Denn sie tun nicht, was sie wissen: Klimawandel in der Diskussion

Wir erle­ben zum zwei­ten Mal hin­ter­ein­an­der einen für uns unge­wöhn­lich kal­ten Win­ter. Prompt wird auf das Wet­ter geschimpft: »Schnee im Novem­ber, das gab es ja noch nie!« oder auch »ich musste noch nie so früh die Hei­zung wie­der anstel­len.« Zeit für Medien und Gesell­schaft, sich mit dem Klima aus­ein­an­der zu set­zen. Dies geschieht in zuletzt unge­wohn­ter Rich­tung — statt über Hit­ze­re­korde wird über Käl­te­re­korde gespro­chen. Aber der Mensch ist ja fle­xi­bel, der Kli­ma­wan­del ist schnell abgesagt.

Folgt man der inter­na­tio­na­len Presse, so rumort es bereits seit Anfang des Jah­res. Aus­ge­löst durch den soge­nann­ten »Climategate«-Skandal gerie­ten Kli­ma­for­scher in Miss­kre­dit. In inter­nen E-​​Mails dis­ku­tier­ten füh­rende Wis­sen­schaft­le­rIn­nen, wie sie die größt­mög­li­che Wir­kung für ihre For­schungs­er­geb­nisse errei­chen könn­ten. Außer­dem wurde gleich eine ganze Fülle von Feh­lern in den Berich­ten des zwi­schen­staat­li­chen Aus­schus­ses zum Kli­ma­wan­del (IPCC) gefun­den. Die öffent­lich gewor­de­nen Emails waren ein gefun­de­nes Fres­sen für Kli­maskep­ti­ker, das Befeu­ern von Kon­tro­verse ist wie­derum ein Garant für Auf­lage und weil jeder eine Mei­nung zum Wet­ter hat, fin­det das Thema Erd­er­wär­mung gro­ßen Anklang. Die Emails wur­den zur Schlagzeile.

Mitt­ler­weile sind fast alle der damals vor­ge­brach­ten Anschul­di­gun­gen ent­kräf­tet. In der Öffent­lich­keit ist dies jedoch nicht ange­kom­men. Die Presse hat schließ­lich ein grö­ße­res Inter­esse an Auf­lage als an Auf­klä­rung. Andere Auf­re­ger domi­nie­ren die The­men­aus­wahl, denn Gegen­dar­stel­lun­gen tau­gen nicht zur Schlag­zeile. Dabei ist der Umfang der Berich­ti­gun­gen beträcht­lich. Ent­ge­gen den damals geäu­ßer­ten Vor­wür­fen an die Wis­sen­schaft­ler konn­ten auf den fast 2.500 Sei­ten des Gesamt­be­richts des IPCC nur 2 wirk­li­che Feh­ler gefun­den werden:

  • Die Nie­der­lande lie­gen nicht zu 55% unter dem Mee­res­spie­gel (wie die nie­der­län­di­sche Umwelt­be­hörde fälsch­li­cher­weise ange­ge­ben hat), son­dern nur zu 30% unter dem Mee­res­spie­gel bzw. zu 60% bei Sturmflutereignissen.
  • Es wer­den vor­aus­sicht­lich nicht 80% der Glet­scher im Hima­laya bis 2035 ver­schwun­den sein, wie es in zwei Sät­zen im Band zwei, Seite 493 steht. Ent­spre­chend rich­tige Anga­ben fin­den sich aller­dings auf über 45 Sei­ten im Band 1 des Berichts. real​cli​mate​.org

Kli­maskep­ti­ker spot­ten, die aktu­elle Welt­kli­ma­kon­fe­renz sei nach Can­cún ver­legt wor­den, damit die Ver­hand­lun­gen nicht in der Kälte statt fän­den, die Europa zur Zeit heim­sucht. Dabei sind die kal­ten Win­ter in Europa genau so wenig ein Argu­ment gegen die Modelle zum Kli­ma­wan­del, wie es die fal­schen Anschul­di­gun­gen waren. Denn die Erhö­hung der glo­ba­len Durch­schnitts­tem­pe­ra­tur bedeu­tet nicht, dass an jedem Ort der Welt das Tem­pe­ra­tur­mit­tel stei­gen muss. Der Kli­ma­wan­del, ob nun vom Men­schen gemacht oder natür­lich ent­stan­den, umfasst die Ver­än­de­rung der Kli­maele­mente, Tem­pe­ra­tur, Nie­der­schlag, Wind und mehr, in ganz unter­schied­li­chem Aus­maß über ver­schie­dene Zeit­pe­rio­den und für ver­schie­dene Regionen.

