann ist ein Stück konstruktiver, wissenschaftlicher Auseinandersetzung gelungen, die die gesamtgesellschaftliche Fortentwicklung im Blick hat. Und das führt dann unter anderem direkt zu der Forderung, nicht nur Mädchen (vermeintlich) alles anzubieten, sondern auch Jungs nach ihren Gedanken zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fragen und dergleichen. Die sprachlichen Rückordnungen des Erreichten sind dann ein weiteres Thema, das meine Aufmerksamkeit verlangt, auch wenn es mich persönlich nicht betrifft: Frauen in Männerberufen und solche Wendungen.</p>
<p>Ich orientiere mich insgesamt immer gerne an der Formulierung der Menschenrechte und des Völkerrechts als ein positives Beispiel dessen, was langfristig geht. Das ist doch eine Erfolgsgeschichte. Über Generationen hinweg und mit vielen Opfern ist ein Wertekanon entstanden und schließlich formuliert worden, für den es sich lohnt, sich einzusetzen – damit er auch in der Realität ankommt, auch und gerade bei denen, die ihn gerne instrumentalisieren. Das hat nichts Dogmatisches, sondern etwas Menschenwürdiges, sich weiter zu entwickeln – und da haben wir noch einiges zu tun, wenn wir auch die Früchte unserer Arbeit nicht mehr selbst erleben werden. Insofern betrachte ich mich als einen Teil der Menschheit, der das beiträgt, was sowieso selbstverständlich ist und an der Stelle, wo er kann.</p>
<p><strong>Der Orientalismus, so lautet eine viel diskutierte Theorie, ist ein ethnozentrisches Konstrukt einer westeuropäischen Identität, die sich einen Widerpart schuf. Ist es womöglich das ultimative Ziel der Islamismusforschung ihren Gegenstand abzuschaffen und sich selbst ad absurdum zu führen? </strong></p>
<p>Meinen Sie Islam– oder Islamismusforschung? Ich sehe hier eher selbstbestätigende Reflexe. Man hält sich ja gerne für objektiv und weder chauvinistisch noch eurozentristisch. Es ist aber nun mal Fakt, dass etwa türkische, afrikanische oder asiatische Studenten die Schriften der europäischen Kultur im Laufe eines Studiums kennen lernen, wir umgekehrt nicht. Freilich kann ich durch den Verweis auf Missstände anderswo von den eigenen Unzulänglichkeiten ablenken und das ist sogar eine beliebte Übung und die nennt man in der Psychologie Projektion. Diese geschieht aber zumeist unbewusst, womit der sogenannte Orientalismus ja keine Ausnahmeerscheinung ist. Aber eine Feindbildbestätigung, egal ob früher russisch, heute muslimisch und morgen asiatisch, bedient doch zu aller erst eine Selbstidealisierung, die nicht unbedingt die Gleichwertigkeit und das Miteinander befördert – solche Prozesse sind zumeist wechselwirkend. Wobei ich uns hier eher als Opfer von Manipulationen und Missverständnissen sehen würde, denn es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass es wirtschaftliche und geo-strategische Interessen im sogenannten Mittleren Osten gibt, und es kein Zufall sein dürfte, warum wir nun so viel über Islam und Muslime diskutieren und daher die sogenannten Terroristen kommen. Siehe Brzezinski, Peak-Oil, Ganser, Todenhöfer, von Sponeck und viel mehr.</p>
<p><strong>Zum Abschluss: Mit welcher Frage würden Sie einen gegen ihre Arbeit völlig voreingenommenen Kritiker am liebsten zum Nachdenken bringen?</strong></p>
<p>Ich habe früher mal geglaubt, dass alle Menschen an der Klärung solcher Fragen interessiert sind, weil es um das geht, was das Menschsein ausmacht — aber das musste ich inzwischen korrigieren. Die „völlig voreingenommenen“ Kritiker, wie Sie sie nennen, wird man nicht erreichen. Dafür wurden schon genügend Analysen und Fragen von mir formuliert, mit denen man sich hätte auseinander setzen können. Aber es gibt ja viele andere Menschen, die das interessiert und für die sich die Fragestellung lohnt — darum hier also eine für mich ganz zentrale und bis heute unbeantwortete: »Wie kann man Missstände benennen und bearbeiten, ohne in eine Verallgemeinerungsfalle zu tappen?« Denn mit jedweder Verallgemeinerung werden wir uns und anderen ja nicht gerecht.</p>
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		<title>Das Wohlfühlprogramm der klassischen Nassrasur</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 16:35:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein guter Vorsatz passt immer: Sich auch mal etwas Gutes tun. Manchmal ist dafür die Rückbesinnung auf alte Bräuche das Mittel der Wahl. Früher war ja nicht alles schlechter.
