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	<title>Kontextschmiede &#187; Medien</title>
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		<title>Wie der Schmutz ins Internet kommt</title>
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		<pubDate>Thu, 13 May 2010 23:15:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viele Medienschaffende publizieren Beiträge im Internet, mit denen sie sich an Debatten beteiligen wollen. Manche stellen dafür sogar ihre eigene Plattform zur Verfügung, auf der Leser sich mit eigenen Beiträgen beteiligen können. Wenn wir solche Plattformen als Gesprächsangebote und die darauf statt findenden Diskussionen als Gespräche betrachten, können wir eine drängende Frage der Plattformanbieter neu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Medienschaffende publizieren Beiträge im Internet, mit denen sie sich an Debatten beteiligen wollen. Manche stellen dafür sogar ihre eigene Plattform zur Verfügung, auf der Leser sich mit eigenen Beiträgen beteiligen können. Wenn wir solche Plattformen als Gesprächsangebote und die darauf statt findenden Diskussionen als Gespräche betrachten, können wir eine drängende Frage der Plattformanbieter neu bewerten: Wie kann ich die <a  title="DvG: Vom Umgang mit Leserkommentaren" href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/vom-umgang-mit-leser-kommentaren/" target="_blank">Qualität »meiner« Debatten steigern</a>?</p>
<p>Für die Analyse von Gesprächen gibt es sehr spezifische wissenschaftliche Modelle und Erklärungsansätze. Erkenntnisse der <a  title="Wikilink: Konversationsanalyse" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Konversationsanalyse" target="_blank">Soziolinguistik</a>, der <a  title="Wikilink: Sprecherwechsel" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sprecherwechsel" target="_blank">Pragmatik</a> und der <a  title="Nentwich: Cyberscience" href="http://www.itas.fzk.de/tatup/033/nent03a.htm" target="_blank">CMC-Forschung</a> bieten sich als dankbare Werkzeuge an, neue Interpretationen für das Wesen der Kommentarspalten im Internet zu finden. Denn vor der Frage nach dem »wie« sich die Qualität von Onlinedebatten steigern lässt, steht die Frage nach dem »<a  title="Ulrike Langer: Fehler der Printmedien beim Umgang mit Online-Kommentaren" href="http://medialdigital.de/2009/10/21/5-fehler-von-printmedien-beim-umgang-mit-online-kommentaren/" target="_blank">warum</a>«  diese Debatten so sind, wie sie sind. Dabei bietet kein Ansatz für sich eine allumfassende Lösung, aber jenseits des anwendungsbezogenen <a  title="Todd Zeigler: 9 ways to improve the quality of comments on your website" href="http://www.bivingsreport.com/2008/9-ways-to-improve-the-quality-of-comments-on-your-website/" target="_blank">Community-Managements</a> sind einige theoretische Überlegungen der Sprachwissenschaften verblüffend robust. Onlinedebatten verhalten sich tatsächlich häufig wie Gespräche.<span id="more-2659"></span></p>
<p>Die erste Annahme für Onlinedebatten muss in Analogie zur Gesprächsforschung lauten: Es gibt Mikroöffentlichkeiten, fragmentierte Sprechergemeinschaften, die sich in ihren Gesprächen spezifischer Regeln bedienen. Tatsächlich ist das Feuerwerk an Bonmots, das in manchen Onlinemedien wie ein Wettbewerb der Kommentatoren wirkt, ein starker Kontrast zu schlampig formulierten, dumpfen Ressentiments, die einem an anderer Stelle entgegen schlagen. Bei beiden Extremen lässt sich trotzdem eine Systematik in der Kommentarkultur erkennen. Es gibt ungeschriebene Regeln, an die sich der Großteil der Kommentatoren hält. Wie in Sprechergemeinschaften lassen sich »Dialekte« abhängig vom Ort der Kommentare erkennen, obwohl die technischen Voraussetzungen nahezu identisch sind.</p>
<p>Mit sprachwissenschaftlichen Modellen lassen sich auch die Erfahrungswerte übersetzen und erklären, die Alan Rusbridger, der Chefredakteur des <a  title="Alan Rusbridger: Does journalism exist?" href="http://www.guardian.co.uk/media/2010/jan/25/cudlipp-lecture-alan-rusbridger" target="_blank">Guardian</a> und Mathew Ingram vom kanadischen The Globe and Mail ins Feld führen. <a  title="Mathew Ingram: Newspapers get the kind of communities they deserve" href="http://www.niemanlab.org/2009/09/newspapers-get-the-kind-of-communities-they-deserve/" target="_blank">Ingram sagt</a>, dass die Qualität der Debatten deutlich steigt, wenn sich die Autoren an den Leserkommentaren beteiligen. Dafür sprechen gleich zwei Faktoren aus der Soziolinguistik: <a  title="Wikilink: Face (sociological concept)" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Face_%28sociological_concept%29" target="_blank"><em>Face</em></a> und <a  title="Wikilink: Prestige (auf Englisch)" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Prestige" target="_blank"><em>Prestige</em></a>.</p>
<h4>Gesichtsverlust und andere Kräfte</h4>
<p>Face bezeichnet die Übereinstimmung der individuellen Selbstwahrnehmung und des sozialen Status einer Person mit den Strukturen einer Gemeinschaft. Wer in ein Fettnäpfchen tritt, kann sein Gesicht verlieren. Die Selbstwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung des Status ist erschüttert. Das Konzept, das uns aus chinesischen Sprichworten bekannt ist, bestimmt auch unser zwischenmenschliches Verhalten: Wir benehmen uns zivilisiert, weil wir soziale Ächtung vermeiden wollen. Wer als Kind neue Schimpfworte an seiner Tante ausprobiert hat, dürfte diesen Grundsatz schnell verinnerlicht haben.</p>
<p>Prestige verdeutlicht, dass nicht jedes Wort das gleiche Gewicht hat. Ein Muttersprachler, der unsere englische Aussprache korrigiert, hat in dieser Situation einen höheren Status, da fangen wir kaum an, zu diskutieren. Ein Kind wird selten gleichberechtigt an einer Diskussion Erwachsener teilnehmen. Wenn der gefürchtete Chef einen Witz macht, lachen alle. Prestige kann abhängig von der Situation sein, sozialer Status ist nicht in jedem Umfeld der gleiche. Prestige wirkt sich allerdings direkt auf Face aus. Die Handlungen und der Sprachgebrauch einer Person mit höherem Prestige bestimmen in größerem Ausmaß die Regeln, die es nicht zu verletzen gilt.</p>
<p>Wenn sich nun ein Autor in einem Onlinemagazin an den Kommentaren beteiligt, trägt er oder sie automatisch das höchste Prestige und wirkt allein dank seiner Anwesenheit auf die Regeln des Sprachraumes. Zum Beispiel hat er mit dem Artikel das Thema der Diskussion gesetzt und deswegen diszipliniert er alle Teilnehmer dazu, sich in der Diskussion auch auf das Thema zu konzentrieren. Die Themenkohärenz wird, wenn der Autor Verstöße dagegen nicht öffentlich als akzeptabel markiert, zu einem wichtigen Faktor für Face.</p>
<h4>Tip des Tages: Inspirierende Diskursräume</h4>
<p>Ohne disziplinierende Maßnahmen der Gemeinschaft jedoch werden Offtopic-Verstöße schnell zu einem akzeptablen Verhalten. Da sich in einer Gemeinschaft nur langsam Prestige aus wahrgenommener Expertise und Persönlichkeit ergibt, ist der Autor die wichtigste Autorität — deutlich über jenen, die als Administratoren zwar besondere technische Macht haben, aber in der Diskussion keinen aus der Gesprächsdynamik erwachsenden Einfluss. Interessant ist dabei insbesondere, wie weit die selbststeuernde Dynamik der Gesprächskonventionen reicht. Wenn der Autor seine Leser siezt, werden diese auch untereinander häufiger eine Honorifikmarkierung verwenden, als wenn der Autor seine Leser duzt. Nach und nach entwickelt sich in den Sprachgemeinschaften der Kommentarspalten so ein jeweils gültiger Standard.</p>
<p>Face ist dabei <a  title="DvG: Intervies mit Markus Hofmann - Ende der Anonymität" href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/ende-der-anonymitat-interview-mit-markus-hofmann/" target="_blank">entgegen der häufig geltenden Intuition</a> nicht durch Anonymität aufgehoben. Im Gegenteil wird Face vielmehr durch das Medium zu höherer Komplexität verholfen. So manchen Kommentator wird es mehr schmerzen, dass er seine sorgsam gepflegte Onlineidentität nicht in ein Forum mitnehmen kann, als dass ihn stört, dass er nicht »anonym« sei, weil er dort mit seinem bürgerlichen Namen kommentieren muss. Womöglich ist das Prestige seiner »bürgerlichen Identität« sogar deutlich niedriger und die Hemmschwelle, ausfällig zu werden, sinkt, statt dass sie steigt.</p>
<p>Wenn eine Onlineplattform also nur eine technische Voraussetzung für Diskussionen schafft, statt sich in Gesprächen zu engagieren, müssen sich die Betreiber nicht wundern, dass sich in den solcherart abgeschlossenen Diskursräumen die Gesprächskultur verselbständigt. Insbesondere, wenn ohnehin kontroverse Themen den Anstoß bieten sollen, reichen wenige vergiftende Kommentare aus.</p>
<p>Auf einer Party ziehen wir uns ja auch schnell aus Gesprächen zurück, in denen ein paar betrunkene Idioten Anlass zum Fremdschämen bieten. Da versuchen wir doch nicht, die Gesprächskultur zu heben, wenn es viel leichter ist, sich der interessanten Diskussion im nächsten Zimmer anzuschließen. Auf unseren eigenen Parties bemühen wir uns hingegen in der Regel, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der die Gäste sich gegenseitig inspirieren. Wir preisen nicht einfach auf der Straße Freibier für alle an, verziehen uns auf den Dachboden und lamentieren dann darüber, dass nur betrunkene Idioten in unserem Wohnzimmer abhängen.</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
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        </p><p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/wie-der-schmutz-ins-internet-kommt//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Von alten Medien lernen</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 17:16:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Im ersten Teil dieser Reihe um Kompetenz in alten und neuen Medien haben wir die Grundannahme vorgestellt, dass Medien von ihren Nutzern geformt werden. Außerdem haben wir uns mit einigen Besonderheiten des Mediums Internet beschäftigt. Heute wollen wir uns zum Ausgleich mit alten Medien beschäftigen und mit den Lehren, die wir für den Umgang mit neuen Medien daraus ziehen können. Denn auch wenn es konzeptionelle Unterschiede zwischen verschiedenen Medientypen gibt, darf man darüber deren Gemeinsamkeiten nicht vergessen: Es geht weniger darum, was ein Medium oder eine Technologie konzeptionell erlauben, als vielmehr darum, welche Konventionen sich für die Nutzung ergeben.</p>
<p>Alte Medien haben einen Reifungsprozess hinter sich, den wir als Erfahrungsschatz nicht vernachlässigen können. Viele der Konventionen übernehmen wir schließlich, ohne sie zu hinterfragen. Wir lesen auch im Internet von links nach rechts, <a  title="Gerald Brozek: Web-Abenteuer Textwüste - Werkzeuge und Strategie" href="http://hyperkontext.at/weblog/artikel/web-abenteuer-textwueste-werkzeuge-und-strategie/" target="_blank">wir benutzen Überschriften und Absätze</a>, um Themen einzuführen und zu gruppieren. Wir klicken auf Pixel, die wie die Piktogramme auf unseren Kassettenrekordern aussehen, wenn wir ein Video starten wollen. All die Gewohnheiten, die wir im Umgang mit anderen Medien erworben haben, begegnen uns in neuen Medien wieder.<span id="more-2588"></span></p>
