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	<title>Kontextschmiede &#187; Fußball</title>
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		<title>WM-Taktikbericht: Ein Zwischenfazit</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 18:26:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur WM habe ich mich auf taktische Varianten gefreut und auf Innovationen durch Exoten gehofft. Anders als es die fast durchweg negativen Bewertungen der Vorrunde durch die Sportberichterstattung erwarten ließen, bin ich nicht enttäuscht: Eine Formation entwickelt sich spätestens mit diesem Turnier vom Trend zum Standard, woraufhin neue Formationen erst richtig spannend werden — und ein paar dieser Versuche, dem Standard ein Schnippchen zu schlagen waren geradezu spektakulär.<span id="more-2682"></span></p>
<p>Die <a  title="Football Further: How the quarter finalists line up" href="http://tomwfootball.wordpress.com/2010/06/30/world-cup-tactics-how-the-quarter-finalists-line-up/" target="_blank">meisten Teams</a> spielen in einem 4–2-3–1, von dem <a  title="Jonathan Wilson: Why has 4-4-2 been superseded by 4-2-3-1?" href="http://www.guardian.co.uk/football/blog/2008/dec/18/4231-442-tactics-jonathan-wilson" target="_blank">Jonathan Wilson</a> vor zwei Jahren bereits in seiner wunderbaren Serie zu Taktikfragen beim Guardian erklärt hat, wie es sich aus anderen Formationen entwickelt hat und welche Ausprägungen des Systems es gibt. Die komplett verschiedenen Spielanlagen von Teams bei der WM, die in diesem System spielen, dürften auch dem unbedarften Beobachter deutlich machen, dass zwei Stürmer nicht unbedingt für offensiven Fußball notwendig sind. Gleichzeitig sagt das <a  title="Formations: Cartesian coordinates or dasein" href="http://worldcupcollege.com/2010/06/18/formations-cartesian-coordinates-or-dasein/" target="_blank">System</a> wenig über die Taktik aus, die ein Team verfolgt. Berauschender Offensivfußball ist genau so möglich, wie die Igeltaktik.</p>
<p>Spannend sind die Details, in denen sich die Systeme trotzdem unterscheiden. Dank des 4–2-3–1 hat Deutschland ausgerechnet jenen Spielertypen abgeschafft, der eine recht junge Entwicklung ist und noch vor kurzem die vermeintlich wichtigste Position bekleiden sollte. Der »Sechser« nach Vorbild Claude Makeleles oder Didier Deschamps als Defensivspezialist hinter den kreativen Spielern existiert in der deutschen Ausprägung des Systems nicht mehr.</p>
<p>Statt dessen werden die defensiven Halbpositionen im Mittelfeld mit Schweinsteiger und Khedira von zwei Spielern besetzt, die bei Ballbesitz  extrem flexibel ihre Positionen in der Bewegung zu den  gegnerischen Ketten suchen — bis hin zur letzten Abwehrreihe. Dadurch  entstehen für das offensive Mittelfeld Räume zwischen den Reihen. Vorne rotieren die Spieler in ihren Positionen durch, jeder von ihnen fungiert mal als Stürmer, mal als Spielmacher. Deutschland spielt näher am Ideal des totaal voetbal als sonst ein Team  bei der WM mit diesem System.</p>
<h4>Es gibt sie noch, die Exoten</h4>
<p>Aber es gibt auch Teams mit anderen Formationen: Chile presste in einem <a  title="Zonalmarkin.net: Brazil 3 - 0 Chile" href="http://www.zonalmarking.net/2010/06/29/brazil-3-0-chile-tactics-bielsa-dunga/" target="_blank">3–3-3–1</a> einfach auf dem ganzen Feld und beeindruckte mit aggressivem Willen zur spielerischen Dominanz auch große Gegner. Mexiko wechselte zwischen mehreren Systemen hin und her, spielte mal mit drei, mal mit vier Verteidigern und bot spannende Offensivaktionen mit drei Angreifern auf einer Linie.</p>
<p>Und dann war da ja noch Nordkorea. So groß der Einbruch des Teams nach dem ersten Spiel war, so berauschend war die Defensivstrategie des »rope a dope«, bei der eine Fünferkette hinter einer Dreierkette sich mit dem Gegner  unter Druck bis fast zur Grundlinie fallen ließ, um den Druck sofort wieder nach vorne zu entladen und sich immer über die komplette Breite des Feldes dicht am Ball auszurichten. So eine flexible Wand funktioniert nur mit extremer Disziplin und Laufbereitschaft, aber davon hatten die Koreaner zur Genüge.</p>
<p>Obendrein waren sie in der Lage, bei Balleroberung sauber ausgespielte Konter zu fahren, wie Brasilien mehrfach erleben durfte. Diese Defensive bot einen Esprit auf, der nur von der dankbaren Angewohnheit der Spieler übertroffen wurde, nach Fouls einfach wieder aufzustehen. Meine Erwartung an die WM, auch exotische Strategien zu präsentieren, wurden also sowohl für die Defensive als auch für die Offensive voll erfüllt.</p>
<h4>Verkehrte Welt</h4>
<p>Spannend bleibt nun, ob sich Trends wie die Defensivspezialisierung der Doppelsechs und Außenverteidiger fortsetzen oder vielmehr <a  title="Jonathan Wilson: Where have box to box midfielders gone" href="http://www.guardian.co.uk/sport/blog/2009/apr/22/where-have-box-to-box-midfielders-gone" target="_blank">komplette Spieler eine Renaissance erleben</a>. Und ob sich Sacchis und Levanovskis Ideen vom fluiden System doch noch im 4–2-3–1 umsetzen lassen. Als Treppenwitz der Geschichte tritt obendrein Argentinien für den <a  title="Jonathan Wilson: Wil attacking full-backs win the competition?" href="http://www.guardian.co.uk/football/blog/2010/jun/17/world-cup-2010-full-backs" target="_blank">Heldenfußball </a>gegen Deutschland als Vertreter des Systemfußballs an. Der <a  title="Zonalmarkin.net: Argentina - Germany, tactical preview" href="http://www.zonalmarking.net/2010/07/01/argentina-germany-tactical-preview/" target="_blank">taktische Vorteil</a> liegt dabei eindeutig auf deutscher Seite, ein Grund mehr für mich, Löws Team die Daumen zu drücken.</p>
<p>Ein Fazit kann für das Turnier jetzt schon abschließend gezogen werden: Individuelle Klasse der Spieler allein reicht nicht aus. Frankreich, England und Italien hatten neben taktischer Defizite eindeutig ein weiteres Problem: Fußball wird tatsächlich auch im Kopf entschieden.</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
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        </p><p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/wm-taktikbericht-ein-zwischenfazit//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Details bei der Fußballweltmeisterschaft</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Jun 2010 15:42:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fußball]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Berichterstattung zur Weltmeisterschaft in Südafrika ist breit gefächert: Neben der Aufbereitung für den Gelegenheitsfan finden sich dank des Medienlabors Internet auch Nischen für die Details des schönen Spiels. Während das schon einschlägig zu nennende Zonalmarking sich bemüht, die Quantität der Taktikanalysen auf weltmeisterliches Niveau zu heben, finden sich grafische Detailaufnahmen auch auf Deutsch, zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Berichterstattung zur Weltmeisterschaft in Südafrika ist breit gefächert: Neben der Aufbereitung für den Gelegenheitsfan finden sich dank des Medienlabors Internet auch Nischen für die Details des schönen Spiels. Während das schon einschlägig zu nennende <a  title="Zonalmarkin.net - Taktikbesprechung auf Englisch" href="http://www.zonalmarking.net/" target="_blank">Zonalmarking</a> sich bemüht, die Quantität der Taktikanalysen auf weltmeisterliches Niveau zu heben, finden sich grafische Detailaufnahmen auch auf Deutsch, zum Beispiel bei <a  title="Johan Petersen: Südafrika vs Mexiko, das 1:0" href="http://werder-fussball-blog.net/2010/06/sudafrika-vs-mexiko-das-10/" target="_blank">Johan Petersen</a>. Eine besondere Perle möchte ich hier noch mal nachdrücklich all jenen ans Herz legen, die Sport gerne aus wissenschaftlicher Perspektive betrachten:</p>
