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	<title>Kontextschmiede &#187; Kultur</title>
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	<description>Wir schaffen Zusammenhänge</description>
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		<title>Krimispiel: Das schmutzige Spiel der feinen Gesellschaft.</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 11:00:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[download]]></category>
		<category><![CDATA[hilfreich]]></category>

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		<description><![CDATA[Das auf dieser Seite eingebettete Dokument ist eine Anleitung samt Spielzubehör für ein Detektivspiel, das auf privaten Parties mit 26 Gästen gespielt werden kann. Nachdem ich bei der Suche nach einem solchen Spiel zu keinem befriedigenden Ergebis kam, habe ich kurzerhand selbst eines geschrieben. Es steht zum Download zur Verfügung, falls noch jemand anderes eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das auf dieser Seite eingebettete Dokument ist eine Anleitung samt Spielzubehör für ein Detektivspiel, das auf privaten Parties mit 26 Gästen gespielt werden kann. Nachdem ich bei der Suche nach einem solchen Spiel zu keinem befriedigenden Ergebis kam, habe ich kurzerhand selbst eines geschrieben. Es steht zum Download zur Verfügung, falls noch jemand anderes eine Krimiparty in dieser Größenordnung selbst organisieren möchte.</p>
<p>Außerdem ist es eine Übung in angewandter <em>Gameification</em> — dieses Buzzword bekommt in letzter Zeit immer mehr Aufmerksamkeit. Sinnvoll verwendet beschreibt es einen Ansatz, wie sich Regelsysteme aus Spielwelten zur Motivation bestimmter Nutzerhandlungen im Designprozess integrieren lassen. Wenn es mehr sein soll als überflüssige Punktehatz, müssen natürlich auch grundlegende Erkenntnisse verarbeitet werden, wie Spiele überhaupt funktionieren; wie intrinsische Motivation von Spielern sich in interaktiven Modellen auswirkt und durch Regeln steuern lässt.</p>
<p>Diese theoretischen Überlegungen können allen Hobbydetektiven natürlich egal sein. Viel Spaß bei der Mörderhatz im eigenen Haus.<span id="more-2832"></span></p>

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<p class="gde-text"><a  href="http://dl.dropbox.com/u/3532118/Schmiede/m%C3%B6rderspiel.pdf" target="_blank" class="gde-link">Download (PDF, 1.27MB)</a></p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/krimispiel//#respond">kommentieren</a></strong></p><small>Weitere Artikel zu diesem Thema:</small><ol>
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		<title>Medienkunst. Medien-Art. Sound-Art: Ein Interview mit Lilian Beidler</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 10:14:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>maks</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>

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		<description><![CDATA[Und noch mal… Medienkunst. Medien-Art. Sound-Art… name dropping für die Begriffe, die Nutzer virtueller Suchmaschinen möglicherweise mit diesem Interview verbinden. Die Suche nach Informationen zu diesem Thema könnte einige Leserinnen und Leser jetzt zwar erfolgreich zu diesem Text führen, aber noch nicht die Erfahrung bieten, die man mit dem Thema Medienkunst gern verbunden hätte. Solche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und noch mal… Medienkunst. Medien-Art. Sound-Art… <em>name dropping</em> für die Begriffe, die Nutzer virtueller Suchmaschinen möglicherweise mit diesem Interview verbinden. Die Suche nach Informationen zu diesem Thema könnte einige Leserinnen und Leser jetzt zwar erfolgreich zu diesem Text führen, aber noch nicht die Erfahrung bieten, die man mit dem Thema Medienkunst gern verbunden hätte. Solche Erfahrung konnte man während der »<a  title="FFT-Programm" href="http://www.forum-freies-theater.de/programm010203/interfacefft.html" target="_blank">interface</a>« – Tage am Forum Freies Theater (FFT) in Düsseldorf am Wochenende von 21 bis 22 Januar 2011 machen.</p>
<p>Was ist das Neue an Medienkunst? Wie ändert sich die Beziehung zwischen Mensch und Werk, wenn verschiedenen Medien gleichzeitig im Spiel sind? Die Beziehung zwischen dem Schaffenden und dem Geschaffenen, sowie zwischen dem Werk und dem Betrachter ist ein Prozess von dialektischer Dynamik. Auf diese Weise wird das Kunstwerk als ein Ganzes gesehen, das aus dem Künstler, dem Objekt und dem Betrachter besteht. Was be-zieht sich zu was? Und wer ist der Hin-gezogene? Peter Sloterdijk sagte: »Der Künstler und Erotiker lebt unter dem Eindruck, dass eher die Dinge etwas von ihm wollen als er von ihnen, und dass sie es sind, die ihn in das Abenteuer der Erfahrung verwickeln.«</p>
<p>Um diesen Fragen näher zu kommen, sprach ich mit Klangkünstlerin <a  title="Biographie Lilian Beidler" href="http://loul.ch/bio.htm" target="_blank"><strong>Lilian Beidler</strong></a>.<span id="more-2803"></span></p>
<p><em><strong>M.H.</strong> Hallo Lilian, bist du gut in Bern angekommen?</em></p>
<p><strong>L. B.</strong> Ja. Die Reise ist recht entspannt und gemütlich.</p>
<p><em>Du warst vor wenigen Tagen in Düsseldorf. Dort hast Du in einer Werkstatt für experimentelle Klang-Kunst ‚›interface,‹ beim Forum-Freies-Theater (FFT) mitgewirkt. Wie ist der Eindruck von diesen Tagen, der dir geblieben ist?</em></p>
<p>Ein spannendes Format, das mindestens für mich persönlich sehr bereichernd war. Ich sehe meine Auswahl als Beitrag an meine künstlerische Entwicklung. Die Vernetzung und der Kontakt zu den Mentoren, den Leuten vom FFT und den anderen Teilnehmenden war natürlich ideal. Gerade in meinem Beruf bin ich auch oft alleine am Arbeiten und daher ist Austausch sehr willkommen. Die ganze Woche war sehr gut organisiert, was auch sehr zu meinem Wohlbefinden beigetragen hat.</p>
<p><em>In Deiner letzten Installation bei der »Interface« in Düsseldorf hast Du mit verschiedenen Arten von <a  href="http://www.phidgets.com/">Sensoren</a> gearbeitet, die Du in die Performance zum Einfangen von Signalen integriertest. Welche Möglichkeiten siehst du in der Anwendung von Sensoren?</em></p>
<div id="attachment_2808" class="wp-caption alignright"><a  rel="attachment wp-att-2808" href="http://kontextschmiede.de/medienkunst-medien-art-sound-art-ein-interview-mit-lilian-beidler/image/"><img class="size-medium wp-image-2808 " src="http://kontextschmiede.de/wpkontext_333/wp-content/uploads/image-400x267.jpg" alt="" width="360" height="240" /></a><span class="wp-caption-text">Lilian Beidler bei der Interface in Düsseldorf (Foto: Oliver Paul)</span></div>
<p>Der Segen ist zugleich der Fluch: Es gibt eine fast unendlich grosse Menge an Möglichkeiten, wie Sensoren eingesetzt werden können. Sie widerspiegeln sehr deutlich eines der grössten Probleme elektronischer Musik: Wie steuere ich Klänge, die nicht mehr notwendigerweise nach einer körperlichen Steuerung verlangen? Und falls ich mich entscheide, sie physisch zu steuern: Welche Notwendigkeit gibt es für bestimmte Bewegungen? Ich kann ein und denselben elektronischen Klang sowohl mit einem Lichtsensor wie mit der Computertastatur steuern, aber auch mit einem Fader Controller oder einem Keyboard. Warum also entscheide ich mich für den Feuchtigkeitssensor? Ein Sensor interessiert mich als ein Medium, das neben seiner Funktion als Interface mir mit seinen Eigenheiten auch inhaltliche Vorgaben für ein Werk macht. Ein Sensor hat also eine eigene Seele und führt lange nicht nur Befehle aus.</p>
<p><em>Du arbeitest an multimedialen Projekten – Raum, Zeit, Objekte, Klang, Licht und Farbe werden oftmals bei Dir in einer Installation oder einer Performance vereint. Welche Bedeutung tragen für dich diese Elemente? Gibt es einen Aspekt, worauf du einen besonderen Wert legst?</em></p>
