Das Wohlfühlprogramm der klassischen Nassrasur

Ein guter Vorsatz passt immer: Sich auch mal etwas Gutes tun. Manchmal ist dafür die Rückbesinnung auf alte Bräuche das Mittel der Wahl. Früher war ja nicht alles schlechter.

Ganz im Gegenteil sind manche Entwicklungen des Konsumverhaltens geradezu skurril. Wir kaufen ständig Krempel, den wir nicht brauchen. Produktentwicklung wird von der Marketingabteilung gesteuert, damit bunte Gimmicks in der Werbung Unterscheidbarkeit der sonst beliebigen Marken gewährleisten können.

Systemrasierer mit atomgetriebener Laservibration und 12 beweglichen, kryptonitbeschichteten Klingen zum Beispiel bieten kaum Fortschritt an Komfort. Dafür sind sie ein evolutionärer Höhepunkt der werbeinduzierten Geldvernichtung. Im Badezimmerschrank stehen sie meist unweit eines Produktes, das direkt aus der Hölle in die Supermarktregale aufsteigt: Dosenschaum.

Der versprochene Zugewinn an Bequemlichkeit und die Zeitersparnis gegenüber dem von Hand aufgeschlagenen Rasierschaum werden teuer erkauft. Rasierschaum aus der Dose fehlt die alkalische Qualität von Seife, die das Barthaar aufweicht. Vor allem aber fehlt ihm Wasser, der beste Gleitfilm für die Rasierklinge.

Statt die Rasur als notwendiges Übel zu begreifen und dem Gott des Fernsehmarketings zu opfern, kann Mann sich besser die Rasur als kleines Wellnessprogramm erobern. Warmer Seifenschaum ist eine Wohltat, die Regelmäßigkeit verdient (und auch für weibliche Depilation keine Wünsche offen lässt). Sich für das Aufschäumen, das Einseifen, sorgfältiges Rasieren und die Hautpflege eine Auszeit von mindestens fünf Minuten zu gönnen, bringt ein unverhofftes Maß an gewonnener Lebensqualität.

Rasierklingen für den Hobel sind weitaus günstiger als die für den Systemrasierer. Rasiercreme oder Seife hält merklich länger als die Dose. Die klassische Nassrasur ist überdies hautverträglicher als das hastige Schubbern mit teuren Convenience-Produkten. Dadurch reduzieren sich auch eingewachsene Barthaare und Hautrötungen. Eine Gefahr bleibt natürlich. Die Rasur kann zum aufwändigen Hobby mit ganz eigenen Dogmen und Statussymbolen werden.

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  • heinzkamke sagt:

    »min­destens fünf Minuten«?

    Cha­peau — unter 10 schaff ich’s nie…

  • Habe das Video erst jetzt ent­deckt und kann als jahr­zehn­te­lan­ger Nass­ra­sie­rer aus die­sem Anlass fol­gen­den Ersatz für den selbst gefer­tig­ten Rasier­schaum wirk­lich sehr emp­feh­len: »Lab Series«. Das Pro­dukt aus der Sprüh­dose kannte der Opa noch nicht. Ers­ter Vor­zug: Extrem ergie­big. Zwei­ter: Erst­klas­si­ger, cre­mi­ger Schaum. Drit­ter: nicht par­fü­miert. Wer möchte schon den gan­zen Tag den mono­to­nen Duft eines Kos­me­tik­pro­dukts in der Nase haben, das ihn daran erin­nert, dass er sich mal wie­der rasiert hat?

    • erz sagt:

      Das von dir vor­ge­stellte Pro­dukt (wenn ich dich nicht ken­nen würde, du…) ist mei­nes Wis­sens eine Marke oder Pro­dukt­li­nie. Was davon die Alter­na­tive zum selbst geschäum­ten Rasier­schaum sein soll, ist mir aller­dings unklar.

      Ich per­sön­lich nutze nur noch die rot-​​blaue Opa-​​Serie aus der Dro­ge­rie. Top­wer­tun­gen, was künst­li­che Inhalts­stoffe oder viel­mehr deren Abwe­sen­heit angeht, und oben­drein mit ange­nehm zurück­hal­ten­dem Kräuteraroma.




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