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	<title>Kontextschmiede &#187; Stil</title>
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	<description>Wir schaffen Zusammenhänge</description>
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		<title>Seid gegrüßt, Euer Diskurshoheit</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 17:36:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stil]]></category>
		<category><![CDATA[meinungsstark]]></category>

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		<description><![CDATA[Der päpstliche Bannstrahl trifft den deutschen Diskurs an empfindlicher Stelle. Der des Sprachpapstes, wohlgemerkt. »Geschwätz«, hat er gesagt, und qua seines Amtes wird damit einem Großteil derjenigen, die sich der deutschen Sprache für ihre Teilnahme an öffentlichen Gesprächen bedienen, die Daseinsberechtigung in diesen Diskursen abgesprochen.
Wolf Schneider hat in seinem Leben sicherlich viel Richtiges gesagt. Wo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der päpstliche Bannstrahl trifft den deutschen Diskurs an empfindlicher Stelle. Der des Sprachpapstes, wohlgemerkt. »<a  title="Interview mit Wolf Schneider: Die meisten Blogs sind Geschwätz" href="http://www.tagesspiegel.de/medien/die-meisten-blogs-sind-geschwaetz/1814164.html" target="_blank">Geschwätz</a>«, hat er gesagt, und qua seines Amtes wird damit einem Großteil derjenigen, die sich der deutschen Sprache für ihre Teilnahme an öffentlichen Gesprächen bedienen, die Daseinsberechtigung in diesen Diskursen abgesprochen.</p>
<p>Wolf Schneider hat in seinem Leben sicherlich viel Richtiges gesagt. Wo er jedem Autoren, jeder Autorin empfiehlt, sich selbst der größte Kritiker zu sein, da fällt es schwer, ihm nicht beizupflichten, der er gleichzeitig ein großer Fan seines eigenen Schaffens ist. Wolf Schneider tut allerdings trotz all seiner Bemühungen um klare Sprache und Verständlichkeit dem Diskurs nicht nur unrecht, er beschädigt ihn durch seine bloße Anwesenheit. Dafür kann er nichts, zumindest wird er es kaum gewollt haben. Und doch ist es seine Funktion in diesem Diskurs, die Rolle als Sprachpapst, als letztinstanzliche Autorität, die ihn zum traurigen Fanal des Scheiterns von Verständigung macht.<span id="more-2644"></span></p>
<p>Deutsche Diskussionen kranken nämlich häufig daran, dass Autoritäten wichtiger als Argumente sind. Der Sprachpapst ist selbst das beste Beispiel, denn seinen Worten wird dank seiner Autorität Gehör geschenkt, auch da, wo sie wenig überzeugend sind. Seine Autorität geht so weit, dass die ästhetischen Urteile Wolf Schneiders über Sprache zum Maßstab für richtig und falsch werden. Dabei ist er eigentlich ein Freund des <a  title="Wolf Schneider: Die Macht der Bilder" href="http://www.mehner.info/html/macht_der_bilder.html" target="_blank">gepflegten Lutherwortes</a>: Den Leuten auf’s Maul schauen. Geil, mag der unbedarfte Leser glauben.</p>
<p>Der gleiche Schneider, der eine <a  title="Wolf Schneider: Sprachlese - Der Bevölkerung auf's Maul geschaut" href="http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/eaff7374-427f-4a68-96c1-75a6e0249473.aspx" target="_blank">Kolumne</a> nach dem geflügelten Wort Luthers benennt und dessen Bibelübersetzung ob ihrer bildhaften Wortgewalt preist, sagt aber auch:</p>
<blockquote><p>Was die Leute reden ist nicht mein Thema, sondern was Journalisten  schreiben.</p>
</blockquote>
<p>Und findet in Fernsehtalkshows nebenbei, dass der Duden dummerweise den Sprachgebrauch der Leute registriere, selbst »wenn er falsch ist«. Denn was richtig und falsch ist und wie das Volk zu sprechen habe, das bestimmt in Deutschland, die wir ja schließlich Papst sind, der Sprachpapst immer noch selbst. Dessen Wort ist Gesetz auch dafür, wie Journalisten und nun also junge Autoren zu schreiben hätten, wollten sie verstanden werden.</p>
