Der beste Federer aller Zeiten!

Der beste Federer aller Zeiten!

Wer würde ein fiktives Match zwischen dem French Open-Champion 2009 und dem Wimbledon-Champion 2005 wohl gewinnen? Eines ist klar: Auf beiden Seiten des Courts wird in dieser Vorstellung Roger Federer stehen. Der Spieler, dem etliche Tennis-Experten den Paris-Titel nie zutrauen wollten. Vermeintliche Experten, die gut gemeinte Ratschläge wie einen festen Coach an seiner Seite, einen größeren Schlägerkopf oder gar eine ganz neue Taktik als Heilmittel für die selbst erdachte Krise ausgaben, merkten darüber nicht, wie sich Federer in seiner gesamten Karriere weiterentwickelt hat.Stillstand oder Rückschritt kann sich kein Spitzensportler leisten

Stillstand oder Rückschritt kann sich kein Spitzensportler leisten. Speziell im harten Tour-Alltag wartet die hungrige Meute junger Athleten, die wenig ehrfurchtsvoll auf das Erbe Federers schielt, auf jeden kleinen Fehler und nutzt ihn gnadenlos aus. "Alle fünf Jahre etwa macht Tennis eine Veränderung durch. Dann sind nicht nur die Spieler andere, sondern auch das Spiel entwickelt sich weiter", wusste schon Andre Agassi kurz vor seinem Rücktritt vom aktiven Tennissport, dass seine Spielweise in der Zukunft weniger Erfolge erzielen wird.

Roger Federer steht jedoch seit fünf Jahren kontinuierlich in Halbfinals der vier Grand-Slam-Events und hat soeben im Stade Roland Garros Geschichte geschrieben. Der Baselbieter hat die Chance genutzt und sich mit seiner Konkurrenz gesteigert. Spielerisch und mental.
Offensichtlich ist dies vor allem im Volleyspiel und auf der Rückhandseite. Tony Roche entwickelte Federers Flugbälle weiter. Ein Beleg dafür ist der Olympiasieg im Doppel an der Seite von Stanislas Wawrinka. Der Übergang vom Netz an die Grundlinie ist fließend, und als Stilmittel in seinem Allround-Spiel setzt der Schweizer die Netz-Attacke immer häufiger ein. Die größeren Bälle, das weiterentwickelte Material und die Fitness der Gegner lassen eine konsequente Serve-and-Volley-Taktik nicht mehr zu. Keine Veranlassung für Federer also, sich hier blindlings in der Offensive zu verrennen.

Die einhändige Rückhand ist auf der Tour wohl einmalig. Rafael Nadals Fähigkeit, beinahe auf beiden Seiten Vorhand spielen zu können, bezeichnet Agassi einfach als "Naturwunder". Da Federer im Gegensatz zum Spanier sehr wohl weiß, welche Hand seine stärkere ist, muss er die Nachteile bei hohen Bällen über der Schulter in Kauf nehmen. Ganz offensichtlich hat sich der 27-Jährige aber auch dort verbessert und ist sogar auf Sand auf die Dauer-Penetrierung aller Gegner eingestellt.

Grundlage dieser Schläge ist die beeindruckende Fitness, die Federer trotz tückischer Krankheit nie eingebüßt hat. Im Gegenteil zeigte er besonders gegen den sieben Jahre jüngeren Juan Martín del Potro, welch Ausnahme-Athlet er ist. Der Aufschlag ist weiterhin der stärkste Vorbereitungsschlag, und auch die direkten Punkte mit dem Service haben sich statistisch sukzessive erhöht. Mit seiner Vorhand schließt Federer noch immer die meisten Ballwechsel ab - sein stärkster Angriffsball. Zusammengerechnet ist sein Spiel noch kompletter geworden.

Die Zeiten der Dominanz, von Grand-Slam-Erfolgen ohne Satzverlust oder 24 gewonnenen Endspielen in Serie sind augenscheinlich vorüber. Doch ist Roger Federer mit Rafael Nadal seit 2005 ein mächtiger Gegenspieler erwachsen. Ein Kontrahent, der dem Champion das Wissen um seine Unvollkommenheit zurückgegeben hat. Ähnliche Duelle, die das Beste aus zwei sich ergänzenden Spielertypen gefördert haben, gab es in der Tennisgeschichte zur genüge. Björn Borg gegen John McEnroe und Pete Sampras gegen Andre Agassi zählen wohl zu den bekanntesten Beispielen.

Wer würde nun also unser fiktives Match gewinnen? Wahrscheinlich wäre die Begegnung zwischen dem heutige Roger Federer und seinem drei Jahre jüngeren Alter Ego eine wahnsinnige Show. Der Paris-Champion im Juni 09 gewinnt. Mit Dominanz und Leichtigkeit.

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  • obi sagt:

    Gute Arbeit csp! Ich hoffe ihr bleibt in Sachen Ten­nis wei­ter­hin am Ball, schließ­lich gibts ja auch end­lich mal wie­der erfreu­li­ches zu ver­mel­den von deut­schen Spie­lern. Ob Fede­rer bes­ser oder schlech­ter gewor­den ist, spielt in mei­nen Augen keine Rolle, der gewinnt ja wei­ter­hin alles, nur in noch schlim­me­rer Art und Weise^^. Der Sieg über Haas war furcht­bar mit anzu­se­hen. Angst macht mir nur Rogers Aus­sage nun befreit bis zum Kar­rie­re­ende auf­spie­len zu können…




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