<p>Dabei sind diese Gewohnheiten teilweise völlig zufällig. Wir könnten ja auch von rechts nach links oder von oben nach unten schreiben, wie es uns andere Schriftsysteme vormachen. Allerdings gewinnen die sozialen Regeln, die wir im Umgang mit der Technik entwickeln, ein Eigenleben. Die Entscheidung für das Schriftsystem prägt sogar unsere psychologische Wahrnehmung. Wir scannen visuelle Hinweise von links nach rechts. Wer zum ersten mal einen japanischen Comic liest, hat dementsprechend Schwierigkeiten, die Erzählstruktur der Bilder nachzuvollziehen. Um so wichtiger ist es, dass wir uns über die Regeln klar werden. Einige Jahrhunderte Erfahrung im Umgang mit Text und Informationsvermittlung werden wir nicht einfach in die Tonne kloppen, nur weil gerade eine neue Technik unsere Aufmerksamkeit vereinnahmt.</p>
<h4>Hype und Hysterie</h4>
<p>Wenn eine neue Technik Zugang zu unserem Alltag findet, entzünden sich daran die Geister, weil wir als soziale Wesen uns noch nicht auf Konventionen über den Gebrauch verständigt haben. Erst wenn Nutzungskonventionen zur Norm werden, wird die Technik »unsichtbar«. Reife Technologien zeichnen sich dadurch aus, dass es weder Enthusiasmus noch Skeptizismus über sie gibt. Niemand fragt sich noch, was eine »richtige« Anwendung des Telefons sein könnte und ob es unsere sozialen Kontakte verkümmern lässt, weil wir nicht mehr vor die Tür gehen müssen, um mit unseren Nachbarn zu reden. Wir haben uns daran gewöhnt, dass das Telefon ganz selbstverständlich Teil unseres Lebens ist. Was aber ist gesellschaftlich akzeptierter Umgang mit dem Handy in der Öffentlichkeit?</p>
<p>Trennen wir zunächst den allgemeinen Kulturpessimismus von einem Phänomen, das immer wieder mit der Entwicklung gesellschaftlich relevanter Technologien einhergeht: Neue Technologien unterliegen einer polarisierenden Bewertung. Genau so, wie es dystopische Hysterie über die neue Technologie gibt, gibt es immer auch utopischen Hype. Aus diesem Spannungsfeld entstehen Mythen über die neue Technik, die einer pragmatischen Nutzung im Wege stehen. Das Internet ist eindeutig noch in dieser Phase der Polarisierung gefangen, <a  title="Thorsten Breustedt: Über Internetionalisierungsdebattendefizite" href="http://www.thorstena.de/?p=2262" target="_blank">die Gesellschaft streitet noch um Deutungshoheit</a>.</p>
<p>Zur Mythenbildung trägt ein Umstand ganz besonders bei, der Besitzstandswahrer und Netzapologeten in trauter Zweisamkeit eint: Die aktuelle Debatte ist in der Falle des <a  title="Wikilink: Technikdeterminismus" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Technikdeterminismus" target="_blank">technologischen Determinismus</a> gefangen. Kennzeichnend sowohl für ablehnende als auch zustimmende Beiträge zur Diskussion ist in den meisten Fällen ihre monokausale Beschränkung auf das Internet als originären Auslöser von gesellschaftlicher Umwälzung. Dabei war es auch zur Zeit Gutenbergs nicht allein die Druckerpresse, die alles verändert hat. Was die Menschen mit der Druckerpresse angestellt haben, hat die Welt verändert. Nicht zuletzt kam die gesellschaftliche Veränderung aber auch aus sozialen Spannungsfeldern, die ein Ventil für den voranschreitenden Wertewandel fanden.</p>
<p>Ohne gleich dem <a  title="Wikilink: Sozialkonstruktivismus" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialkonstruktivismus" target="_blank">Sozialkonstruktivismus</a> das Wort reden zu wollen, ist es doch zumindest bemerkenswert, zu überlegen, <a  title="Cem Basman: Das Web, das sind wir" href="http://sprechblase.wordpress.com/2010/03/13/das-web-das-sind-wir/" target="_blank">warum eigentlich die Pharaonen nicht mit Heißluftballons flogen</a>. Interessant ist es sicher auch, sich zu fragen, wie sehr das Internet kulturell und politisch voreingenommen ist. Immerhin ist das Protokoll eindeutig von seinen Urhebern geprägt und es haben nicht alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen Zugang, sich am Findungsprozess der künftigen Netzkonventionen zu beteiligen.</p>
<h4>Alles schon mal da gewesen</h4>
<p>Der Hype um neue Technologien ist alt. Neu scheint im Moment nur die Feedbackschleife, die diesen Hype weiter propagiert: <a  title="Christian Jakubeitz: Die Rückkehr der analogen Ritter" href="http://www.blog-cj.de/blog/?p=3062" target="_blank">Die Eigeninteressen von »Sendern« sind betroffen</a>, sowohl Sender der alten Medien als auch Sender der neuen Medien sehen ihre Stimme in Gefahr. Obendrein sind Machtstrukturen und nicht zuletzt finanzielle Interessen von ausgerechnet jener Gruppe Menschen betroffen, die in der Vergangenheit für sich in Anspruch nahm, gesellschaftliche Debatten stellvertretend für all jene auszuführen, die mangels eines Sendungskanals keine öffentliche Verbreitung fanden.﻿ Dabei sind es nicht »die Medien,« weder die Vertreter der alten, noch die der neuen, die darüber entscheiden werden, wie die Nutzer sich mit dem Internet arrangieren. Das haben die Nutzer zu allen Zeiten selbst entschieden.</p>
<p>Wir werden von Technologie beeinflusst und <a  title="Jürgen Kuri: Unser Denken soll das Internet lenken" href="http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~ECCAB25BA4C4F489E95E78C8DD1A0F884~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">formen die Technologie</a> im Gegenzug nach unseren Vorlieben und Bedürfnissen. Eine neue Technologie kann einen Paradigmenwechsel einläuten. Aber sie kann nicht »alles ändern«. Schon gar nicht gegen die Gewohnheiten der Nutzer. Und da, wo Technik einer Erweiterung von Kommunikation dient, sind die Gewohnheiten der Nutzer in der Regel schon sehr festgefahren. Immerhin übt sich jeder von uns schon verdammt lange in Kommunikation, spätestens seit wir Mama mit einem Lächeln dafür entschädigt haben, dass wir sie mit Geplärre zu Aufmerksamkeit erpressen.</p>
<p>Deswegen kann es sehr gut passieren, dass Nutzer, die neue Medienerfahrungen gesammelt haben, plötzlich auch andere Ansprüche an bekannte Medien stellen. Unter dieser Maßgabe ist es nur plausibel, dass sich alte Modelle verändern werden. Das ist keine Frage von »Anpassen oder sterben« sondern vielmehr eine grundsätzliche Konsequenz des nutzergetriebenen Medienwandels. Sat1 hat eine Zeitlang versucht, Fernsehzuschauer an neue Startzeiten um 20:00 zu gewöhnen und musste sich doch den Erwartungen der Nutzer beugen. Wer nicht an thematische Sortierung in Feuilleton, Wirtschaft, Politik etc. gewöhnt ist, ist mit anderen Sortierungen womöglich besser bedient. Das Feuilleton als thematisches Raster stirbt aus der Nutzerperspektive vielleicht völlig zurecht aus, völlig unabhängig von der inhaltlichen Qualität oder dem Stellenwert, die es für seine Macher haben mag.</p>
<p>Nun bin ich in der dankbaren Position, nicht finanziell von einem Geschäftsmodell abhängig zu sein, das <a  title="Björn Sievers: Warum das Dilemma der Agenturen die Zukunft der Medien weist" href="http://bjoern-sievers.de/2010/03/19/warum-das-dilemma-der-agenturen-die-zukunft-der-medien-weist/" target="_blank">an alte Nutzergewohnheiten gekoppelt </a>ist, und kann eine sehr akademische Perspektive einnehmen. Es geht mir gerade nicht um Inhalte oder die gesellschaftliche Bedeutung des Journalismus,  sondern um funktionale Wesenszüge eines Mediums. Um so zuversichtlicher bin ich aber, dass neue Medienmodelle und Nutzerkompetenzen entstehen werden. Die alten Medien haben es schließlich wieder und wieder vorgemacht. Nicht immer war der Wandel mit einem so offensichtlichen und erbitterten Kampf um Deutungshoheit verbunden, aber doch stets mit nachvollziehbaren Mechanismen und Ergebnissen. Diese Mechanismen gilt es zu entschlüsseln. Die vielleicht besten Hinweise auf das »wie« finden sich gebündelt übrigens an einem Ort, der die Haptik, die  Aura und den Duft komprimierten Wissens zur linearen Informationsvermittlung so wunderbar einfängt, dass viele Studenten ihn immer noch als bevorzugten Arbeitsplatz schätzen. Alte Medien sind eben nicht unbedingt von gestern.</p>
<p><small>Hinweis für Leute, die den Gang in die Bibliothek oder den Kauf nicht scheuen: Eine sehr kompakte Einführung in Medien– und Kommunikationstheorie des Internets bietet <a  href="http://www.amazon.de/Computer-Mediated-Communication-Introduction-Interaction/dp/0761949542">Computer Mediated Communication: An Introduction to Social Interaction Online</a>. Das in diesem Artikel eingebettete Video findet sich auch bei <a  href="http://www.youtube.com/watch?v=MxKmOdz_lxc">YouTube</a></small></p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
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        </p><p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/von-alten-medien-lernen//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Medienkompetenz und das Internet</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 21:45:22 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Stand der Dinge: Alles ändert sich. Also alles wie immer in diesem Internet. Mancherorts führt das die elder statesmen der deutschen Netzpublizistik und Blogszene zu melancholischen Betrachtungen, das Zwischenfazit für Blogs fällt entsprechend nüchtern aus. Aber es wird ja bald Frühling, da erwacht auch der cabriofahrtwindgeföhnte Eulenspiegel mit der Hasskappe wieder aus dem Winterschlaf und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stand der Dinge: Alles ändert sich. Also alles wie immer in diesem Internet. Mancherorts führt das die <em>elder statesmen </em>der deutschen Netzpublizistik und Blogszene zu <a  title="Don Dahlmann: Haben sich Blogs verändert?" href="http://www.dondahlmann.de/?p=468" target="_blank">melancholischen Betrachtungen</a>, das Zwischenfazit für Blogs fällt entsprechend nüchtern aus. Aber es wird ja bald Frühling, da erwacht auch der cabriofahrtwindgeföhnte Eulenspiegel mit der Hasskappe wieder aus dem Winterschlaf und schießt <a  title="Don Alphonso: Schelme wie ihr" href="http://blogbar.de/archiv/2010/02/18/schelme-wie-ihr/" target="_blank">gegen den Wildwuchs der selbsterklärten Netzexperten</a> und social-media-Berater. Worauf eine <a  title="Jörg Wittkewitz: Was ist social media?" href="http://www.blogpiloten.de/2010/02/19/was-ist-social-media-2/" target="_blank">kluge Replik</a> dem lesenden Betrachter offenbart, dass es tatsächlich Experten mit Sachverstand und Willen zum Diskurs auch in Deutschland gibt. Wie schon regelmäßig zuvor stellt sich trotzdem die Speerspitze der Netzevangelisten die Frage, <a  title="Marcel Weiss: Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland" href="http://netzwertig.com/2010/02/18/deutschland-degeneriert-in-ein-entwicklungsland-teil-3-von-3/" target="_blank">wohin die Reise eigentlich geht</a> und <a  title="Martin Weigert: 8 Schritte auf dem Weg zu einem besseren Internet" href="http://netzwertig.com/2010/02/17/8-schritte-auf-dem-weg-zu-einem-besseren-internet/" target="_blank">gibt einige Antworten gleich mit</a>.</p>
<p>Der Wandel scheint stets von Außen zu kommen: Der vermeintlich heilige Gral der Onlinejournalismusfinanzierung wird in Gestalt einer proprietären Plattform aus Cupertino vorgestellt und die Hysterie der Verlagsmedien implodiert zur <a  title="Christian Jakubeitz: Ein paar iPad-Gedanken" href="http://www.blog-cj.de/blog/?p=2915" target="_blank">größten pro bono Werbekampagne aller Zeiten</a>. Es gibt auch Medienmenschen, die kluge Fragen stellen: <a  title="Thomas Knüwer: Klondyke mit Apfel-Logo" href="http://www.indiskretionehrensache.de/2010/02/klondyke-mit-apfel-logo/" target="_blank">Wo sollen denn eigentlich die Inhalte herkommen</a>, <em>same old, same old</em> wird auch auf der eierlegenden Wollmilchsau iPad nicht funktionieren. Ein Magazin aus Amerika legt vor und die Messlatte auf: Die Studie von Wired ist angesichts der dort vermutlich gebündelten Medienkompetenz (das Blatt wird regelmäßig in einschlägigen Schriften aus der <a  title="Journal of Computer Mediated Communication" href="http://www3.interscience.wiley.com/journal/117979306/home" target="_blank">CMC-Forschung</a> zitiert) allerdings eher unterwältigend.<span id="more-2511"></span></p>