Für Europa wer­den bei­spiels­weise zukünf­tig mehr Nie­der­schläge erwar­tet. Dies gilt aller­dings nur für die Gesamt­bi­lanz eines Jah­res, denn die Som­mer sol­len deut­lich tro­cke­ner und die Win­ter dafür um so nas­ser wer­den. Auch käl­tere Win­ter sind in Folge der Ver­än­de­run­gen der Luft­strö­mun­gen in Europa durch­aus mög­lich, keh­ren aber den ste­ti­gen Anstieg der glo­ba­len Tem­pe­ra­tur nicht um, wenn dafür auch die ande­ren Regio­nen hin­zu­ge­rech­net werden.

Kli­ma­wis­sen­schaft­ler sind sich aus gutem Grund in man­chen Fra­gen einig

Es gibt in der ernst­haf­ten Debatte um Kli­ma­mo­delle mitt­ler­weile kaum noch Platz für wahre Kli­maskep­ti­ker, auch wenn diese in der Presse ein beein­dru­cken­des Forum fin­den. Wie­der­holt konnte nach­ge­wie­sen wer­den, dass hin­ter den wis­sen­schafts­feind­lichs­ten Mel­dun­gen ein­fluss­rei­che Akteure aus der Ener­gie­wirt­schaft ste­hen, die die öffent­li­che Debatte um den Kli­ma­wan­del in ihrem Sinne beein­flus­sen möch­ten und dafür gerne die Debatte selbst beschä­di­gen. In der wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­sion zu den Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels über­wie­gen der­weil die Fra­ge­stel­lun­gen zu dem »wie« und nicht zum »ob«.

Denn der Kli­ma­wan­del hat bereits mess­bar ein­ge­setzt und kann oben­drein ziem­lich ein­deu­tig auf den Ein­fluss des Men­schen zurück geführt wer­den. Es gibt andere Fak­to­ren, wie die Ver­än­de­run­gen der sola­ren Ober­flä­che oder der Aus­rich­tung der Erd­achse, die eben­falls das Klima beein­flus­sen, aber der mensch­li­che Ein­fluss über­wiegt diese Ver­än­de­run­gen an Inten­si­tät und Kurz­fris­tig­keit. Trotz der Erkennt­nisse um lang­fris­tige Ver­än­de­run­gen beste­hen wei­ter­hin erheb­li­che Unsi­cher­hei­ten hin­sicht­lich des Aus­ma­ßes und der Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit spe­zi­fi­scher kli­ma­ti­scher Ereig­nisse. Je klei­ner die Rau­mein­heit ist und je kür­zer der Zeit­ho­ri­zont, für den Pro­gno­sen abge­ge­ben wer­den sol­len, desto unge­nauer wer­den die Modelle und desto schwie­ri­ger wer­den die Vorhersagen.

Kli­ma­wan­del wird zum wirt­schaft­li­chen und sozia­len Problem

Unab­hän­gig von den wis­sen­schaft­li­chen Details in der Aus­ar­bei­tung plau­si­bler Kli­ma­mo­delle kön­nen bereits heute immense Wir­kun­gen fest­ge­stellt wer­den. Und es kön­nen Pro­gno­sen für die Zukunft bestimmt wer­den, die je nach Ent­wick­lung der mensch­li­chen Ein­fluss­nahme auf das Klima die wahr­schein­lichs­ten Kli­ma­ver­än­de­run­gen erör­tern. Diese Sze­na­rien sol­len ver­an­schau­li­chen, was wir unter der Bedin­gung bestimm­ter mensch­li­cher Hand­lun­gen, wie der Reduk­tion oder auch der Stei­ge­rung der Pro­duk­tion von Treib­haus­ga­sen, erwar­ten kön­nen. Zu beach­ten ist bei allen Ent­wick­lun­gen die Träg­heit des Kli­ma­sys­tems: Selbst in einem extrem unwahr­schein­li­chen Sze­na­rio, bei dem alle mensch­li­che Ein­fluss­nahme sofort gestoppt wird, wer­den die Aus­wir­kun­gen ver­gan­ge­nen mensch­li­chen Han­delns noch in den kom­men­den Deka­den spür­bar anstei­gen, da die Reak­tio­nen inner­halb des Sys­tems mit einer gewis­sen Ver­zö­ge­rung ein­tre­ten. Im Gegen­satz zu die­sem über­aus opti­mis­ti­schen Sze­na­rio über­steigt zur Zeit das nega­tive Aus­maß mensch­li­cher Hand­lun­gen sogar die pes­si­mis­tischs­ten Zukunfts­er­war­tun­gen, die durch den IPCC im Jahr 2001 gemacht wurden.