<p>Ross Tucker und Jonathan Dugass sind zwei Sportwissenschaftler aus Südafrika, deren Schwerpunkt in der Leistungsdiagnostik liegt. Auf »<a  title="Ross Tucker &amp; Jonathan Dugas - The Science of Sport" href="http://www.sportsscientists.com/" target="_blank">The Science of Sport</a>« bloggen sie darüber, wie Temperaturunterschiede sich auf Bestzeiten im Marathon auswirken, über Doping, Verletzungsanfälligkeit, Trainingssteuerung und mehr, und pünktlich zur WM im eigenen Land bloggen sie endlich auch über Fußball.<span id="more-2670"></span></p>
<p>Bei all den vielen Faktoren, die über Sieg oder Niederlage entscheiden, ist physische Leistungsfähigkeit ein Bereich, in dem sich großes Erklärungspotential verbirgt. »<a  title="Ross Tucker - Physiology of football" href="http://www.sportsscientists.com/2010/06/physiology-of-football-profile-of-game.html" target="_blank">Physiology of football: profile of the game</a>« ist ein Beitrag, der die Komplexität der physischen Anforderungen des Spiels wunderbar veranschaulicht.</p>
<h4>Die Taktiktafel bei der WM</h4>
<p>Die Taktiktafel wirft einen Blick auf einzelne, interessante Details des Fußballs in Südafrika. Genau wie Blogs als Labor für neue Medienkonzepte dienen, stellt sich die WM auch immer wieder als Labor  für Fußballkonzepte dar. Trotz der weltweiten Kommunikationsnetzwerke und Scoutingabteilungen prallen Taktiken, Systeme und Spielanlagen aufeinander, die von ihren Fußballkulturen geprägt sind.</p>
<p>Dieses Aufeinandertreffen der Kulturen bietet wertvolles Anschauungsmaterial, aus dem wieder neue Trends entstehen. Vielleicht setzt das Torwartspiel bei der WM neue Maßstäbe? Die Spieleröffnung über den Torwart als taktisches Mittel, statt als Notlösung zu betrachten, könnte dank der südafrikanischen und deutschen Vorbilder zu einem prägenden Element des Fußballs werden.</p>
<p>Es gibt übrigens einen Faktor, der bei einem Turnier immer wieder von Bedeutung ist. Zuverlässig entscheidet die mentale Stärke eines Teams über das Weiterkommen. Deswegen ist es nach der Vorrunde viel zu früh, Favoriten schon abzuschreiben, nur weil deren Leistung (noch) nicht ihrem nominellen spielerischen Vermögen entspricht.</p>
<p>Enttäuschende Franzosen und statische Argentinier können sich im Verlauf des Turniers erst zusammenreißen. Momentum kann ein Team weit tragen, ein Phänomen, das besonders dem jeweiligen Gastgeber immer wieder zu überraschender Stärke verholfen hat.</p>
<p>Bleibt zu hoffen, dass die deutsche Mannschaft berauschenden Kombinationsfußball mit geistiger Frische und psychischer Stärke verbinden kann. Denn für den ganz speziellen Taktikfreund geht es alle vier Jahre zwar vor allem darum, Fußball aufzusaugen. In jedem verdammten Spiel. Aber wenn Deutschland spielt, dann muss die kalte Analyse hinter Endorphinen und Adrenalin zurückstehen. Euphorie pur. Endlich wieder WM. Viel Spaß uns allen!</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
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		<title>Spielbericht: Bayern München gegen Olympique Lyon</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 12:05:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Taktiktafel wurde in dieser Woche bei einem Experiment der taz in ein neues Medium transportiert. Dort möchte man sehen, ob eine taktische Analyse neben der klassischen Spielberichterstattung funktioniert und natürlich schauen, wie die Leser so eine Neuerung annehmen. Ich selbst versuche ja mit dieser Reihe, das Interesse für die Hintergründe des <em>beautiful game</em> beim Leser zu wecken, die mögliche Erklärungsansätze bieten, wie der Fußball funktioniert. Dabei werden zwar manche Bereiche des Sports entmythologisiert, dafür aber erkennt der Betrachter vielleicht eine  ungeahnte Komplexität des Spieles und neue, spannende Eindrücke, die Fußball immer wieder reizvoll machen. Nicht zuletzt den Spaß an Spielen, die »nur was für Taktikfreunde sind«, wie es manchmal abfällig heißt. Nicht selten übrigens zu unrecht, weil Spiele auch einfach nur grottenlangweilig sein können.<span id="more-2636"></span></p>
<p>Je nach Medium und der dort lesenden Zielgruppe muss ich abwägen, welche Kenntnisse ich beim Leser voraussetzen kann und was ich an Information einführen muss. Die entscheidende Limitierung in der Zeitung ist dabei natürlich der Platz. Ohne ein solches Limit ist die Aufmerksamkeitsspanne der Leser die Grenze für die Fülle von Informationen, die ich präsentieren will. Die kompakte Bewertung der taktischen Maßnahmen, die von Bedeutung für das Championsleaguehalbfinale waren, findet der Interessierte Leser oder die Leserin in der heutigen Ausgabe der taz. Hier auf der Kontextschmiede habe ich dafür eine detailliertere Zusammenfassung des Geschehens in einer Animation verarbeitet, um die jeweiligen Vorzüge des Mediums herauszustellen. Es bleibt dem Betrachter überlassen, das Experiment zu bewerten und den Transport von Information über die Medien hinweg einzuschätzen.</p>
<p>Falls die Bewertung positiv ausfällt, ist es natürlich im Sinne des Taktikfreundes, der taz in Leserbriefen seine oder ihre Zustimmung auch mitzuteilen. Bis auf weiteres war diese Zusammenarbeit nämlich nur ein einmaliger Versuch. Über Rückmeldungen freue ich mich natürlich immer ungemein, schließlich werde ich hier versuchen, aus den Erfahrungen neue Erkenntnisse abzuleiten.</p>
<p>Übrigens, bei allem Hang zur Kritik an der Fußballberichterstattung des   Mainstreams: Nicht nur der Blick in die SZ von heute sollte dem   anspruchsvollen Leser vor Augen führen, dass es so schlecht um   die Sportpresse in Deutschland nicht bestellt ist und auch taktische   Erwägungen längst Eingang in journalistische Betrachtungen von Fußball   gefunden haben. Es könnte halt nur immer etwas mehr sein.</p>
<h4>Meta-Analyse</h4>
<p>Weitere Informationen, die für Fußball uninteressant, aber für Medienschaffende vielleicht von Bedeutung sein könnten: Ich habe das Spiel nur im Fernsehen (auf meinem Computer) sehen können und mitgeschnitten. Zusätzlich zu meinen Notizen während des Spiels habe ich dann aus Standbildern verschiedener Perspektiven in Zeitlupen und Wiederholungen die Positionen der Spieler ermittelt. Der Arbeitsaufwand für die Analyse und die Vorlage, die ich den Grafikern bei der taz zugeschickt habe, liegt etwa bei sechs Stunden, von denen knapp drei Stunden meiner Unfähigkeit geschuldet sind, die der begleitende Redakteur Michael Brake in Telefonaten geduldig und hilfreich kompensiert hat.</p>
<p>Die Weiterverarbeitung der »Daten« in die Animation mit Keynote, die Nachvertonung und der Schnitt haben dann nochmal sechs Stunden gedauert. Für die Animationen kann ich mittlerweile auf einige Vorlagen und eine beginnende Routine zurückgreifen. Da besteht realistisch immer noch etwas Optimierungspotential, aber entscheidend ist vor allem, das theoretisch so eine Multimediaberichterstattung zeitnah am nächsten Mittag möglich wäre. Falls sich Onlinemagazine je dahingehend professionalisieren sollten, dass es Bedarf dafür gäbe, sollte ein Autor also einen hochwertigen Bericht binnen 24 Stunden liefern können.</p>