<h4>Deutschland, Land der Ideen?</h4>
<p>Onlinejournalisten und Journalismusdozenten <a  title="Philipp Ostrop: Was ist ihr Medientrend 2010?" href="http://ostrop.wordpress.com/2010/02/01/was-ist-ihr-medientrend-2010/" target="_blank">diskutieren</a>, <a  title="Fiete Stegers: Audio-Slideshow vs Video - Nie mehr als Nische?" href="http://www.onlinejournalismus.de/2010/01/10/audio-slideshow-vs-video-nie-mehr-als-nische/" target="_blank">welche Medienformen dem Internet angemessen seien</a>, theorisieren, tragen ansprechende aber <a  title="Fabian Mohr: Video vs Audioslideshow, über ein Rennen, das gelaufen ist." href="http://www.fabianmohr.de/iso800/2010/01/10/video-vs-audio-slideshow-ueber-ein-rennen-das-gelaufen-ist/" target="_blank">unpraktische Entwicklungen</a> zu Grabe (ich würde die Audioslideshow übrigens konzeptionell noch nicht abschreiben) und <a  title="Steffen Leidel: Multimediale Zukunft ohne Flash?" href="http://training.dw-world.de/ausbildung/blogs/lab/?p=1123" target="_blank">grübeln über das Potential</a> des Netzes. Neue Medienkonzepte hingegen sind rar, obwohl eine Branche, deren fetten Jahre vorbei sind, gerade in Deutschland einen Innovationsschub dringend herbeisehnt.</p>
<p>Im Spannungsfeld alte Medien/neue Medien wird <a  title="CARTA: Warum man 2009 Blogs lieber gelesen haben sollte" href="http://carta.info/22543/zehn-gute-gruende-warum-man-2009-blogs-lieber-gelesen-haben-sollte/" target="_blank">viel lamentiert</a>, manche wissen alles besser als andere, das Internet wird zur Bedrohung oder zum Heilsbringer erklärt (natürlich gibt es auch Zwischentöne), aber niemand, egal auf welcher Seite des <a  title="Wikilink: Digital Divide" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_divide" target="_blank"><em>digital divide</em></a> er oder sie steht, tut sich wirklich damit hervor, eigene Innovationen anzuschieben, statt auf das nächste große Ding zu warten oder einen neuen Onlinedienst dazu zu erklären. Dabei kann Innovation sehr wohl aus dem eigenen Wohnzimmer kommen, es muss nicht immer ein großes Ding sein.</p>
<p>Einige <a  title="Oliver Bechmann: Seacloud Videominiaturen" href="http://www.bechmann.org/appl-z/?p=633" target="_blank">löbliche Ausnahmen</a>, <a  title="Matthias Eberl: Rufposten (Audioslides und Co)" href="http://rufposten.de/weblog/" target="_blank">tapfere Streiter</a> für Totgesagtes und <a  title="Franziska Bluhm, Daniel Fiehne: Die Sendung mit dem Internet" href="http://www.sendung-mit-dem-internet.de/" target="_blank">Konvergenzspezialisten</a> <a  title="Leander Wattig: In eigener Sache - Neue Website für ich mach was mit Büchern" href="http://leanderwattig.de/index.php/2010/02/22/in-eigener-sache-neue-website-fur-ich-mach-was-mit-buchern/" target="_blank">probieren einfach mal</a> aus. Leider gibt es davon viel zu wenige (die ich kenne) oder zumindest schaffen sie es nicht über die Wahrnehmungsschwelle, ab der die Ideen von einer kritischen Menge aufgegriffen und weitergetragen würden. Womit sich der Kreis zum Zwischenfazit der Blogosphäre schließt und wir wieder auf ein Problem des <a  title="Simon Welte: Strukturen in der Blogosphäre" href="http://swelte.de/" target="_blank">long tail</a> stoßen: Die Ideen, die dort geboren werden, schaffen es selten in den Mainstream. Und es fehlt den Ideengebern der Rückhalt und das Feedback, kleine Ideen zu größeren Lösungen heranreifen zu lassen.</p>
<h4>Ich mach was mit Medien</h4>
<p>Ich würde gerne zu denen gehören, die einfach mal ausprobieren. Ich würde gerne die Themen aus den Metadiskursen aufgreifen und zur Inspiration für Innovation werden lassen. In der kleinen, aber feinen Welt der Sportblogger hat sich ein Trend etabliert, den ich beispielhaft aufgreifen möchte und in das große Thema Medienwandel einbetten. Deswegen mach ich jetzt mal was mit Medien, statt nur darüber zu reden.</p>
<p>Eine Woche hat das Projekt gebraucht, die meiste Zeit davon für Konzeption. Mit Keynote wurden die Animationen erstellt und als Video exportiert, via <a  title="Carsten Knobloch: Evom - Videos umwandeln oder Musik extrahieren" href="http://stadt-bremerhaven.de/evom-videos-umwandeln-oder-musik-extrahieren/" target="_blank">Evom</a> in lesbares Format für iMovie gebracht, in iMovie mit dem green-screen-Effekt (der Hintergrund der Animationen war grün) in die Videos eingefügt, die ich mit einer Einsteigerdigicam gefilmt habe (hätte ich mal mehr Geld in die Hand genommen) und schließlich bei Vimeo für die Einbettung freigegeben. Wenn man den Workflow perfektioniert, kann der Aufwand vermutlich auf einen Tag gedrückt werden, aber ich war alleine und musste ständig neue Lösungen improvisieren.</p>
<p>Wir, die wir uns im Netz bewegen, vergessen häufig ein fundamentales Dogma der Medientheorie: Der Mensch macht das Medium. Wir Nutzer entscheiden, was wir aus den technischen Möglichkeiten erschaffen. Packen wir’s an. Wer hat noch eine Idee?</p>
<p><em>Nachtrag: <a  title="Youtube: Internet und Medienkompetenz" href="http://www.youtube.com/watch?v=Xds84UBDmog" target="_blank">Youtubelink zum Video</a></em></p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
        	<br />
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		<series:name><![CDATA[Medienkompetenz]]></series:name>
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		<title>Der Rundgang – Sehen und gesehen werden</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 19:08:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rmb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Spannung steigt. Schon Wochen zuvor kreisen die Gedanken der Studierenden der Kunstakademie Düsseldorf um die alljährliche Ausstellung, mit der jedes Wintersemester seit 1932 abschließt: An fünf offiziellen Besuchstagen strömen die unterschiedlichsten Menschen zu einem eintrittsfreien Kulturereignis, das sich nicht allein durch die Werke und ihre Auseinandersetzung mit der Lebenswelt der Kunstschaffenden erschöpft. Die Akademie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Spannung steigt. Schon Wochen zuvor kreisen die Gedanken der Studierenden der Kunstakademie Düsseldorf um die alljährliche Ausstellung, mit der jedes Wintersemester seit 1932 abschließt: An fünf offiziellen Besuchstagen strömen die unterschiedlichsten Menschen zu einem eintrittsfreien Kulturereignis, das sich nicht allein durch die Werke und ihre Auseinandersetzung mit der Lebenswelt der Kunstschaffenden erschöpft. Die Akademie wird Schauplatz der Kritik, der Inspiration und der divergierenden Auffassungen über Kunst und das sowohl für den Besucher als auch für die Studierenden selbst.</p>
<p>Letztere erleben diese Woche eine Art Ausnahmezustand, gehen nur noch zum Schlafen nach hause, sitzen in oder vor den Räumen ihrer Klassen und erfahren neben dem Gefühl, eine Leistung vollbracht zu haben, gleichzeitig die Ohnmacht gegenüber ihren Werken. Die hängen jetzt da, müssen für sich selbst sprechen, denn nach zu fragen kostet gerade den Beobachter Überwindung, dem der inhaltliche Zugang versperrt bleibt.</p>
<p>In diesem Jahr wandere ich nicht ziellos durch die Räume, denn meine persönliche Insideradresse stellt gleich im ersten Stock aus. Erstmal akklimatisieren, den Overkill verhindern. Was gleich folgen soll, ist eine Flut von Eindrücken, für die ich mich wappnen will.<span id="more-2492"></span></p>
<p>Mit Schreibbrett bewaffnet – damit ich wenigstens einige meiner Favoriten erneut aufsuchen und in Ruhe betrachten kann – falle ich deutlicher auf, als mir lieb ist. Ein älterer Herr fragt mich anlässlich eines Exponates prompt nach der Bedeutung des Wortes »cunt«. Ich übersetze mit: Es ist ein unschönes Wort für Vagina. Nachdem ich die Frage, ob ich auch ausstelle, verneint habe, entfernt sich der freundliche Mann.</p>
<p>Schnell sehe ich ein, dass sich hier auch die Zuschauer selbst präsentieren. Ich erwische mich dabei, wie ich mich hinter einer Skulptur verstecke, um mein Unverständnis dem Künstler nicht zu zeigen. Andere Besucher sind weit weniger scheu: Der Satz »Das hätte ich auch gekonnt!« kommt mir noch häufiger zu Ohren.</p>
<h4>Was kann Kunst?</h4>
<p>Abgesehen von der Fertigkeit der Darstellung – in naturalistischer bis völlig abstrakter Manier – leben die Kunstwerke von den Ideen, die sie ins Leben gerufen haben. Schön ist, was gefällt. Aber was ist Kunst? Das Spektrum des Kreativen reicht von subjektiver Gefälligkeit über die irritierende oder gar abstoßende Wirkung des Dargestellten bis hin zur Illustration politischer Positionen.</p>
<p>Sich zu einer wertenden Definition von Kunst verleiten zu lassen, würde gerade ihren freien Charakter verkennen, der sie innerhalb einer auf Funktion und messbare Leistung fixierten Gesellschaft so wertvoll macht. Weniger angebracht als eine sehr enge Meinung über Kunst erscheint mir nur noch eine Haltung, die ihr gegenüber völlig gleichgültig bleibt.</p>
<p>Am Angebot des Rundgangs lassen sich zahlreiche Möglichkeiten aufzeigen, was Kunst (sein) kann: Da wäre zunächst die Kritik an bestehenden Normen und Idealen, die beispielsweise in den gruseligen Darstellungen übertriebenen Körperkults zu Tage tritt. Noch deutlicher stellen Künstler einen Zusammenhang zwischen Popikonen oder politischen Personen und ihrer fast religiösen Verehrung dar. Von leider zeitlosen Phänomenen vergangener und gegenwärtiger Verhältnisse, wie Stigmatisierung, Verfolgung und Abschiebung und deren tödlichen Folgen sprechen zum Beispiel die »Skulptur des Jungen mit Totenkopf unter der Mütze« und das »Bild der verängstigten Afrikaner im Flüchtlingsboot«.</p>
<p>Bekanntes nicht nur abzubilden, sondern durch Überzeichnen der Realität fraglich zu machen, scheint mir eine Stärke der Kunst auch in weniger offensichtlichen Bereichen zu sein. Der »Überdimensionale Modeschmuck mit Stecker« — jedoch ohne Strom — erzählt mir persönlich von der Substanzlosigkeit bestehender Wertvorstellungen. Indem gängige Zusammenhänge und Erwartungen zerstört werden, können sowohl die »Tomate unterm Bügelbrett,« als auch das interaktive »Klappbild Baum-Vogel fressende Katze,« darauf verweisen wie selbstverständlich wir unserer Wahrnehmung vertrauen. In der gleichen Richtung lässt sich auch das »illusionäre Metallgitter« interpretieren.</p>
<h4>Lassen wir uns eigentlich gerne täuschen?</h4>
<p>Das Spiel mit den Wesenheiten des Betrachters treiben einige Arbeiten deutlicher als andere. Ein Kokon weckt die Neugier; nur durch einen Spalt ist sein Innenleben zu erblicken. Haben die anderen Besucher das wohl auch gesehen? Eine weitere menschliche Eigenschaft: Anderen etwas voraus haben wollen. Einen direkten Verweis auf den Voyeurismus kann das »Video der Tanzenden« darstellen, da ich schon hinter den schwarzen Vorhang schauen muss, um sie beobachten zu können. Will ich mich selbst beobachten, lockt mich der »Blick in den Spiegel«. Deckt sich mein Abbild mit der Kontur des eingeritzten Jesus? Schließlich ist da noch das »Gläser Tablett (mit Saft?)«. Darüber das Bild einer Natursektdusche. Die Assoziation, es sei Urin im Glas, lässt mich vom Beschnuppern der Gläser Abstand nehmen. So neugierig bin ich jetzt doch nicht.</p>
<p>So kritisch oder gar ironisch die Kunst auf den Menschen und sich selbst zeigt – macht der Affe im Video etwa eine abstrakte Plastik? – sie zeugt darüber hinaus von einer erfrischenden und inspirierenden Erfindungsgabe. Im Bereich der Baukunst sind Formen umgesetzt, die spielerisch anmuten und doch durch klare Linien bestechen. Unterschätzen wir die Gestaltung unseres Lebensraumes bloß nicht, denn</p>