Die dar­aus erwach­sen­den Ver­än­de­run­gen haben Aus­wir­kun­gen auf unsere Gesell­schaft: Hier­zu­lande wer­den die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels ins­ge­samt beherrsch­bar blei­ben. Hei­ßere Som­mer wer­den das Leben all­ge­mein viel­leicht etwas unan­ge­neh­mer und für beson­ders sen­si­ble Grup­pen wie Säug­linge und alte Men­schen auch etwas kür­zer machen. Stark­re­gen wird uns den einen oder ande­ren Tag ver­mie­sen und die Preise für Ver­si­che­run­gen anstei­gen las­sen. Aber ins­ge­samt ste­hen in Zen­tral­eu­ropa Mit­tel und Wege zur Ver­fü­gung, dem Kli­ma­wan­del zu begeg­nen. Die Fol­gen für ärmere und stär­ker betrof­fene Regio­nen der Welt sind aller­dings exis­ten­zi­ell und haben dank der glo­bal ver­netz­ten Welt­ge­mein­schaft auch wie­der Bedeu­tung für uns. Die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels auf Pro­duk­ti­ons­ket­ten und den Migra­ti­ons­druck in Rich­tung der ent­wi­ckel­ten Staa­ten sind kaum abzu­schät­zen, wer­den aber für die euro­päi­schen Indus­trie­län­der sicher zu spü­ren sein. Prin­zi­pien wie gerechte Ver­tei­lung und Demo­kra­tie wer­den unter dem Stress der vom Klima beein­träch­tig­ten Wirt­schafts­ord­nung eine harte Prü­fung durchmachen.

Ein pas­sen­des Thema für Ver­an­stal­tun­gen zum Umgang mit dem Kli­ma­wan­del ist der Titel: »Denn sie tun nicht, was sie wis­sen.« Trotz der bereits jetzt gesi­cher­ten Erkennt­nisse zu den Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels gibt es nur geringe Fort­schritte in der Redu­zie­rung des mensch­li­chen Ein­flus­ses. Der welt­weite Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen nimmt wei­ter ste­tig zu. Die der­zeit in Can­cún statt­fin­den­den Kli­ma­ver­hand­lun­gen sind bereits im Vor­feld mit pes­si­mis­ti­schen Erwar­tun­gen belas­tet, vor allem da die größ­ten Ver­ur­sa­cher von Treib­haus­gas­emis­sio­nen sich gegen eine ver­bind­li­che Rege­lung wehren.

Eigent­lich müsste vor dem Hin­ter­grund einer glo­ba­len Ver­ant­wor­tung den Ent­wick­lungs­län­dern sogar ein wei­te­rer Anstieg an Emis­sio­nen zuge­stan­den wer­den. Denn das Wirt­schafts­wachs­tum ist dort in hohem Maße an die Ver­bren­nung fos­si­ler Roh­stoffe gekop­pelt und es ist schwer ver­mit­tel­bar, dass für die Ent­wick­lungs­län­der Wohl­stand und Mobi­li­tät ein­ge­schränkt wer­den sol­len, wäh­rend in den Indus­trie­län­dern der Aus­stoß pro Kopf bereits um ein zehn­fa­ches höher liegt. Die Wei­ge­rung der Indus­trie­län­der, im Inter­esse der glo­ba­len Kli­ma­ent­wick­lung für einen Aus­gleich zu sor­gen, wiegt also dop­pelt schwer.

Für die Zukunft kön­nen wir uns zwei grobe Ent­wick­lungs­mus­ter vorstellen

In der anti­zi­pa­ti­ven Vari­ante wird eine glo­bale Über­ein­kunft auf Basis der beste­hen­den For­schungs­grund­lage dazu füh­ren, dass der mensch­li­che Ein­fluss redu­ziert wird. Einen sol­chen Pro­zess stre­ben die betei­lig­ten Staa­ten etwa im Kyoto-​​Protokoll an. Die­ses Sze­na­rio wird in Form des 2°C-Ziels dis­ku­tiert. Dazu not­wen­dig wäre eine rasche Sta­bi­li­sie­rung der Welt­be­völ­ke­rung auf 7 Mil­li­ar­den Men­schen, der schnelle Über­gang zu einer Ser­vice– und Dienst­leis­tungs­öko­no­mie mit einer rapide ver­min­der­ten Roh­stoff­ab­hän­gig­keit und eine Abnahme der welt­wei­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen. Dabei muss bedacht wer­den, dass selbst eine Erhö­hung um “nur” 2°C bereits eine mas­sive Ver­än­de­rung unse­rer Lebens­um­stände her­bei­füh­ren wird. Das Abschmel­zen von Glet­schern und Eis­mas­sen wird fort­schrei­ten und der Mee­res­spie­gel anstei­gen, so dass ganze Län­der in ihrer Exis­tenz bedroht werden.

