Medienkompetenz ist soziale Kompetenz

Wie­der ein­mal zer­bre­chen kluge Köpfe sich den ihri­gen, Regeln auf­zu­stel­len für den Umgang, den Men­schen mit­ein­an­der pfle­gen.  Mensch­li­ches ist den Nut­zern des Inter­nets zwar schon lange ver­traut, doch die tech­ni­schen Ver­bin­dun­gen des Net­zes ent­pup­pen sich schließ­lich auch den Lord­sie­gel­be­wah­rern des rich­ti­gen Lebens im Unge­ho­bel­ten als soziale Bande. Nun gilt es, Eti­ket­te­ver­stöße die­ses digi­ta­len Men­schelns anzu­grei­fen. Wer bes­ser als der Name Knigge stünde für ein Unter­fan­gen, Rat zu bie­ten wider die Fall­stri­cke des Sozia­len Net­zes? Wie sich her­aus­stellt: Jeder mit einer Spur von Medienkompetenz.

Der 2005 als Mar­ke­ting­platt­form für teil­neh­mende Benimm­be­ra­ter und –Auto­ren gegrün­dete Knigge-​​Rat hat in einer Pres­se­mit­tei­lung »[…] die For­de­rung von Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin Ilse Aigner nach neuen Ver­hal­tens­re­geln im Netz auf­ge­grif­fen und einen Social-​​Media-​​Knigge erar­bei­tet.« Das Ergeb­nis ist eine Kata­stro­phe. Gleich­zei­tig ist es ein gutes Bei­spiel für die These, dass Medi­en­kom­pe­tenz zu nicht gerin­gen Tei­len soziale Kom­pe­tenz ist. Für Umgangs­for­men gilt: Es gibt kaum »rich­ti­ges Beneh­men«. Es gibt nur ange­mes­se­nes Ver­hal­ten. […] → zu Ende lesen

Seid gegrüßt, Euer Diskurshoheit

Der päpst­li­che Bann­strahl trifft den deut­schen Dis­kurs an emp­find­li­cher Stelle. Der des Sprach­paps­tes, wohl­ge­merkt. »Geschwätz«, hat er gesagt, und qua sei­nes Amtes wird damit einem Groß­teil der­je­ni­gen, die sich der deut­schen Spra­che für ihre Teil­nahme an öffent­li­chen Gesprä­chen bedie­nen, die Daseins­be­rech­ti­gung in die­sen Dis­kur­sen abgesprochen.

Wolf Schnei­der hat in sei­nem Leben sicher­lich viel Rich­ti­ges gesagt. Wo er jedem Auto­ren, jeder Auto­rin emp­fiehlt, sich selbst der größte Kri­ti­ker zu sein, da fällt es schwer, ihm nicht bei­zu­pflich­ten, der er gleich­zei­tig ein gro­ßer Fan sei­nes eige­nen Schaf­fens ist. Wolf Schnei­der tut aller­dings trotz all sei­ner Bemü­hun­gen um klare Spra­che und Ver­ständ­lich­keit dem Dis­kurs nicht nur unrecht, er beschä­digt ihn durch seine bloße Anwe­sen­heit. Dafür kann er nichts, zumin­dest wird er es kaum gewollt haben. Und doch ist es seine Funk­tion in die­sem Dis­kurs, die Rolle als Sprach­papst, als letzt­in­stanz­li­che Auto­ri­tät, die ihn zum trau­ri­gen Fanal des Schei­terns von Ver­stän­di­gung macht. […] → zu Ende lesen

Para Tango

Düs­sel­dorf, März 2010. Im Tanzhaus-​​NRW fand am Wochen­ende vom 12 auf den 14 März ein Tang­o­fes­ti­val statt. In den hel­len Hal­len des ehe­ma­li­gen Stras­sen­bahn­de­pots tanz­ten Tangueras und Tangue­ros aus Argen­ti­nien, Schweiz und Deutsch­land. In der Lan­des­haupt­stadt gibt es ohne­hin viele Mög­lich­kei­ten, bei­nah jeden Tag zu einer Milonga, einem Tango – Tanz­abend, zu gehen. Tango Argen­tino ist die häu­figste Form des Tan­zes, die bei den Milon­gas prak­ti­ziert wird. Es gibt keine fest­ge­legte Schritt­ab­folge. Der füh­rende Tän­zer bewegt den fol­gen­den Part­ner durch den Raum und um seine Kör­pe­r­achse — Gan­chos, Saca­das, Boleos, Ochos… die Beine spie­len um und am Tanz­part­ner herum, die Kör­per sind in einer fes­ten Umarmung.

Füh­ren kön­nen und füh­ren las­sen – das ist eine der wich­tigs­ten Vor­aus­set­zun­gen für die­sen anspruchs­vol­len aber zugleich sehr inten­si­ven Paar­tanz. Tango wurde von UNESCO als »kul­tu­relle Iden­ti­tät« bezeich­net und zum Welt­kul­tur­erbe ernannt — Iden­ti­tät, die weit über die Gren­zen von Argen­ti­nien ihre Gel­tung fand, ob in Japan, Finn­land oder Deutsch­land – ein Lebens­ge­fühl, das einen nicht mehr los läßt, sobald es Mann oder Frau in sei­nen Bann gezo­gen hat.