<blockquote><p>das Bauen wirkt auf das Wohnen wirkt auf das Denken und wieder von vorn. <br />
 <cite>frei nach Heidegger </cite></p>
</blockquote>
<p>Wer denkt noch an die Gesetzmäßigkeit der Schwerkraft, scheint die kleine Seilspringerfigur doch schwebend selbige außer Kraft zu setzen. Eine Momentaufnahme. Nur in meiner Vorstellung tippen ihre kleinen Füße gleich wieder auf den Boden. Phantasievoll erdacht weckt das Zeppelin-Wannen-Mobil meine Abenteuerlust. Dank seiner liebevoll detaillierten Ausstattung scheint die Reise ja gleich losgehen zu können. Also los, Anker einholen.</p>
<p>Ein grundlegendes Element künstlerischer Darstellung bleibt neben dem Motiv die Kreation von Stimmung durch Farb– und Formgebung, durch den Wechsel von Hell und Dunkel. Hier ist Wirkung gewiss, denn ein möglicher Zugang eröffnet sich jedem, der hinsieht. Liegt das Gewicht stärker auf dem Prozess der Kunst, muss ich nachfragen. Nur heimlich zeugen einige Endprodukte von ihrem außergewöhnlichen Entstehungsweg. So kommen beispielsweise unübliche Materialien zum Einsatz, werden statt herkömmlichem Künstlerbedarf Teer und Säure verwendet. Eine Künstlerin folgt dem Weg eines Flaschensammlers und reduziert das sichtbare Ergebnis ihrer Konzeptkunst auf die abstrakte Darstellung des Weges selbst in einem kontrastierenden edlen Material.</p>
<p>Für das Verstehen dieser Kunstform ist eine Erläuterung unverzichtbar. Wenn ich eine Einsicht – wenn schon kein Kunstwerk – auf meinem Rundgang mitgenommen habe, dann jedoch die, dass auch das zunächst eingängige, vorschnell als verstanden abgehakte Werk im Dialog mit dem Künstler noch hinzu gewinnt.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/der-rundgang-%e2%80%93-sehen-und-gesehen-werden//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>»Niemand ist objektiv« — Interview mit Sabine Schiffer</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 16:51:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>

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		<description><![CDATA[Dr. Sabine Schiffer ist Gründerin und Vorsitzende des Institutes für Medienverantwortung. Sie promovierte über die Islamdarstellung in den Medien und formuliert zu diesem Themenkomplex Positionen, die durchaus das Prädikat kontrovers verdienen. Zumindest dienen ihre Thesen immer wieder als Projektionsfolie für wütenden Widerspruch, zum Beispiel den des Kolumnisten Henryk M. Broders. Wegen einer Aussage in einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2208" class="wp-caption alignright"><a  rel="attachment wp-att-2208" href="http://kontextschmiede.de/niemand-ist-objektiv-interview-mit-sabine-schiffer/cgabler_dr-sabine-schiffer/"><img class="size-full wp-image-2208  " title="Dr. Sabine Schiffer" src="http://kontextschmiede.de/wpkontext_333/wp-content/uploads/cGabler_Dr.-Sabine-Schiffer-e1263743491383.jpg" alt="Portrait Dr. Sabine Schiffer" width="298" height="277" /></a><span class="wp-caption-text">Foto: Susanne Gabler. Mit freundlicher Genehmigung von Sabine Schiffer</span></div>
<p>Dr. Sabine Schiffer ist Gründerin und Vorsitzende des <a  title="Startseite des Instituts für Medienverantwortung" href="http://www.medienverantwortung.de/" target="_blank">Institutes für Medienverantwortung</a>. Sie promovierte über die Islamdarstellung in den Medien und formuliert zu diesem Themenkomplex Positionen, die durchaus das Prädikat kontrovers verdienen. Zumindest dienen ihre Thesen immer wieder als Projektionsfolie für wütenden Widerspruch, zum Beispiel den des Kolumnisten <a  title="Fun-Fact: Herr Broder gab an gleicher Stelle selbst ein Interview" href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/endstation_irib/" target="_blank">Henryk M. Broders</a>. Wegen einer Aussage in einem Interview zum <a  title="Die Zeit: Stiche ins Herz" href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2009-10/prozess-marwa-dresden?page=all" target="_blank">Mord an Marwa El-Sherbini</a>, in dem Sie einen »sicherlich rassistischen« Hintergrund des Polizistenfehlschusses in dem tragischen Ereignis vermutete, wurde ihr ein Strafbefehl des Amtsgerichtes Erlangen zugestellt. Ein in den Gerichtssaal stürmender Polizist schoss damals auf den Ehemann El-Sherbinis, während dieser mit dem Angreifer rang.</p>
<p><em>Frau Schiffer erklärte sich bereit, trotz des laufenden Verfahrens einige Fragen per Mail zu beantworten, nachdem Sie bereits einen anderen <a  title="Ein Kommentar Sabine Schiffers zu &quot;Wir und die Anderen&quot;" href="http://kontextschmiede.de/wir-und-die-anderen/comment-page-1/#comment-145">Artikel der Kontextschmiede kommentiert</a> hatte. Wir haben uns darauf geeinigt, das Interview ungekürzt im Wortlaut zu veröffentlichen.</em><span id="more-2202"></span></p>
<p><strong>Mit Ihren Äußerungen zum Rassismus bewegen Sie sich stets auf heiklem Terrain zwischen Meinungsäußerung und Beleidigung, weil der Begriff in der Alltagswahrnehmung weithin mit einer diffamierenden Konnotation belegt ist. Zumindest die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth sieht das anscheinend so. Mussten Sie eigentlich Ihrem Anwalt erst Ihre Verwendung des Rassismusbegriffs erläutern? </strong></p>
<p>Nein, mein Anwalt hatte sofort begriffen, dass es hier unter anderem um die Diskrepanz zwischen der Verwendung des Begriffs in der Wissenschaft und der des Alltags geht. Er hat sich nur gewundert, warum die Staatsanwaltschaft weder meine Doktorarbeit, in der alles akribisch definiert wurde, noch unsere Stellungnahmen in Form von Pressemitteilungen zur Kenntnis genommen zu haben scheint.</p>
<p><strong>Was ist das Anliegen, das Ihnen persönlich am Meisten am Herzen liegt, wenn Sie an Ihren Alltag denken? Können Sie dieses Anliegen in nur einem Satz ganz umgangssprachlich formulieren? </strong></p>
<p>In einem Satz und umgangssprachlich – sicher nicht, sorry! Das Zusammenleben von Menschen wird durch Kommunikation getragen und gestört – wie man auch hier sehen kann – und eines meiner Hauptanliegen ist die Verbesserung dieser Kommunikation, sprich dabei zu helfen, dass eigene Wahrnehmungs– und Handlungsmuster als Produkt der eigenen Umwelt bewusster werden und man eine kritische Distanz zu Vorurteilen jedweder Art entwickeln kann, um offen für weitere Eindrücke zu sein.</p>
<p><strong>Sie selbst wurden wegen Ihrer Äußerungen in der Vergangenheit heftig angegangen. Von Ihren Gegnern werden Sie teilweise als verblendete Ideologin bezeichnet, und das ist noch die Sprache derer, die sich zivilisiert ausdrücken. Wie wirken sich solche medialen und auch jenseits der Öffentlichkeit vollzogenen Schlammschlachten auf ihr Privatleben aus?</strong></p>
<p>Ich habe den Eindruck, dass meine Kinder sehr viel dabei lernen, denn sie kennen mich ja und können genau das immer wieder nachvollziehen, worum es mir mit der Arbeit geht: Sie sehen die Diskrepanz zwischen dem, was mich bewegt und wofür ich mich mit welchem Ziel einsetze, und dem, was manche versuchen als Realität zu formulieren und was ihnen in ihren Kreisen auch gelingen mag, weil mich die Leser dieser Anwürfe nicht kennen, beziehungsweise verkennen. Damit muss man leben, wenn man sich öffentlich äußert – das tangiert mich persönlich nicht. Und ich vertraue darauf, dass die meisten Menschen doch die Schullektion gelernt haben, dass Attacken auf Personen darauf hinweisen, dass die Argumente fehlen. Über eine inhaltliche und fundierte Auseinandersetzung freue ich mich stets, die bringt auch für mich den Erkenntnisgewinn voran und derer gibt es zum Glück genug und daran orientiere ich mich im Arbeitsalltag als Wissenschaftler. Was man natürlich nicht ignorieren kann, sind die offenen Drohungen, die deutlich zunehmen. Da warte ich noch auf die Staatsanwaltschaft, dass sie dieses Gebaren ebenso ernst nimmt.</p>
<p><strong>Warum glauben Sie, dass gerade das Thema Islam zu einer so unversöhnlichen Polarisierung in den diskutierten Positionen führt? </strong></p>
<p>Ich kann verstehen, dass das so gekommen ist. In meiner Doktorarbeit beschäftige ich mich ja ausführlich mit dem Zustandekommen des subjektiven Islambildes durch übliche Medienmechanismen: Auswahl– und Kombinationsverfahren und metaphorische Strukturen, was andere Themen ähnlich betrifft, vor allem in den 1990er Jahren und dann dem Schub nach dem 11. September 2001. Die Erklärungen seither, dass der Islam für Anschläge verantwortlich sei, wenn Muslime die Täter sind, ist nicht nur extrem verallgemeinernd und anti-aufklärerisch, sondern sicherlich diesen frühen »Lektionen« geschuldet. Besonderes Gewicht erhält ja die Tatsache, dass einige Täter versuchen, ihre Taten besonders islamisch zu begründen. Derlei Begründungen gibt es viele: Neo-Nazis, die glauben das Deutschtum notfalls mit Gewalt »verteidigen« zu müssen, christliche Fundamentalisten, die die Welt auch nicht ganz gewaltfrei christianisieren wollen, oder auch demokratisch gewählte Regierungen, die behaupten mittels »Krieg gegen den Terror« die Freiheit und die Demokratie zu verteidigen und zu verbreiten. Diese Behauptungen sind zu analysieren und nicht nur dann für bare Münze zu nehmen, wenn sie ins eigene Weltbild passen. Dabei reicht es nicht aus, eine fundamentalistische Textinterpretation des Korans vorzunehmen und auf Grund des Vorhandenseins bestimmter Textstellen allen Muslimen von Grund auf eine kriegerische Haltung zu unterstellen – das ist eben Neo-Rassismus im Sinne Memmis und Balibars. Genauso könnte man Christen das Einverständnis mit Menschenfressertum unterstellen und Juden eine Weltverschwörung, was im 19. Jahrhundert ja mit dem Verweis auf jüdische Quellen versucht wurde. Im Buch »Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich« gehen Constantin Wagner und ich darauf ein.</p>
<p><strong>Welchen Satz aus der Feder Henryk M. Broders würden Sie gerne irgendwann einmal über sich lesen?</strong></p>
<p>Och, der darf ruhig weiter seine selbstentlarvenden Textversuche produzieren. Einem argumentativen Diskurs scheint er ja nicht gewachsen zu sein. Da habe ich keine Erwartungen, keine Hoffung und auch kein Interesse.</p>
<p><strong>Sie selbst wirken mit Ihren öffentlichen Äußerungen ja auch immer an einer Medieninszenierung von gesellschaftlichem Diskurs mit. Pointierte Seitenhiebe auf den Gegner und knackige Parolen generieren Aufmerksamkeit. Da ist es doch stets verlockend, solche Zuspitzungen im Sinne der eigenen Präsenz auch mal etwas weiter zu treiben, als zur Verständigung beiträgt. Hinterfragen Sie manchmal die Rolle, die Sie in diesem Medienzirkus spielen?</strong></p>
<p>Echt, Zuspitzungen? Ich hoffe doch nicht! Bitte liefern Sie mir mal ein Beispiel! Es macht natürlich einen Unterschied, ob ich etwas schriftlich veröffentliche oder mündlich ausspreche – bei letzterem ist man natürlich pointierter und es empfiehlt sich zum Nachlesen, mit samt der Belegstellen. Dabei muss ich mir ja auch ständig des Risikos bewusst sein, dass nicht ich die Definitionsmacht über mich habe. Für die Arbeit, die wir im IMV leisten, haben wir ja vergleichsweise wenig Resonanz in den Mainstream-Medien – und diese haben die Möglichkeit, uns zu »framen« oder zu »rahmen«, das heißt, uns einen Touch der Glaubwürdigkeit oder Unglaubwürdigkeit zu geben, allein schon durch die Wortwahl. Zwar greifen viele gerne auf unser Know-How zurück — man erwähnt uns dann aber oft nicht in den veröffentlichten Statements. Auf der persönlichen Ebene mache ich da übrigens sehr gute Erfahrungen, aber es kommt ja auch darauf an, welches Standing der Einzelne innerhalb der eigenen Organisation hat. Und ich kann mir gut vorstellen, dass gerade die kritisierten Medien in der Öffentlichkeit auch mal verführt werden, eine Gelegenheit zu nutzen, um uns in die Schranken zu weisen, weil wir ja nicht ganz bequem sind. Wie kürzlich im Kölner Stadtanzeiger geschehen. Es gibt zwar dann auch etliche Leser, die sich durch so eine Aneinanderreihung von Andeutungen und Behauptungen angeregt sehen, sich unsere Arbeit übers Internet erst einmal anzugucken – aber die Abhängigkeit von denen, die hier eine Gatekeeper-Funktion ausüben können, ist gegeben und bekommen wir deutlich zu spüren. <br />