Ganz im Gegenteil sind manche Entwicklungen des Konsumverhaltens geradezu skurril. Wir kaufen ständig Krempel, den wir nicht brauchen. Produktentwicklung wird von der Marketingabteilung gesteuert, damit bunte Gimmicks [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein guter Vorsatz passt immer: Sich auch mal etwas Gutes tun. Manchmal ist dafür die Rückbesinnung auf alte Bräuche das Mittel der Wahl. Früher war ja nicht alles schlechter.</p>
<p>Ganz im Gegenteil sind manche Entwicklungen des Konsumverhaltens geradezu skurril. Wir kaufen ständig Krempel, den wir nicht brauchen. Produktentwicklung wird von der Marketingabteilung gesteuert, damit bunte Gimmicks in der Werbung Unterscheidbarkeit der sonst beliebigen Marken gewährleisten können.</p>
<p>Systemrasierer mit atomgetriebener Laservibration und 12 beweglichen, kryptonitbeschichteten Klingen zum Beispiel bieten kaum Fortschritt an Komfort. Dafür sind sie ein evolutionärer Höhepunkt der werbeinduzierten Geldvernichtung. Im Badezimmerschrank stehen sie meist unweit eines Produktes, das direkt aus der Hölle in die Supermarktregale aufsteigt: Dosenschaum.<span id="more-2166"></span></p>
<p>Der versprochene Zugewinn an Bequemlichkeit und die Zeitersparnis gegenüber dem von Hand aufgeschlagenen Rasierschaum werden teuer erkauft. Rasierschaum aus der Dose fehlt die alkalische Qualität von Seife, die das Barthaar aufweicht. Vor allem aber fehlt ihm Wasser, der beste Gleitfilm für die Rasierklinge.</p>
<p>Statt die Rasur als notwendiges Übel zu begreifen und dem Gott des Fernsehmarketings zu opfern, kann Mann sich besser die Rasur als kleines Wellnessprogramm erobern. Warmer Seifenschaum ist eine Wohltat, die Regelmäßigkeit verdient (und auch für weibliche Depilation keine Wünsche offen lässt). Sich für das Aufschäumen, das Einseifen, sorgfältiges Rasieren und die Hautpflege eine Auszeit von mindestens fünf Minuten zu gönnen, bringt ein unverhofftes Maß an gewonnener Lebensqualität.</p>
<p>Rasierklingen für den Hobel sind weitaus günstiger als die für den Systemrasierer. Rasiercreme oder Seife hält merklich länger als die Dose. Die klassische Nassrasur ist überdies hautverträglicher als das hastige Schubbern mit teuren Convenience-Produkten. Dadurch reduzieren sich auch eingewachsene Barthaare und Hautrötungen. Eine Gefahr bleibt natürlich. Die Rasur kann zum <a  title="Das Nassrasur Forum" href="http://forum.nassrasur.com/" target="_blank">aufwändigen Hobby</a> mit ganz eigenen Dogmen und Statussymbolen werden.</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
        	<br />
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        </p><p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/das-wohlfuhlprogramm-der-klassischen-nassrasur//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Culinary Short Cuts: Die Schokobombe</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Dec 2009 17:28:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essen & Trinken]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich sage es frei heraus: Backen ist nicht meins. Irgendwie fehlt mir das direkte Feedback, die Möglichkeit, abschmeckend in den Garprozess eingreifen zu können. Wenn das Backgut erst im Ofen ist, ist es zu spät für Korrekturen. Dementsprechend muss sich der geneigte Hobbykoch in Dessertfragen geradezu sklavisch an die Mengenangaben aus dem Rezeptbuch halten. Wohl dem, der eine auf das Mikrogramm geeichte Küchenwaage hat.</p>
<p>Dummerweise gehört zu einem vollendeten Menü auch ein Nachtisch. Außerdem gibt es immer wieder Gelegenheiten, zu denen man einen Kuchen beisteuern soll. So lange Kalorien oder Kakaoallergie kein einschränkender Faktor sind, ist das folgende Rezept die Geheimwaffe der Backmuffel. Alle Zutaten können mit Hohlmaßen wie Esslöffel oder Tassen »abgewogen« werden oder einfach nach Augenmaß vermengt. Wenn der geneigte Leser oder die Leserin sich nur ein Dessertrezept aneignen möchte, dürfte dieses das passende sein.<span id="more-2160"></span></p>