<p>Es gefällt mir, wenn ein Projekt multimedial in dem Sinne ist, dass es gezielt verschiedene menschliche Sinne anspricht bzw. bedient. Ich denke, eine grosse Errungenschaft der elektronsichen Medien unserer Zeit ist es, dass sie uns einen neuen Blick auf die menschliche Körperlichkeit ermöglichen. Wie am Beispiel der Sensoren sehr deutlich wird, sind mir beim Spielen meiner Instrumente keine konkreten und direkten bewegungstechnischen Vorgaben mehr gegeben, sondern ich muss sie mir dazu ersinnen. Da der menschliche Körper durch neue Medien verlängert, ausgedehnt und versuchsweise sogar ersetzt wird, bekommt er eine neue Bedeutung. Seine Zersetzbarkeit ist gleichermassen seine Modularität. Ein multimediales Projekt bedeutet für mich demnach im Idealfall, die auditive, visuelle, olfaktorische, gustatorische und taktile Ebene zu kombinieren und so den Menschen im Publikum als Ganzes anzusprechen. In der Praxis setzte ich das selten so umfassend um. Dennoch interessiert es mich, wie wir etwas wahrnehmen und warum und wie bestimmte Emotionen entstehen oder sich provozieren lassen.</p>
<p><em>In wie weit wird die Wahrnehmung des Betrachters in deine Projekte miteinbezogen? Entstehen deine Ideen primär in der Auseinandersetzung mit dem Medium, oder denkst du zuerst an eine Wirkung, die zu erzielen ist, und suchst erst dann das geeignete Medium?</em></p>
<p>Ich glaube, es kommt beides zusammen. Bei den <a  href="http://loul.ch/sofoehn.htm">Föhn-Arbeiten</a> beispielsweise hat mich der Föhn als Medium interessiert, weil er so viele Konnotationen trägt und als musikalischer Klangerzeuger sehr spannend ist. Davon habe ich mich leiten lassen und versucht, eine präsentable Form für diese Faszination zu finden. Eine klare Trennung zwischen dem Werk und der Betrachterin gibt es für mich nicht. Das Werk entsteht erst durch die Betrachtung. Eine Performance, die nach dem althergebrachten Modell von Performer und Publikum funktioniert, aber auch eine Installation, erlangen ihre Einzigartigkeit erst genau durch die den Raum füllenden Leute, in diesem spezifischen Moment und unter den spezifischen Umständen. Dies beim Werkprozess nicht einzubeziehen wäre höchst un-medienkünstlerisch. Zudem will ich nicht Kunst für Kunst oder Kunst für mich machen. Für den Moment habe ich mich entschieden, mit Kunst mein Leben zu finanzieren und so wäre es absurd, bei der Produktion nicht an den Absatzmarkt zu denken. Was vielleicht etwas prosaisch-pragmatisch klingen mag, hat für mich den grossen Reiz, dass ich mir so einen Spielraum abstecke, in dem ich meine Ideen und Vorstellungen umsetze.</p>
<p><em>Wie ändert sich deiner Meinung nach der Bezug des Betrachters zu der Kunst, wenn er eine multimediale Performance dargestellt bekommt?</em></p>
<p>Vielleicht ist die Möglichkeit bei multimedialen Performances grösser, dass sich jemand, der keine Ahnung vom Thema hat, weniger schnell langweilt. — Ich mache die Erfahrung, dass auch Leute, die keinen Bezug zu Kunst haben, bei meinen Projekten einen Bezugspunkt finden. Das freut mich sehr, weil ich dann das Gefühl habe, dass die Werke auf verschiedenen Ebenen funktionieren. Das ist oft bei reaktiven Installationen der Fall. Wenn ein Kunstwerk den Spieltrieb wecken kann, hat es meist bereits ein Publikum gewonnen.</p>
<p><em>Während der Performance »<a  title="Homepage Smoke Under Water" href="http://www.loul.ch/suw.htm" target="_blank">smoke under water</a>« wurde die Rolle des Dirigenten von einem Raucher übernommen, der nur Pausen markiert und schließlich ganz die Kontrolle über das „Orchester“ verliert. Welchen Bezug entwickelst Du selbst zu deinen Kompositionen?</em></p>
<p>Die Einstellung zu meinen eigenen Kompositionen wandelt sich mit der Zeit. Das ist sehr spannend für mich. Während der Schaffensphase ist es oft sehr schwierig, mich von der Komposition zu distanzieren. Ich bin so verstrickt in Idee und Umsetzung und Ausführung, dass ich mich meist gar nicht davon lösen kann und an diesem Faden weiter spinnen muss. Wenn ich eine Komposition dann später betrachte, bin ich oft erstaunt und entdecke Eigenheiten oder Zusammenhänge, die mir während der Schaffensphase nicht aufgefallen sind oder, von denen ich glaube, sie nicht intendiert zu haben. In der Zwischenzeit schichten sich sowohl künstlerische wie auch persönliche Erfahrungen und Eindrücke über eine Komposition und verändern so deren Wahrnehmung mit der Zeit.</p>
<p><em>Wir haben darüber gesprochen, dass es für dich wichtig ist, den Menschen eine sinnliche Erfahrung bei der Wahrnehmung deiner Kunst zu bieten. Bei der Performance »<a  title="Pol Air" href="http://www.loul.ch/polair.htm" target="_blank">pol air</a>« hast du mit Eis, Wasser und Wind gearbeitet. Dabei wurde das gefärbte Eis mit Hilfe des Windes zu Wasser, das seine Farbe änderte. Welche Rolle spielte für dich in dieser Installation der Betrachter? Wie lässt Du den Betrachter/Zuhörer an der Performance teilnehmen?</em></p>
<p>Bei diesem Stück geht es mir auch um eine physische Wahrnehmung von Sinneseindrücken. Das Publikum steht sehr nahe an den Haartrocknern, kann ihre Luft spüren, sie hören und riechen, vielleicht wird man sogar mit Wasser bespritzt, wenn der Eisblock tanzt. Das ist mir sehr wichtig bei dieser Performance, dass das Publikum in das Geschehen einbezogen wird, physisch, durch die Nähe zu den Objekten.</p>
<p><em>An welchem Projekt arbeitest Du gerade?</em></p>
<p>Ich arbeite an einer Klanginstallation für ein Bewegungs-/Tanz-Stück und an einem musikalischen Medienkunstprojekt mit Kindern. Zudem verfolge ich die Idee für eine Installation mit bewegten Lautsprechern und Mikrofonen.</p>
<p><em>Und noch eine letzte, persönliche Frage. Kannst Du von einer Erfahrung erzählen, die dich in deiner Lebensführung bzw. in dem Schaffensprozess auf Dauer stark beeinflusst hat?</em></p>
<p>Eine Erfahrung, DIE grosse Erfahrung? — Meist zeigt sich erst beim Schaffen, welche Erfahrungen für mich prägend und wichtig waren – und selbst dann bleibt es für mich oft ein Geheimnis.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/medienkunst-medien-art-sound-art-ein-interview-mit-lilian-beidler//#respond">kommentieren</a></strong></p><small>Weitere Artikel zu diesem Thema:</small><ol>
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</ol>]]></content:encoded>
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		<title>Wikileaks, Justin Bieber und die Echokammern des Netzes</title>
		<link>http://kontextschmiede.de/wikileaks-jmstv-zensur-echokammern-der-netzgemeinde/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Dec 2010 14:09:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[analytisch]]></category>
		<category><![CDATA[meinungsstark]]></category>

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		<description><![CDATA[Einige der interessantesten Erkenntnisse, die Wikileaks ermöglicht, stammen nicht aus geheimen Dokumenten, sondern aus den Diskussionen, die um die Plattform entstehen. Da sind zum einen die Reaktionen der betroffenen Amtsträger, die das Selbstverständnis des Staates, wie er von den Volksvertretern in Demokratien verstanden wird, verdeutlichen. Clay Shirky hat die notwendige Abwägung von berechtigten Interessen nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einige der interessantesten Erkenntnisse, die Wikileaks ermöglicht, stammen nicht aus geheimen Dokumenten, sondern aus den Diskussionen, die um die Plattform entstehen. Da sind zum einen die Reaktionen der betroffenen Amtsträger, die das Selbstverständnis des Staates, wie er von den Volksvertretern in Demokratien verstanden wird, verdeutlichen. Clay Shirky hat die notwendige <a  title="Clay Shirky: Wikileaks and the long haul" href="http://www.shirky.com/weblog/2010/12/wikileaks-and-the-long-haul/" target="_blank">Abwägung von berechtigten Interessen</a> nach Transparenz aber auch nach Geheimhaltung in demokratischen Systemen schön erläutert, John Naughton kommentiert im Guardian, wie das <a  title="Guardian: Live with the WikiLeaks or shut down the internet" href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/cifamerica/2010/dec/06/western-democracies-must-live-with-leaks?CMP=twt_gu" target="_blank">Selbstverständnis von Staat</a> durch Wikileaks in Frage gestellt wird. Zum anderen sind auch die Bürger selbst in die Meinungsbildungsprozesse integriert. Dies geschieht durch die vermittelnde Funktion von Massenmedien, durch die Instanz zwischen Bürger und Staat, die sich gerne vierte Gewalt nennt. Und durch die Äußerungen in den vielen Foren und Publikationsformen, die das Internet bietet. Diese Netzwerke von öffentlichen Meinungsbekundungen werden immer mehr Teil der vierten Gewalt, weil die enthaltenen Informationen von den traditionellen Massenmedien gierig aufgesogen und verbreitet werden.<span id="more-2757"></span></p>