 <strong><br />
 Der Strafbefehl wegen Beleidigung ist nun eine besondere Form der Eskalation. Wenn Sie auf die Ereignisse der letzten Wochen zurückblicken, haben Sie bei aller Enttäuschung das Gefühl, für sich wenigstens neue Erkenntnis gewonnen zu haben? Würden Sie in Zukunft anders handeln? </strong></p>
<p>Ehrlich gesagt, nein – die angemahnten Klärungen und offenen Fragen stehen ja noch immer an und ich habe die Interviews in der ersten Juli-Hälfte 2009 gegeben, wo noch nicht klar war, dass auch der Polizistenfehlschuss sowie die anderen Versäumnisse um den tragischen Tod von Marwa El-Sherbini auf die Tagesordnung kommen. Außerdem macht sich die Klage an einer linguistischen Spitzfindigkeit und eben dem genannten Rassismusbegriff fest. Beobachten Sie doch mal an sich die Verwendung des Wörtchens »sicherlich« im mündlichen Diskurs! Und dann schlagen Sie mal im Wörterbuch nach. Das scheint mir eher Ausdruck von etwas anderem zu sein und ich bin sehr gespannt, was im Laufe des Prozesses ans Tageslicht kommt, denn die angebliche Beleidigung eines Polizeibeamten, dessen Namen bis heute niemand kennt, kann ja nicht acht Mal so teuer sein, wie die Beleidigung Marwa El-Sherbinis, die während dieses Lappalien-Prozesses starb.</p>
<p><strong>Würden Sie von sich selbst sagen, objektiv zu sein, oder begreifen Sie sich als Partei in einem Konflikt?</strong></p>
<p>Niemand ist objektiv. Das ist wichtig zu erkennen. Ich muss meinen Standpunkt kennen, um das was ich sehe oder nicht, einordnen und im Rahmen des Vorgewussten erkennen zu können. Darum werbe ich ja auch immer für Selbstreflexion. Wenn ich Angst habe vor Spinnen, habe ich einen bestimmten Blick auf die Tiere und werde ihnen sicher nicht gerecht, wenn ich sie beobachte. Das lässt sich vielleicht nicht beheben, aber ich muss ein Bewusstsein für diese Verzerrung entwickeln, mich kennen, um mein eigenes Urteil einschätzen und einordnen zu können. Darum war und ist es mein Auf und Um, für diese Selbstreflexion zu werben: Welche Stereotype haben wir vom Bilderbuch bis zum heute journal vermittelt bekommen und wie wirken die sich auf weitere Wahrnehmungen und deren Interpretationen aus? Das führt oft zu überraschenden Ergebnissen, die man dann prüfen kann und immer wieder prüfen muss. Das ist das Gegenteil von einem geschlossenen Weltbild, wie es manche Propagandisten in Endlosschleifen herbeten.</p>
<p><strong>Die Genderforschung und die Rassismusforschung sind geprägt von ihren Ursprüngen, sie können ihre Verwandtschaft mit emanzipatorischen Bewegungen nicht verhehlen. Viele Forscher und Forscherinnen arbeiten mit dem Anspruch, einen gesellschaftlichen Wandel mit zu gestalten und definieren klare Feindbilder, die es zu bekämpfen gilt. Wie kann das Lagerdenken, das mit so einer Selbstwahrnehmung einhergeht und die resultierende Gefahr der Selbstreferenzialität im Sinne des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns überwunden werden?</strong></p>
<p>Das ist eine sehr gute Frage! Ich glaube, zum Teil habe ich die Problematik vorher auch schon angetippt; Stichwort Selbstreflexion. Ich möchte meinen selbstreflexiven Prozess mal an einem Beispiel festmachen: Es war und ist ungerecht und ärgert mich auch, dass Frauen sich immer noch irgendwie zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen. Männer nicht. Und egal, wie sich Frau entscheidet – sie wird entweder Karriereweib, Hausmütterchen oder Rabenmutter. Im Gegensatz zum Mann gibt es keine positiv konnotierte Rolle und bei ihm ist es auch nur der berufliche Erfolg, der gesellschaftlich zählt. Auch der Feminismus à la Alice Schwarzer hat hier versagt, weil nur die Berufstätigkeit als Emanzipationsmerkmal zu zählen scheint und damit den Mann zur Norm erklärt. Das entwertet Haus– und vor allem Erziehungsarbeit, wie auch die aktuelle politische Entwicklung in Bezug auf Unterhaltsregelungen zeigt.</p>
<p>Ein rassismuskritischer Ansatz in diesem Bereich wäre also, nicht nur von den einzelnen gleiche Leistungen und auch nur in äußerlich sichtbaren Domänen zu verlangen, sondern auch da Strukturen anzubieten, wo die Menschen eben nicht gleich sind, um ihre unterschiedlichen Fähigkeiten optimal zur Entfaltung zu bringen und sie wirklich für alle sinnvoll zu nutzen. So habe ich mal eben 9 Jahre für meine Doktorarbeit gebraucht, weil ich mich unbedingt um meine Kinder kümmern wollte und das war gut so, weil ich durch diese direkten Beziehungen viel mehr mit der Selbstreflexion konfrontiert war als nur im beruflichen Kontext. Das bedeutet aber die ganz bewusste Inkaufnahme des Verpassens etwa einer geregelten Laufbahn mit Einstiegsaltergrenzen, die es im akademischen Bereich nun mal gibt, und einer Absicherung im Alter. Ich habe mir die Freiheit genommen, mich für diesen Lebensweg zu entscheiden und würde es genauso wieder tun – wohl wissend, dass ich einem ungerechten System damit eigentlich zuarbeite, es nicht radikal bekämpfe. Wenn ich mir heute die chauvinistischen und hämischen Kommentare und auch die teilweise unflätige Post, die ich erhalte, anschaue, dann habe ich große Zweifel, dass die Ansprüche dieser Forschungsrichtungen weit über den Anspruchscharakter hinaus gekommen sind. Also, mit Ungerechtigkeit, struktureller Gewalt und Diskriminierung muss und kann man leben und dennoch innerhalb der Strukturen seine Möglichkeiten ausschöpfen und seine möglichst unabhängigen Ansprüche stellen und Wege gehen – das nennt man gesellschaftliche Entwicklung und die sollten wir ja nicht aufgeben, auch ohne in Verbissenheit zu geraten und sich das eigene Leben zu vermiesen.</p>
<p>Wenn es mir dann noch gelingt, die persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse zu abstrahieren – also auch das Dilemma der emotional eingeschränkten Lebensentwürfe für Männer zu erkennen, die zwar immer noch vom System mehr profitieren, aber darum nicht glücklicher werden – dann ist ein Stück konstruktiver, wissenschaftlicher Auseinandersetzung gelungen, die die gesamtgesellschaftliche Fortentwicklung im Blick hat. Und das führt dann unter anderem direkt zu der Forderung, nicht nur Mädchen (vermeintlich) alles anzubieten, sondern auch Jungs nach ihren Gedanken zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fragen und dergleichen. Die sprachlichen Rückordnungen des Erreichten sind dann ein weiteres Thema, das meine Aufmerksamkeit verlangt, auch wenn es mich persönlich nicht betrifft: Frauen in Männerberufen und solche Wendungen.</p>
<p>Ich orientiere mich insgesamt immer gerne an der Formulierung der Menschenrechte und des Völkerrechts als ein positives Beispiel dessen, was langfristig geht. Das ist doch eine Erfolgsgeschichte. Über Generationen hinweg und mit vielen Opfern ist ein Wertekanon entstanden und schließlich formuliert worden, für den es sich lohnt, sich einzusetzen – damit er auch in der Realität ankommt, auch und gerade bei denen, die ihn gerne instrumentalisieren. Das hat nichts Dogmatisches, sondern etwas Menschenwürdiges, sich weiter zu entwickeln – und da haben wir noch einiges zu tun, wenn wir auch die Früchte unserer Arbeit nicht mehr selbst erleben werden. Insofern betrachte ich mich als einen Teil der Menschheit, der das beiträgt, was sowieso selbstverständlich ist und an der Stelle, wo er kann.</p>
<p><strong>Der Orientalismus, so lautet eine viel diskutierte Theorie, ist ein ethnozentrisches Konstrukt einer westeuropäischen Identität, die sich einen Widerpart schuf. Ist es womöglich das ultimative Ziel der Islamismusforschung ihren Gegenstand abzuschaffen und sich selbst ad absurdum zu führen? </strong></p>
<p>Meinen Sie Islam– oder Islamismusforschung? Ich sehe hier eher selbstbestätigende Reflexe. Man hält sich ja gerne für objektiv und weder chauvinistisch noch eurozentristisch. Es ist aber nun mal Fakt, dass etwa türkische, afrikanische oder asiatische Studenten die Schriften der europäischen Kultur im Laufe eines Studiums kennen lernen, wir umgekehrt nicht. Freilich kann ich durch den Verweis auf Missstände anderswo von den eigenen Unzulänglichkeiten ablenken und das ist sogar eine beliebte Übung und die nennt man in der Psychologie Projektion. Diese geschieht aber zumeist unbewusst, womit der sogenannte Orientalismus ja keine Ausnahmeerscheinung ist. Aber eine Feindbildbestätigung, egal ob früher russisch, heute muslimisch und morgen asiatisch, bedient doch zu aller erst eine Selbstidealisierung, die nicht unbedingt die Gleichwertigkeit und das Miteinander befördert – solche Prozesse sind zumeist wechselwirkend. Wobei ich uns hier eher als Opfer von Manipulationen und Missverständnissen sehen würde, denn es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass es wirtschaftliche und geo-strategische Interessen im sogenannten Mittleren Osten gibt, und es kein Zufall sein dürfte, warum wir nun so viel über Islam und Muslime diskutieren und daher die sogenannten Terroristen kommen. Siehe Brzezinski, Peak-Oil, Ganser, Todenhöfer, von Sponeck und viel mehr.</p>
<p><strong>Zum Abschluss: Mit welcher Frage würden Sie einen gegen ihre Arbeit völlig voreingenommenen Kritiker am liebsten zum Nachdenken bringen?</strong></p>
<p>Ich habe früher mal geglaubt, dass alle Menschen an der Klärung solcher Fragen interessiert sind, weil es um das geht, was das Menschsein ausmacht — aber das musste ich inzwischen korrigieren. Die „völlig voreingenommenen“ Kritiker, wie Sie sie nennen, wird man nicht erreichen. Dafür wurden schon genügend Analysen und Fragen von mir formuliert, mit denen man sich hätte auseinander setzen können. Aber es gibt ja viele andere Menschen, die das interessiert und für die sich die Fragestellung lohnt — darum hier also eine für mich ganz zentrale und bis heute unbeantwortete: »Wie kann man Missstände benennen und bearbeiten, ohne in eine Verallgemeinerungsfalle zu tappen?« Denn mit jedweder Verallgemeinerung werden wir uns und anderen ja nicht gerecht.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/niemand-ist-objektiv-interview-mit-sabine-schiffer//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Geschäftsmodelle, neue Medien und Rechtssicherheit. Ein Zustandsbericht.</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 15:22:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Dies ist eine Geschichte über Deutschland, auch wenn sie in Israel beginnt. Dort setzten sich vor einigen Jahren zwei tapfere Kamelreiter selbstironisch mit ihrer Vita auseinander, überlegten, was sie mit ihrem Know-how anfangen könnten und schufen einen neuen Dienst für das Internet. Die Idee dürfte "hätte man ja auch früher drauf kommen können"-Format haben. Hochwertiges [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies ist eine Geschichte über Deutschland, auch wenn sie in Israel beginnt. Dort setzten sich vor einigen Jahren <a  title="Promovideo der PicApp-Gründer" href="http://www.stockphototalk.com/phototalk/2008/02/picapp-picscout.html" target="_blank">zwei tapfere Kamelreiter</a> selbstironisch mit ihrer Vita auseinander, überlegten, was sie mit ihrem Know-how anfangen könnten und schufen einen neuen Dienst für das Internet. Die Idee dürfte »hätte man ja auch früher drauf kommen können«-Format haben. Hochwertiges Bildmaterial aus den Fotoagenturen wird über eine embedding-Applikation mit Werbeeinblendungen verknüpft und so dem Nutzer zur Verfügung gestellt. Ähnlich wie Youtubevideos kann jeder Internetuser auf diese Weise Inhalte, die der Dienst bereithält, auf seiner Seite einbinden. Die Bildagenturen erschließen sich ein neues Einkommensmodell und Otto-Normalnutzer kann sich aus einem reichen Archiv von professionellem Fotomaterial bedienen, um seine Texte im Internet zu illustrieren: <a  title="Startseite von PicApp" href="http://www.picapp.com/" target="_blank">PicApp</a>.</p>