<p>Die Schokobombe ist ein Paradebeispiel für die »Culinary Short Cuts,« die Abkürzungen, die sich auf dem Weg zu leckerem Essen bieten. Einzelne Zutaten kann man sehr gut durch hochwertigere Pendants ersetzen, zum Beispiel das Vanillearoma aus dem Video durch frische Vanilleschoten. Aber wenn es mal schnell und einfach gehen soll, greift man gern auf das konveniente Angebot des nächsten Supermarktes zurück. Hier also das Dessertrezept mit dem höchsten »Return On Investment«:</p>
<ul>
<li>1/2 Tasse Zucker</li>
<li>4 EL Mehl</li>
<li>1 EL Kakao</li>
<li>1 Prise Salz</li>
</ul>
<p>werden untergerührt in die im Wasserbad zerlassene und verquirlte Menge von</p>
<ul>
<li>1 Tafel dunkle Kouvertüre (200g)</li>
<li>2 Riegel edler Zartbitterschokolade</li>
<li>4 Eier</li>
<li>1 Päckchen Vanillearoma</li>
<li>1 halbes Paket Butter (125g)</li>
</ul>
<p>Die gut verrührte Schokomasse wird etwas abgekühlt in eine gebutterte, mit Kakaopulver bestäubte Muffinform verteilt und schließlich bei ca. 130 Grad im vorgeheizten Ofen 15 Minuten gebacken. Guten Appetit.</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
        	<br />
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        </p><p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/culinary-short-cuts-die-schokobombe//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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</ol>]]></content:encoded>
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		<title>Geschäftsmodelle, neue Medien und Rechtssicherheit. Ein Zustandsbericht.</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 15:22:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dies ist eine Geschichte über Deutschland, auch wenn sie in Israel beginnt. Dort setzten sich vor einigen Jahren zwei tapfere Kamelreiter selbstironisch mit ihrer Vita auseinander, überlegten, was sie mit ihrem Know-how anfangen könnten und schufen einen neuen Dienst für das Internet. Die Idee dürfte "hätte man ja auch früher drauf kommen können"-Format haben. Hochwertiges [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies ist eine Geschichte über Deutschland, auch wenn sie in Israel beginnt. Dort setzten sich vor einigen Jahren <a  title="Promovideo der PicApp-Gründer" href="http://www.stockphototalk.com/phototalk/2008/02/picapp-picscout.html" target="_blank">zwei tapfere Kamelreiter</a> selbstironisch mit ihrer Vita auseinander, überlegten, was sie mit ihrem Know-how anfangen könnten und schufen einen neuen Dienst für das Internet. Die Idee dürfte »hätte man ja auch früher drauf kommen können«-Format haben. Hochwertiges Bildmaterial aus den Fotoagenturen wird über eine embedding-Applikation mit Werbeeinblendungen verknüpft und so dem Nutzer zur Verfügung gestellt. Ähnlich wie Youtubevideos kann jeder Internetuser auf diese Weise Inhalte, die der Dienst bereithält, auf seiner Seite einbinden. Die Bildagenturen erschließen sich ein neues Einkommensmodell und Otto-Normalnutzer kann sich aus einem reichen Archiv von professionellem Fotomaterial bedienen, um seine Texte im Internet zu illustrieren: <a  title="Startseite von PicApp" href="http://www.picapp.com/" target="_blank">PicApp</a>.</p>
<p>Damit wurde eine legale Alternative zur oftmals unbedarft angewandten Praxis des Bilderklaus geschaffen. PicApp fand auch Partner mit großem Namen, die ihre Fotos zur Verfügung stellten. Der Corbis-CEO Gary Shenk pries das neue Geschäftsmodell an, mit dem Corbis seine Fotos nun auch Bloggern zugänglich machen könne. Getty Images, Newscom, Jupiterimages und weitere namhafte Partner wurden für das Modell gewonnen. PicApps Partner lizensieren ausgewählte Fotos aus ihren Archiven für PicApp, die ihren Usern die Einbettung dieser Fotos ermöglichen. Risikokapitalgeber begeisterten sich für das Modell und ein weiteres Beispiel, wie ein Bedürfnis, das mangels legaler Alternative sich aus illegalen Quellen stillt, zum legalen Geschäftsmodell werden kann, war geboren. In den USA wurden die lizenzrechtlichen Fragen ausgehandelt und Klärungsinstanzen zu urheberrechtlichen Streitigkeiten etabliert. Auf Grundlage amerikanischen Rechtsverständnisses.<span id="more-2131"></span></p>