<p>In den Metadiskussionen um Wikileaks, die sich mit der Rolle der traditionellen Gatekeeper und der Rolle der neuen Medien im Internet befassen, finden sich faszinierende Einblicke in das Strömungsverhalten von Information. Es finden sich Hinweise darauf, wie sozial (ohne e) Medien funktionieren — wie menschliche Filter und Verstärker auf die Botschaften einwirken, die transportiert werden. Rückkopplungseffekte der traditionellen Massenmedien übertragen sich auf den Meinungsaustausch in sozialen Netzwerken und umgekehrt: Zum Thema von öffentlichem Interesse schaffen es Wutspiralen aus deutschen Blogs nicht erst seit dem Aufschrei gegen die »parlamentarischen Zwänge« der Grünen in NRW, dem neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) zuzustimmen. Die Geschwindigkeit, in der die Blogosphäre Agendasetting betreiben kann, wenn sie ein gemeinsames Thema gefunden hat, ist trotzdem erstaunlich. Die Parteien kamen nicht umhin, sich des Themas JMStV noch einmal öffentlich anzunehmen, weil der Aufschrei binnen Stunden in den Massenmedien widerhallte. Hier zeichnet sich eine Überschneidung der Interessen von Akteuren aus alten und neuen Medien ab, die im Kontrast zum oft postulierten Gegenpol von Bloggern und Journalisten steht.</p>
<p>Die <a  title="Wikilink: Echo chamber (Englisch)" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Echo_chamber_%28media%29" target="_blank">Echokammern</a> aus dem Netz und den Massenmedien verstärken Themen wie Wikileaks, die beide berühren, bis zum Donnerhall. Wenn ein Thema sich mit dem Verhältnis von Staat zu Öffentlichkeit befasst, also per Definition des Staates als Verkörperung seiner Bürger alle angeht, bleibt seine Wirkung trotzdem beschränkt auf die Resonanz, die öffentlich ist, also auf die Informationen aus den Echokammern. Die Information selbst wird durch diesen Effekt auch beeinflusst — spätestens dann, wenn der interpretierende Rahmen, in dem die Information wiedergegeben wird, mit übertragen und verstärkt wird.</p>
<h4>Was sind Echokammern?</h4>
<p>Wenn eine Information von mehreren Medienproduzenten aufgegriffen und wiedergegeben wird und durch ihre bloße Weiterverbreitung an Gewicht gewinnt, können wir diese Verbreitung mit der »Echokammer« beschreiben. Falschmeldungen des Boulevards, die sensationalistisch sind, folgen häufig diesem Muster. Keine Zeitung möchte im Wettrennen um die Sensation außen vor bleiben, deswegen verbreiten sie die Meldung häufig weiter, bevor sie den Inhalt einer eingehenden Prüfung unterziehen. Der faktische Wahrheitsgehalt der Meldung steigt durch bloße Wiederholung nicht, aber sehr wohl der gefühlte Wahrheitsgehalt und auf jeden Fall die gefühlte Wichtigkeit. Wenn es alle sagen, muss es ja wohl stimmen. Medienwatchblogs wie <a  title="Bildblog.de" href="http://www.bildblog.de/" target="_blank">Bildblog</a> schöpfen ihre Daseinsberechtigung und Popularität hauptsächlich daraus, diese Vorgänge öffentlich anzuprangern. Dank der niedrigen Kosten des Publizierens im Netz gibt es heute viele neue Medienproduzenten.</p>
<p>Die Echokammer zeichnet sich aber durch eine besondere Gemeinheit aus: Ihre Wirkung wird durch die <a  title="Wikilink: Bestätigungsfehler" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Best%C3%A4tigungsfehler" target="_blank"><em>confirmation bias</em></a> zusätzlich verzerrt. Diese Selbsttäuschung bringt uns Menschen dazu, verstärkt Informationen zu suchen und wahrzunehmen, die unserer Überzeugung entsprechen. Informationen, die unser Weltbild erschüttern könnten, blenden wir lieber aus. Wir glauben Leuten eher, die unsere Überzeugungen teilen, was dazu führt, dass wir uns Echokammern schaffen, die unsere eigene Überzeugungen ständig auf uns zurück projizieren und weiter verstärken. Ausgerechnet der meinungsstarke Mainstream, zum Beispiel der der deutschen Blogosphäre, nährt gemäß diesem teuflischen Kreislauf ständig seine Illusion, dass er für alle spricht. Zumindest alle vernünftigen Leute müssen doch wie meine Freunde denken, denn die sind ja schließlich das beste Beispiel für den common sense? Abweichende Meinungen haben im Getöse des Gleichklangs kaum eine Chance auf Gehör.</p>
<h4>#wikileaks #twitter #zensur</h4>
<p>Die neuen Medien mit ihren Analysetools erlauben ganz neue Einsichten in die Verbreitung von Information und das Thema Wikileaks drängt sich für eine Fallstudie über Echokammern geradezu auf. Eine widerhallende Information im <a  title="#wikileaks bei Twitter" href="http://twitter.com/#!/search/%23wikileaks" target="_blank">Twitternetzwerk</a> lässt sich wunderbar anhand des technischen Hilfsmittel der Hasthags verfolgen, mit einer Raute markierte Schlagworte, die zusammengehörige Informationsströme kennzeichnen. Ein Informationsstrang, der unter den bei Twitter vernetzten Politbloggern für Aufsehen sorgte, war die Tatsache, dass der Hashtag <a  title="Netzpolitik.org wundert sich stellvertretend für den Mainstream" href="http://www.netzpolitik.org/2010/wikileaks-auf-twitter-fehlanzeige/" target="_blank">#wikileaks</a> nicht in den <em>trending topics</em> auftauchte, in den aus populären Hashtags automatisch generierten Themenvorschlägen von Twitter. Schnell verbreitete sich die Nachricht, das Unternehmen würde die Themenvorschläge aktiv bereinigen und das Thema #wikileaks aus seinen Vorschlägen herausfiltern. Twitter wurde <a  title="bubbloy sagt es, wie es ist: Das muss Zensur sein! (oder?)" href="http://bubbloy.wordpress.com/2010/12/05/twitter-is-censoring-the-discussion-of-wikileaks/" target="_blank">Zensur</a> vorgeworfen. Wenn in meiner Timeline alle über #wikileaks reden, heißt das doch, dass alle über Wikileaks reden?</p>
<p>Twitter veröffentlichte mehrere Statements, dass es die <a  title="Mashable veröffentlicht eine Presseerklärung von Twitter" href="http://mashable.com/2010/12/06/wikileaks-twitter-censorship/" target="_blank">Themenvorschläge nicht beeinflusse</a>. Dabei ist die Ironie an der Geschichte, dass das Unternehmen seinen Algorithmus absichtlich zur Entschärfung von Echokammern programmiert. Ursprünglich ging es darum, dass die jugendlichen Fans von Justin Bieber, die als Internetnutzer die Zahl und Lautstärke der Netzpolitikmeinungsmacher mittlerweite bei weitem übertreffen, mit ihrem Lieblingsthema nicht alle anderen Themen dauerhaft begraben.</p>
<h4>Justin Bieber killt Wikileaks</h4>
<p>In der vielfach verlinkten Dystopie <a  title="Robin Sloan und Matt Tompson: Epic" href="http://robinsloan.com/epic/" target="_blank">Epic 2014</a> wurde ein Vision der Zukunft entworfen, in der Nachrichten durch den Algorithmus eines Supernetzwerkes von Google und Amazon für jeden Nutzer personalisiert werden. Die vierte Gewalt wird abgelöst von einer Flut an trivialen Empfehlungen des Freundeskreises. Heute gibt es bereits technische Lösungen für die Vision aus dem Video: Der <a  title="Wortgefecht: Was ist der social graph" href="http://www.wortgefecht.net/social-media/social-graph-und-marketing/" target="_blank">social graph</a>, geknüpft aus den Daten der Verknüpfungen von sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook, kann Informationsströme personalisieren. Themen können anhand ihrer Verbreitung aufgegriffen und vom Algorithmus wiedergegeben werden. Allerdings würden manche Themen in sozialen Graphen, die sich über ein weit verbreitetes Interesse wie Teenageridole definieren, andere Themen schnell überlagern, wenn Häufigkeit der Nennung das einzige Kriterium wäre. Junge Mädchen können sehr, sehr ausdauernd über Justin Bieber reden.</p>
<p>Deswegen versuchen Softwaredesigner ihren Algorithmen <a  title="MrTiggr kommentiert ein Szenario, wie Filter für den social graph funktionieren" href="http://studentactivism.net/2010/12/05/wikileaks-twitter-3/#comment-11683" target="_blank">Filter anzutrainieren</a>, mit denen allgemeine Relevanz über Freundeskreise und Interessengemeinschaften hinaus erkannt wird. Nur weil ein untereinander stark vernetzter Kreis von Nutzern sich mit fanatischem Eifer auf ein Thema stürzt, bedeutet das nicht, dass allein deswegen dieses Thema von allgemeinem Interesse ist. Es kann vielmehr andere Nutzer nerven, die sich bessere Filter gegen für sie triviale Informationen wünschen. Erst, wenn in einer signifikanten Zahl von  untereinander kaum verbundenen Netzwerkgrüppchen ein Thema schnell verbreitet wird, vermutet der Algorithmus, dass das Thema von allgemeinem Interesse ist. Wenn sowohl Fans von Justin Bieber als auch von Strickmode und solche von Politikdiskussionen über ein Ereignis twittern, ist die Relevanzhürde genommen. Ungeachtet der politischen oder musikalischen Ansichten von Nutzern verbreiten diese zum Beispiel Informationen über Katastrophen weiter, aber auch der Hass auf Montage oder Grüße an den Winter vereinen die Twitternutzer quer durch ihre sonstigen Interessen.</p>
