Manifest eines Fußballpuristen

Respek­tiere das Spiel. Es beginnt und endet auf dem Platz. Alles andere ist Nebensache.

Lerne das Spiel lesen, nicht die Ergebnisse.

Widme deine Lei­den­schaft dem Spiel, nicht der see­len­lo­sen Hülle des Events.

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WM-​​Taktikbericht: Ein Zwischenfazit

Zur WM habe ich mich auf tak­ti­sche Vari­an­ten gefreut und auf Inno­va­tio­nen durch Exo­ten gehofft. Anders als es die fast durch­weg nega­ti­ven Bewer­tun­gen der Vor­runde durch die Sport­be­richt­er­stat­tung erwar­ten lie­ßen, bin ich nicht ent­täuscht: Eine For­ma­tion ent­wi­ckelt sich spä­tes­tens mit die­sem Tur­nier vom Trend zum Stan­dard, wor­auf­hin neue For­ma­tio­nen erst rich­tig span­nend wer­den — und ein paar die­ser Ver­su­che, dem Stan­dard ein Schnipp­chen zu schla­gen waren gera­dezu spek­ta­ku­lär. […] → zu Ende lesen

Details bei der Fußballweltmeisterschaft

Die Bericht­er­stat­tung zur Welt­meis­ter­schaft in Süd­afrika ist breit gefä­chert: Neben der Auf­be­rei­tung für den Gele­gen­heits­fan fin­den sich dank des Medi­en­la­bors Inter­net auch Nischen für die Details des schö­nen Spiels. Wäh­rend das schon ein­schlä­gig zu nen­nende Zonal­mar­king sich bemüht, die Quan­ti­tät der Tak­ti­kana­ly­sen auf welt­meis­ter­li­ches Niveau zu heben, fin­den sich gra­fi­sche Detail­auf­nah­men auch auf Deutsch, zum Bei­spiel bei Johan Peter­sen. Eine beson­dere Perle möchte ich hier noch mal nach­drück­lich all jenen ans Herz legen, die Sport gerne aus wis­sen­schaft­li­cher Per­spek­tive betrachten:

Ross Tucker und Jona­than Dugass sind zwei Sport­wis­sen­schaft­ler aus Süd­afrika, deren Schwer­punkt in der Leis­tungs­dia­gnos­tik liegt. Auf »The Sci­ence of Sport« blog­gen sie dar­über, wie Tem­pe­ra­tur­un­ter­schiede sich auf Best­zei­ten im Mara­thon aus­wir­ken, über Doping, Ver­let­zungs­an­fäl­lig­keit, Trai­nings­steue­rung und mehr, und pünkt­lich zur WM im eige­nen Land blog­gen sie end­lich auch über Fuß­ball. […] → zu Ende lesen

Spielbericht: Bayern München gegen Olympique Lyon

Die Tak­tik­ta­fel wurde in die­ser Woche bei einem Expe­ri­ment der taz in ein neues Medium trans­por­tiert. Dort möchte man sehen, ob eine tak­ti­sche Ana­lyse neben der klas­si­schen Spiel­be­richt­er­stat­tung funk­tio­niert und natür­lich schauen, wie die Leser so eine Neue­rung anneh­men. Ich selbst ver­su­che ja mit die­ser Reihe, das Inter­esse für die Hin­ter­gründe des beau­ti­ful game beim Leser zu wecken, die mög­li­che Erklä­rungs­an­sätze bie­ten, wie der Fuß­ball funk­tio­niert. Dabei wer­den zwar man­che Berei­che des Sports ent­my­tho­lo­gi­siert, dafür aber erkennt der Betrach­ter viel­leicht eine  unge­ahnte Kom­ple­xi­tät des Spie­les und neue, span­nende Ein­drü­cke, die Fuß­ball immer wie­der reiz­voll machen. Nicht zuletzt den Spaß an Spie­len, die »nur was für Tak­tik­freunde sind«, wie es manch­mal abfäl­lig heißt. Nicht sel­ten übri­gens zu unrecht, weil Spiele auch ein­fach nur grot­ten­lang­wei­lig sein kön­nen. […] → zu Ende lesen