<p>Bleibt mir nur noch, mich noch einmal bei <a  title="Profil von Michael Brake bei der ZIA" href="http://www.zentrale-intelligenz-agentur.de/mitarbeiter/brake.html" target="_blank">Michael Brake</a>, der <a  title="Die taz" href="http://www.taz.de/" target="_blank">taz </a>und unseren Leserinnen und Lesern zu bedanken und viel Spaß mit der Analyse  der Championsleaguehalbfinalbegegnung (!) zwischen Olympique Lyon und dem FC Bayern München zu wünschen.</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
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<li><a href='http://kontextschmiede.de/herzlich-willkommen/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Herzlich Willkommen!'>Herzlich Willkommen!</a></li>
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		<title>Erfolg im Fußball: Das Glück erzwingen</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 18:49:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fußball]]></category>
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		<description><![CDATA[Es waren erfolgreiche Wochen für den Branchenprimus der Bundesliga. Für die Taktiktafel aber deutlich ergiebiger als eine Diskussion über Erfolg ist die Erkenntnis: Das Ballgeschiebe, mit dem die Bayern ab und zu noch am Durchhaltewillen fußballerisch limitierter Bundesligisten scheitern, folgt immer offensichtlicher einem Plan. Das kann man in einer Liga, deren Fans bis heute zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es waren erfolgreiche Wochen für den Branchenprimus der Bundesliga. Für die Taktiktafel aber deutlich ergiebiger als eine Diskussion über Erfolg ist die Erkenntnis: Das Ballgeschiebe, mit dem die Bayern ab und zu noch am Durchhaltewillen fußballerisch limitierter Bundesligisten scheitern, folgt immer offensichtlicher einem Plan. Das kann man in einer Liga, deren Fans bis heute zu großen Teilen dem Heldenfußball und der Überhöhung des individuellen Genius frönen, kaum überbewerten. Nach vorne richtet es bei Bayern eben nicht ausschließlich die individuelle Klasse der Offensivspieler. Die spielerische Dominanz, die der FCB besonders im Hinspiel gegen United entwickelte, wurde von fleißigen und disziplinierten Arbeitern im Kollektiv erzeugt.</p>
<p>Natürlich sind in einem Sport, dessen Spielziel im Vergleich zu anderen Sportarten selten erreicht wird, Einzelaktionen häufig entscheidend. Viel häufiger als etwa beim Basketball oder beim Handball kann ein einziger Moment, ein Dribbling, ein Torschuss, das komplette Spiel entscheiden. Eine Abseitsentscheidung, der Pfosten oder eine Rasenunebenheit aber eben auch. Fußball ist wegen der geringen Anzahl an Toren anfällig für den Zufall. Favoriten scheitern viel häufiger am Underdog, als in anderen Sportarten. Erst in der Summe vieler Spiele gleichen sich die Zufälle aus. Eine 20% höhere Erfolgswahrscheinlichkeit macht sich irgendwann in der Tabelle bemerkbar.<span id="more-2600"></span></p>
<p>Um so wichtiger ist es für die Trainer, den Zufall so weit wie möglich einzuschränken und die Erfolgswarscheinlichkeit zu erhöhen.  Jedes Prozent mehr zählt. Erfolg als solcher ist nicht planbar, aber Leistung, die für eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit steht, ist es sehr wohl. Louis van Gaal hat bei den Bayern eindrucksvoll gezeigt, dass die dort einstudierten Offensivbemühungen sein Team in die Lage versetzen, sich von den genialen Einzelaktionen seiner Stars zu emanzipieren. Das sollte gleichzeitig Warnung an all jene sein, die sich große Chancen ausrechnen, nur weil ein Superstar des Gegners sich verletzt. Natürlich kann ein herausragender Spieler immer wieder herausragende Leistungen zeigen. Aber Genialität ist leider nicht planbar, wehe, wenn es keinen Plan B für einen schlechten Tag gibt.</p>
<p>Wie groß der Anteil des <a  title="SpOn: Fußball ist Glücksspiel" href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,467126,00.html" target="_blank">Zufalls im Fußball</a> ist, können Statistiker mit ihren Modellen recht genau nachvollziehen. Einige <a  title="Gesammelte Studien auf Fußball-Ökonomie.de (PDFs)" href="http://www.fussball-oekonomie.de/Studien.htm" target="_blank">Studien</a> bemühen sich, die vielen Stellschrauben zu erkennen, an denen ein Trainer überhaupt drehen kann, um das Glück zu seinen Gunsten zu beeinflussen. In den Statistiken liegen Hinweise auf eine <a  title="Scinexx Dossier: Fußball" href="http://www.g-o.de/dossier-detail-403-6.html" target="_blank">Ordnung im Chaos</a> verborgen, die zu entschlüsseln neue Ansätze für Erfolg verspricht. Bücher wie die Fußball-Matrix und ein wachsender Trend zum Hinterfragen der Ursachen von Erfolg und Misserfolg in der Sportberichterstattung zeugen davon, dass immer mehr Fußballfreunde ihren Sport besser verstehen wollen. Nicht zuletzt in den neuen Medien kann der geneigte Leser seinen Horizont erweitern, wie bei <a  title="Die User arbeiten zusammen: Taktikecke" href="http://www.spox.com/myspox/group-blog/Taktikecke,178411.html" target="_blank">Spox</a> oder dem geschätzten Kollegen Petersen vom <a  title="Johan Petersen: Dortmund vs Werder, das 1:0" href="http://werder-fussball-blog.net/2010/04/dortmund-vs-werder-das-10/" target="_blank">Werder-Fußball-Blog</a>. Der Mythos des Fußballs wird um neue Kapitel erweitert, statt entzaubert, wenn wir nach und nach die Komplexität des Spiels begreifen und stets auf neue Geheimnisse stoßen.</p>
<p>Nun ist die Erkenntnis, dass der Zufall der Feind des planbaren Erfolges  ist, kein großes Geheimnis. Trotzdem hakt es bei vielen Teams an der  Akribie in der Umsetzung. Wie sonst ist zu erklären, dass <a  title="SZ: Interview mit Jens Lehmann Dezember 2008" href="http://www.sueddeutsche.de/sport/670/451384/text/4/" target="_blank">Jens Lehmann  im Interview</a> ausplaudert, Aleksander Hleb sei am Training bei Arsenal  fast verzweifelt, weil auch vermeintlich technisch beschlagene Stars  sich erst an die Intensität und die Geschwindigkeit des Trainings von  Arsene Wenger gewöhnen müssten? Fast wortgleich argumentiert Louis van  Gaal, wenn er erklären will, warum die Früchte seiner Trainingsarbeit  sich nicht sofort zeigten. Als Edgar Davids übrigens nach seiner Zeit in  Italien zu Gast bei van Gaal mittrainierte, konnte er sich fast nahtlos  in die Übungseinheiten einfügen. Die meisten davon kannte er noch aus  dem Training bei Ajax Amsterdam. Trainer, die das Offensivspiel  forcieren wollen, müssen Automatismen in die Köpfe ihrer Spieler  bekommen. Sonst sind sie dem Zufall ausgeliefert.</p>
<p>Wenn ein Trainer es jedoch schafft, seine Mannschaft taktisch zu schulen, kommt er dem Ziel des planbaren Erfolgs schon näher. Seine Mannschaft kann verlässlich häufiger eigene Großchancen herausarbeiten oder gegnerische Großchancen verhindern. Die Laufwege und Passwege sind so abgestimmt, dass es weniger auf den genialen Geistesblitz ankommt, sondern viel mehr die Genauigkeit der Umsetzung, die natürlich auch mit der individuellen Qualität der Spieler zunimmt. Wenn man sich das Angriffsspiel der Bayern in der Rückrunde anschaut, sieht man immer wiederkehrende Situationen. Da ist Struktur drin, oder das, was gerne auch als Handschrift eines Trainers bezeichnet wird.</p>
<p>Spieler auf der ballabgewandten Seite werden isoliert. Nach Ballgewinn fallen die Innenverteidiger zurück. Vertikale Pässe in der eigenen Hälfte bis zum gegnerischen Strafraum sind fast immer diagonal, auch die nach hinten. Die gegnerischen Außenverteidiger werden durch Hinterlaufen mit hohem Tempo weit zurückgedrängt. Und vor allem: Es gibt eindeutige Phasen im Angriffsspiel. Erst wenn gewisse Räume besetzt sind und der Ball dort gesichert werden kann, rücken die Abwehrketten nach und es werden andere Passwege gesucht. Bis irgendwann das Spiel komplett in die Hälfte des Gegners verlagert ist und die Spieler nur noch nach der Möglichkeit zum finalen Pass suchen. Beeindruckend.</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