<p>Als Nebeneffekt wirkt das Bemühen um allgemeine Relevanz als technischer Filter für Echokammern. Was für Justin Bieber-Fans die gleiche, bittere Erkenntnis bedeutet wie für Netzpolitikblogger:</p>
<blockquote><p>Sometimes topics that are genuinely popular simply aren’t widespread enough to make the list of top Trends. And, on occasion, topics just aren’t as popular as people believe. <cite title="Twitter Presseerklärung">Twitter press release</cite></p>
</blockquote>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/wikileaks-jmstv-zensur-echokammern-der-netzgemeinde//#respond">kommentieren</a></strong></p><small>Weitere Artikel zu diesem Thema:</small><ol>
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</ol>]]></content:encoded>
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		<title>Das Werkzeug ist nicht das Medium</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Oct 2010 19:18:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[analytisch]]></category>
		<category><![CDATA[hilfreich]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Begriff »Medium« wird in vielen verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Nicht selten kommt es dabei zu Mißverständnissen und fehlgeleiteten Annahmen über das Wesen von Kommunikation. Speziell die Vereinnahmung der Begriffe »Medien« und »Kommunikation« durch Publizistik und PR trübt den Blick darauf, wie Bedeutung zwischen Menschen übertragen wird, wenn es nicht gerade darum geht, Inhalte oder das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Begriff »Medium« wird in vielen verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Nicht selten kommt es dabei zu Mißverständnissen und fehlgeleiteten Annahmen über das Wesen von Kommunikation. Speziell die Vereinnahmung der Begriffe »Medien« und »Kommunikation« durch Publizistik und PR trübt den Blick darauf, wie Bedeutung zwischen Menschen übertragen wird, wenn es nicht gerade darum geht, Inhalte oder das Image eines Unternehmens zu verkaufen.</p>
<p>Wenn wir uns nur <a  title="Wikilink: Epiphänomen" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Epiph%C3%A4nomen" target="_blank">Epiphänomene</a> der Kommunikation ansehen, weil wir zu sehr darauf fokussiert sind, welche Akteure sich im gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozess positionieren, verstehen wir nie die zugrunde liegenden Wirkmechanismen und gelangen schnell zu falschen Verallgemeinerungen. Der Diskurs über neue Medien ist selbst ein gutes Beispiel dafür, wie Distributionskanäle und Medium in einen Topf geworfen werden.<span id="more-2732"></span></p>
<p>Das Internet wird häufig als Medium bezeichnet. Doch das Internet ist kein Medium. Ein Medium definiert sich über die in ihm transportierten Inhalte und das Spannungsfeld der Erwartungen und Konventionen von Sendern und Empfängern, die das Medium nutzen. Das Internet kann über seine Inhalte nicht definiert werden, weil es nur die Infrastruktur für völlig verschiedenartige Medienformen bietet. Das Werkzeug ist nicht das Medium.</p>
<h4>Steal this presentation</h4>
<p>Dieser Beitrag versucht, den Begriff des Mediums von der soziologischen Perspektive auf das Wirken der Massenmedien zu lösen und einen kognitionswissenschaftlich geprägten Ansatz zu entwickeln. Ausgehend von einem solcherart geschärften Blick auf Kommunikation fällt es leichter, das Werkzeug der Informationsübermittlung von dem eigentlichen Medium zu trennen. Daran anschließend setzen wir die Theorie in die Praxis um und schauen am Beispiel von »Präsentation,« was passiert, wenn wir nicht blind für die Möglichkeiten des Mediums sind.</p>
<p>Im eingebetteten Video wird im Anschluss an die kommunikationstheoretische Begriffsklärung ein neuartiges Präsentationskonzept vorgestellt: Das interaktive Dokument auf der unendlichen Leinwand. Gleichzeitig werden die Grenzen der Präsentationssoftware Keynote  als Werkzeug für eben dieses Video ausgereizt. Das Prinzip des Pfades über eine <em>infinite canvas</em>, das Prezi bekannt gemacht hat, können Powerpoint und Keynote mit nur wenig Aufwand auch leisten. Obendrein wird ein Dokument bereit gestellt, das selbst Baustein des Konzeptes ist und gleichzeitig als kurze Einführung in das Präsentationskonzept für sich allein stehen kann. Die Kommentarspalte soll dem regen Austausch über »wie geht das,« aber gerne auch für theoretische Diskussion dienen.</p>
<p>Zum Schluss sei erwähnt, dass es sich bei diesem Beitrag selbst um ein Medienexperiment auf der Metaebene handelt. Information über ein Konzept von Präsentation wird auf verschiedenen Kanälen verbreitet, die alle in einem Distributionskanal zusammenkommen. Kein Teil dieses Beitrages ist eine Präsentation. Die geneigte Leserin und der geneigte Leser möge sie trotzdem gerne stehlen.</p>

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<p class="gde-text"><a  href="http://dl.dropbox.com/u/3532118/Schmiede/pr%C3%A4sentationstheorie.pdf" target="_blank" class="gde-link">Download (PDF, Unknown)</a></p>
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		<series:name><![CDATA[Medienkompetenz]]></series:name>
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		<title>Medienkompetenz ist soziale Kompetenz</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Aug 2010 16:37:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stil]]></category>
		<category><![CDATA[meinungsstark]]></category>

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		<description><![CDATA[Wieder einmal zerbrechen kluge Köpfe sich den ihrigen, Regeln aufzustellen für den Umgang, den Menschen miteinander pflegen.  Menschliches ist den Nutzern des Internets zwar schon lange vertraut, doch die technischen Verbindungen des Netzes entpuppen sich schließlich auch den Lordsiegelbewahrern des richtigen Lebens im Ungehobelten als soziale Bande. Nun gilt es, Etiketteverstöße dieses digitalen Menschelns anzugreifen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wieder einmal zerbrechen kluge Köpfe sich den ihrigen, <a  title="Ilse Aigner fordert Internetknigge" href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Interview/2010/07/2010-07-12-aigner-welt.html" target="_blank">Regeln aufzustellen</a> für den Umgang, den Menschen miteinander pflegen.  Menschliches ist den Nutzern des Internets zwar schon <a  title="Bei Netzpolitik.org sind nur wenige Leser angetan von Frau Aigners Idee." href="http://www.netzpolitik.org/2010/internet-community-soll-knigge-furs-netz-schreiben/" target="_blank">lange vertraut</a>, doch die technischen Verbindungen des Netzes entpuppen sich schließlich auch den Lordsiegelbewahrern des richtigen Lebens im Ungehobelten als soziale Bande. Nun gilt es, Etiketteverstöße dieses digitalen Menschelns anzugreifen. Wer besser als der Name Knigge stünde für ein Unterfangen, Rat zu bieten wider die Fallstricke des Sozialen Netzes? Wie sich herausstellt: Jeder mit einer Spur von Medienkompetenz.</p>
<p>Der 2005 als <a  title="Pressemitteilung: Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG Bonn und TYP Akademie Limburg gründen Deutschen Knigge-Rat" href="http://www.knigge-rat.de/pressemitteilung_2005_10_21.html" target="_blank">Marketingplattform</a> für teilnehmende Benimmberater und –Autoren gegründete Knigge-Rat hat in einer <a  title="Aktuelle Pressemitteilungen des Knigge-Rats" href="http://www.knigge-rat.de/presse_kontakt.html#aktuelle_pressemitteilung" target="_blank">Pressemitteilung</a> »[…] die Forderung von Verbraucherschutzministerin  Ilse Aigner nach neuen Verhaltensregeln im Netz aufgegriffen und einen Social-Media-Knigge  erarbeitet.« <a  title="Aktuelle Themen des Knigge-Rats: Social-Media-Knigge 2010" href="http://www.knigge-rat.de/themen.html" target="_blank">Das Ergebnis</a> ist eine Katastrophe. Gleichzeitig ist es ein gutes Beispiel für die These, dass Medienkompetenz zu nicht geringen Teilen soziale Kompetenz ist. Für Umgangsformen gilt: Es gibt kaum »<a  title="Aus der Reihe Stilberatung: Etikette und Benimm" href="http://kontextschmiede.de/etikette/">richtiges Benehmen</a>«. Es gibt nur angemessenes Verhalten.<span id="more-2700"></span></p>
