Das Rubikonproblem im Fußball

Im letz­ten Teil der Tak­tik­ta­fel haben wir erläu­tert, wie Ent­schei­dun­gen das Spiel prä­gen. Dar­auf auf­bau­end wol­len wir uns heute kon­kre­ten Bei­spie­len wid­men, wie gute Spie­ler ihre Ent­schei­dun­gen tref­fen. Mein per­sön­li­cher Favo­rit ist der Schre­cken deut­scher Fans und inter­na­tio­na­ler Abwehr­rei­hen. Womög­lich wer­den wir sein Genie beim nächs­ten Cham­pi­ons­lea­gue­spiel der Ross­o­neri das letzte mal inter­na­tio­nal bewun­dern dür­fen. Filippo »Super­pippo« Inz­aghi.

Inz­aghi ist das posi­tive Bei­spiel für eine Mischung aus Abschluß­stärke (keine drei S in mei­nen Arti­keln!) und Abge­zockt­heit. Wenn Pippo in der Nach­spiel­zeit Elf­me­ter schin­det, muss er ja erst mal einen Dum­men fin­den, der ihn zu Fall bringt. Ein Freund von mir nannte Inz­aghi den letz­ten Assas­si­nen. Er erkennt die Schwä­che sei­nes Opfers, wie kein ande­rer Spie­ler, und beu­tet sie kon­se­quent aus. So einen Spe­zia­lis­ten kön­nen Fans wohl nur lie­ben, wenn er für das eigene Team spielt. Alle ande­ren fürch­ten ihn. Anders als der grin­sende Ohr­schrau­ber macht Inz­aghi aus sei­nen Absich­ten kei­nen Hehl und trägt die Aura des ruch­lo­sen Kil­lers mit Stolz. […] → zu Ende lesen

Wahre Liebe — Bremer Fans versuchen Zuculinis Herz zu erobern

For­tuna Köln, sei­nes Zei­chens NRW-​​Ligist, hat über die Platt­form dein​fuss​ball​club​.de (DFC), über die auch die Kon­text­schmiede  berich­tete, vor gut einem Jahr für deutsch­land­weite Auf­merk­sam­keit gesorgt. Unter dem Motto »Manage ein ech­tes Fuß­ball­team!« neh­men der­zeit bei­nahe 11000 User mit pro­mi­nen­ter Unter­stüt­zung durch Sönke Wort­mann und Jens Nowotny Ein­fluss auf diverse Ent­schei­dun­gen rund um Mann­schaft und Ver­ein. Neben all­täg­li­chen Din­gen, wie der Mann­schafts­auf­stel­lung, steht zur Zeit bei­spiels­weise eine Abstim­mung über einen Antrag für die Lizenz zur Regionalliga-​​Saison 2010/​11 auf der Agenda der Teilnehmer.

Etwas sub­ti­ler wer­den Fans des SV Wer­der Bre­men im DFB-​​Pokal-​​Viertelfinale gegen 1899 Hof­fen­heim (Diens­tag, 09.02.2010, ab 20:15 live in der ARD) ver­su­chen, die Geschi­cke ihres Ver­eins zu beein­flus­sen: […] → zu Ende lesen

Entscheidungen im Fußball — von der Individualtaktik zur Mannschaftstaktik

Das Bes­sere ist der Feind des Guten. Diese Fest­stel­lung gilt ins­be­son­dere für den sport­li­chen Wett­kampf, folg­lich auch für den Fuß­ball. Es geht in jeder Stua­tion des Spiels darum, die bes­se­ren Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Die Grund­la­gen für diese Ent­schei­dun­gen wer­den zwar im Trai­ning gelegt, aber jeder Trai­ner muss schließ­lich Adi Preiß­ler zustim­men: »Ent­schei­dend is auf’m Platz.«

Het moei­li­jkste voor een coach is de spe­lers de keuze te laten. Maar dat is wel wat het is; voet­bal is een keuzesport.

Louis van Gaal

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Position vs Funktion — Begriffsklärung für die Taktiktafel

Ein Pro­blem, dem der geneigte Leser und natür­lich auch die Lese­rin in der Dis­kus­sion um Tak­tik im Fuß­ball begeg­net sein mag, ist die man­gelnde Klar­heit der Begriffe, mit denen han­tiert wird. Bevor wir uns im Fol­gen­den mit Stra­te­gien zur Tor­ver­hin­de­rung oder erfolgs­träch­ti­gen Offen­siv­be­mü­hun­gen beschäf­ti­gen, ist es viel­leicht ange­bracht, ein wenig über diese Begriffe nach­zu­den­ken. Zwei häu­fig pro­ble­ma­ti­sche Begriffe sol­len zur Erläu­te­rung als Bei­spiel die­nen: Posi­tion und Funktion.