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        </p><p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/erfolg-im-fusball-das-gluck-erzwingen//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Das Rubikonproblem im Fußball</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 12:53:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[analytisch]]></category>
		<category><![CDATA[hilfreich]]></category>
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		<description><![CDATA[Im letzten Teil der Taktiktafel haben wir erläutert, wie Entscheidungen das Spiel prägen. Darauf aufbauend wollen wir uns heute konkreten Beispielen widmen, wie gute Spieler ihre Entscheidungen treffen. Mein persönlicher Favorit ist der Schrecken deutscher Fans und internationaler Abwehrreihen. Womöglich werden wir sein Genie beim nächsten Championsleaguespiel der Rossoneri das letzte mal international bewundern dürfen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im letzten Teil der Taktiktafel haben wir erläutert, wie Entscheidungen das Spiel prägen. Darauf aufbauend wollen wir uns heute konkreten Beispielen widmen, wie gute Spieler ihre Entscheidungen treffen. Mein persönlicher Favorit ist der Schrecken deutscher Fans und internationaler Abwehrreihen. Womöglich werden wir sein Genie beim nächsten Championsleaguespiel der Rossoneri das letzte mal international bewundern dürfen. <a  title="Wikilink: Pippo Inzaghi" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Filippo_Inzaghi" target="_blank">Filippo »Superpippo« Inzaghi</a>.</p>
<p>Inzaghi ist das positive Beispiel für eine Mischung aus Abschlußstärke (keine drei S in meinen Artikeln!) und Abgezocktheit. Wenn Pippo in der Nachspielzeit Elfmeter schindet, muss er ja erst mal einen Dummen finden, der ihn zu Fall bringt. Ein Freund von mir nannte Inzaghi den letzten Assassinen. Er erkennt die Schwäche seines Opfers, wie kein anderer Spieler, und beutet sie konsequent aus. So einen Spezialisten können Fans wohl nur lieben, wenn er für das eigene Team spielt. Alle anderen fürchten ihn. Anders als der grinsende Ohrschrauber macht Inzaghi aus seinen Absichten keinen Hehl und trägt die Aura des ruchlosen Killers mit Stolz.<span id="more-2498"></span></p>
<p>Ein anderer Italiener legte vor etwas mehr als 2000 Jahren eine Volte hin, nach der ein <a  title="Wikilink: Rubikonmodell der Entscheidungsphasen" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rubikon-Modell_der_Handlungsphasen" target="_blank">Phänomen der Entscheidungspsychologie </a>benannt wurde, das im Fußball besondere Bedeutung hat. Mitsamt seinem Heer überquerte Gaius Iulius Caesar den Rubikon und machte damit seine Entscheidung, gegen den Senat Roms in den Krieg zu ziehen, unumkehrbar. Der <em>point of no return</em> der Entscheidungsfindung wurde obendrein in seinem oft falsch übersetzten Ausspruch pointiert beschrieben:</p>
<blockquote><p>Alea iacta est.</p>
<p><cite title="Gaius Iulius Caesar">Caesar</cite></p>
</blockquote>
<p>Der Würfel ist geworfen. Auch im Fußball gibt es immer wieder den Punkt, an dem die Entscheidung für eine Handlung unumkehrbar wird. Am deutlichsten wird das in Situationen, in denen Spieler den Abschluss suchen. Wenn Arjen Robben wieder einmal seine besser postierten Nebenspieler ignoriert und sein Dribbling mit einem Torschuss beendet, kann man manchmal sogar vorher schon den Punkt sehen, ab dem er nicht mehr in der Lage ist, die Situation neu zu bewerten. Dann geht der Kopf runter, der Tunnelblick fokussiert sich auf Ball und Gegenspieler. Halbwegs selbstkritisch bemerkte er im Interview nach dem Spiel gegen Mailand sogar, dass er eine schlechte Entscheidung getroffen habe, als er blind aufs Tor schoss, statt überlegt in die Ecke zu schieben. Er muss sich allerdings nicht zu sehr grämen. Das <a  title="Das Geheimnis des commitment erläutert am Beispiel des Freeclimbing (auf Englisch)" href="http://www.climbing.com/print/techtips/ttsport233/" target="_blank"><em>commitment</em></a>, die völlige Verpflichtung zur Erfüllung der Entscheidung ist es, die seine Stärken erst zum Tragen kommen lässt.</p>
<p>Andere Spieler haben die besondere Gabe, die endgültige Entscheidung für Pass, Dribbling oder Torschuss immer weiter aufzuschieben. Sie haben die Vision, das Geschehen um sich herum stets neu bewerten zu können. Deswegen können sie gegnerische Abwehrreihen überraschen. Iniesta hat vielleicht die beste Vision der Welt, Zidane konnte sich scheinbar zu jedem Zeitpunkt neu orientieren und Mesut Özil hatte in der Hinrunde manchmal eine Sekunde mehr Zeit als alle anderen Spieler auf dem Platz. Miroslav Klose kann in Hochform seinen Nebenmann einsetzen, wie kaum ein zweiter Stürmer, weil er den Moment der Entscheidung so weit hinauszögert, wie kein anderer Stürmer von Weltformat. An ihm sieht man aber auch, warum Stürmer in der Regel eher durch ihre Abschlußstärke glänzen. Denn Klose ohne Topform fehlt der Fokus auf den Torerfolg, mit dem Stürmer das Glück erzwingen. Ruud van Nistelrooy ist da von anderem Kaliber.</p>
<p>Anders herum ist der Tunnelblick nicht jedem Spieler dienlich. Ohne belastbare Statistiken zu bemühen, ist Trochowski wohl der Spieler der Liga, der die meisten Fahrkarten schießt. Immer wieder legt er sich den Ball zwei Schritte vor, nimmt den Kopf runter und die Balljungen gehen schon mal in Position, weil Trochowski nicht mehr auf den Verteidiger reagiert, der den Schuss blockieren wird. Vielleicht hört er von zu vielen Kommentatoren, dass er so eine tolle Schusstechnik habe, jedenfalls lassen seine Entscheidungen oft die Vision für das Spielgeschehen vermissen.</p>
<p>Pippo hingegen hat eine geradezu teuflische Gabe, das <em>commitment</em>, mit dem man Situationen für sich entscheidet, mit einem Gespür für Gelegenheiten jenseits des Abschlusses zu verbinden. Fast wünsche ich mir, er möge in seinem nächsten Spiel gegen United noch einmal zeigen, wie ein Assassine Fußball spielt.</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
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        </p><p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/das-rubikonproblem-im-fusball//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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		<title>Wahre Liebe — Bremer Fans versuchen Zuculinis Herz zu erobern</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 21:37:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>flo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fußball]]></category>

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		<description><![CDATA[Fortuna Köln, seines Zeichens NRW-Ligist, hat über die Plattform deinfussballclub.de (DFC), über die auch die Kontextschmiede  berichtete, vor gut einem Jahr für deutschlandweite Aufmerksamkeit gesorgt. Unter dem Motto "Manage ein echtes Fußballteam!" nehmen derzeit beinahe 11000 User mit prominenter Unterstützung durch Sönke Wortmann und Jens Nowotny Einfluss auf diverse Entscheidungen rund um Mannschaft und Verein. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Fortuna Köln, seines Zeichens NRW-Ligist, hat über die Plattform <a  href="http://www.deinfussballclub.de/">deinfussballclub.de (DFC)</a>, über die auch die <a  href="http://kontextschmiede.de/zwei-seelen-in-fortunas-brust/">Kontextschmiede  berichtete</a>, vor gut einem Jahr für deutschlandweite Aufmerksamkeit gesorgt. Unter dem Motto »Manage ein echtes Fußballteam!« nehmen derzeit beinahe 11000 User mit prominenter Unterstützung durch Sönke Wortmann und Jens Nowotny Einfluss auf diverse Entscheidungen rund um Mannschaft und Verein. Neben alltäglichen Dingen, wie der Mannschaftsaufstellung, steht zur Zeit beispielsweise eine Abstimmung über einen Antrag für die Lizenz zur Regionalliga-Saison 2010/11 auf der Agenda der Teilnehmer.</em></p>