<h4>Ein 10-Punkte Kodex für das Leben im Internet?</h4>
<p>Bei den Überschriften der vom Knigge-Rat formulierten Regeln bietet sich wenig Angriffsfläche. Der Allgemeinplatz ist ihr Zuhause. Die Ratschläge selbst bergen aber unangenehme Details:</p>
<p><strong>1. Wählen Sie Ihre favorisierten Netzwerke sorgsam aus</strong><br />
 Der Knigge-Rat rät an dieser Stelle unter anderem, die Vermischung von Beruf und Privatleben zu vermeiden. Das widerspricht ziemlich drastisch der Lebenswirklichkeit all jener Kreativer, die antreten, ihre Person als Marke zu etablieren. Obendrein gäbe es kaum etablierte Netzwerke, wenn sich die sogenannten <em>early adopters</em> an den Rat hielten, öfter mal die Füße still zu halten.<br />
 <strong></strong></p>
<p><strong>2. Bleiben Sie authentisch<br />
 </strong>Wenn der Knigge-Rat empfiehlt, keine »fiktive Identität« aufzubauen, beweist er einen beachtenswerten Mangel an kohärentem Denken. Potentielle Arbeitgeber sollen kein »unstimmiges Bild« von mir im Internet finden können? Welchen besseren Schutz vor deren Googelei gibt es denn, als den einer fiktiven Identität? Es ist ja nicht so, als würden Menschen offline in jedem Kontext das gleiche Bild abgeben. Laurenz-Günther von Matterhorn, alias <em>Gongmaster L</em>, ist in seiner Rolle als vertrauenswürdiger Anlageberater sicher weniger für seine Fähigkeiten des Bierkonsums mittels Trichter und Schlauch bekannt als bei seinen Freunden aus dem Hockeyclub.<br />
 <strong></strong></p>
<p><strong>3. Meiden Sie plumpe Vertraulichkeiten<br />
 </strong>Ihre Kunden wollen von Ihnen nicht als »Freunde« bezeichnet werden? Wer auf Facebook geschäftliche Kontakte knüpft, wird sich wohl damit abfinden müssen. Selbst Ilse Aigner dürfte den Unterschied von Facebookfreunden zu Vertrauenspersonen gekannt haben, als sie sich noch vom Netzwerk duzen ließ. Das größte und momentan wichtigste Netzwerk, auf dem sich tatsächlich auch internationale Kontakte finden lassen, wird so manchem Netizen, einer jungen Akademikerin oder dem selbständigen Hausmann allerdings standardmäßig für Kommunikation jeder Art dienen. Wie bereits für Regel 1 angesprochen: Beruf und Privatleben sind für eine wachsende Bevölkerungsschicht nicht völlig zu trennen.</p>
<p><strong>4. Lehnen Sie unerwünschte Anfragen ab</strong><br />
 »Vorsicht ist insbesondere vor jenen geboten, die virtuelle Kontakte  wie Trophäen sammeln.« Warum kann es der Knigge-Rat nicht bei dem tatsächlich sinnvollen Hinweis belassen, dass man nicht jede Anfrage positiv bescheiden muss? Statt dessen werden den Verfassern unbekannte Lebenswirklichkeiten als minderwertig abgekanzelt, wie die »Wilden« weiland von den Kolonialstaaten. Der Europäer wusste schon immer, was gutes Benehmen ist. Obendrein war er sich nie zu schade, seine Weisheit in alle Ecken der Welt zu exportieren.</p>
<p><strong>5. Belästigen Sie Ihre Kontakte nicht</strong><br />
 »Wenn Sie ihre Kontakte nur auf spielerische Anfragen beschränken, werden Sie schnell ignoriert.« Zum Glück gibt es unter den Facebooknutzern noch andere, als die der Provenienz des Knigge-Rates. Solche, die gelassen und medienerfahren genug sind, die nervenden Farmvillemeldungen, mit denen viele Kontakte anscheinend wirklich einen Mehrwert verbinden, schlicht auszublenden. Dafür gibt es sogar technische Lösungen.</p>
<p><strong>6. Bleiben Sie freundlich</strong><br />
 Freundlichkeit ist immer gut, womöglich wünschenswerter als Höflichkeit. Duzen und siezen ist übrigens eine Konvention, die immer mal wieder dem Wandel der Zeit unterliegt, schließlich ihrzen wir nur noch zu sehr speziellen Gelegenheiten. Aber so lange sich das Internet-Du nicht als Standardanrede für alle Gelegenheiten durchgesetzt hat, ist es vermutlich wirklich ein sicheres Zeichen von Höflichkeit, unbekannte Personen auch im Netz zu siezen.</p>
<p><strong>7. Reagieren Sie humorvoll</strong><br />
 Oder auch nicht. Je nachdem, auf welchem Allgemeinplatz der Knigge-Rat sich gerade aufhält. »Löschen Sie keine unbequemen Einträge von Ihrer Pinwand, denn Zensuren  sind den meisten Menschen suspekt.« Man sollte sich diesen Rat merken, bevor man Schulnoten verteilt für Menschen, die Infrastrukturen für die Beschneidung der Meinungsfreiheit befürworten.</p>
<p><strong>8. Halten Sie den Dialog lebendig</strong><br />
 Regelmäßigkeit muss sein. Wenn das der Schirrmacher hört. Oder ist einmal pro Woche Facebook noch kein Schritt ins Verderben? Wie dem auch sei, die Häufigkeit der Updates richtet sich bei den meisten Netzwerkern schlicht danach, für welche Zwecke sie das Kommunikationswerkzeug nutzen. Es soll sogar Leute geben, die im Urlaub kein Internet haben.<br />
 <strong></strong></p>
<p><strong>9. Behalten Sie den Weitblick</strong><br />
 »Das Internet vergisst nie. […] Löschen Sie lieber direkt  impulsive Einträge, die Ihnen selbst oder anderen schaden könnten.« Das Internet vergisst womöglich nicht einmal, dass der Knigge-Rat empfiehlt, keine unbequemen Einträge von der eigenen Pinnwand zu löschen. Vielleicht sind Selbstzensuren aber gutes Benehmen. Nur über andere Menschen sollte man nicht vorschnell richten, auch wenn es schwer fällt, jeder Aussage erst einmal zu unterstellen, dass sie kohärentem Denken entspringe. Speziell im Internet.<strong></strong></p>
<p><strong>10. Schließen Sie Trolle aus<br />
 </strong>Das ist mal ein guter Rat.</p>
<p>Regeln, wie Ilse Aigner sie sich vielleicht gewünscht haben mag, sind nicht einfach ein Fall von »Sie haben das Internet nicht verstanden.« Regeln, die so drastisch an der Lebenswirklichkeit der betroffenen Menschen vorbeigehen, zeigen, dass es ihren Urhebern an der Höflichkeit gebricht, sich mit anderen Menschen auf Augenhöhe auseinander zu setzen. Sie sind ein Fall von »Sie wollen die Menschen nicht verstehen.« Denn Medienkompetenz, die zu vermitteln mit zunehmender Bedeutung moderner Medien notwendiger denn je ist, bedeutet mehr als den sorgsamen Umgang mit Schaltknöpfen auf Facebook. Schon vor der Erfindung des Internets galt: Medienkompetenz ist soziale Kompetenz.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/medienkompetenz-ist-soziale-kompetenz//#respond">kommentieren</a></strong></p><small>Weitere Artikel zu diesem Thema:</small><ol>
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</ol>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Stilberatung]]></series:name>
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		<title>Wie der Schmutz ins Internet kommt</title>
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		<pubDate>Thu, 13 May 2010 23:15:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[analytisch]]></category>
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		<description><![CDATA[Viele Medienschaffende publizieren Beiträge im Internet, mit denen sie sich an Debatten beteiligen wollen. Manche stellen dafür sogar ihre eigene Plattform zur Verfügung, auf der Leser sich mit eigenen Beiträgen beteiligen können. Wenn wir solche Plattformen als Gesprächsangebote und die darauf statt findenden Diskussionen als Gespräche betrachten, können wir eine drängende Frage der Plattformanbieter neu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Medienschaffende publizieren Beiträge im Internet, mit denen sie sich an Debatten beteiligen wollen. Manche stellen dafür sogar ihre eigene Plattform zur Verfügung, auf der Leser sich mit eigenen Beiträgen beteiligen können. Wenn wir solche Plattformen als Gesprächsangebote und die darauf statt findenden Diskussionen als Gespräche betrachten, können wir eine drängende Frage der Plattformanbieter neu bewerten: Wie kann ich die <a  title="DvG: Vom Umgang mit Leserkommentaren" href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/vom-umgang-mit-leser-kommentaren/" target="_blank">Qualität »meiner« Debatten steigern</a>?</p>