<p>Wolf Schneider mag ein großartiger Stilist sein. Er beweist nur leider wenig Expertise, wie Sprache funktioniert. Warum also bringt die Sprachgemeinschaft Luthers nicht die Kraft auf, sich gegen zur Institution gewordene Vorurteile zur Wehr zu setzen? Es sind Vorurteile über Sprache, die zur Bewertungsgrundlage für richtig und falsch werden. Schneiders ästhetisches Empfinden ist der Maßstab, statt dass Verständlichkeit die Ultima Ratio für den journalistischen Sprachgebrauch darstellt. Die Korrektheitsdoktrin geht über Verständigung. Dabei gilt es sich doch eigentlich nicht an Luthers Sprache auszurichten, sondern an seinem Willen, sich den Menschen in ihrer Sprache zu nähern, wenn sie die Botschaft verstehen sollen.</p>
<blockquote><p>Many of the rules that editors and other  grammatical zealots wave about  like cudgels are arbitrary and destined  to be swept aside as words and  usage evolve. <a  title="Rezension zu: The Lexicographer's Dilemma (Jack Lynch) The New  York Times" href="http://www.nytimes.com/2010/01/01/books/01book.html" target="_blank"><cite>Neil  Genzlinger</cite></a></p>
</blockquote>
<p>Es gibt sehr wohl andere Kriterien für den gelungenen Nutzen vom Kommunikationswerkzeug Sprache als das ästhetische Urteil sprachkonservativer Autoritäten. Leider finden <a  title="Anatol Stefanowitsch: Sprachlog" href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog" target="_blank">sprachwissenschaftlich fundierte</a> <a  title="Anatol Stefanowitsch: Archiv des alten Sprachlogs" href="http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2008/04/16/sick-of-sick/" target="_blank">Bewertungen</a> in der deutschen Öffentlichkeit kaum Gehör. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit, die von der Priesterkaste der schneiderschen Lehre bedient wird. Dabei hat der Journalismus, der seinen Standesdünkel gern als Monstranz vor sich herträgt, doch den Anspruch, stellvertretend für die Gesellschaft einen Diskurs zu führen. Wenn er dabei weniger Rücksicht auf überkommene Dogmen nähme und sich weniger an Autoritäten als vielmehr der Qualität der Argumente orientieren würde, könnten die Leser vielleicht auch häufiger etwas Neues lernen. Zumindest, wenn es um Sprache geht.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/seid-gegrust-euer-diskurshoheit//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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<li><a href='http://kontextschmiede.de/kurioses-aus-dem-sommerloch-rob-friend-hugo-almeida/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Kurioses aus dem Sommerloch: Rob Friend &amp; Hugo Almeida (Update)'>Kurioses aus dem Sommerloch: Rob Friend &amp; Hugo Almeida (Update)</a></li>
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		<title>Para Tango</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 23:23:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>maks</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stil]]></category>