Die reak­tive Vari­ante, die wesent­lich wahr­schein­li­cher erscheint, bedeu­tet eine kurz­fris­tig ein­tre­tende Kli­ma­katstro­phe, wel­che die Gesell­schaft zu raschen Maß­nah­men bewegt. Ein Bei­spiel für eine solch gestei­gerte Wahr­neh­mung ist in Europa der Som­mer 2003 gewe­sen, in dem die Zei­tun­gen mit immer neuen  sechs­stel­li­gen Zah­len die Hit­ze­to­ten zähl­ten. Unter der Annahme, dass eine fossil-​​intensive Wirt­schaft wei­ter wächst und das Bevöl­ke­rungs­wachs­tum nicht gebremst wer­den kann, ist eine Erwär­mung um 4°C wahr­schein­lich und über 6°C mög­lich. Die Fol­gen wären ein schnell anstei­gen­der Mee­res­spie­gel, lang­an­hal­tende Dür­ren und eine wei­tere Zunahme der Wet­ter­ex­treme wie Stark­re­gen und Stürme. Ein Som­mer wie im Jahr 2003 wäre dann ein sta­tis­tisch gese­hen eher küh­les Ereig­nis. In einer sol­chen Welt müss­ten wir unsere Lebens­räume schüt­zen: Dei­che an unse­ren Küs­ten, Kli­ma­an­la­gen in unse­ren Gebäu­den und eine kli­ma­an­ge­passte Wirt­schaft und Lebens­weise. Die­je­ni­gen Regio­nen, die eine sol­che Anpas­sung nicht leis­ten kön­nen, wer­den mit kata­stro­pha­len Aus­wir­kun­gen kon­fron­tiert sein.

Die Zukunfts­angst des Kli­ma­wan­dels ist ver­gleich­bar mit der Bedro­hung des kal­ten Krie­ges. Die Angst vor der End­gül­tig­keit eines Nukle­arschla­ges und sei­ner glo­ba­len Zer­stö­rungs­kraft hat letzt­end­lich dazu geführt, dass die Bombe nicht ein­ge­setzt wurde. Anders als im ato­ma­ren Kon­flikt reicht es heute lei­der nicht aus, den Knopf nicht zu drü­cken. Es müs­sen aktive, ziel­ge­rich­tete Hand­lun­gen unter­nom­men wer­den, um den mensch­li­chen Ein­fluss auf das Klima zu mini­mie­ren. Sollte dies fehl­schla­gen, gilt: Rette sich wer kann!

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  • Frank sagt:

    Frü­her hat­ten wir auch immer Kalte Win­ter, weiße Weih­nacht war zwar nicht die Regel aber es hat auch schon mal im Novem­ber geschneit. Zwar nicht so viel aber ab und zu hat es dann doch ger­reicht um den Schul­bus aus­fal­len zu lassen. :)

    • Thomas Madry sagt:

      Ja Frank, da hast du Recht. Es gab auch schon­mal einen hei­ßen Som­mer und es gab auch schon­mal Hoch­was­ser und es gab auch schon­mal einen Regen, der dir die Hosen aus­ge­zo­gen hat. Das Phä­no­men Kli­ma­wan­del bedeu­tet aber, dass der­ar­tige Ereig­nisse in ihrer Häu­fig­keit und Inten­si­tät zuneh­men. Sowas heißt dann »das hei­ßeste Jahr seit Beginne der Tem­pe­ra­tur­auf­zeich­nung« oder »käl­tes­ter Novem­ber seit Beginn der Tem­pe­ra­tur­auf­zeich­nung«. Wie bereits geschrie­ben gibt es heute kei­nen Platz mehr für Kli­ma­wan­delskep­ti­ker. Ich lasse mich noch auf eine Dis­kus­sion der Ursa­chen ein, wel­cher Anteil ist natür­lich, wel­cher durch den Men­schen ver­ur­sacht. Dass es in dei­ner Ver­gan­gen­heit schon mal im Novem­ber geschneit hat, ist für mich wirk­lich keine Welt erschüt­ternde Information.

