Das Wissen um die eigene Stärke

Björn Borg, John McEn­roe, Steffi Graf, Pete Sam­pras, Rafael Nadal oder Roger Fede­rer. Der Ten­nis­sport bringt in schö­ner Regel­mä­ßig­keit Cham­pi­ons her­vor. Ein­zel­kämp­fer, die sich in „Head-to-head“-Duellen mes­sen und knappe Spiel­si­tua­tio­nen mit Hilfe ihrer beson­de­ren Fähig­kei­ten ent­schei­den. Was unter­schei­det die ganz gro­ßen der Tennis-​​Zunft von hun­der­ten Kol­le­gen auf der Tour? In Folge eins der Roland Gar­ros French Open-​​Serie beleuch­tet die „Kon­text­schmiede“ eine wich­tige men­tale Kom­po­nente im Spiel der Stars. „Der Glaube an die eigene Stärke“.Gelas­sen­heit und Ver­trauen sind die ent­schei­den­den Merk­male im men­ta­len Match der Stars

Court Phil­ippe Cha­trier, zweite Herren-​​Runde beim Grand-​​Slam-​​Event in Paris. Eine Über­ra­schung bahnt sich an. Roger Fede­rer, mit einem Erfolg über Rafael Nadal auf des­sem gelieb­ten Sand­platz mit gro­ßen Erwar­tun­gen zu den French Open gereist, liegt gegen Jose Aca­suso bei Satz­gleich­stand 1:5 im drit­ten Durch­gang zurück. Ein Feh­ler­fes­ti­val liegt hin­ter dem Schwei­zer Aus­nah­me­spie­ler. Die nass-​​kalten Bedin­gun­gen schei­nen ihn gera­dezu zu läh­men. Zwar wirkt die Num­mer zwei der Welt sprit­zig und top in Form, doch ist bei­nahe jede Vor­hand im drit­ten Satz ent­we­der zu kurz oder zu lang, der Rhyth­mus anschei­nend kom­plett ver­lo­ren gegan­gen. Roger Fede­rer ver­zieht keine Miene. Offen­sicht­lich unge­rührt sieht der große Favo­rit einer dro­hen­den Nie­der­lage entgegen.

Der Grund liegt auf der Hand. Fede­rer ist ein Meis­ter, ein wah­rer Cham­pion der Ein­schät­zung sei­ner eige­nen Ver­fas­sung. In den letz­ten Jah­ren sei­ner Domi­nanz im Herren-​​Tennis hat der 27-​​Jährige neben der ein­zig­ar­ti­gen Ele­ganz und dem schier uner­schöpf­li­chen spie­le­ri­schen Poten­zial vor allem durch seine men­tale Kraft beein­druckt. „Der Glau­ben an die eigene Stärke“ lässt ihn so auch in schein­bar aus­sichts­lo­sen Situa­tio­nen Gelas­sen­heit aus­strah­len. Frei nach dem Motto: „Irgend­wann flie­gen die Bälle schon wie­der ins Feld“.

Dass Fede­rer Satz drei letzt­lich noch 7:6 gewin­nen konnte und danach keine Pro­bleme mit Aca­suso mehr hatte, ist bei die­ser Ana­lyse kaum ent­schei­dend. Mit dem Wis­sen, dass ein Grand-​​Slam-​​Match min­des­tens über fünf Durch­gänge gehen kann, hat der 13-​​malige Cham­pion bereits in Mel­bourne den Angriff eines Tomas Ber­dych abweh­ren können.

Die Par­tie Andy Mur­ray gegen Por­tito Sta­race unter­streicht die Gelas­sen­heit eines Spit­zen­spie­lers in den ers­ten Run­den der vier gro­ßen Major-​​Turniere. Lange Zeit hatte die eng­li­sche Tennis-​​Hoffnung mit sei­nen Grund­schlä­gen, dem „Terre bat­tue“ — so wird die lang­same „rote Asche“ in Paris genannt – und vor allem mit sei­nem kon­trol­liert angrei­fen­den Geg­ner aus Ita­lien zu kämp­fen. Von einer dro­hen­den Nie­der­lage war trotz deut­li­chem Rück­stand aber kaum etwas zu merken.

Gelas­sen­heit und Ver­trauen sind dem­nach die ent­schei­den­den Merk­male im men­ta­len Match der Stars. Der junge Roger Fede­rer soll ein Heiß­sporn gewe­sen sein, der so man­chen Schlä­ger zer­trüm­mern musste. Die breite Öffent­lich­keit hat ihn aller­dings anders ken­nen­ge­lernt: Als Cham­pion mit Glaube, nein, mit dem Wis­sen um die eigene Stärke.

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  • gast sagt:

    Super solide Zei­tungs­schreibe ist das. Fast schon pene­trant schul­buch­mä­ßig. Fehlt nur noch, dass die Arti­kel hier auch noch alle »rund« geschrie­ben wer­den. Wenn das Henri Nan­nen noch hätte erle­ben können.

  • Chaos sagt:

    Was ist das denn? Zei­tungs­ar­ti­kel mit Qua­li­tät im Internet?

    BRAVO!!! sag ich da nur, dann noch funk­tio­nie­rende Kom­men­tar­funk­tion, wo andere nur gescannte Zei­tungs­sei­ten haben, Favo­rit ist gesetzt, 1 mit Sternchen ; )

  • Raphaele Grande sagt:

    Sehr schön, mein Freund, ich freue mich, in Zukunft eure Arti­kel ver­fol­gen zu kön­nen. Ich muss ja zuge­ben, dass ich wahr­schein­lich nur die Sport­ar­ti­kel lesen werde, weil ich ein Kul­tur­ba­nause bin… Na ja, viel Glück für euch und die Web­site, ich sach ma: Sup­port your local dealer




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