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		<description><![CDATA[Düsseldorf, März 2010. Im Tanzhaus-NRW fand am Wochenende vom 12 auf den 14 März ein Tangofestival statt. In den hellen Hallen des ehemaligen Strassenbahndepots tanzten Tangueras und Tangueros aus Argentinien, Schweiz und Deutschland. In der Landeshauptstadt gibt es ohnehin viele Möglichkeiten, beinah jeden Tag zu einer Milonga, einem Tango – Tanzabend, zu gehen. Tango Argentino [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Düsseldorf, März 2010. Im <a  href="http://www.tanzhaus-nrw.de/de/festivals/spielplan/detail.php?id=5&#038;month=">Tanzhaus-NRW</a> fand am Wochenende vom 12 auf den 14 März ein Tangofestival statt. In den hellen Hallen des ehemaligen Strassenbahndepots tanzten Tangueras und Tangueros aus Argentinien, Schweiz und Deutschland. In der Landeshauptstadt gibt es ohnehin viele <a  href="http://www.tango-ruhrgebiet.de/tango_tanzen.html">Möglichkeiten</a>, beinah jeden Tag zu einer Milonga, einem Tango – Tanzabend, zu gehen. <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tango_Argentino">Tango Argentino</a> ist die häufigste Form des Tanzes, die bei den Milongas praktiziert wird. Es gibt keine festgelegte Schrittabfolge. Der führende Tänzer bewegt den folgenden Partner durch den Raum und um seine Körperachse — Ganchos, Sacadas, Boleos, Ochos… die Beine spielen um und am Tanzpartner herum, die Körper sind in einer festen Umarmung.</p>
<p>Führen können und führen lassen – das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für diesen anspruchsvollen aber zugleich sehr <a  href="http://www.welt.de/wissenschaft/article4707047/Mehr-Sex-und-weniger-Stress-durch-Tango-Tanz.html">intensiven</a> Paartanz. Tango wurde von UNESCO als »kulturelle Identität« bezeichnet und zum <a  href="http://www.derwesten.de/kultur/Tango-ist-jetzt-Weltkulturerbe-id260862.html">Weltkulturerbe</a> ernannt — Identität, die weit über die Grenzen von <a  href="http://www.tangosaires.com/">Argentinien</a> ihre Geltung fand, ob in Japan, Finnland oder Deutschland – ein Lebensgefühl, das einen nicht mehr los läßt, sobald es Mann oder Frau in seinen Bann gezogen hat.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/para-tango//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Das Wohlfühlprogramm der klassischen Nassrasur</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 16:35:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stil]]></category>
		<category><![CDATA[hilfreich]]></category>
		<category><![CDATA[video]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein guter Vorsatz passt immer: Sich auch mal etwas Gutes tun. Manchmal ist dafür die Rückbesinnung auf alte Bräuche das Mittel der Wahl. Früher war ja nicht alles schlechter.
Ganz im Gegenteil sind manche Entwicklungen des Konsumverhaltens geradezu skurril. Wir kaufen ständig Krempel, den wir nicht brauchen. Produktentwicklung wird von der Marketingabteilung gesteuert, damit bunte Gimmicks [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein guter Vorsatz passt immer: Sich auch mal etwas Gutes tun. Manchmal ist dafür die Rückbesinnung auf alte Bräuche das Mittel der Wahl. Früher war ja nicht alles schlechter.</p>
<p>Ganz im Gegenteil sind manche Entwicklungen des Konsumverhaltens geradezu skurril. Wir kaufen ständig Krempel, den wir nicht brauchen. Produktentwicklung wird von der Marketingabteilung gesteuert, damit bunte Gimmicks in der Werbung Unterscheidbarkeit der sonst beliebigen Marken gewährleisten können.</p>
<p>Systemrasierer mit atomgetriebener Laservibration und 12 beweglichen, kryptonitbeschichteten Klingen zum Beispiel bieten kaum Fortschritt an Komfort. Dafür sind sie ein evolutionärer Höhepunkt der werbeinduzierten Geldvernichtung. Im Badezimmerschrank stehen sie meist unweit eines Produktes, das direkt aus der Hölle in die Supermarktregale aufsteigt: Dosenschaum.<span id="more-2166"></span></p>
<p>Der versprochene Zugewinn an Bequemlichkeit und die Zeitersparnis gegenüber dem von Hand aufgeschlagenen Rasierschaum werden teuer erkauft. Rasierschaum aus der Dose fehlt die alkalische Qualität von Seife, die das Barthaar aufweicht. Vor allem aber fehlt ihm Wasser, der beste Gleitfilm für die Rasierklinge.</p>