<p>Für die Analyse von Gesprächen gibt es sehr spezifische wissenschaftliche Modelle und Erklärungsansätze. Erkenntnisse der <a  title="Wikilink: Konversationsanalyse" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Konversationsanalyse" target="_blank">Soziolinguistik</a>, der <a  title="Wikilink: Sprecherwechsel" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sprecherwechsel" target="_blank">Pragmatik</a> und der <a  title="Nentwich: Cyberscience" href="http://www.itas.fzk.de/tatup/033/nent03a.htm" target="_blank">CMC-Forschung</a> bieten sich als dankbare Werkzeuge an, neue Interpretationen für das Wesen der Kommentarspalten im Internet zu finden. Denn vor der Frage nach dem »wie« sich die Qualität von Onlinedebatten steigern lässt, steht die Frage nach dem »<a  title="Ulrike Langer: Fehler der Printmedien beim Umgang mit Online-Kommentaren" href="http://medialdigital.de/2009/10/21/5-fehler-von-printmedien-beim-umgang-mit-online-kommentaren/" target="_blank">warum</a>«  diese Debatten so sind, wie sie sind. Dabei bietet kein Ansatz für sich eine allumfassende Lösung, aber jenseits des anwendungsbezogenen <a  title="Todd Zeigler: 9 ways to improve the quality of comments on your website" href="http://www.bivingsreport.com/2008/9-ways-to-improve-the-quality-of-comments-on-your-website/" target="_blank">Community-Managements</a> sind einige theoretische Überlegungen der Sprachwissenschaften verblüffend robust. Onlinedebatten verhalten sich tatsächlich häufig wie Gespräche.<span id="more-2659"></span></p>
<p>Die erste Annahme für Onlinedebatten muss in Analogie zur Gesprächsforschung lauten: Es gibt Mikroöffentlichkeiten, fragmentierte Sprechergemeinschaften, die sich in ihren Gesprächen spezifischer Regeln bedienen. Tatsächlich ist das Feuerwerk an Bonmots, das in manchen Onlinemedien wie ein Wettbewerb der Kommentatoren wirkt, ein starker Kontrast zu schlampig formulierten, dumpfen Ressentiments, die einem an anderer Stelle entgegen schlagen. Bei beiden Extremen lässt sich trotzdem eine Systematik in der Kommentarkultur erkennen. Es gibt ungeschriebene Regeln, an die sich der Großteil der Kommentatoren hält. Wie in Sprechergemeinschaften lassen sich »Dialekte« abhängig vom Ort der Kommentare erkennen, obwohl die technischen Voraussetzungen nahezu identisch sind.</p>
<p>Mit sprachwissenschaftlichen Modellen lassen sich auch die Erfahrungswerte übersetzen und erklären, die Alan Rusbridger, der Chefredakteur des <a  title="Alan Rusbridger: Does journalism exist?" href="http://www.guardian.co.uk/media/2010/jan/25/cudlipp-lecture-alan-rusbridger" target="_blank">Guardian</a> und Mathew Ingram vom kanadischen The Globe and Mail ins Feld führen. <a  title="Mathew Ingram: Newspapers get the kind of communities they deserve" href="http://www.niemanlab.org/2009/09/newspapers-get-the-kind-of-communities-they-deserve/" target="_blank">Ingram sagt</a>, dass die Qualität der Debatten deutlich steigt, wenn sich die Autoren an den Leserkommentaren beteiligen. Dafür sprechen gleich zwei Faktoren aus der Soziolinguistik: <a  title="Wikilink: Face (sociological concept)" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Face_%28sociological_concept%29" target="_blank"><em>Face</em></a> und <a  title="Wikilink: Prestige (auf Englisch)" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Prestige" target="_blank"><em>Prestige</em></a>.</p>
<h4>Gesichtsverlust und andere Kräfte</h4>
<p>Face bezeichnet die Übereinstimmung der individuellen Selbstwahrnehmung und des sozialen Status einer Person mit den Strukturen einer Gemeinschaft. Wer in ein Fettnäpfchen tritt, kann sein Gesicht verlieren. Die Selbstwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung des Status ist erschüttert. Das Konzept, das uns aus chinesischen Sprichworten bekannt ist, bestimmt auch unser zwischenmenschliches Verhalten: Wir benehmen uns zivilisiert, weil wir soziale Ächtung vermeiden wollen. Wer als Kind neue Schimpfworte an seiner Tante ausprobiert hat, dürfte diesen Grundsatz schnell verinnerlicht haben.</p>
<p>Prestige verdeutlicht, dass nicht jedes Wort das gleiche Gewicht hat. Ein Muttersprachler, der unsere englische Aussprache korrigiert, hat in dieser Situation einen höheren Status, da fangen wir kaum an, zu diskutieren. Ein Kind wird selten gleichberechtigt an einer Diskussion Erwachsener teilnehmen. Wenn der gefürchtete Chef einen Witz macht, lachen alle. Prestige kann abhängig von der Situation sein, sozialer Status ist nicht in jedem Umfeld der gleiche. Prestige wirkt sich allerdings direkt auf Face aus. Die Handlungen und der Sprachgebrauch einer Person mit höherem Prestige bestimmen in größerem Ausmaß die Regeln, die es nicht zu verletzen gilt.</p>
<p>Wenn sich nun ein Autor in einem Onlinemagazin an den Kommentaren beteiligt, trägt er oder sie automatisch das höchste Prestige und wirkt allein dank seiner Anwesenheit auf die Regeln des Sprachraumes. Zum Beispiel hat er mit dem Artikel das Thema der Diskussion gesetzt und deswegen diszipliniert er alle Teilnehmer dazu, sich in der Diskussion auch auf das Thema zu konzentrieren. Die Themenkohärenz wird, wenn der Autor Verstöße dagegen nicht öffentlich als akzeptabel markiert, zu einem wichtigen Faktor für Face.</p>
<h4>Tip des Tages: Inspirierende Diskursräume</h4>
<p>Ohne disziplinierende Maßnahmen der Gemeinschaft jedoch werden Offtopic-Verstöße schnell zu einem akzeptablen Verhalten. Da sich in einer Gemeinschaft nur langsam Prestige aus wahrgenommener Expertise und Persönlichkeit ergibt, ist der Autor die wichtigste Autorität — deutlich über jenen, die als Administratoren zwar besondere technische Macht haben, aber in der Diskussion keinen aus der Gesprächsdynamik erwachsenden Einfluss. Interessant ist dabei insbesondere, wie weit die selbststeuernde Dynamik der Gesprächskonventionen reicht. Wenn der Autor seine Leser siezt, werden diese auch untereinander häufiger eine Honorifikmarkierung verwenden, als wenn der Autor seine Leser duzt. Nach und nach entwickelt sich in den Sprachgemeinschaften der Kommentarspalten so ein jeweils gültiger Standard.</p>
<p>Face ist dabei <a  title="DvG: Intervies mit Markus Hofmann - Ende der Anonymität" href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/ende-der-anonymitat-interview-mit-markus-hofmann/" target="_blank">entgegen der häufig geltenden Intuition</a> nicht durch Anonymität aufgehoben. Im Gegenteil wird Face vielmehr durch das Medium zu höherer Komplexität verholfen. So manchen Kommentator wird es mehr schmerzen, dass er seine sorgsam gepflegte Onlineidentität nicht in ein Forum mitnehmen kann, als dass ihn stört, dass er nicht »anonym« sei, weil er dort mit seinem bürgerlichen Namen kommentieren muss. Womöglich ist das Prestige seiner »bürgerlichen Identität« sogar deutlich niedriger und die Hemmschwelle, ausfällig zu werden, sinkt, statt dass sie steigt.</p>
<p>Wenn eine Onlineplattform also nur eine technische Voraussetzung für Diskussionen schafft, statt sich in Gesprächen zu engagieren, müssen sich die Betreiber nicht wundern, dass sich in den solcherart abgeschlossenen Diskursräumen die Gesprächskultur verselbständigt. Insbesondere, wenn ohnehin kontroverse Themen den Anstoß bieten sollen, reichen wenige vergiftende Kommentare aus.</p>
<p>Auf einer Party ziehen wir uns ja auch schnell aus Gesprächen zurück, in denen ein paar betrunkene Idioten Anlass zum Fremdschämen bieten. Da versuchen wir doch nicht, die Gesprächskultur zu heben, wenn es viel leichter ist, sich der interessanten Diskussion im nächsten Zimmer anzuschließen. Auf unseren eigenen Parties bemühen wir uns hingegen in der Regel, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der die Gäste sich gegenseitig inspirieren. Wir preisen nicht einfach auf der Straße Freibier für alle an, verziehen uns auf den Dachboden und lamentieren dann darüber, dass nur betrunkene Idioten in unserem Wohnzimmer abhängen.</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
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		<title>Seid gegrüßt, Euer Diskurshoheit</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 17:36:30 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[meinungsstark]]></category>