<p>Etwas subtiler werden Fans des SV Werder Bremen im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen 1899 Hoffenheim (Dienstag, 09.02.2010, ab 20:15 live in der ARD) versuchen, die Geschicke ihres Vereins zu beeinflussen:<span id="more-2473"></span> Nach dem<a  href="http://www.bild.de/BILD/sport/fussball/bundesliga/vereine/werder/2009/06/22/franco-zuculini/jan-schindelmeiser-klagt-werder-bremen-an.html"> Transfergerangel</a> um Argentiniens Jung-Nationalspieler <a  href="http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/vereine/1-bundesliga/0/1899-hoffenheim-3209/56993/spieler_zuculini-franco.html">Franco Zuculini</a> im Sommer versuchen nun User des inoffiziellen Werder Bremen-Fan-Forums <a  href="http://www.worum.org">worum.org</a>, dem in Hoffenheim kaum eingesetzten Mittelfeldspieler ihre Zuneigung zu zeigen. Unter dem Namen »<a  href="http://www.worum.org/viewtopic.php?f=3&#038;t=2943&#038;start=0">FREE FRANCO</a>« läuft seit Ende November eine Kampagne um Zuculini, der in den Augen vieler Werder-Fans mit seinem Wechsel ins Kraichgau die falsche Entscheidung traf, nach Bremen »heimzuholen«. Im Rahmen des Pokalspiels soll in der Bremer Fankurve ein <a  href="http://www.tortured-pixels.de/worum/zucubanner_01_hoch.jpg">Banner</a> so angebracht werden, dass es dem Spieler sowie sämtlichen Verantwortlichen auffallen muss. Um das Unterfangen bekannt zu machen, wurde aus dem worum eine konzertierte E-Mail-Aktion an die ARD organisiert, in der Hoffnung, dass das Banner auch im TV zu sehen sein wird. Die üblichen Verdächtigen unter den Web 2.0-Produkten, Facebook, StudiVZ und Twitter, sollen ebenfalls ihren Teil dazu beitragen, das Vorhaben der Fans sowohl vor als auch nach dem Spiel einer möglichst breiten Öffentlichkeit darzustellen. Auch der Spieler selbst wird von den Initiatoren noch vor Beginn der Partie in Kenntnis gesetzt werden.</p>
<p>Ein bislang in Deutschland wohl einzigartiger Versuch, Fan-Wünsche in Vereins– bzw. Transferpolitik  einfließen zu lassen. Zumal die Liebes-Kampagne einem Spieler gilt, der weder jemals für Werder Bremen die Stiefel schnürte noch in Deutschland bisher nennenswert in Erscheinung trat. Man stelle sich vor, Zuculini wechselt in der nächsten Transferperiode tatsächlich nach Bremen. Er wäre wohl schon vor seinem ersten Ballkontakt ein Publikumsliebling. Die User von <a  title="Homepage von DeinFußballclub" href="http://www.deinfussballclub.de/">deinfussballclub.de (DFC)</a> zahlen jährlich 39,95€ für den Luxus der intensiven Teilnahme an Vereinsentscheidungen bei Fortuna Köln. Dafür können sie sich auch gewiss sein, dass ihre Stimme Gehör findet und Geltung hat. Die Fans, die sich Zuculini im Bremer Mittelfeld wünschen, können lediglich wie der mittelalterliche Minnesänger um das Herz des Objektes ihrer Begierde werben. Ob ihre Zuneigung durch den Spieler erwidert wird oder sich die Verantwortlichen beider Vereine von der Kampagne beeindrucken lassen, wird frühestens während des Transferfensters im Sommer zu beobachten sein.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/wahre-liebe-bremer-fans-versuchen-zuculinis-herz-zu-erobern//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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<li><a href='http://kontextschmiede.de/erfolg-im-fusball-das-gluck-erzwingen/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Erfolg im Fußball: Das Glück erzwingen'>Erfolg im Fußball: Das Glück erzwingen</a></li>
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		<title>Entscheidungen im Fußball — von der Individualtaktik zur Mannschaftstaktik</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 18:11:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[analytisch]]></category>
		<category><![CDATA[hilfreich]]></category>
		<category><![CDATA[video]]></category>
		<category><![CDATA[zeitlos]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Bessere ist der Feind des Guten. Diese Feststellung gilt insbesondere für den sportlichen Wettkampf, folglich auch für den Fußball. Es geht in jeder Stuation des Spiels darum, die besseren Entscheidungen zu treffen. Die Grundlagen für diese Entscheidungen werden zwar im Training gelegt, aber jeder Trainer muss schließlich Adi Preißler zustimmen: "Entscheidend is auf'm Platz."
Het [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Bessere ist der Feind des Guten. Diese Feststellung gilt insbesondere für den sportlichen Wettkampf, folglich auch für den Fußball. Es geht in jeder Stuation des Spiels darum, die besseren Entscheidungen zu treffen. Die Grundlagen für diese Entscheidungen werden zwar im Training gelegt, aber jeder Trainer muss schließlich Adi Preißler zustimmen: »Entscheidend is auf’m Platz.«</p>
<blockquote><p>Het moeilijkste voor een coach is de spelers de keuze te laten. Maar dat is wel wat het is; voetbal is een keuzesport.</p>
<p><cite title="Visie">Louis van Gaal</cite></p>
</blockquote>
<p><span id="more-2184"></span>Diese Erkenntnis ist einer der Grundpfeiler von Louis van Gaals Vision. Der kauzige Niederländer wird ob seines herablassenden Umgangs mit der Presse von dieser gerne verkannt. Auch wenn er in seinem Habitus an andere Vertreter seiner Zunft erinnert, die gerne mit dem Prädikat »alte Schule« versehen werden, ist er in seinem Selbstverständnis als Trainer progressiv bis zur Grenze der Esoterik. Er vertritt in seiner Biographie vehement das »<a  title="Portrait van Gaals im Volkskrant (auf Holländisch)" href="http://www.volkskrant.nl/sport/article1137357.ece/Van_Gaal_vindt_zich_geen_schoolmeester">totale mens-principe</a>« und sieht sich als Vermittler, statt als Schulmeister.</p>
<p>Die Aufgabe eines Trainers ist es, die Spieler auf Situationen vorzubereiten, die ihnen im Spiel begegnen werden. Grundlage sind die körperlichen und geistigen Anlagen eines jeden Spielers, die es in den Bereichen Kondition, Technik und Taktik zu entwickeln gilt. Nebenbei muss der Trainer auch noch die gruppendynamischen Prozesse von Mannschaftsgeist und Hierarchien im Sinne einer zielgerichteten Harmonie beeinflussen. Trainingserfolg entsteht aus der richtigen Balance dieser Komponenten und macht jeden Spieler, aber auch das Zusammenspiel der Mannschaft,  jeden Tag ein wenig besser.</p>
<p>Die Situationen, denen Fußballer im Spiel oder in den Trainingsformen begegnen, erfordern immer drei Ebenen der Entscheidung:</p>
<h4>Individualtaktik</h4>
<p>Individualtaktik bezeichnet die Menge der individuellen Entscheidungen, in der ein Spieler eine Option wählt, ob und wie er einen Zweikampf bestreitet, wohin er läuft, woran er sich orientiert, ob er einen Pass spielt oder schießt und wie die motorische Ausführung seiner Wahl vonstatten gehen soll. Neben den körperlichen und technischen Voraussetzungen, die einem groß gewachsenen Spieler zum Beispiel das Kopfballspiel erleichtern, ist es auch das Naturell eines Spielers, sein Selbstbild, das dessen individualtaktisches Verhalten beeinflusst. Ein Spieler, der sich selbst als Flügelspezialist empfindet, wird häufiger nach Außen ausweichen als ein Kollege, der sich als zentralen Abräumer begreift. Diese Identität eines Spielers mit der Funktion, die er im Team einnehmen soll, zu koordinieren, ist eine der schwierigeren Übungen.</p>