<p>Statt die Rasur als notwendiges Übel zu begreifen und dem Gott des Fernsehmarketings zu opfern, kann Mann sich besser die Rasur als kleines Wellnessprogramm erobern. Warmer Seifenschaum ist eine Wohltat, die Regelmäßigkeit verdient (und auch für weibliche Depilation keine Wünsche offen lässt). Sich für das Aufschäumen, das Einseifen, sorgfältiges Rasieren und die Hautpflege eine Auszeit von mindestens fünf Minuten zu gönnen, bringt ein unverhofftes Maß an gewonnener Lebensqualität.</p>
<p>Rasierklingen für den Hobel sind weitaus günstiger als die für den Systemrasierer. Rasiercreme oder Seife hält merklich länger als die Dose. Die klassische Nassrasur ist überdies hautverträglicher als das hastige Schubbern mit teuren Convenience-Produkten. Dadurch reduzieren sich auch eingewachsene Barthaare und Hautrötungen. Eine Gefahr bleibt natürlich. Die Rasur kann zum <a  title="Das Nassrasur Forum" href="http://forum.nassrasur.com/" target="_blank">aufwändigen Hobby</a> mit ganz eigenen Dogmen und Statussymbolen werden.</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
        	<br />
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        </p><p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/das-wohlfuhlprogramm-der-klassischen-nassrasur//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Der Knigge als Sprungbrett ins Fettnäpfchen: Andere Länder, andere Sitten</title>
		<link>http://kontextschmiede.de/gesellschaftliche-konventionen-sind-fettnapfchen/</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Jun 2009 15:19:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stil]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man in Deutschland jemandem eine Frage stellt, ist es ein Gebot der Höflichkeit, dessen Antwort abzuwarten. Selbst wenn sich nicht alle an diese Konvention halten, ist sie doch gemeinhin als Regel akzeptiert. In der Begegnung mit anderen Kulturen fällt einem deswegen manchmal erst spät auf, dass die Regeln, mit denen wir aufgewachsen sind, alles [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="cap"><span>W</span></span><em class="update">enn man in Deutschland jemandem eine Frage stellt, ist es ein Gebot der Höflichkeit, dessen Antwort abzuwarten. Selbst wenn sich nicht alle an diese Konvention halten, ist sie doch gemeinhin als Regel akzeptiert. In der Begegnung mit anderen Kulturen fällt einem deswegen manchmal erst spät auf, dass die Regeln, mit denen wir aufgewachsen sind, alles andere als selbstverständlich sind. Im konkreten Fall kann es ein sehr langwieriges und unangenehmes Unterfangen sein, in Japan nach dem Weg zu fragen.</em></p>
<p>Gesetzt den Fall, man findet überhaupt einen Ansprechpartner, dem man sich verständlich machen kann, muss man hoffen, dass der Gesprächspartner die Antwort auch wirklich weiß. Zumindest, wenn man kein Experte in japanischer Etikette ist. Man kann natürlich gemäß der deutschen Konvention höflich abwarten, bis der Passant, den man nach dem Weg zum laut Reiseführer stadtbekannten Restaurant gefragt hat, seine Ausführungen beendet. Allerdings kann man dann unter Umständen zuhören, bis die Sonne untergeht.<br />
<q class="pullquote">Höflichkeit ist eine universelle Tugend. Die Regeln der Höflichkeit aber sind alles andere als universell.</q><br />
Im Land der aufgehenden Sonne sind die Rollen in der Gesprächsführung nämlich anders angelegt als in Deutschland. Hier ist es der Fragende, der höchste Sorgfalt wahren muss, sein Gegenüber nicht bloßzustellen. Er sollte zum frühestmöglichen Zeitpunkt das Eindringen in die Sphäre seines Gesprächspartners beenden, um diesen möglichst wenig zu belästigen.<br />