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		<description><![CDATA[Der päpstliche Bannstrahl trifft den deutschen Diskurs an empfindlicher Stelle. Der des Sprachpapstes, wohlgemerkt. »Geschwätz«, hat er gesagt, und qua seines Amtes wird damit einem Großteil derjenigen, die sich der deutschen Sprache für ihre Teilnahme an öffentlichen Gesprächen bedienen, die Daseinsberechtigung in diesen Diskursen abgesprochen. Wolf Schneider hat in seinem Leben sicherlich viel Richtiges gesagt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der päpstliche Bannstrahl trifft den deutschen Diskurs an empfindlicher Stelle. Der des Sprachpapstes, wohlgemerkt. »<a  title="Interview mit Wolf Schneider: Die meisten Blogs sind Geschwätz" href="http://www.tagesspiegel.de/medien/die-meisten-blogs-sind-geschwaetz/1814164.html" target="_blank">Geschwätz</a>«, hat er gesagt, und qua seines Amtes wird damit einem Großteil derjenigen, die sich der deutschen Sprache für ihre Teilnahme an öffentlichen Gesprächen bedienen, die Daseinsberechtigung in diesen Diskursen abgesprochen.</p>
<p>Wolf Schneider hat in seinem Leben sicherlich viel Richtiges gesagt. Wo er jedem Autoren, jeder Autorin empfiehlt, sich selbst der größte Kritiker zu sein, da fällt es schwer, ihm nicht beizupflichten, der er gleichzeitig ein großer Fan seines eigenen Schaffens ist. Wolf Schneider tut allerdings trotz all seiner Bemühungen um klare Sprache und Verständlichkeit dem Diskurs nicht nur unrecht, er beschädigt ihn durch seine bloße Anwesenheit. Dafür kann er nichts, zumindest wird er es kaum gewollt haben. Und doch ist es seine Funktion in diesem Diskurs, die Rolle als Sprachpapst, als letztinstanzliche Autorität, die ihn zum traurigen Fanal des Scheiterns von Verständigung macht.<span id="more-2644"></span></p>
<p>Deutsche Diskussionen kranken nämlich häufig daran, dass Autoritäten wichtiger als Argumente sind. Der Sprachpapst ist selbst das beste Beispiel, denn seinen Worten wird dank seiner Autorität Gehör geschenkt, auch da, wo sie wenig überzeugend sind. Seine Autorität geht so weit, dass die ästhetischen Urteile Wolf Schneiders über Sprache zum Maßstab für richtig und falsch werden. Dabei ist er eigentlich ein Freund des <a  title="Wolf Schneider: Die Macht der Bilder" href="http://www.mehner.info/html/macht_der_bilder.html" target="_blank">gepflegten Lutherwortes</a>: Den Leuten auf’s Maul schauen. Geil, mag der unbedarfte Leser glauben.</p>
<p>Der gleiche Schneider, der eine <a  title="Wolf Schneider: Sprachlese - Der Bevölkerung auf's Maul geschaut" href="http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/eaff7374-427f-4a68-96c1-75a6e0249473.aspx" target="_blank">Kolumne</a> nach dem geflügelten Wort Luthers benennt und dessen Bibelübersetzung ob ihrer bildhaften Wortgewalt preist, sagt aber auch:</p>
<blockquote><p>Was die Leute reden ist nicht mein Thema, sondern was Journalisten  schreiben.</p>
</blockquote>
<p>Und findet in Fernsehtalkshows nebenbei, dass der Duden dummerweise den Sprachgebrauch der Leute registriere, selbst »wenn er falsch ist«. Denn was richtig und falsch ist und wie das Volk zu sprechen habe, das bestimmt in Deutschland, die wir ja schließlich Papst sind, der Sprachpapst immer noch selbst. Dessen Wort ist Gesetz auch dafür, wie Journalisten und nun also junge Autoren zu schreiben hätten, wollten sie verstanden werden.</p>
<p>Wolf Schneider mag ein großartiger Stilist sein. Er beweist nur leider wenig Expertise, wie Sprache funktioniert. Warum also bringt die Sprachgemeinschaft Luthers nicht die Kraft auf, sich gegen zur Institution gewordene Vorurteile zur Wehr zu setzen? Es sind Vorurteile über Sprache, die zur Bewertungsgrundlage für richtig und falsch werden. Schneiders ästhetisches Empfinden ist der Maßstab, statt dass Verständlichkeit die Ultima Ratio für den journalistischen Sprachgebrauch darstellt. Die Korrektheitsdoktrin geht über Verständigung. Dabei gilt es sich doch eigentlich nicht an Luthers Sprache auszurichten, sondern an seinem Willen, sich den Menschen in ihrer Sprache zu nähern, wenn sie die Botschaft verstehen sollen.</p>
<blockquote><p>Many of the rules that editors and other  grammatical zealots wave about  like cudgels are arbitrary and destined  to be swept aside as words and  usage evolve. <a  title="Rezension zu: The Lexicographer's Dilemma (Jack Lynch) The New  York Times" href="http://www.nytimes.com/2010/01/01/books/01book.html" target="_blank"><cite>Neil  Genzlinger</cite></a></p>
</blockquote>
<p>Es gibt sehr wohl andere Kriterien für den gelungenen Nutzen vom Kommunikationswerkzeug Sprache als das ästhetische Urteil sprachkonservativer Autoritäten. Leider finden <a  title="Anatol Stefanowitsch: Sprachlog" href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog" target="_blank">sprachwissenschaftlich fundierte</a> <a  title="Anatol Stefanowitsch: Archiv des alten Sprachlogs" href="http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2008/04/16/sick-of-sick/" target="_blank">Bewertungen</a> in der deutschen Öffentlichkeit kaum Gehör. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit, die von der Priesterkaste der schneiderschen Lehre bedient wird. Dabei hat der Journalismus, der seinen Standesdünkel gern als Monstranz vor sich herträgt, doch den Anspruch, stellvertretend für die Gesellschaft einen Diskurs zu führen. Wenn er dabei weniger Rücksicht auf überkommene Dogmen nähme und sich weniger an Autoritäten als vielmehr der Qualität der Argumente orientieren würde, könnten die Leser vielleicht auch häufiger etwas Neues lernen. Zumindest, wenn es um Sprache geht.</p>
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		<title>Von alten Medien lernen</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 17:16:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im ersten Teil dieser Reihe um Kompetenz in alten und neuen Medien haben wir die Grundannahme vorgestellt, dass Medien von ihren Nutzern geformt werden. Außerdem haben wir uns mit einigen Besonderheiten des Mediums Distributionskanals Internet beschäftigt. Heute wollen wir uns zum Ausgleich mit alten Medien beschäftigen und mit den Lehren, die wir für den Umgang [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im ersten Teil dieser Reihe um Kompetenz in alten und neuen Medien haben wir die Grundannahme vorgestellt, dass Medien von ihren Nutzern geformt werden. Außerdem haben wir uns mit einigen Besonderheiten des <span style="text-decoration: line-through;">Mediums</span> Distributionskanals Internet beschäftigt. Heute wollen wir uns zum Ausgleich mit alten Medien beschäftigen und mit den Lehren, die wir für den Umgang mit neuen Medien daraus ziehen können. Denn auch wenn es konzeptionelle Unterschiede zwischen verschiedenen Medientypen gibt, darf man darüber deren Gemeinsamkeiten nicht vergessen: Es geht weniger darum, was ein Medium oder eine Technologie konzeptionell erlauben, als vielmehr darum, welche Konventionen sich für die Nutzung ergeben.</p>
<p>Alte Medien haben einen Reifungsprozess hinter sich, den wir als Erfahrungsschatz nicht vernachlässigen können. Viele der Konventionen übernehmen wir schließlich, ohne sie zu hinterfragen. Wir lesen auch im Internet von links nach rechts, <a  title="Gerald Brozek: Web-Abenteuer Textwüste - Werkzeuge und Strategie" href="http://hyperkontext.at/weblog/artikel/web-abenteuer-textwueste-werkzeuge-und-strategie/" target="_blank">wir benutzen Überschriften und Absätze</a>, um Themen einzuführen und zu gruppieren. Wir klicken auf Pixel, die wie die Piktogramme auf unseren Kassettenrekordern aussehen, wenn wir ein Video starten wollen. All die Gewohnheiten, die wir im Umgang mit anderen Medien erworben haben, begegnen uns in neuen Medien wieder.<span id="more-2588"></span></p>
<p>Dabei sind diese Gewohnheiten teilweise völlig zufällig. Wir könnten ja auch von rechts nach links oder von oben nach unten schreiben, wie es uns andere Schriftsysteme vormachen. Allerdings gewinnen die sozialen Regeln, die wir im Umgang mit der Technik entwickeln, ein Eigenleben. Die Entscheidung für das Schriftsystem prägt sogar unsere psychologische Wahrnehmung. Wir scannen visuelle Hinweise von links nach rechts. Wer zum ersten mal einen japanischen Comic liest, hat dementsprechend Schwierigkeiten, die Erzählstruktur der Bilder nachzuvollziehen. Um so wichtiger ist es, dass wir uns über die Regeln klar werden. Einige Jahrhunderte Erfahrung im Umgang mit Text und Informationsvermittlung werden wir nicht einfach in die Tonne kloppen, nur weil gerade eine neue Technik unsere Aufmerksamkeit vereinnahmt.</p>