1. Posi­tion

Die gän­gi­gen Erklä­rungs­an­sätze zu tak­ti­schen Vari­an­ten im Fuß­ball gehen davon aus, dass räum­li­che Kon­trolle eine ent­schei­dende Größe für das Spiel sei. Felix Magath ver­glich Fuß­ball tat­säch­lich ein­mal mit Schach, weil es ins­be­son­dere darum ginge, die Posi­tio­nie­rung der Spiel­fi­gu­ren oder Spie­ler in beson­ders gefah­ren­träch­ti­gen Räu­men in der Mitte des Spiel­fel­des zu kon­trol­lie­ren. […] → zu Ende lesen

Falsche Freunde im Fußball

Als fal­schen Freund bezeich­net man in Leh­rer­krei­sen jene Voka­beln einer Fremd­spra­che, die sich so sehr anhö­ren wie ein Wort aus der Mut­ter­spra­che, dass der Schü­ler gerne annimmt, das Wort schon zu ken­nen. Zwar fin­den sich ab und an tat­säch­lich Wör­ter in einer Fremd­spra­che, die der eige­nen Spra­che ent­lehnt sind. Lei­der ist die Bedeu­tung von gleich­lau­ten­den Wör­tern jedoch häu­fig grund­ver­schie­den. Ein eng­li­sches genie zum Bei­spiel ist ein deut­scher Fla­schen­geist. Die­ses Pro­blem, dass sich schein­bar bekannte Inhalte in ver­trau­ten Aus­sa­gen ver­ber­gen, macht auch vor dem Fuß­ball nicht halt.

Der Gefoulte schießt nie selbst: Ziem­lich egal und aus­län­di­schen Stür­mern ein ungläu­bi­ges Kopf­schüt­teln wert.Wenn über Fuß­ball gespro­chen wird besteht immer der Bedarf, die Kom­ple­xi­tät des Fuß­balls auf ein­fa­che Aus­sa­gen zu redu­zie­ren. Dabei scheint es den Prot­ago­nis­ten der Bericht­er­stat­tung aller­dings mehr um Kna­ckig­keit als um Rich­tig­keit der Aus­sage zu gehen. Ein Phra­sen­schwein adelt All­ge­mein­plätze noch zusätz­lich — anstatt hohle Phra­sen als sinn­frei zu ent­lar­ven, bekom­men sie den Anstrich der tri­via­len Sinn­haf­tig­keit. Dadurch wird die Ten­denz, dass im Fuß­ball alte Weis­hei­ten nie über­prüft wer­den, noch geför­dert: Die alten Sinn­sprü­che wer­den durch bloße Wie­der­ho­lung zur unan­greif­ba­ren Wahr­heit und es kom­men stets neue hinzu. Roland Loy ver­rich­tet im wahrs­ten Sinne Sisy­phus­ar­beit, wenn er ver­sucht, mit fal­schen »Wahr­hei­ten« auf­zu­räu­men. […] → zu Ende lesen

Bayerische Fähnchen im Wind

Neulich war zu lesen, Karl-​​Heinz Rum­me­nigge wolle Real Madrid im Falle des wei­te­ren Wer­bens um Bay­ern Mün­chens Super­star Franck Ribéry ver­kla­gen. In den wich­ti­gen und von Natur aus bereits unru­hi­gen Wochen der Som­mer­vor­be­rei­tung ist es dabei durch­aus ver­ständ­lich, dass die baju­wa­ri­sche Füh­rungs­riege emp­find­lich auf die stän­di­gen Stör­feuer aus der spa­ni­schen Haupt­stadt rea­giert. Zumal eine Kon­takt­auf­nahme mit einem Spie­ler ohne vor­he­rige Infor­ma­tion und Zustim­mung sei­nes der­zei­ti­gen Ver­eins gemäß den FIFA-​​Statuten erst sechs Monate vor Ver­trags­ende gestat­tet ist. Rum­me­nig­ges Dro­hung mag also ver­ständ­lich sein. Erst recht, wenn damit die Hoff­nung ver­bun­den ist, end­lich Ruhe an der Säbe­ner Straße ein­keh­ren zu las­sen. Den­noch, Bay­ern Mün­chens Vor­stands­vor­sit­zen­der winkt aus dem Glas­haus. Ein Kom­men­tar der Kon­text­schmiede.
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