<span id="more-1235"></span><br />
Da man in Japan darauf bedacht ist, seinen Mitmenschen mit einem großen Maß an Entgegenkommen zu begegnen, wird ein Angesprochener alles Erdenkliche tun, um seinen Fragesteller zu befriedigen. Selbst wenn er die Antwort nicht weiß. In der Not wird er die wildesten Anekdoten spinnen und diese mit Hinweisen würzen, doch bitte nicht weiter auf eine Antwort zu warten. Allerdings wird er nicht direkt zugeben, die Antwort nicht zu wissen. Er erwartet vom Fragesteller vielmehr, ihm diesen Gesichtsverlust zu ersparen.</p>
<p>Wenn man also in Tokio auf die Frage nach dem Weg zum <a  href="http://www.youtube.com/watch?v=SBM_QXLdUpQ&#038;feature=related" title="Youtubelink Jirolied aus einer japanischen Fernsehshow">berühmten</a> <a  href="http://www.youtube.com/watch?v=HY1MHBMP1ig&#038;feature=related" title="Youtubelink Innenansicht JiroRamen am Mita Campus">Nudelsuppentempel</a> <a  href="http://www.youtube.com/watch?v=7OFuf41-WsE&#038;feature=related" title="Youtubelink für Diätverächter zum Nachkochen - Nudeln japanisch Rocken!">Jiro Ramen</a> nicht direkt eine konkrete Antwort bekommt und etwa eine Geschichte wie diese hört, muss man umdenken:</p>
<blockquote><p>Jiro Ramen, ja das ist doch dieses bekannte Restaurant. Wo war das noch gleich? Jetzt ist es mir gerade entfallen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, meine Tochter hat mal etwas davon erzählt. Das liegt doch hier in diesem Viertel, nicht wahr? Die machen bestimmt tolle Nudeln. Jiro Ramen meinten Sie doch? Das Nudelhaus? Es fällt mir bestimmt wieder ein. Das ist mir ein bisschen unangenehm, Entschuldigung. Es gibt ja viele Restaurants hier in dieser Gegend. Sehr viele Nudelrestaurants, da fällt es schwer, sich alle zu merken. Es ist ja auch für jeden Geschmack etwas dabei. Ich muss mich mal kurz orientieren. Wir sind hier vor dem Mita-Bahnhof. Dann ist die Mitsui-Sumitomo gleich um die Ecke. Wissen Sie, wenn Sie an der großen Kreuzung rechts gehen, laufen Sie bald auf das Universitätsgebäude zu. Da kommen Sie auch an vielen Restaurants vorbei. Aber wo war jetzt noch mal Jiro Ramen? Da wollten Sie doch hin, nicht wahr? Man hört ja immer wieder etwas Neues über Nudelrestaurants…<cite>Japanischer Passant</cite></p></blockquote>
<p>Angesichts eines solch verzweifelten Ringens um Hilfe ist es höchste Zeit, den Passanten aus seinem Elend zu erlösen und ihn mit einer Entschuldigung zu unterbrechen. „Ach, verzeihen Sie die Störung, gerade fällt es mir selbst wieder ein. Vielen Dank für Ihre Mühe.“ Damit erlaubt man ihm, sein Gesicht zu wahren und verhält sich gemäß der japanischen Sitte. Eine Antwort wird man ohnehin nicht erhalten. Sich in dieser Situation gemäß der deutschen Höflichkeit zu verhalten, wäre äußerst unangemessen.</p>
<p>Anhand dieser Episode kann man sich vielleicht vor Augen führen, wie schnell Missverständnisse in der Begegnung von Kulturen entstehen. Die eigenen Regeln der Höflichkeit zu befolgen kann einen schnell ins Fettnäpfchen treten lassen, wenn man vergisst, wie willkürlich diese sind. Höflichkeit ist eine universelle Tugend. Die Regeln der Höflichkeit aber sind alles andere als universell.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/gesellschaftliche-konventionen-sind-fettnapfchen//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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<li><a href='http://kontextschmiede.de/geschlechterverwirrung/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Geschlechterverwirrung'>Geschlechterverwirrung</a></li>