Erfolg im Fußball: Das Glück erzwingen

Es waren erfolg­rei­che Wochen für den Bran­chen­pri­mus der Bun­des­liga. Für die Tak­tik­ta­fel aber deut­lich ergie­bi­ger als eine Dis­kus­sion über Erfolg ist die Erkennt­nis: Das Ball­ge­schiebe, mit dem die Bay­ern ab und zu noch am Durch­hal­te­wil­len fuß­bal­le­risch limi­tier­ter Bun­des­li­gis­ten schei­tern, folgt immer offen­sicht­li­cher einem Plan. Das kann man in einer Liga, deren Fans bis heute zu gro­ßen Tei­len dem Hel­den­fuß­ball und der Über­hö­hung des indi­vi­du­el­len Genius frö­nen, kaum über­be­wer­ten. Nach vorne rich­tet es bei Bay­ern eben nicht aus­schließ­lich die indi­vi­du­elle Klasse der Offen­siv­spie­ler. Die spie­le­ri­sche Domi­nanz, die der FCB beson­ders im Hin­spiel gegen United ent­wi­ckelte, wurde von flei­ßi­gen und dis­zi­pli­nier­ten Arbei­tern im Kol­lek­tiv erzeugt.

Natür­lich sind in einem Sport, des­sen Spiel­ziel im Ver­gleich zu ande­ren Sport­ar­ten sel­ten erreicht wird, Ein­zel­ak­tio­nen häu­fig ent­schei­dend. Viel häu­fi­ger als etwa beim Bas­ket­ball oder beim Hand­ball kann ein ein­zi­ger Moment, ein Dribb­ling, ein Tor­schuss, das kom­plette Spiel ent­schei­den. Eine Abseits­ent­schei­dung, der Pfos­ten oder eine Rasen­un­eben­heit aber eben auch. Fuß­ball ist wegen der gerin­gen Anzahl an Toren anfäl­lig für den Zufall. Favo­ri­ten schei­tern viel häu­fi­ger am Under­dog, als in ande­ren Sport­ar­ten. Erst in der Summe vie­ler Spiele glei­chen sich die Zufälle aus. Eine 20% höhere Erfolgs­wahr­schein­lich­keit macht sich irgend­wann in der Tabelle bemerk­bar. […] → zu Ende lesen

Das Rubikonproblem im Fußball

Im letz­ten Teil der Tak­tik­ta­fel haben wir erläu­tert, wie Ent­schei­dun­gen das Spiel prä­gen. Dar­auf auf­bau­end wol­len wir uns heute kon­kre­ten Bei­spie­len wid­men, wie gute Spie­ler ihre Ent­schei­dun­gen tref­fen. Mein per­sön­li­cher Favo­rit ist der Schre­cken deut­scher Fans und inter­na­tio­na­ler Abwehr­rei­hen. Womög­lich wer­den wir sein Genie beim nächs­ten Cham­pi­ons­lea­gue­spiel der Ross­o­neri das letzte mal inter­na­tio­nal bewun­dern dür­fen. Filippo »Super­pippo« Inz­aghi.

Inz­aghi ist das posi­tive Bei­spiel für eine Mischung aus Abschluß­stärke (keine drei S in mei­nen Arti­keln!) und Abge­zockt­heit. Wenn Pippo in der Nach­spiel­zeit Elf­me­ter schin­det, muss er ja erst mal einen Dum­men fin­den, der ihn zu Fall bringt. Ein Freund von mir nannte Inz­aghi den letz­ten Assas­si­nen. Er erkennt die Schwä­che sei­nes Opfers, wie kein ande­rer Spie­ler, und beu­tet sie kon­se­quent aus. So einen Spe­zia­lis­ten kön­nen Fans wohl nur lie­ben, wenn er für das eigene Team spielt. Alle ande­ren fürch­ten ihn. Anders als der grin­sende Ohr­schrau­ber macht Inz­aghi aus sei­nen Absich­ten kei­nen Hehl und trägt die Aura des ruch­lo­sen Kil­lers mit Stolz. […] → zu Ende lesen



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