<p>Damit wurde eine legale Alternative zur oftmals unbedarft angewandten Praxis des Bilderklaus geschaffen. PicApp fand auch Partner mit großem Namen, die ihre Fotos zur Verfügung stellten. Der Corbis-CEO Gary Shenk pries das neue Geschäftsmodell an, mit dem Corbis seine Fotos nun auch Bloggern zugänglich machen könne. Getty Images, Newscom, Jupiterimages und weitere namhafte Partner wurden für das Modell gewonnen. PicApps Partner lizensieren ausgewählte Fotos aus ihren Archiven für PicApp, die ihren Usern die Einbettung dieser Fotos ermöglichen. Risikokapitalgeber begeisterten sich für das Modell und ein weiteres Beispiel, wie ein Bedürfnis, das mangels legaler Alternative sich aus illegalen Quellen stillt, zum legalen Geschäftsmodell werden kann, war geboren. In den USA wurden die lizenzrechtlichen Fragen ausgehandelt und Klärungsinstanzen zu urheberrechtlichen Streitigkeiten etabliert. Auf Grundlage amerikanischen Rechtsverständnisses.<span id="more-2131"></span></p>
<p>Mit Lizenzen ist das so eine Sache. Viele »Content-Diebe« sind keine vorsätzlichen Urheberrechtsverletzer. Häufig sind  den Privatpersonen, die sich dank niedriger technischer Einstiegshürden als Publizisten im Internet betätigen, schlicht die Gepflogenheiten und Rechtsgrundlagen von publizistischer Tätigkeit fremd. Wenn etwas im Internet frei zugänglich ist, bedeutet das nicht automatisch, dass es zur freien Verfügung steht. Das Rechtsempfinden unbedarfter Neumitglieder des öffentlichen Schreibens, der Blogger und Nutzer sozialer Netzwerke, ist selten der richtige Maßstab für legalen Umgang mit den Inhalten, die im Internet zu finden sind. Das liegt aber nicht allein an der Naivität vieler Nutzer.</p>
<h4>Rechts(un)sicherheit — die versteckte Einstiegshürde</h4>
<p>Rechtsfragen sind speziell in Deutschland eine versteckte Einstiegshürde für die Teilnahme an der Netzöffentlichkeit. Wer sich mit den Inhalten der Profis auseinandersetzen möchte, also Teil der Medienlandschaft werden will, muss nach den dort gültigen Regeln spielen. Allein, das Regelwerk ist dermaßen kompliziert, dass bei Lizenzfragen oder Abwägungen zwischen Persönlichkeitsrecht und freier Meinungsäußerung die Profis längst mit dem kalkulierten Risiko des Rechtsstreits leben. Dafür gibt es Rechtsabteilungen in Medienhäusern. Die Grenzen der Legalität sind den Profis natürlich weitaus besser bewusst, als den Quereinsteigern aus den neuen Medien. Aber auch die Profis wandeln häufig auf schmalem Grat und bewegen sich ab und zu jenseits der Grenze dessen, was ein anderer Teilnehmer des Medienzirkus akzeptieren möchte. Abmahnung, Klage, Gegenklage, weiter im Tagesgeschäft. Auch dafür gibt es Rechtsabteilungen.</p>
<p>Der Medienteilnehmer ohne Rechtsabteilung steht den Kosten solchen Geschäftsgebarens meist hilflos gegenüber. Privatpersonen knicken gegenüber einer Abmahnung lieber sofort ein, als sich vor Gericht über die Rechtmäßigkeit der Abmahnung zu streiten. Dieser Umstand scheint mittlerweile gar Geschäftsgrundlage eines <a  title="Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 175.000 für Abmahnanwalt" href="http://www.google.de/search?q=abmahnanwalt" target="_blank">viel diskutierten </a><a  title="Eine Analyse des neuen Geschäftsmodelles" href="http://www.internet-law.de/2009/11/filesharing-abmahnungen-digiprotect-und.html" target="_blank">Bereicherungsmodells</a> zu sein. Um so wertvoller sind Werkzeuge, die Rechtssicherheit versprechen. Wie zum Beispiel ein Dienst, mit dem die Lizenzfragen zu Bildrechten nicht länger Problem des Anwenders sind.</p>
<p>Aber mit Lizenzen ist das nun einmal so eine Sache. Speziell in Deutschland, wo der Blogger am Ende derjenige ist, der für die Inhalte einstehen muss, die er oder sie verwendet. Wenn also ein Geschäftsmodell aus Israel in den USA zur Applikation entwickelt wird und international agierende Partner findet, tut der deutsche Blogger gut daran, sich abzusichern. Lizenzen sind nämlich häufig extrem kompliziert und unterliegen mannigfaltigen Beschränkungen, von denen im weltweiten Internet insbesondere eine interessant ist: Die Beschränkung nach Region. Ein Rechteverwerter mag die Rechte für die USA haben, aber deswegen muss er noch keine Rechte für Deutschland haben, die ein Konkurrent gesondert erwerben kann. Selbst dann nicht, wenn seine Lizenz für das Medium Internet gilt. Wenn der unbedarfte deutsche Anwender sich nun gutgläubig bei diesem amerikanischen Rechteverwerter bedient, werden die Lizenzfragen sehr schnell wieder zu seinem Problem.</p>
<h4>Einem indirekten Geschäftspartner Rechtssicherheit gewähren? Fragen Sie jemand anderen.</h4>
<p>Das legt zumindest eine Anfrage bei den in Deutschland ansässigen Ablegern der internationalen Rechteverwerter nahe. Auf die Frage, ob sich die offiziellen Partner von PicApp an die auf Englisch abgefassten Nutzungsbedingungen für PicApp auch in Deutschland gebunden fühlten, waren die Antworten ernüchternd. Getty konnte oder wollte nach Rücksprache mit der Rechtsabteilung kein Statement abgeben, ob Blogger in Deutschland PicApp nutzen dürften und verwies an den Partner PicApp. Corbis wollte nicht einmal eine Bestätigung abgeben, dass eine offizielle Partnerschaft bestehe. Immerhin konnte man sich daran erinnern, dass es in der Vergangenheit Überlegungen gegeben habe, Fotomaterial für Blogger verfügbar zu machen und verwies auf den eingangs verlinkten Artikel von Stockphototalk.com.</p>
<p><a  title="Sportblogger, Podcaster und Netzwerker" href="http://www.probek.net/" target="_blank">Probek</a> und <a  title="Allesaussersport - Das Blog eines TV-Sport-Verrückten" href="http://www.allesaussersport.de/" target="_blank">dogfood</a>, zwei <a  title="Startseite des Sportbloggernetzwerkes" href="http://www.sportbloggernetzwerk.de/" target="_blank">Sportbloggern</a>, fiel außerdem auf, dass auch Bildmaterial einer deutschen Agentur, der Imago Sportfotodienst GmbH, im Archiv von PicApp auftaucht. Dort wurden die Fotos allerdings Newscom zugeschrieben, die anscheinend Lizenzen zu diesen Bildern von Imago erwarben. Ob die erworbenen Lizenzen wiederum die Sublizensierung an deutsche Blogger via PicApp umfassen, bleibt unklar. Auf Anfrage schrieb Imago zurück, man prüfe die Situation. Bis zur Klärung des Sachverhalte bitte man darum, keine »imago Bilder« zu verwenden. Trotz des Versprechens, sich zurückzumelden und trotz weiterer Anfragen über mehrere Wochen gab es keine weiteren Stellungnahmen.</p>
<p>PicApp selbst reagierte nach wiederholten Kontaktanbahnungen schließlich überrascht auf die Konfrontation mit der deutschen Situation: »We currently don’t have any territory restriction for our content.« Deutsche Blogger dürften sich frei aus dem Fundus der von PicApp lizensierten Bilder bedienen, einige der fleißigsten Nutzer ihrer Applikation kämen aus Deutschland.  Alle Partner seien sich über die Reichweite der Lizenzen im klaren. Trotzdem hatte sich kein Partner eine Zusage abringen können, dass deutsche Blogger PicApp nutzen dürften. Es wollte nicht einmal jeder die Partnerschaft selbst offiziell eingestehen. Auf die konkrete Nachfrage, wie denn zu verstehen sei, dass ein deutscher Rechteinhaber sich die Nutzung von  seinen Bildern verbitte, die bei PicApp zu finden sind, gab es keine Antwort.</p>
<p>Vom Kamelrücken in Israel schafft es eine Geschäftsidee also nicht so einfach nach Deutschland. Wenn nicht einmal die Rechtsabteilungen der offiziellen Partner ein OK geben wollen, bleiben Agenturfotos für die privaten Publizisten im deutschen Netz weiter ein Traum. Oder ein Risiko, das man auch ohne Rechtsabteilung eingeht. Einen Anreiz, neue, werbebasierte Geschäftsmodelle für den deutschen Markt zu etablieren, scheint es nicht zu geben. Zumindest haben die beteiligten Rechteverwerter offensichtlich kein vorrangiges Interesse, sich einen neuen Kundenstamm zu erschließen und ihm dafür ein wenig Rechtssicherheit zu gewähren. Ob die derzeitige Situation aber auch nur für eine Seite befriedigend ist, scheint fraglich. Zumindest nehmen ganz aktuell die Debatten um Leistungsschutzrechte oder neue Urheberrechte in Deutschland an Fahrt auf. Der Status Quo scheint niemandem mehr zu genügen. Diese Geschichte mag ein Beispiel sein, warum.<br class="spacer_" /></p>
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		<title>Nobelpreis Schmobelpreis</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Oct 2009 12:18:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[kurzweilig]]></category>
		<category><![CDATA[meinungsstark]]></category>

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		<description><![CDATA[Besserwisser allerorten. Was haben sich die Spinner aus Norwegen gedacht, diesen Barack Obama, von dem man nun langsam wirklich genug gehört hat, auch noch zum Preisträger zu ernennen? "Der Preis kommt zu früh." Dieser Satz ist selbst preisverdächtig, entlarvt er doch das Politikverständnis und die Arroganz der vielen Kommentatoren, die  schon Meinungen zum Nobelpreisträger in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Besserwisser allerorten. Was haben sich die Spinner aus Norwegen gedacht, diesen Barack Obama, von dem man nun langsam wirklich genug gehört hat, auch noch zum Preisträger zu ernennen? »Der Preis kommt zu früh.« Dieser Satz ist selbst preisverdächtig, entlarvt er doch das Politikverständnis und die Arroganz der vielen Kommentatoren, die  schon Meinungen zum Nobelpreisträger in die Welt posaunten, bevor der Preisträger selbst überhaupt eine Erklärung abgegeben hatte. Vom Blätterwald bis zur Blogosphäre wird an der Entscheidung herumgekrittelt.</p>
<p>Bevor ich mich dem allgemeinen Rumgemeine anschließe, mal etwas Grundsätzliches vorweg: Das Nobelpreiskomitee schuldet mir, dem Heer der übrigen politischen Kommentatoren und im Grunde auch dem Rest der Welt ganz genau: Nichts. Schon gar keine Rechenschaft. Prestigeträchtig wird ein Preis erst in den Augen des Publikums — daraus lässt sich aber noch lange kein Anspruch ableiten, dass die eigenen Vorlieben die der Juroren seien. Ganz im Gegenteil gewinnt neben dem Preisträger der Preis selbst an Aufmerksamkeit, wenn er kontrovers diskutiert wird.  Da macht das Bisschen Geld den Kohl nicht fett. Herzlichen Glückwunsch nach Oslo, man redet wieder über euch und setzt sich sogar mit den Motiven eures Stiftungsgründers auseinander. So viel Wirkmacht war ihm lange nicht vergönnt, dem guten Alfred Nobel.<span id="more-2072"></span></p>