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		<series:name><![CDATA[Stilberatung]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Die Krawatte als Ausdruck der Bescheidenheit</title>
		<link>http://kontextschmiede.de/krawatte-bescheidenheit/</link>
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		<pubDate>Fri, 19 Jun 2009 10:37:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stil]]></category>
		<category><![CDATA[hilfreich]]></category>
		<category><![CDATA[video]]></category>
		<category><![CDATA[zeitlos]]></category>

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		<description><![CDATA[In unserer Einführung zur Serie über Stil haben wir bereits darauf hingewiesen, dass ein Großteil der heute gültigen Benimmkonventionen willkürlich ausgewählte Symbole sind, die eine Wertschätzung der Mitmenschen demonstrieren sollen. Bestes Beispiel für solch ein Symbol ist die oft ungeliebte Krawatte. Sie erfüllt keinen funktionalen Zweck, sondern schränkt im Gegenteil nur die eigene Freiheit ein. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="cap"><span>I</span></span><em class="update">n unserer <a  href="/etikette/">Einführung</a> zur Serie über Stil haben wir bereits darauf hingewiesen, dass ein Großteil der heute gültigen Benimmkonventionen willkürlich ausgewählte Symbole sind, die eine Wertschätzung der Mitmenschen demonstrieren sollen. Bestes Beispiel für solch ein Symbol ist die oft ungeliebte Krawatte. Sie erfüllt keinen funktionalen Zweck, sondern schränkt im Gegenteil nur die eigene Freiheit ein. Dahinter steckt System.</em></p>
<p>Warum bestehen Personalchefs auf Krawattenzwang für Mitarbeiter mit Kundenkontakt? Wieso muss es immer so förmlich sein, wenn ein Vorstellungsgespräch ansteht? Es gibt eine bessere Begründung als „weil sich das so gehört“.<span id="more-1036"></span><br />
<q class="pullquote">Eine Krawatte macht immer einen schlanken Fuß.</q><br />
Indem ich mich freiwillig einem gewissen Maß an Unbequemlichkeit aussetze, zeige ich deutlich, dass ich meine Freiheit einschränken will. Damit werte ich gleichzeitig die Freiheit meiner Mitmenschen auf, denn wie uns die Philosophen erklären, endet persönliche Freiheit da, wo die Freiheit des Nächsten beginnt. Mit meiner Bereitschaft, ein gewisses Maß an eigentlich überflüssiger Arbeit zu investieren, zeige ich: Du bist mir wichtig genug, dass ich mir dieses unnütze Stück Stoff um den Hals schlinge. In diesem Bewusstsein getragen, ist der Binder Ausweis von Bescheidenheit statt Geckentum.</p>
<p>Die Krawatte erfordert indessen nur ein sehr humanes Maß an Selbstbeschränkung, wenn wir die im wörtlichen Sinne atemberaubenden Korsagen vergangener Epochen als Vergleich bemühen. Da ist der Strick aber das weitaus kleinere Übel, meine Herren! Überhaupt kann man feststellen, dass es doch ein großes Ungleichgewicht an Beschränkungen für Herren und Damen gibt. Da wir uns aber an dieser Stelle nicht mit einer feministischen Betrachtung beschäftigen, soll folgender Verweis genügen: Wenn Konventionen einmal festgelegt sind, erschaffen sie durch gesellschaftlichen Druck natürlich auch ein hohes Maß an fremdbestimmten Beschränkungen.</p>
<p>Aufklärung schafft Selbstbestimmung. Durch eine Beschäftigung mit den historischen Ursprüngen der <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Krawatte" title="Wikilink Krawatte">Krawatte</a>, mit ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und mit ihrer Kuriosität, eine <a  href="http://www.tcm.phy.cam.ac.uk/~ym101/tie4/long_article.pdf" title="PDF: Fink &#038; Mao - Tie knots random walks and typology">echte Wissenschaft</a> zu sein, emanzipiert sich der Krawattenträger vom Joch des „Müssens“. Vielleicht trägt er dann häufiger auch in privatem Umfeld Schlips. </p>