<p>Mit Lizenzen ist das so eine Sache. Viele »Content-Diebe« sind keine vorsätzlichen Urheberrechtsverletzer. Häufig sind  den Privatpersonen, die sich dank niedriger technischer Einstiegshürden als Publizisten im Internet betätigen, schlicht die Gepflogenheiten und Rechtsgrundlagen von publizistischer Tätigkeit fremd. Wenn etwas im Internet frei zugänglich ist, bedeutet das nicht automatisch, dass es zur freien Verfügung steht. Das Rechtsempfinden unbedarfter Neumitglieder des öffentlichen Schreibens, der Blogger und Nutzer sozialer Netzwerke, ist selten der richtige Maßstab für legalen Umgang mit den Inhalten, die im Internet zu finden sind. Das liegt aber nicht allein an der Naivität vieler Nutzer.</p>
<h4>Rechts(un)sicherheit — die versteckte Einstiegshürde</h4>
<p>Rechtsfragen sind speziell in Deutschland eine versteckte Einstiegshürde für die Teilnahme an der Netzöffentlichkeit. Wer sich mit den Inhalten der Profis auseinandersetzen möchte, also Teil der Medienlandschaft werden will, muss nach den dort gültigen Regeln spielen. Allein, das Regelwerk ist dermaßen kompliziert, dass bei Lizenzfragen oder Abwägungen zwischen Persönlichkeitsrecht und freier Meinungsäußerung die Profis längst mit dem kalkulierten Risiko des Rechtsstreits leben. Dafür gibt es Rechtsabteilungen in Medienhäusern. Die Grenzen der Legalität sind den Profis natürlich weitaus besser bewusst, als den Quereinsteigern aus den neuen Medien. Aber auch die Profis wandeln häufig auf schmalem Grat und bewegen sich ab und zu jenseits der Grenze dessen, was ein anderer Teilnehmer des Medienzirkus akzeptieren möchte. Abmahnung, Klage, Gegenklage, weiter im Tagesgeschäft. Auch dafür gibt es Rechtsabteilungen.</p>
<p>Der Medienteilnehmer ohne Rechtsabteilung steht den Kosten solchen Geschäftsgebarens meist hilflos gegenüber. Privatpersonen knicken gegenüber einer Abmahnung lieber sofort ein, als sich vor Gericht über die Rechtmäßigkeit der Abmahnung zu streiten. Dieser Umstand scheint mittlerweile gar Geschäftsgrundlage eines <a  title="Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 175.000 für Abmahnanwalt" href="http://www.google.de/search?q=abmahnanwalt" target="_blank">viel diskutierten </a><a  title="Eine Analyse des neuen Geschäftsmodelles" href="http://www.internet-law.de/2009/11/filesharing-abmahnungen-digiprotect-und.html" target="_blank">Bereicherungsmodells</a> zu sein. Um so wertvoller sind Werkzeuge, die Rechtssicherheit versprechen. Wie zum Beispiel ein Dienst, mit dem die Lizenzfragen zu Bildrechten nicht länger Problem des Anwenders sind.</p>
<p>Aber mit Lizenzen ist das nun einmal so eine Sache. Speziell in Deutschland, wo der Blogger am Ende derjenige ist, der für die Inhalte einstehen muss, die er oder sie verwendet. Wenn also ein Geschäftsmodell aus Israel in den USA zur Applikation entwickelt wird und international agierende Partner findet, tut der deutsche Blogger gut daran, sich abzusichern. Lizenzen sind nämlich häufig extrem kompliziert und unterliegen mannigfaltigen Beschränkungen, von denen im weltweiten Internet insbesondere eine interessant ist: Die Beschränkung nach Region. Ein Rechteverwerter mag die Rechte für die USA haben, aber deswegen muss er noch keine Rechte für Deutschland haben, die ein Konkurrent gesondert erwerben kann. Selbst dann nicht, wenn seine Lizenz für das Medium Internet gilt. Wenn der unbedarfte deutsche Anwender sich nun gutgläubig bei diesem amerikanischen Rechteverwerter bedient, werden die Lizenzfragen sehr schnell wieder zu seinem Problem.</p>