<p>Sprengstoff für den Frieden, das ist eine feine Pointe, an der sich das Komitee jedes Jahr aufs neue versuchen darf. Die etwas reflektierteren Kommentare, die es dankenswerterweise auch noch gibt, bemühen sich, die Beweggründe der Norweger nachzuvollziehen. Sie finden historische Vorbilder in früheren Entscheidungen, nach denen der Preis an Personen ging, die im Begriff waren, friedensstiftende Entscheidungen zu treffen. Personen, deren politische Karriere noch nicht den Zenit überschritten hatte. Einige Kommentare interpretieren den Preis als Aufforderung an den Preisträger, eine bestimmte Politik weiterzuverfolgen. Der Preis wird zur Bürde.</p>
<p><q class="pullquote">Der Preis kommt (zu) früh?</q></p>
<p>Meine verehrten Damen und Herren Mitmeiner, ich muss mich doch sehr wundern: Was zum Geier erwarten Sie denn vom Nobelpreis? Sollte Alfred Nobel ihn als Altenteil für verdiente <em>elder statesmen</em> entworfen haben, als ganz besonders exklusive Rente? Dem Testament des alten Herren zufolge soll der Preis doch stets an denjenigen gehen, der am meisten  positiven Einfluss auf die Verbrüderung der Völker, die Verringerung von stehenden Heeren und Etablierung von Friedenskongressen genommen hat. Von Zurücklehnen nach getaner Arbeit steht da nichts.</p>
<p>Nicht genug, dass keiner der Artikel, die mir in Blätterwald und Blogosphäre begegneten, einen würdigeren Kandidaten als Alternative anbot. Es hat sich im vergangenen Jahr in Ihren Artikeln verblüffend oft auch ausgerechnet die Person wiedergefunden, der Sie allesamt die Würde absprechen, bereits der Anforderung Alfred Nobels zu genügen. In den vergangenen zehn Jahren fällt mir keine Person ein, die es geschafft hätte, in vergleichbarem Maße Menschen mit einer Botschaft der Versöhnung zu berühren. In Deutschland kam kaum ein Leitartikel zur deutschen Politik ohne Verweis auf den neuen amerikanischen Präsidenten aus. Auf der ganzen Welt, soweit sie in unseren Nachrichten auftaucht, wurde auf die messianische Qualität des Kenianers aus dem Pazifik reagiert. Ohne auch nur einen Vertrag unterschrieben zu haben, hatte der Mythos Barack Obama bereits Wirkung gezeigt. Natürlich ist der Präsident nur ein Mensch und wird nicht von allen geliebt, noch mottet er den größten Militärapparat der Welt ein oder kann übers Wasser gehen. Aber von einem anderen Messias habe ich im letzten Jahr nichts gelesen.</p>
<p>Bezeichnend ist, wie die kurze präsidiale Amtszeit Obamas als Maßstab für politischen Erfolg herangezogen wird — von beiden Lagern, den Ablehnern und Befürwortern. Als wäre es nicht insbesondere seine Leistung, Politik wieder zum Wähler zu bringen, die in Deutschland noch bis über die Bundestagswahl hinaus ungläubig bestaunt wurde. Als würde die Mobilisierung und Aktivierung von gesellschaftlichen Prozessen keine Rolle spielen. Als würde Politik tatsächlich über die Köpfe des Volkes hinweg entschieden. Als wäre die Gesellschaft und in deren Vielfalt die Weltgemeinschaft völlig unbeteiligt daran, in welche Richtung sich die Welt bewegt. Im Land des gepflegten Nazivergleichs bin ich versucht zu fragen: Genügt Ihnen ein von Ihrer Zunft höchstselbst erkorener <a  title="Google meint: Obama schon vor der US-Wahl von deutschen Edelfedern zum Weltpräsident gekürt" href="http://www.google.de/search?q=weltpr%C3%A4sident" target="_blank">Weltpräsident</a> nicht, muss es erst ein Führer sein?</p>
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		<title>The Limits of Control, Retrogaming und MacGuffins</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Jul 2009 20:40:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Wichtigste vorweg: Jim Jarmusch hat einen Film gemacht, der nichts für jeden ist. The Limits of Control ist ein Film ohne Handlung. Er ist aber trotzdem ein großartiges Stück Kino für jene, die sich an künstlerischem Handwerk erfreuen und bereit sind, großartige Bilder und tolles Sounddesign auf sich wirken zu lassen. Die inhaltliche Leere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="cap"><span>D</span></span><em class="update">as Wichtigste vorweg: Jim Jarmusch hat einen Film gemacht, der nichts für jeden ist. The Limits of Control ist ein Film ohne Handlung. Er ist aber trotzdem ein großartiges Stück Kino für jene, die sich an künstlerischem Handwerk erfreuen und bereit sind, großartige Bilder und tolles Sounddesign auf sich wirken zu lassen. Die inhaltliche Leere zu füllen, bleibt völlig dem Zuschauer überlassen. Der Regisseur bedient sich für diese Volte eines erzähltechnischen Taschenspielertricks: Er ersetzt Handlung durch etwas, das Alfred Hitchcock einen <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/MacGuffin" title="Wikilink: MacGuffin">MacGuffin</a> nannte.</em></p>
<p>Der Altmeister, den Jarmusch in seinem jüngsten Film mehrmals zitiert, beschrieb den MacGuffin in einer Anekdote:</p>
<blockquote><p>It might be a Scottish name, taken from a story about two men in a train. One man says, ›What’s that package up there in the baggage rack?‹ And the other answers, ›Oh that’s a McGuffin.‹ The first one asks, ›What’s a McGuffin?‹ ›Well,‹ the other man says, ›It’s an apparatus for trapping lions in the Scottish Highlands.‹ The first man says, ›But there are no lions in the Scottish Highlands,‹ and the other one answers ›Well, then that’s no McGuffin!‹ So you see, a McGuffin is nothing at all.</p></blockquote>
<p><span id="more-1900"></span><br />
<span class="halfwidth" style=""><img src="/wpkontext_333/wp-content/uploads/screenshotsecretofmana.jpg" alt="Screenshot Computerspiel" title="Nur weil ich ein Schwert aus einem Stein ziehen kann, bin ich auf einmal das FedEx der Fantasy?" /></span><span class="imagecaption">Dank Emulatoren kann ich Secret of Mana auch auf dem Laptop spielen. Lauter sinnlose fetch quests.</span><br />
Die Funktion des MacGuffin ist das entscheidende Element für die Geschichte eines Films. Es ist eine erzählerische Mechanik, die die Handlung in Gang setzt. Der Inhalt des MacGuffin ist für die Geschichte beliebig. Es kann ein Koffer voller Gold sein, den alle Protagonisten ergattern wollen, aber bis zum Ende des Films nie erreichen. Hitchcocks prägnanteste Verwendung dieses sinnentleerten <em>plot device</em> sind die Regierungsgeheimnisse in »Der unsichtbare Dritte«. Sie sind letztendlich nicht einmal wirklich existent. Die Vermutung ihrer Existenz ist es dennoch, die alle Charaktere antreibt. Rollenspielern dürfte das Prinzip nur allzu vertraut sein, gibt es doch eine ganze Reihe von Computerspielen, die <em>more style than substance</em> sind.</p>
<p><span class="halfwidth" style=""><img src="/wpkontext_333/wp-content/uploads/screenshotchronotrigger.jpg" alt="Screenshot Computerspiel" title="Episch. Warum nur habe ich diesen Screenshot gemacht, jetzt muss ich erstmal 20 Stunden in Nostalgie schwelgen..." /></span><span class="imagecaption">Chrono Trigger ist eine echte Perle unter den Retrogames. Da wird sogar der MacGuffin sinnvoll eingesetzt.</span>Wie der leidgeprüfte Gamer in den generischen »Rette die Welt«-Szenarios so mancher Rollenspiele, muss auch der Protagonist in Jarmuschs Film eine Reihe von <a  href="http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/FetchQuest"><em>fetch quests</em></a> erledigen, bevor er endlich gegen den Endgegner kämpfen darf. Er wird von einem Szenario zum nächsten geschickt, ohne dass irgend ein Sinn aus seinen Botengängen erwüchse. Seine Begegnungen mit anderen Figuren sind bloße Wegmarken auf dem Pfad zur entscheidenden Schlacht. Anders als in den quälend unsinnigen Pseudohandlungen so mancher anderer Machwerke hat der Mangel an Substanz in »The Limits of Control« jedoch Methode.</p>
<p> Jarmusch radikalisiert die Verwendung des MacGuffin bis zu einem Punkt, wo keine echte Handlung mehr übrig bleibt. Der Film verwendet nurmehr leere Zeichen. Die Oberfläche, die das cineastische Erleben auszeichnet, ist der Inhalt des Films. Dabei strotzt »The Limits of Control« nur so vor Anspielungen und Zitaten auf das Kino. Sei es die Referenz auf Hitchcock oder Tarkovsky, James-Bond-Machismo oder den Hass auf Handys im Kino. Dem Liebhaber bietet sich stets die Gelegenheit, sich nicht nur an der Präzision der Filmsprache zu erfreuen, mit der der New Yorker Regisseur virtuos hantiert, sondern auch versteckte Andeutungen zu suchen und zu entziffern. </p>
<p>Code ist ein wichtiges Stichwort für die Wirkung des Films. Es wird gar kein Versuch unternommen, dem Zuschauer einen Schlüssel zur Entzifferung der manngifaltigen Symbolhaftigkeit an die Hand zu geben. Kultur und Film, die Wichtigkeit des Beobachtens, Träume und Subjektivität werden als Themen angesprochen. Der Regisseur will die Zuschauer auf einen Trip entführen. Die Kontrolle über den Inhalt des Films gibt er dabei völlig auf. »Das Universum hat kein Zentrum und es hat kein Ende. Das Leben ist subjektiv.«</p>
<p>Wer sich auf diese <a  href="http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/MindScrew" title="David Lynch lässt grüßen"><em>mind screw</em></a> einlässt, kann zwei Stunden entschleunigt genießen.</p>
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        	<br />
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        </p><p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/the-limits-of-control-retrogaming-macguffi//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Sommerfernsehen — Cooles aus dem Internet</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jul 2009 08:14:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heute ist es dank des Internets möglich, sein Fernsehprogramm selbst zusammenzustellen. Wer heute also von sich sagt, er habe keinen Fernseher mehr, muss deswegen nicht gleich auf spannende Fernsehproduktionen verzichten. Er greift vielleicht sogar gezielter auf diese zurück, als es der gewohnheitsmäßige Zuschauer tut. Nicht genug, dass er sich dazu der Zweitverwertung derjenigen deutschen Sender [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="cap"><span>H</span></span><em class="update">eute ist es dank des Internets möglich, sein Fernsehprogramm selbst zusammenzustellen. Wer heute also von sich sagt, er habe keinen Fernseher mehr, muss deswegen nicht gleich auf spannende Fernsehproduktionen verzichten. Er greift vielleicht sogar gezielter auf diese zurück, als es der gewohnheitsmäßige Zuschauer tut. Nicht genug, dass er sich dazu der Zweitverwertung derjenigen deutschen Sender bedient, die ihre Werke auch online zur Verfügung stellen. Er kann als sein eigener Programmdirektor auch in den Genuss solcher Produktionen kommen, die noch gar nicht für den deutschen Fernsehmarkt verwertet wurden — und womöglich nie verwertet werden. Viele amerikanische Sender stellen ihre Serien kurz nach dem Ausstrahlungstermin zur Verfügung. Wer nicht streamen mag, kann bei iTunes und anderen Onlinewarenhäusern einzelne Episoden und ganze Staffeln einkaufen.</em></p>
<p>Durch das neue Medienangebot ergeben sich neue Konsumgewohnheiten. Serienfolgen müssen nicht länger an ihrem Ausstrahlungstermin gesehen werden. Das Internet fungiert als der größte Videorekorder der Welt und erlaubt endlich spannendes Frühstücksfernsehen. Gleichzeitig passt sich der deutsche Serienfreund den amerikanischen Sendegewohnheiten an. Dort werden Serienproduktionen der großen Netzwerke anhand der Vorgaben von Sendeplätzen in einem Kalenderjahr gedreht. Um die reibungslose Zweitverwertung solcher Produktionen auf anderen Sendern und Tochternetzwerken zu ermöglichen, hat sich ein Standard von Folgen pro Staffel, Wechsel von Sommer– und Winterprogramm, Pausen für große Sportereignisse und mehr herausgebildet, der eine eigene Form der Jahreszeiten für den Fernsehzuschauer bildet.<br />
<span id="more-1695"></span><br />