<p>Eine Krawatte macht nämlich immer einen schlanken Fuß und erweitert das modische Repertoire des Herren (aber auch der Damen, die sich genau so bewusst von Konventionen emanzipieren sollten, wie männliche Krawattenknechte) ungemein. Mit einer überlegt gewählten äußeren Erscheinung demonstriert man keinesfalls Oberflächlichkeit. Wenn man seine Handlungen begründen kann, statt sich sklavisch an Knigge-Regeln zu halten, erwächst womöglich Selbstbewusstsein und Bescheidenheit aus Stil. Dann bekommt die Entscheidung gegen die Krawatte oder für einen ganz besonderen Knoten gleich ein ganz anderes Gewicht. Zumindest für den Träger. </p>
<p>Vielleicht entwickelt er oder sie dann auch das Fingerspitzengefühl, zu wissen, wann ein Beharren auf den Zwängen der Kleiderordnung fehl am Platz ist. Barack Obama hat sich jedenfalls sehr bewusst gegen den Zwang zum Sakko im weißen Haus entschieden — und demonstriert so Hemdsärmeligkeit.</p>
<p>Ausgefallenere Knoten als die aus dem Video (zum Beispiel den Monsterknoten des „Merowingers“ aus den Matrix-Filmen) <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Krawattenknoten" title="Wikilink Krawattenknoten">findet man übrigens bei Wikipedia</a>. Da waren womöglich Krawattennerds am Werk.</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
        	<br />
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		<title>Stilberatung — Etikette und Benimm</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Jun 2009 19:05:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stil]]></category>
		<category><![CDATA[analytisch]]></category>
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		<description><![CDATA[Etikette (oder auch Protokoll) ist nichts, wovon man sich verunsichern lassen sollte. Beides sind nichts weiter als willkürlich festgeschriebene Konventionen über zwischenmenschliches Verhalten. Die Regeln, die im historischen Gebrauch festgelegt wurden, nehmen allerdings eine gefühlte Wichtigkeit und Starrheit an, die über die eigentliche Ursache der Gründung solcher Regeln hinwegtäuscht. Weil gutes Benehmen eine Umdeutung in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="cap"><span>E</span></span><em class="update">tikette (oder auch Protokoll) ist nichts, wovon man sich verunsichern lassen sollte. Beides sind nichts weiter als willkürlich festgeschriebene Konventionen über zwischenmenschliches Verhalten. Die Regeln, die im historischen Gebrauch festgelegt wurden, nehmen allerdings eine gefühlte Wichtigkeit und Starrheit an, die über die eigentliche Ursache der Gründung solcher Regeln hinwegtäuscht. Weil <em>gutes Benehmen</em> eine Umdeutung in <em>richtiges Benehmen</em> erfuhr, erhalten Benimmregeln eine Aura von Wichtigkeit, die für manchen geradezu einschüchternd wirkt. Dieser Artikel bildet den Auftakt zu einer Reihe über gesellschaftliche Konventionen und ihre Ursprünge, die sich gegen den erhobenen Zeigefinger und Anspruch auf Richtigkeit richtet und einen neuen Zugang zu »gutem Stil« bieten möchte.</em> <q class="pullquote">Wer sich aufrichtig bemüht, zuvorkommend und respektvoll zu sein, zeigt immer gutes Benehmen</q></p>