<h4>Hype und Hysterie</h4>
<p>Wenn eine neue Technik Zugang zu unserem Alltag findet, entzünden sich daran die Geister, weil wir als soziale Wesen uns noch nicht auf Konventionen über den Gebrauch verständigt haben. Erst wenn Nutzungskonventionen zur Norm werden, wird die Technik »unsichtbar«. Reife Technologien zeichnen sich dadurch aus, dass es weder Enthusiasmus noch Skeptizismus über sie gibt. Niemand fragt sich noch, was eine »richtige« Anwendung des Telefons sein könnte und ob es unsere sozialen Kontakte verkümmern lässt, weil wir nicht mehr vor die Tür gehen müssen, um mit unseren Nachbarn zu reden. Wir haben uns daran gewöhnt, dass das Telefon ganz selbstverständlich Teil unseres Lebens ist. Was aber ist gesellschaftlich akzeptierter Umgang mit dem Handy in der Öffentlichkeit?</p>
<p>Trennen wir zunächst den allgemeinen Kulturpessimismus von einem Phänomen, das immer wieder mit der Entwicklung gesellschaftlich relevanter Technologien einhergeht: Neue Technologien unterliegen einer polarisierenden Bewertung. Genau so, wie es dystopische Hysterie über die neue Technologie gibt, gibt es immer auch utopischen Hype. Aus diesem Spannungsfeld entstehen Mythen über die neue Technik, die einer pragmatischen Nutzung im Wege stehen. Das Internet ist eindeutig noch in dieser Phase der Polarisierung gefangen, <a  title="Thorsten Breustedt: Über Internetionalisierungsdebattendefizite" href="http://www.thorstena.de/?p=2262" target="_blank">die Gesellschaft streitet noch um Deutungshoheit</a>.</p>
<p>Zur Mythenbildung trägt ein Umstand ganz besonders bei, der Besitzstandswahrer und Netzapologeten in trauter Zweisamkeit eint: Die aktuelle Debatte ist in der Falle des <a  title="Wikilink: Technikdeterminismus" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Technikdeterminismus" target="_blank">technologischen Determinismus</a> gefangen. Kennzeichnend sowohl für ablehnende als auch zustimmende Beiträge zur Diskussion ist in den meisten Fällen ihre monokausale Beschränkung auf das Internet als originären Auslöser von gesellschaftlicher Umwälzung. Dabei war es auch zur Zeit Gutenbergs nicht allein die Druckerpresse, die alles verändert hat. Was die Menschen mit der Druckerpresse angestellt haben, hat die Welt verändert. Nicht zuletzt kam die gesellschaftliche Veränderung aber auch aus sozialen Spannungsfeldern, die ein Ventil für den voranschreitenden Wertewandel fanden.</p>
<p>Ohne gleich dem <a  title="Wikilink: Sozialkonstruktivismus" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialkonstruktivismus" target="_blank">Sozialkonstruktivismus</a> das Wort reden zu wollen, ist es doch zumindest bemerkenswert, zu überlegen, <a  title="Cem Basman: Das Web, das sind wir" href="http://sprechblase.wordpress.com/2010/03/13/das-web-das-sind-wir/" target="_blank">warum eigentlich die Pharaonen nicht mit Heißluftballons flogen</a>. Interessant ist es sicher auch, sich zu fragen, wie sehr das Internet kulturell und politisch voreingenommen ist. Immerhin ist das Protokoll eindeutig von seinen Urhebern geprägt und es haben nicht alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen Zugang, sich am Findungsprozess der künftigen Netzkonventionen zu beteiligen.</p>
<h4>Alles schon mal da gewesen</h4>
<p>Der Hype um neue Technologien ist alt. Neu scheint im Moment nur die Feedbackschleife, die diesen Hype weiter propagiert: <a  title="Christian Jakubeitz: Die Rückkehr der analogen Ritter" href="http://www.blog-cj.de/blog/?p=3062" target="_blank">Die Eigeninteressen von »Sendern« sind betroffen</a>, sowohl Sender der alten Medien als auch Sender der neuen Medien sehen ihre Stimme in Gefahr. Obendrein sind Machtstrukturen und nicht zuletzt finanzielle Interessen von ausgerechnet jener Gruppe Menschen betroffen, die in der Vergangenheit für sich in Anspruch nahm, gesellschaftliche Debatten stellvertretend für all jene auszuführen, die mangels eines Sendungskanals keine öffentliche Verbreitung fanden.﻿ Dabei sind es nicht »die Medien,« weder die Vertreter der alten, noch die der neuen, die darüber entscheiden werden, wie die Nutzer sich mit dem Internet arrangieren. Das haben die Nutzer zu allen Zeiten selbst entschieden.</p>
<p>Wir werden von Technologie beeinflusst und <a  title="Jürgen Kuri: Unser Denken soll das Internet lenken" href="http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~ECCAB25BA4C4F489E95E78C8DD1A0F884~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">formen die Technologie</a> im Gegenzug nach unseren Vorlieben und Bedürfnissen. Eine neue Technologie kann einen Paradigmenwechsel einläuten. Aber sie kann nicht »alles ändern«. Schon gar nicht gegen die Gewohnheiten der Nutzer. Und da, wo Technik einer Erweiterung von Kommunikation dient, sind die Gewohnheiten der Nutzer in der Regel schon sehr festgefahren. Immerhin übt sich jeder von uns schon verdammt lange in Kommunikation, spätestens seit wir Mama mit einem Lächeln dafür entschädigt haben, dass wir sie mit Geplärre zu Aufmerksamkeit erpressen.</p>
<p>Deswegen kann es sehr gut passieren, dass Nutzer, die neue Medienerfahrungen gesammelt haben, plötzlich auch andere Ansprüche an bekannte Medien stellen. Unter dieser Maßgabe ist es nur plausibel, dass sich alte Modelle verändern werden. Das ist keine Frage von »Anpassen oder sterben« sondern vielmehr eine grundsätzliche Konsequenz des nutzergetriebenen Medienwandels. Sat1 hat eine Zeitlang versucht, Fernsehzuschauer an neue Startzeiten um 20:00 zu gewöhnen und musste sich doch den Erwartungen der Nutzer beugen. Wer nicht an thematische Sortierung in Feuilleton, Wirtschaft, Politik etc. gewöhnt ist, ist mit anderen Sortierungen womöglich besser bedient. Das Feuilleton als thematisches Raster stirbt aus der Nutzerperspektive vielleicht völlig zurecht aus, völlig unabhängig von der inhaltlichen Qualität oder dem Stellenwert, die es für seine Macher haben mag.</p>
<p>Nun bin ich in der dankbaren Position, nicht finanziell von einem Geschäftsmodell abhängig zu sein, das <a  title="Björn Sievers: Warum das Dilemma der Agenturen die Zukunft der Medien weist" href="http://bjoern-sievers.de/2010/03/19/warum-das-dilemma-der-agenturen-die-zukunft-der-medien-weist/" target="_blank">an alte Nutzergewohnheiten gekoppelt </a>ist, und kann eine sehr akademische Perspektive einnehmen. Es geht mir gerade nicht um Inhalte oder die gesellschaftliche Bedeutung des Journalismus,  sondern um funktionale Wesenszüge eines Mediums. Um so zuversichtlicher bin ich aber, dass neue Medienmodelle und Nutzerkompetenzen entstehen werden. Die alten Medien haben es schließlich wieder und wieder vorgemacht. Nicht immer war der Wandel mit einem so offensichtlichen und erbitterten Kampf um Deutungshoheit verbunden, aber doch stets mit nachvollziehbaren Mechanismen und Ergebnissen. Diese Mechanismen gilt es zu entschlüsseln. Die vielleicht besten Hinweise auf das »wie« finden sich gebündelt übrigens an einem Ort, der die Haptik, die  Aura und den Duft komprimierten Wissens zur linearen Informationsvermittlung so wunderbar einfängt, dass viele Studenten ihn immer noch als bevorzugten Arbeitsplatz schätzen. Alte Medien sind eben nicht unbedingt von gestern.</p>
<p><small>Hinweis für Leute, die den Gang in die Bibliothek oder den Kauf nicht scheuen: Eine sehr kompakte Einführung in Medien– und Kommunikationstheorie des Internets bietet <a  href="http://www.amazon.de/Computer-Mediated-Communication-Introduction-Interaction/dp/0761949542">Computer Mediated Communication: An Introduction to Social Interaction Online</a>. Das in diesem Artikel eingebettete Video findet sich auch bei <a  href="http://www.youtube.com/watch?v=MxKmOdz_lxc">YouTube</a></small></p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
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        </p><p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/von-alten-medien-lernen//#respond">kommentieren</a></strong></p><small>Weitere Artikel zu diesem Thema:</small><ol>
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