Im Sommer werden in den USA gerne neue Serien vorgestellt und auf ihre Publikumswirksamkeit getestet. Wer dank des Internets den Blick über den großen Teich wagt, kann in dieser Zeit die ein oder andere Neuigkeit für sich entdecken — auf die Gefahr hin, dass die Serie nur einige wenige Folgen überlebt. Eine Serie, die mittlerweile zwei Staffeln überlebt hat und im Sommerprogramm für seichte Unterhaltung der coolen Art steht, ist „Burn Notice“. <a  href="http://kommunikation.vox.de/de/pub/aktuell/pressemitteilungen/detail_pressemitteilung.cfm?subpageobject_ID=12836&#038;subpagenumber=1">VOX hat sich die Rechte an der Sommerperle des Kabelnetzwerks abc gesichert</a>, allerdings noch keinen Ausstrahlungstermin festgelegt. Der internetaffine Serienjunkie erfreut sich aber meist nicht nur an der Flexibilität des Fernsehens im Netz.  Er oder sie bevorzugt häufig auch die Stimmen und das Sounddesign der Originalversion.</p>
<h4>Cooles Sommerfernsehen: Burn Notice</h4>
<p>Alle, die nicht auf den Sendetermin warten wollen, dürfen sich auf Sommerfernsehen der leichten Art freuen: Eine Stilmix aus Oceans 11, dem A-Team und McGuyver könnte den ein oder anderen Freund von rasanter Action, selbstironischem Voiceover und überstilisierter Coolness mit der Unreflektiertheit versöhnen, mit der hier gewaltsame Selbstjustiz verübt wird. Der Spion Michael Weston wird zu Beginn der Serie von unbekannten Mächten in der Welt der Geheimdienste auf Eis gelegt — er wird offiziell <a  href="http://en.wikipedia.org/wiki/Burn_notice_%28document%29" title="Wikilink: Burn Notice">gebrandmarkt</a> und in der Folge von all seinen Kontakten gemieden. In Miami, wo immer die Sonne scheint und es anscheinend völlig normal ist, im Bikini zu dinieren, versucht er, nach und nach dahinter zu kommen, warum er kalt gestellt wurde und von wem. </p>
<p>Nach dem alten Muster des <a  href="http://en.wikipedia.org/wiki/Villain_of_the_week" title="Wikilink: Villain of the week"><em>villain of the week</em></a> löst der geborene Altruist in jeder Woche die Probleme verschiedener Bürger der Stadt und wird dabei unterstützt von seiner Ex-Freundin und einem alten Freund. Bonuspunkte bekommt die Serie, weil dieser alte Freund Sam von der B-Movielegende Bruce Campbell gespielt wird, der Hawaiihemden tragen kann, wie kein zweiter, und dem die Rolle als Spion im Ruhestand und Playboy in den besten Jahren auf den Leib geschneidert ist. Machismo begegnet dem Zuschauer vor allem in Frauengestalt der ehemaligen IRA-Aktivistin und hitzköpfigen Sprengstoffexpertin Fiona. Ihre Beziehung zum lakonischen Michael ist natürlich nicht ganz so abgeschlossen, wie es beide sich ständig versichern.</p>
<p>Wer also von Fernsehen im Internet noch nicht genug hat: So viel Coolness tut dem Sommer gut.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/sommerfernsehen-burn-notice-internet//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Poetryslam als Teamwettbewerb rockt!</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 21:13:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Lyrik, Epik und Drama in popkultureller Interpretation vereint, das ist Poetryslam. Wenn Wortakrobaten sich zusammentun, um in koordinierter Form ihre Texte auf der Bühne abzufeiern, dann ist das Teamslam, die selten zelebrierte Teamversion des Poetryslam. Im Zakk durfte das Düsseldorfer Publikum am vergangenen Sonntag zum ersten Mal diesem speziellen Genre beiwohnen und bekam einen Vorgeschmack [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="cap"><span>L</span></span><em class="update">yrik, Epik und Drama in popkultureller Interpretation vereint, das ist <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Poetry_slam" title="Wikilink: Poetryslam">Poetryslam</a>. Wenn Wortakrobaten sich zusammentun, um in koordinierter Form ihre Texte auf der Bühne abzufeiern, dann ist das Teamslam, die selten zelebrierte Teamversion des Poetryslam. Im Zakk durfte das Düsseldorfer Publikum am vergangenen Sonntag zum ersten Mal diesem speziellen Genre beiwohnen und bekam einen Vorgeschmack darauf, wie der Mannschaftswettbewerb auf den im Herbst stattfindenden Deutschen Meisterschaften wohl aussehen könnte.</em></p>
<p><span class="halfwidth" style=""><img src="/wpkontext_333/wp-content/uploads/teamslambuehne.jpg" alt="Leere Bühne" title="Die Bühne vor dem Sturm" /></span><span class="imagecaption">Noch ist alles entspannt in der Halle.</span>»Nur du, das Mikrofon und dein Text!« Das Düsseldorfer Urgestein Sushi speit seinen Freestyle außer Konkurrenz ins Mikrofon, weil sein Partner ihm zur teambildenden Mehrzahl fehlt. »Und ihr natürlich, diese Bühne und dieses Publikum und ich und mein Mikrofon.« Alles geht auf der Bühne. Schweiß und Speichel begleiten die stimmgewaltigen Vorträge, wenn der ganze Körper zum Vehikel der Poesie wird. Langweilige Lesungen waren vorgestern, beim Poetryslam konkurrieren die Dichter mit allen Mitteln um die Gunst des Publikums. Nur die überzeugende Performance wird von den Zufallsjuroren belohnt und kommt in die nächste Runde. <a  href="http://www.myslam.de/slam-poet/402" title="Poesischlachtpunktacht auf der Myslam-Seite">Poesieschlacht Punktacht</a> ist eine feste Größe im Zakk, die von der Nischenveranstaltung zum Publikumsmagneten avancierte und vom kleinen Club in die große Halle umziehen musste. Von kurz nach halb neun an erwartete die Gäste dort eine besondere Form des Dichterwettstreits, der Teamslam. Teamperformances bekommt man sonst nur auf den deutschsprachigen Meisterschaften zu hören, auf die sich auch die Teilnehmer dieses Abends vorbereiten. Choreographien wollen geprobt werden, Reaktionen des Publikums getestet.<br />
<span id="more-1776"></span><br />
<span class="halfwidth" style=""><img src="/wpkontext_333/wp-content/uploads/teamslammoderatoren.jpg" alt="Moderatoren auf Couch" title="Amüsiertes Lauschen" /></span><span class="imagecaption">Markim Pause und Pamela Granderath haben schon alles gesehen.</span>Sieben Minuten Zeit, zu beeindrucken. Sieben Minuten, die mit Leben gefüllt werden wollen. Sieben Minuten, in denen man taktieren, flirten, sich verausgaben, ironisieren und natürlich scheitern kann. Fünf Juroren aus dem Publikum, die über Wohl und Wehe der Dichter entscheiden. Zehn Punkte, die jeder Juror maximal vergeben kann. Zwei Moderatoren, die das drohende Chaos in geordnete Bahnen lenken sollen. Ein Team, das auf der Bühne steht. Gefühlte zigtausend Zuschauer, die den Saal füllen und auf Worte warten. Poetry Slam.</p>
<p>K.u.K. (Wehwalt Koslovsky &amp; Frank Klötgen) werden von der unbestechlichen Lostrommel für den ersten Auftritt auserkoren und produzieren prompt versgemäße Wortgewalt in Reimkultur. Dabei schöpfen sie aus dem reichen Fundus deutscher Gedichtklassiker, deren Überhöhung mit Beobachtungen aus der Schattenwelt der Berliner Gosse kontrastiert. Ihr gut getimetes Gedicht, im Duett wie ein Wechselgesang vorgetragen, wird vom Publikum honoriert, lässt aber noch Luft nach oben.</p>
<p>Team Paul (Poesie aus Leidenschaft — Philipp Scharrenberg, Bumillo, Heiner Lange) bedient sich für seine Mischung aus Gedicht und Prosatext aus dem Popkulturzitatenschatz der Filmindustrie. Das tarantinoeske Potpourri über den Angriff des Teams auf die Slamkultur ist gut durchchoreografiert und erntet erste, spontane Beifallsbekundungen noch während des Vortrags. Die drei Jungs aus Süddeutschland verstehen es, ihre Performance durch theatralische Showeinlagen aufzuwerten.</p>
<p>Team Düsseldorf (Jonas Jahn, Marco Kreye, Michael Wefers) befindet sich wohl noch in der Findungsphase für die Meisterschaften. Als einziges Team lesen die Vertreter ihre Texte ab. Ihre prosaischen Auslassungen über die Banalität des Alltags, die sie als Medienkritik analog zur hyperaktiven Berichterstattung einschlägiger Boulevardmagazine des Fernsehens anlegen, wird von der Jury mit der schwächsten Bewertung des Abends aufgenommen.</p>
<p><span class="halfwidth" style=""><img src="/wpkontext_333/wp-content/uploads/teamslamsieger.jpg" alt="Verbeugung auf Bühne" title="Die Finalisten des Teamslams baden im Applaus" /></span><span class="imagecaption">Die Sieger vom Team Paul verneigen sich vor dem Applausometer.</span>Leider ist der Wettbewerbscharakter der Veranstaltung nach dieser ersten Bewertung bis zum Finale de facto außer Kraft gesetzt. Die Jury ist dermaßen gleichgeschaltet, dass sie ihre erste Einschätzung ihrer Favoriten unabhängig von der Qualität der Texte bis zum Finale beibehält. Wenigstens entschädigen die Performances für diesen Mangel an Spannung — alle Teams bringen in der folgenden Runde eine Steigerung der vorangegangenen Leistung zuwege. Die beatboxenden Backstreetbarden aus dem Süden der Republik bedienen mit ihrer Choreografie und der zugehörigen Lautuntermalung den deutschen Hang zum Viervierteltaktklatschen. Sie ernten johlende Zustimmung und die Höchstwertung für ihr Konglomerat aus noch mehr Popkulturzitaten, die den Mehrwert des Teamslams gegenüber dem Alleinsein thematisieren sollen. K. u. K. schreiben Fausts Erlebnisse als Fister fort und bleiben ihrem Stil treu, genau so wie das Team Düsseldorf, das den lästigen Alltag in der himmlischen Bürokratie nachstellt und Luzifers Meinung dazu präsentiert.</p>
<p>Gegen dieses Feuerwerk fallen die Einzelbeiträge, zu dem jedes Team einen Vertreter auf die Bühne schickt, etwas ab. Um so unverständlicher ist es, dass hier der schwankenden Qualität der Texte nicht Rechnung getragen wird. Eigentlich sollen die Wertungen bei einem Poetry Slam ja auch Anhaltspunkte für die Autoren bieten, welche ihrer Darbietungen stärker und welche schwächer sind — die stets gleichbleibenden Wertungen der Jury verhindern dies jedoch. Immerhin treten im Finale nach den Einzeldarbietungen und dem Gastbeitrag Sushis zu Recht K. und K. und die »Poeten aus Leidenschaft« gegeneinander an. Hier stimmt das ganze Publikum mittels Applaus ab, den Moderatorin Pamela Granderath anhand eines unbestechlichen, von NASA-Wissenschaftlern entwickelten Algorithmus auswertet.</p>
<p><span class="halfwidth" style=""><img src="/wpkontext_333/wp-content/uploads/teamslamchillen.jpg" alt="Rumlümmeln auf Bühne" title="Nach dem Slam darf noch gepflegt gechillt werden." /></span><span class="imagecaption">Die Teilnehmer nutzen die Bühne, um nach der Action wieder runterzukommen.</span>Beide Teams liefern ihre beste Vorstellung, und nach minutenlangem Applaus kürt Pamela die »Poeten aus Leidenschaft« zum Sieger, die erschöpft aber glücklich noch eine Zugabe für das Publikum bringen. Im Anschluss entspannen die Teilnehmer gemeinsam auf der Bühne und lassen mit gemütlicher Plauderei den Abend ausklingen. Dieser Slam hat auf jeden Fall Vorfreude auf die <a  href="http://slam2009.de/" title="Homepage des Slam 2009">anstehenden Meisterschaften</a> geweckt. 31 Teams sind bislang gemeldet. </p>
<p><a  href="http://www.youtube.com/watch?v=JeXpdbnxCUU" title="Der Täucher kommt live noch besser">Youtube hat übrigens einen der Finaltexte auf Lager</a>. Und der <a  href="http://dichterlange.de/blog/?p=580" title="Blogeintrag von Heiner Lange">Lange vom Team »Paul« hat einen kurzen Blogeintrag</a> geschrieben, auf dem auch weitere, <a  href="http://picasaweb.google.com/SlamaniacArchiv4/PoesieschlachtTeamwettbewerbImZakkDusseldorf#" title="Slammaniacs Picasaarchiv">tolle Fotos des Abends</a> verlinkt sind.</p>
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<li><a href='http://kontextschmiede.de/details-bei-der-fusballweltmeisterschaft/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Details bei der Fußballweltmeisterschaft'>Details bei der Fußballweltmeisterschaft</a></li>
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