<p>Mit der Überhöhung der Bewertung von <em>richtig</em> und <em>falsch</em> wird Benimm zu einem Instrument der Abschottung sozialer Schichten. Die »feinere Gesellschaft« erhöht ihren Status über die zumeist ohnehin schon bestehenden finanziellen Unterschiede und dem Unterschied des Bildungsgrades zu anderen gesellschaftlichen Schichten hinaus. Ihre Konventionen werden zum Vorbild und Maßstab für alle Mitglieder der Gesellschaft gemacht, obwohl die Kenntnis der teils völlig willkürlichen Regeln nicht in allen Schichten gleichermaßen verbreitet ist. Nicht ohne Grund sind es solche Benimmkonventionen, die in Zeiten gesellschaftlichen Wandels mit Eifer von den aufstrebenden Bevölkerungsschichten abgelehnt oder gar bekämpft werden, wie es zum Beispiel die 68er Generation im Moment ihres Aufbegehrens tat. Von den Werten anderer Generationen und Schichten sind es besonders die Benimmregeln, an denen sich als Symbol für das Überkommene die Geister entzünden.<br />
<span id="more-210"></span><br />
Selbst wenn die in Amerika beliebte Erklärung, warum die Amerikaner die Gabel mit der rechten Hand halten, wenn sie nicht gerade mit dem Messer schneiden, sich als Mythos herausstellt: Die Tatsache, dass die Amerikaner stolz darauf sind, ihre historische Unabhängigkeit von England mit einer Änderung der Tischsitten zu demonstrieren, mag als Beleg dienen für die Wichtigkeit, die dem Benimm als Symbol von kultureller Errungenschaft zukommt.</p>
<p>Dabei sind Benimmregeln im Grunde nichts anderes, als ihrer Sinnhaftigkeit beraubte, erstarrte Formulierungen der wichtigsten Regel menschlichen Zusammenlebens:</p>
<blockquote><p>
Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.<cite>Immanuel Kant</cite></p></blockquote>
<p>Wenn wir diese in vielen Versionen formulierte Richtlinie für moralisches Verhalten auf zwischenmenschliche Beziehungen anwenden wollen, bedeutet das für jeden Einzelnen, dass er sein Handeln zumindest grundsätzlich anhand gewisser Kriterien einschränken muss, damit ein gemeinschaftliches Zusammenleben funktioniert. Aus dem Bedürfnis Vieler, sich Regeln zu geben, die das Leben in einer Gemeinschaft angenehm machen, erwachsen Richtlinien für Verhalten, das die Freiheit des Mitmenschen würdigt, indem es die eigenen Freiheiten beschränkt. So lässt sich für jede Form der Etikette sagen, dass sie ursprünglich nur die Achtung vor dem Gegenüber demonstrieren sollte, indem sie symbolhaftig das eigene Verhalten einschränkend reglementiert.</p>
<p>Mit anderen Worten: Wer sich aufrichtig bemüht, zuvorkommend und respektvoll zu sein, zeigt immer gutes und richtiges Benehmen im ursprünglichen Sinne der Etikette. Es gibt schließlich <em>richtiges Benehmen</em> gar nicht in einem fest definierten Sinne. Die in Ratgebern und Handbüchern festgeschriebenen, codifizierten Regeln der Etikette haben nur einen fälschlicherweise zugewiesenen Status von absoluter Wahrheit und Richtigkeit bekommen. Dabei zeugt es gerade nicht von gutem Benehmen, wenn beispielsweise ein Hamburger Kaufmannssohn bei den Kumpels aus dem Bergbau zu Gast ist und sie mit seinem Festhalten an Ritualen, die nicht die ihren sind, brüskiert.</p>
<p>Im weiteren Verlauf der Reihe über Stil und Benehmen werden wir uns der konventionellen Regeln annehmen, aber auch einigen weniger wertgeschätzten Verhaltensweisen. Außerdem werden wir über kulturelle Differenzen berichten, die Sinnhaftigkeit mancher Regeln hinterfragen und ganz profane Tips zu Stilfragen abgeben. Gerade, wenn man die historischen und sozialen Zusammenhänge versteht, kann man vielleicht sogar ein gewisses Vergnügen am Spiel mit den Konventionen entwickeln. Es kann schließlich Spaß machen, das »Richtige« zu tun oder zu tragen. Vor allem kann das Wissen um Konventionen Halt bieten, um Selbstvertrauen in vielen Lebenslagen zu schöpfen. Und in diesem Licht betrachtet erscheint die ein oder andere allzu gestrenge Tante aus der Kindheitserinnerung womöglich gleich viel menschlicher.</p>
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