<p>Speziell, wenn seine Anlagen ihn für eine andere Funktion oder Position prädestinieren, als es die Identität des Spielers vorsieht, prallen widerstreitende Interessen aufeinander. In dieser Hinsicht ist van Gaal kompromisslos: »Du willst auf der 10 spielen? In der zweiten Mannschaft. Der und der Spieler sind für mich auf dieser Position wertvoller, an denen musst du erst vorbei.« Die individualtaktischen Anlagen eines Spielers bestimmen dessen Rolle in den übergeordneten Ebenen. Deswegen ist es nicht unbedingt Verzweiflung, sondern häufig logische Konsequenz, wenn ein Spieler mit besonderen Qualitäten an anderer Position als seiner gewohnten eingewechselt wird. Für manche Spielsituationen ist es die beste Lösung, einen Koloss wie Daniel van Buyten als Sturmspitze aufzubieten.</p>
<h4>Gruppentaktik</h4>
<p>Sobald Entscheidungen mehrerer Spieler unter einen Hut gebracht werden sollen, finden diese auf der Ebene der Gruppentaktik statt.  Das Verschieben im Verbund beispielsweise muss immer als Block geschehen, damit in den Abständen zwischen den Spielern keine Lücken  entstehen, die dem Gegner Räume zur Spielentfaltung bieten. Laufwege und Passgeschwindigkeit müssen abgestimmt sein, damit das Bewegen des Balles nicht zu Ballverlust sondern größtmöglichem Zeitgewinn führt. Grundsätzlich gilt auch für van Gaal, was längst sprichwörtlich geworden ist: Der Spieler ohne Ball bestimmt, wo der Ball hin soll.</p>
<p>Gezielte Trainingsformen zur schnellen Ballverlagerung und der für den Raumgewinn optimalen Anspielstation schaffen die notwendigen Automatismen eines Angriffsverbundes, aus denen Handlungsschnelligkeit entsteht. So wird die Ballzirkulation zielgerichtet und bietet  wirkungsvolle Optionen für das Flügelspiel oder auch Kurzpässe durch die Mitte.</p>
<h4>Mannschaftstaktik</h4>
<p>Die Mannschaftstaktik ist die Vorgabe für die Verbünde, sich gemeinsam als Organismus auf Spielsituationen einzustellen. Die Grundordnung zählt dazu, die Anweisungen zur Neuordnung in den Umschaltsituationen und die daran anschließende Defensivtaktik oder Offensivtaktik. Hier greifen alle individuellen Entscheidungen ineinander. So können in Abstimmung auf die Taktik des Gegners gewisse Spielsituationen vermieden oder heraufbeschworen werden.</p>
<p>Optimal ist es natürlich, wenn die individualtaktischen Voraussetzungen der Spieler verschiedene Mannschaftstaktiken erlauben. Es geht nicht unbedingt darum, dogmatisch an einem 1–4-3–3 (der Torwart zählt für van Gaal zu den Feldspielern) festzuhalten, sondern auch auf dieser Ebene Lösungen für wechselnde taktische Fragestellungen zu finden.</p>
<p>Was sind gute Lösungen? Sind Handlungsanweisungen wie die für den Verteidiger im Video einleuchtend und sinnvoll? Vielleicht kennen ja der geneigte Leser oder die Leserin Patentrezepte, mit denen spezielle Situationen auf dem Feld gelöst werden können. Die Taktiktafel kann sicherlich vom Crowdsourcing profitieren. Zumindest wird sie mit diesem Ziel zur Serie.</p>
<p><small>Zu diesem Artikel gehört ein Video:</small>
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		<title>Position vs Funktion — Begriffsklärung für die Taktiktafel</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 20:19:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fußball]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Problem, dem der geneigte Leser und natürlich auch die Leserin in der Diskussion um Taktik im Fußball begegnet sein mag, ist die mangelnde Klarheit der Begriffe, mit denen hantiert wird. Bevor wir uns im Folgenden mit Strategien zur Torverhinderung oder erfolgsträchtigen Offensivbemühungen beschäftigen, ist es vielleicht angebracht, ein wenig über diese Begriffe nachzudenken. Zwei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Problem, dem der geneigte Leser und natürlich auch die Leserin in der Diskussion um Taktik im Fußball begegnet sein mag, ist die mangelnde Klarheit der Begriffe, mit denen hantiert wird. Bevor wir uns im Folgenden mit Strategien zur Torverhinderung oder erfolgsträchtigen Offensivbemühungen beschäftigen, ist es vielleicht angebracht, ein wenig über diese Begriffe nachzudenken. Zwei häufig problematische Begriffe sollen zur Erläuterung als Beispiel dienen: Position und Funktion.</p>
<h4>1. Position</h4>
<p>Die gängigen Erklärungsansätze zu taktischen Varianten im Fußball gehen davon aus, dass räumliche Kontrolle eine entscheidende Größe für das Spiel sei. Felix Magath verglich Fußball tatsächlich einmal mit Schach, weil es insbesondere darum ginge, die Positionierung der Spielfiguren oder Spieler in besonders gefahrenträchtigen Räumen in der Mitte des Spielfeldes zu kontrollieren.<span id="more-2088"></span></p>
<p>In der geläufigen Diskussion werden deswegen Spielsysteme herangezogen, mit denen die Grundordnung der Spieler einer Mannschaft auf dem Feld beschrieben werden soll: 4–3-3, 4–3-2–1, 3–5-2, das WM-System und dergleichen mehr. Wer sich um Präzision der Spielbeschreibung bemüht, unterscheidet immerhin zwischen der Grundordnung bei eigenem gegenüber der von gegnerischem Ballbesitz. Es wird zum Beispiel ein 4–3-3 in der Rückwärtsbewegung zu einem 4–5-1. All diese Formationen unterteilen das Spielfeld in Zonen, die jeweils die gesamte Breite des Spielfeldes einnehmen.  Sie bieten somit einen Kompromiss zwischen absoluter Positionierung  der Spieler auf dem Feld und relativer Positionierung der Spieler auf einer vertikalen Achse. Eine Beschreibung wie »4–4-2 mit Raute« oder 4–1-2–1-1 erläutert, dass es mehr als nur drei Zonen gibt, auf die Spieler sich verteilen. Es sollte dem Fußballfreund allerdings stets bewusst sein, dass diesem statischen Modell  eine Reihe von Informationen fehlen.</p>
<p>Wie viele Spieler sollen bei gegnerischem Ballbesitz hinter dem Ball Räume und Passwege einschränken? Welche Spieler sollen vor dem Ball als Gefahrenquelle bei Balleroberung Unruhe stiften? Welche Abstände sollen die Spieler hinter dem Ball zu ihren jeweiligen Nebenmännern einnehmen? Auf welcher Distanz vom eigenen Tor wird die Verknappung des Raumes angestrebt? Welche Räume werden bei Ballbesitz gezielt gesucht und welche als freier Raum für Spielverlagerungen frei gehalten? Diese und ähnliche Fragen werden durch eine statische Beschreibung der Formation nicht beantwortet. Schlimmstenfalls verschleiert der Blick auf die absolute Grundordnung sogar den Blick auf die entscheidenden taktischen Anweisungen.</p>
<p>Wer sich das Spiel aus der Vogelperspektive anschaut, sieht schnell, dass sich alle Akteure stets um den Ball herum gruppieren und sich gewisse Muster je nach Spielsituation an verschiedenen Orten des Platzes wiederholen. Eine Beschreibung dieser Choreografie kann die Reduzierung taktischer Überlegungen auf statische Modelle nicht leisten.</p>
<h4>2. Funktion</h4>