  • Eine Sys­te­mi­sche Betrach­tung des Kli­ma­wan­dels von Sei­ten der Poli­tik Hoheit wird gera­dezu negiert von daher erwarte man nicht zu viel Aktion. Denn bekann­ter­ma­ßen ist Poli­tik Hand­lungs­un­fä­hig. So möchte ich denn in die Runde rufen: Handelt!

    • Thomas Madry sagt:

      Hm, das klingt für mich fast wie eine Auf­for­de­rung zu einer »Öko-​​Diktatur«. Ich denke, die Demo­kra­tie ist das am bes­ten funk­tio­nie­rende Ord­nungs­prin­zip einer Gesell­schaft um dem Miss­brauch von Macht und Kor­rup­tion ent­ge­gen zu wir­ken und lang­fris­tig zu den rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen auf Grund­lage ratio­nel­ler Abwä­gun­gen und Berück­sich­ti­gung aller ver­tre­te­nen Min­der­hei­ten zu gelangen.

      Eine all­ge­meine Ableh­nung der Hand­lungs­fä­hig­keit der Poli­tik ist gerade das was zur Läh­mung der Poli­tik führt. Eine starke Gesell­schaft­li­che Dis­kus­sion, die auch in der Öffent­lich­keit aus­ge­tra­gen wird und sich nicht nur an den betrof­fe­nen Eli­ten ori­en­tiert ist, ist das wirk­samste Istru­ment um enga­gierte, mutige Ent­schei­dungs­trä­ger zum Han­deln zu motivieren.

      Darin liegt doch der Sinn der Kon­text­schmiede, oder?

  • Jana sagt:

    Aber machen wir spe­zi­ell in Deutsch­land nicht schon sehr viel für die Umwelt? Gucken wir mal rüber zu ande­ren Län­dern wie Z.B. China oder den USA, dann kön­nen die sich von unse­rer Umwelt­po­li­tik eine Scheibe abschnei­den. Es müs­sen alle welt­weit an einem Strang zie­hen, sonst bringt es auch nichts,wenn wir jetzt z.B. neuen E10 Kraf­stoff einführen,der bes­ser für die Umwelt ist,solange es in China noch nicht­mal Kata­ly­sa­to­ren für die Autos gibt!

    • Thomas Madry sagt:

      Das ist ein Argu­men­ta­ti­ons­strang: machen wir Umwelt­schutz dort, wo wir kos­ten­güns­tig das größte Ergeb­nis erzielen!

      Aber wer bezahlt die Kata­ly­sa­to­ren in China? Wie kön­nen wir als Deut­sche mit einem Pro Kopf Ver­brauch von 10t/​CO2 pro Jahr den Chi­ne­sen mit einem pro Kopf Ver­bra­cuh von 5t/​CO2 pro Jahr vor­schrei­ben, dass sie ihre Ent­wick­lung umwelt­freund­lich gestal­ten sol­len? Letzt­end­lich ist es ja aus Sicht der Chi­ne­sen nur gerecht, wenn Sie zumin­dest ein ver­gleich­ba­res Niveau errei­chen wie die Indus­trie­län­der, oder nicht?

      Der Schlüs­sel liegt darin das Wirt­schafts­wachs­tum vom Res­sour­cen­ver­brauch und der CO2 Ent­wick­lung zu ent­kop­peln. Beson­ders für Ent­wick­lungs– und Schwel­len­län­der ist ein sol­cher Pro­zess und die Inves­ti­tion in ent­spre­chende Tech­no­lo­gien aber sehr teuer und muss finan­ziert wer­den. Das Kyoto Pro­to­koll setzt über den sog. Cle­an­De­ve­lop­ment­Me­cha­nism einen ent­spre­chen­den Anreiz in umwelt­freund­li­che Tech­no­lo­gien im Aus­land zu inves­tie­ren um damit Emis­si­ons­be­rech­ti­gun­gen im eige­nen Land zu erkau­fen. Dies ist aber höchst umstrit­ten und führt nach Mei­nung der Exper­ten am Wup­per­tal Insti­tut eher dazu, dass über­all mehr ver­braucht wird, ohne das es zu wirk­sa­men Ein­spa­run­gen kommt.

      Der Kli­ma­wan­del ist letzt­end­lich auch ein glo­ba­ler ethi­scher Kon­flikt, indem es leicht ist zu sagen: es waren die ande­ren oder die ande­ren müs­sen etwas tun!




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