<h4>Einem indirekten Geschäftspartner Rechtssicherheit gewähren? Fragen Sie jemand anderen.</h4>
<p>Das legt zumindest eine Anfrage bei den in Deutschland ansässigen Ablegern der internationalen Rechteverwerter nahe. Auf die Frage, ob sich die offiziellen Partner von PicApp an die auf Englisch abgefassten Nutzungsbedingungen für PicApp auch in Deutschland gebunden fühlten, waren die Antworten ernüchternd. Getty konnte oder wollte nach Rücksprache mit der Rechtsabteilung kein Statement abgeben, ob Blogger in Deutschland PicApp nutzen dürften und verwies an den Partner PicApp. Corbis wollte nicht einmal eine Bestätigung abgeben, dass eine offizielle Partnerschaft bestehe. Immerhin konnte man sich daran erinnern, dass es in der Vergangenheit Überlegungen gegeben habe, Fotomaterial für Blogger verfügbar zu machen und verwies auf den eingangs verlinkten Artikel von Stockphototalk.com.</p>
<p><a  title="Sportblogger, Podcaster und Netzwerker" href="http://www.probek.net/" target="_blank">Probek</a> und <a  title="Allesaussersport - Das Blog eines TV-Sport-Verrückten" href="http://www.allesaussersport.de/" target="_blank">dogfood</a>, zwei <a  title="Startseite des Sportbloggernetzwerkes" href="http://www.sportbloggernetzwerk.de/" target="_blank">Sportbloggern</a>, fiel außerdem auf, dass auch Bildmaterial einer deutschen Agentur, der Imago Sportfotodienst GmbH, im Archiv von PicApp auftaucht. Dort wurden die Fotos allerdings Newscom zugeschrieben, die anscheinend Lizenzen zu diesen Bildern von Imago erwarben. Ob die erworbenen Lizenzen wiederum die Sublizensierung an deutsche Blogger via PicApp umfassen, bleibt unklar. Auf Anfrage schrieb Imago zurück, man prüfe die Situation. Bis zur Klärung des Sachverhalte bitte man darum, keine »imago Bilder« zu verwenden. Trotz des Versprechens, sich zurückzumelden und trotz weiterer Anfragen über mehrere Wochen gab es keine weiteren Stellungnahmen.</p>
<p>PicApp selbst reagierte nach wiederholten Kontaktanbahnungen schließlich überrascht auf die Konfrontation mit der deutschen Situation: »We currently don’t have any territory restriction for our content.« Deutsche Blogger dürften sich frei aus dem Fundus der von PicApp lizensierten Bilder bedienen, einige der fleißigsten Nutzer ihrer Applikation kämen aus Deutschland.  Alle Partner seien sich über die Reichweite der Lizenzen im klaren. Trotzdem hatte sich kein Partner eine Zusage abringen können, dass deutsche Blogger PicApp nutzen dürften. Es wollte nicht einmal jeder die Partnerschaft selbst offiziell eingestehen. Auf die konkrete Nachfrage, wie denn zu verstehen sei, dass ein deutscher Rechteinhaber sich die Nutzung von  seinen Bildern verbitte, die bei PicApp zu finden sind, gab es keine Antwort.</p>
<p>Vom Kamelrücken in Israel schafft es eine Geschäftsidee also nicht so einfach nach Deutschland. Wenn nicht einmal die Rechtsabteilungen der offiziellen Partner ein OK geben wollen, bleiben Agenturfotos für die privaten Publizisten im deutschen Netz weiter ein Traum. Oder ein Risiko, das man auch ohne Rechtsabteilung eingeht. Einen Anreiz, neue, werbebasierte Geschäftsmodelle für den deutschen Markt zu etablieren, scheint es nicht zu geben. Zumindest haben die beteiligten Rechteverwerter offensichtlich kein vorrangiges Interesse, sich einen neuen Kundenstamm zu erschließen und ihm dafür ein wenig Rechtssicherheit zu gewähren. Ob die derzeitige Situation aber auch nur für eine Seite befriedigend ist, scheint fraglich. Zumindest nehmen ganz aktuell die Debatten um Leistungsschutzrechte oder neue Urheberrechte in Deutschland an Fahrt auf. Der Status Quo scheint niemandem mehr zu genügen. Diese Geschichte mag ein Beispiel sein, warum.<br class="spacer_" /></p>
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