<p>Ein noch viel gravierenderes Problem und womöglich eine deutsche Eigenheit des Fußballdiskurses ist die mangelnde Trennung von Position und Funktion. Beide werden ständig unter einen gleichlautenden Begriff zusammengefasst, gerne eine historisch positionsgebundene Rückennummer. So kommt es zu skurrilen Zahlenspielen ohne inhaltlichen Wert. Beispielsweise fabuliert der Kaiser persönlich, dass Michael Ballack kein klassischer Zehner sei, aber auch kein richtiger Sechser. Der Achter sei ohnehin der Zehner des neuen Jahrtausends und in den 80ern war Pink das neue Schwarz. Die Fixierung auf Zahlen, die für Positionen stehen, die aber gleichzeitig eine damit einhergehende Funktion des Spielers auf dieser Position erläutern sollen, haben Monster wie die Doppelsechs hervorgebracht. Bevor noch eine dreiköpfige Kreatur mit der mythologischen Urgewalt des Zerberus den Raum vor dem Strafraum bewacht, sollte diese Chimäre von Position und Funktion aus dem Diskurs über Fußball verbannt werden.</p>
<p>Die Position eines Spielers gibt keine umfassenden Informationen über dessen Funktion vor. Ein Spieler, der in der Defensive den Raum zentral vor den auf einer Linie verteidigenden Abwehrspielern besetzt, kann sich bei Ballbesitz darauf beschränken, als Anspielstation für Kurzpässe der Verteidiger zu dienen und Bälle stets auf kurzem Weg in den Fuß der Mitspieler zu spielen. Er kann aber genau so gut die Anweisung haben, selbst den Ball durch das Mittelfeld zu tragen und nach Lücken für Zuspiele in den freien Raum über mehrere gegnerische Spieler hinweg zu suchen. In der Defensive kann er sich darauf beschränken, Passwege zu blockieren und Laufwege einzuschränken. Er kann aber auch der Spieler sein, auf den die Mitspieler in seiner Nähe den gegnerischen ballführenden Spieler lenken, damit er die Balleroberung durch direktes Tackling versucht.</p>
<p>Selbst der Ausdruck Verteidiger beschreibt eher die Position des Spielers als seine Funktion. Manchem Spieler, der in der Grundordnung bei gegnerischem Ballbesitz auf einer Linie mit anderen Abwehrspielern das Zentrum vor dem Tor besetzt, ist es bei eigenem Ballbesitz gestattet, als Anspielstation bis in den gegnerischen Strafraum vorzustoßen. Wenn der Gegner auf breite Kontrolle des Mittelfelds bedacht ist und dafür nur einen Stürmer in die Nähe des Strafraums stellt, kann von vier Verteidigern einer gemäß den Anschauungen des Totaalvoetbal seine Freiheit nutzen, sich in der Offensive zu betätigen. Lucio nahm sich solche Freiheiten gerne auch ungeachtet der gegnerischen Raumaufteilung.</p>
<h4>Neue Fußballsprache braucht das Land</h4>
<p>Einige der Anglizismen und Wortneuschöpfungen, die in jüngerer Zeit Eingang in den Diskurs finden, sind dem Bedürfnis nach genaueren Beschreibungen geschuldet. All zu häufig werden sie von den reaktionären Kräften der Stammtischkultur  vorschnell verhöhnt und abgelehnt. Selbst wenn der »Umschaltspieler« nicht leicht von der Zunge geht oder der »target player« als englischer Ausdruck die Anmutung des Unternehmensberaterjargons hat, sind beides Begriffe, die eindeutig eine Funktion eines Spielers beschreiben. Manche Ausdrücke mögen tatsächlich überflüssig sein und zu Recht wieder aus dem Wortschatz der deutschen Fußballsprache verschwinden. Zumindest aber für die Beschreibung von Position und Funktion oder Aufgabe eines Spielers in taktischen Überlegungen sollten wir uns nicht mit Chimären wie der Doppelsechs begnügen. Bis treffendere Bezeichnungen ihren Weg in den Wortschatz der Fußballdiskussion gefunden haben, wird diese Reihe sich mit ausschweifenden Beschreibungen um Präzision bemühen.</p>
<p>Anhand von horizontalen Positionsangaben »links, halblinks, zentral, halbrechts und rechts« werden die Spieler in einem Verbund sortiert. Mehr als fünf Spieler in eine Reihe zu stellen, läuft meines Wissens einer effizienten Raumverknappung zuwider. Sollte es trotzdem Gegenbeispiele geben, muss ich wohl Abbitte leisten und nachbessern.  Die vertikale Ordnung soll durch eine Unterteilung von »Abwehr, defensives Mittelfeld, Mittelfeld, offensives Mittelfeld, hängende Spitze, Spitze« nachvollzogen werden. So weit es passend erscheint, möchte ich auf vertraute Begriffe zurückgreifen und diese nach Bedarf präzisieren. Wenn wir darauf achten, dass aus der Position nicht gleich die Aufgabe eines Spielers eindeutig definiert ist, können wir uns mit Attributen, die wir für die jeweilige Position vergeben, ein recht präzises Bild von taktischen Anweisungen machen.</p>
<p>Dann kann ein zentraler Mittelfeldspieler, der sich bei Ballbesitz in einem Korridor kurz vor der gegnerischen Abwehrkette zum Ball hin anbietet und Flügelläufe über Pässe in den Raum initiiert, den »klassischen Zehner« ablösen. Vor allem, wenn er bei gegnerischem Ballbesitz dafür zuständig ist, das Pressingopfer zu isolieren und zu attackieren. Das sollte heute keiner von Günter Netzer verlangen.</p>
<p>Vielleicht hat die ein oder andere Leserin oder auch manch ein Leser ja eigene Vorstellungen, welche Feinheiten taktischer Analysen genauerer Bezeichnungen bedürfen. In den verschiedenen Sprachen der Welt, in denen über Fußball diskutiert wird, finden sich sicherlich Anregungen für das Deutsche. Und für die Taktiktafel.</p>
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        	<br />
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		<title>Falsche Freunde im Fußball</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Oct 2009 13:18:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fußball]]></category>
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		<description><![CDATA[Als falschen Freund bezeichnet man in Lehrerkreisen jene Vokabeln einer Fremdsprache, die sich so sehr anhören wie ein Wort aus der Muttersprache, dass der Schüler gerne annimmt, das Wort schon zu kennen. Zwar finden sich ab und an tatsächlich Wörter in einer Fremdsprache, die der eigenen Sprache entlehnt sind. Leider ist die Bedeutung von gleichlautenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als falschen Freund bezeichnet man in Lehrerkreisen jene Vokabeln einer Fremdsprache, die sich so sehr anhören wie ein Wort aus der Muttersprache, dass der Schüler gerne annimmt, das Wort schon zu kennen. Zwar finden sich ab und an tatsächlich Wörter in einer Fremdsprache, die der eigenen Sprache entlehnt sind. Leider ist die Bedeutung von gleichlautenden Wörtern jedoch häufig grundverschieden. Ein englisches <em>genie</em> zum Beispiel ist ein deutscher Flaschengeist. Dieses Problem, dass sich scheinbar bekannte Inhalte in vertrauten Aussagen verbergen, macht auch vor dem Fußball nicht halt.</p>
<p><q class="pullquote">Der Gefoulte schießt nie selbst: Ziemlich egal und ausländischen Stürmern ein ungläubiges Kopfschütteln wert.</q>Wenn über Fußball gesprochen wird besteht immer der Bedarf, die Komplexität des Fußballs auf einfache Aussagen zu reduzieren. Dabei scheint es den Protagonisten der Berichterstattung allerdings mehr um Knackigkeit als um Richtigkeit der Aussage zu gehen. Ein Phrasenschwein adelt Allgemeinplätze noch zusätzlich — anstatt hohle Phrasen als sinnfrei zu entlarven, bekommen sie den Anstrich der trivialen Sinnhaftigkeit. Dadurch wird die Tendenz, dass im Fußball alte Weisheiten nie überprüft werden, noch gefördert: Die alten Sinnsprüche werden durch bloße Wiederholung zur unangreifbaren Wahrheit und es kommen stets neue hinzu. <a  title="Biermann bei SpOn über Loys Kampf gegen falsceh Wahrheiten im Fußball" href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,494638,00.html" target="_blank">Roland Loy</a> verrichtet im wahrsten Sinne Sisyphusarbeit, wenn er versucht, mit falschen »Wahrheiten« aufzuräumen.<span id="more-2032"></span></p>
<p><q class="pullquote">Treffer zum psychologisch günstigen Zeitpunkt: Tore sind immer gut.</q></p>