Das Wohlfühlprogramm der klassischen Nassrasur

Ein guter Vor­satz passt immer: Sich auch mal etwas Gutes tun. Manch­mal ist dafür die Rück­be­sin­nung auf alte Bräu­che das Mit­tel der Wahl. Frü­her war ja nicht alles schlechter.

Ganz im Gegen­teil sind man­che Ent­wick­lun­gen des Kon­sum­ver­hal­tens gera­dezu skur­ril. Wir kau­fen stän­dig Krem­pel, den wir nicht brau­chen. Pro­dukt­ent­wick­lung wird von der Mar­ke­ting­ab­tei­lung gesteu­ert, damit bunte Gim­micks in der Wer­bung Unter­scheid­bar­keit der sonst belie­bi­gen Mar­ken gewähr­leis­ten können.

Sys­tem­ra­sie­rer mit atom­ge­trie­be­ner Laser­vi­bra­tion und 12 beweg­li­chen, kryp­to­nit­be­schich­te­ten Klin­gen zum Bei­spiel bie­ten kaum Fort­schritt an Kom­fort. Dafür sind sie ein evo­lu­tio­nä­rer Höhe­punkt der wer­be­in­du­zier­ten Geld­ver­nich­tung. Im Bade­zim­mer­schrank ste­hen sie meist unweit eines Pro­duk­tes, das direkt aus der Hölle in die Super­markt­re­gale auf­steigt: Dosen­schaum. […] → zu Ende lesen

Der Knigge als Sprungbrett ins Fettnäpfchen: Andere Länder, andere Sitten

Wenn man in Deutsch­land jeman­dem eine Frage stellt, ist es ein Gebot der Höf­lich­keit, des­sen Ant­wort abzu­war­ten. Selbst wenn sich nicht alle an diese Kon­ven­tion hal­ten, ist sie doch gemein­hin als Regel akzep­tiert. In der Begeg­nung mit ande­ren Kul­tu­ren fällt einem des­we­gen manch­mal erst spät auf, dass die Regeln, mit denen wir auf­ge­wach­sen sind, alles andere als selbst­ver­ständ­lich sind. Im kon­kre­ten Fall kann es ein sehr lang­wie­ri­ges und unan­ge­neh­mes Unter­fan­gen sein, in Japan nach dem Weg zu fragen.

Gesetzt den Fall, man fin­det über­haupt einen Ansprech­part­ner, dem man sich ver­ständ­lich machen kann, muss man hof­fen, dass der Gesprächs­part­ner die Ant­wort auch wirk­lich weiß. Zumin­dest, wenn man kein Experte in japa­ni­scher Eti­kette ist. Man kann natür­lich gemäß der deut­schen Kon­ven­tion höf­lich abwar­ten, bis der Pas­sant, den man nach dem Weg zum laut Rei­se­füh­rer stadt­be­kann­ten Restau­rant gefragt hat, seine Aus­füh­run­gen been­det. Aller­dings kann man dann unter Umstän­den zuhö­ren, bis die Sonne unter­geht.
Höf­lich­keit ist eine uni­ver­selle Tugend. Die Regeln der Höf­lich­keit aber sind alles andere als uni­ver­sell.
Im Land der auf­ge­hen­den Sonne sind die Rol­len in der Gesprächs­füh­rung näm­lich anders ange­legt als in Deutsch­land. Hier ist es der Fra­gende, der höchste Sorg­falt wah­ren muss, sein Gegen­über nicht bloß­zu­stel­len. Er sollte zum frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt das Ein­drin­gen in die Sphäre sei­nes Gesprächs­part­ners been­den, um die­sen mög­lichst wenig zu beläs­ti­gen.
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Die Krawatte als Ausdruck der Bescheidenheit

In unse­rer Ein­füh­rung zur Serie über Stil haben wir bereits dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ein Groß­teil der heute gül­ti­gen Benimm­kon­ven­tio­nen will­kür­lich aus­ge­wählte Sym­bole sind, die eine Wert­schät­zung der Mit­men­schen demons­trie­ren sol­len. Bes­tes Bei­spiel für solch ein Sym­bol ist die oft unge­liebte Kra­watte. Sie erfüllt kei­nen funk­tio­na­len Zweck, son­dern schränkt im Gegen­teil nur die eigene Frei­heit ein. Dahin­ter steckt System.

Warum beste­hen Per­so­nal­chefs auf Kra­wat­ten­z­wang für Mit­ar­bei­ter mit Kun­den­kon­takt? Wieso muss es immer so förm­lich sein, wenn ein Vor­stel­lungs­ge­spräch ansteht? Es gibt eine bes­sere Begrün­dung als „weil sich das so gehört“. […] → zu Ende lesen



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