<p>Ganz schlimm wird es allerdings, wenn Sportweisheiten aus dem Ausland importiert werden, die wie selbstverständlich Teil dieses Schatzes an Bonmots und Zitaten werden, mit dem in der Diskussion Fußball erklärt werden soll. Eine Recherche, wann und wie genau die unsägliche Sinnlosigkeit »offense wins games, defense wins championships« nach Deutschland gekommen ist, war leider wenig erfolgreich: Bild hat den Spruch zumindest seit 2008 im Repertoire. Die Googlesuche ergab für »offense wins games« im Archiv des Guardian, meiner persönlichen Referenz für englische Sportberichterstattung, genau einen Treffer. In einem <a  title="Der Guardian mit dem einzigen Beitrag zu &quot;offense wins games&quot;" href="http://www.guardian.co.uk/sport/blog/2007/jan/12/airmcnairreadytosoaragain" target="_blank">Artikel über American Football</a>. Selbst in Amerika ist nicht zweifelsfrei geklärt, woher der Ausspruch kommt; zugesprochen wird der Spruch »offense sells tickets, defense wins championships« dem Footballcoach Paul »Bear« Bryant. Die besondere Wertschätzung von Defensivleistungen ist nicht einmal im statistisch weit besser erforschten American Football unumstritten und gilt manchem als klinsmaneskes Motivationsgerede für an Fanliebesentzug leidende Abwehrarbeiter. Im deutschen Fußball ist der Spruch allerdings angesichts der letztjährigen Meisterschaft von Wolfsburg und dem regelmäßigen Abschneiden des Schalker Bollwerks wohl totaler Kokolores.</p>
<p><q class="pullquote">Never change a winning team: Mehr Aberglaube als Erfolgsgarant.</q></p>
<p>Tatsächlich sehen taktische Analytiker die Schwierigkeit im Fußball aktuell in erster Linie darin, Tore zu erzielen. Das Verhindern von Toren ist weit weniger an fußballerische Qualität im Sinne von Ballbehandlung und Spielwitz gebunden. Erprobte Taktiken und Lösungsanstze zur Torverhinderung der letzten Jahre ermöglichen es auch Teams mit kleinerem Budget, aus einer soliden Abwehr heraus zu agieren. Nicht wenige Trainer bauen deswegen ihr Team »von hinten« auf und entwickeln erst im zweiten Schritt offensive Lösungsansätze. Aber selbst im Tabellenkeller der Bundesliga sind in den letzten Jahren nicht unbedingt die defensivschwächsten Teams <a  href="http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/spieltag/1-bundesliga/2008-09/0/0/spieltag.html">abgestiegen</a>. In den letzten drei Saisons waren es vielmehr jeweils die drei Teams, die die wenigsten Tore geschossen hatten, obwohl es defensiv schwächere Teams gab.  Nur Aachen ist vor drei Saisons trotz guter Torausbeute wegen einer viel zu schwachen Abwehr abgestiegen.</p>
<p><q class="pullquote">Abwehr können alle: Kurz, knackig, aber wahr?</q></p>
<p>Die sogenannten Fußballweisheiten sind also, ganz wie die falschen Freunde des Vokabelpaukens, dem Verständnis eher hinderlich. Wer sich auf die Aussagen solch falscher Freunde verlässt, für den bleibt ein Fußballgenie ein magischer Flaschengeist. Ein <em>football genius</em> allerdings wird sich beizeiten daran erinnern, dass die Sinnsprüche aus dem Fußballweisheitenkalender häufig nur darin stehen, weil sie sich so bekannt anhören. Nicht, weil sie wirklich etwas wichtiges über Fußball zu sagen hätten. Wer erhellende Debatten über Fußball führen möchte, muss sich dafür von mancher Floskel und liebgewonnenem falschen Freund verabschieden.</p>
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		<title>Bayerische Fähnchen im Wind</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 22:10:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>flo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fußball]]></category>

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		<description><![CDATA[Neulich war zu lesen, Karl-Heinz Rummenigge wolle Real Madrid im Falle des weiteren Werbens um Bayern Münchens Superstar Franck Ribéry verklagen. In den wichtigen und von Natur aus bereits unruhigen Wochen der Sommervorbereitung ist es dabei durchaus verständlich, dass die bajuwarische Führungsriege empfindlich auf die ständigen Störfeuer aus der spanischen Hauptstadt reagiert. Zumal eine Kontaktaufnahme [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="cap"><span>N</span></span><em>eulich war zu lesen, Karl-Heinz Rummenigge wolle Real Madrid im Falle des weiteren Werbens um Bayern Münchens Superstar Franck Ribéry <a  href="http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/artikel/511594/">verklagen</a>. In den wichtigen und von Natur aus bereits unruhigen Wochen der Sommervorbereitung ist es dabei durchaus verständlich, dass die bajuwarische Führungsriege empfindlich auf die ständigen Störfeuer aus der spanischen Hauptstadt reagiert. Zumal eine Kontaktaufnahme mit einem Spieler ohne vorherige Information und Zustimmung seines derzeitigen Vereins gemäß den FIFA-Statuten erst sechs Monate vor Vertragsende gestattet ist. Rummenigges Drohung mag also verständlich sein. Erst recht, wenn damit die Hoffnung verbunden ist, endlich Ruhe an der Säbener Straße einkehren zu lassen. Dennoch, Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender winkt aus dem Glashaus. Ein Kommentar der Kontextschmiede.</em><br />
<span id="more-1747"></span><br />
Via BILD-Zeitung lässt Manager und Vorstandskollege Uli Hoeneß verlauten, dass <a  href="http://www.bild.de/BILD/sport/fussball/bundesliga/vereine/schalke/2009/07/21/uli-hoeness/manuel-neuer-wollte-zu-bayern.html">Manuel Neuer</a> sich gerne dem deutschen Rekordmeister angeschlossen hätte. Ohne vorheriges Gespräch mit dem Schalker Torwart müsste Hoeneß schon Gedanken lesen können. Neuers Vertrag endet im Übrigen in knapp drei Jahren — am 30.06.2012.</p>
<p>Auch bei der Verpflichtung Sebastian Deislers von Hertha BSC Berlin zur Saison 2002/ 2003 ist fraglich, in wie weit die Münchner im Rahmen der FIFA-Statuten gehandelt haben. Bereits knapp ein Jahr vor dem eigentlichen Vertragsbeginn sind auf dem Konto des damals einundzwanzigjährigen Jungnationalspielers <a  href="http://www.welt.de/print-welt/article480710/Falsches_Spiel_mit_Sebastian_Deisler.html">20 Millionen Mark Handgeld</a> eingegangen. Nach einem lauten Aufschrei der Empörung in der Öffentlichkeit wurde jenes Handgeld später als Darlehen bezeichnet und von Deisler wohl <a  href="http://www.faz.net/s/Rub9F27A221597D4C39A82856B0FE79F051/Doc~E4A4D084032C04E3CBB4D2D765A5975B3~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed_sport">zurückgezahlt</a>.</p>
<p>Am <a  href="http://www.stern.de/sport-motor/fussball/:FC-Bayern-M%FCnchen-Wilderer-Flughafen/587940.html">Hannoveraner Flughafen</a> trafen sich die Münchner Macher einst mit dem damaligen Bremer Stürmer und WM-Torschützenkönig Miroslav Klose um über dessen Wechsel zum deutschen Branchen-Primus zu verhandeln. Zwei Tage vor dem UEFA-Pokal-Halbfinale der Norddeutschen bei Espanyol Barcelona. Und knappe vierzehn Monate vor dessen Vertragsende.</p>
<p>Im großen Geschäft des Profi-Fußballs in dem es um Erfolg, Prestige und vor allem viel Geld geht, ist sicherlich wenig Platz für Aufrichtigkeit, Tugend und Ethos. Wahrlich auch nicht für Moralapostel. Karl-Heinz Rummenigge jedenfalls täte gut daran, den Stein, den er in seiner Hand hält, nicht zu werfen. Die Wände seines Glashauses würden bersten.</p>
<p><small>© Dies ist ein RSS-Feed der <a  href="http://kontextschmiede.de">Kontextschmiede</a></small></p><p><strong>Den Artikel <a  href="http://kontextschmiede.de/bayerische-fahnchen-im-wind//#respond">kommentieren</a></strong></p>

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