Die Wachau — Zwischen Heurigen und Weltkulturerbe

Die Wachau — Zwischen Heurigen und Weltkulturerbe

Hoch steht die warme Sonne am strah­lend blauen Him­mel. Ver­spielt glit­zern ihre Strah­len auf der ruhig dahin flie­ßen­den Donau. Wenige Schritte vom Ufer ent­fernt erstre­cken sich saf­tig grüne Wein­gär­ten, unter­bro­chen nur von einer ver­schla­fen wir­ken­den Sied­lung. Wahr­lich ein idyl­li­sches Fleck­chen Land hier Mit­ten in Nie­der­ös­ter­reich. Doch schnell ist es vor­bei mit der Ruhe in der Wachau. Groß­städ­ter und Tou­ris­ten beschleu­ni­gen das sonst so gemäch­li­che Tempo in der länd­li­chen Umge­bung merk­lich. „Sonn­tags kom­men die Wie­ner“, seuf­zen dann die Wirte der zahl­rei­chen Heu­ri­gen und hof­fen auf eine schnelle Abreise der unge­lieb­ten Gäste.

Das Inter­esse an einem der wohl bes­ten Anbau­ge­biete für tro­ckene Weiß­weine kann jedoch kaum über­ra­schen. Die Wachau ist näm­lich längst kein Geheim­tipp mehr. Welt­weit sind die Spit­zen­er­zeug­nisse aus den Kel­lern der Win­zer zwi­schen Spitz und Krems bekannt und wer­den geschätzt. Zwar erstreckt sich die Fluss­land­schaft nur über 30 Kilo­me­ter, doch för­dert das beson­dere Klima und die Weinbau-​​Tradition eine Fülle von hoch­ka­rä­ti­gen Most-​​Erzeugnissen zu Tage. Die ganze Kraft der Region kon­zen­triert sich in unver­wech­sel­ba­ren Ries­lin­gen und Grü­nen Veltlinern.

Grund­lage für die gleich­blei­bend hohe Qua­li­tät der edlen Wach­auer Trop­fen ist das strenge Wein­ge­setz des „Vinea Wachau Nobi­lis Distric­tus“, das strikte Vor­ga­ben für den An– und Aus­bau der Weine führt. „Natur und sonst nichts“ heißt ein Wahl­spruch der orga­ni­sier­ten Win­zer, die sich nicht mit den gül­ti­gen Wein­ge­set­zen abge­ben woll­ten und frei­wil­lig schär­fere Vor­ga­ben akzep­tier­ten. Nicht zuletzt eine Reak­tion auf den öster­rei­chi­schen Wein­skan­dal. Kon­kret bedeu­tet dies im „Codex Wachau“ Hand­lese sowie keine Anrei­che­rung, Kon­zen­trie­rung und Aro­ma­ti­sie­rung der Erzeug­nisse. Aus ande­ren Anbau­ge­bie­ten dür­fen keine Trau­ben hin­zu­ge­kauft werden.

„Natur und sonst nichts“

Schaufenster mit BrötchenDoch erst die ein­ma­li­gen kli­ma­ti­schen und geo­lo­gi­schen Gege­ben­hei­ten sor­gen für die aro­ma­ti­sche Viel­falt der Wach­auer Weine. Pano­ni­sche Winde aus dem Osten, gemä­ßigte atlan­ti­sche Warm­luft aus dem Wes­ten und kühle Fall­winde aus den Wach­auer Grä­ben bie­ten vor allem dem Ries­ling das opti­male Umfeld. Gemein­sam mit der Donau ent­steht so ein Mikro­klima, das die Win­zer mit allen Mit­teln schüt­zen wol­len. Karge Urge­steins­bö­den, teil­weise bedeckt mit Löß– und Sand­in­seln sowie frucht­ba­res Schwemm­land am Fluss­ufer spen­den die nötige Mineralität.

Die her­vor­ra­gen­den Bedin­gun­gen spie­len den Wein­bau­ern natür­lich in die Kar­ten. Neben den abso­lu­ten Spit­zen­gü­tern wie Emme­rich Knoll, F. X. Pich­ler, Franz Hirtz­ber­ger, Leo Alzin­ger oder Josef Jamek pro­fi­tiert davon auch die zweite Garde. Betrie­ben wie dem Stier­schnei­der Kar­täu­s­er­hof, Schmelz oder dem Wein­gut Pra­ger, alle­samt in Wei­ßen­kir­chen behei­ma­tet, fehlt außer dem Welt­ruf nicht mehr viel zur Spitze.

In diese Kate­go­rie kann mitt­ler­weile auch die Win­zer­ge­nos­sen­schaft Domäne Wachau ein­ge­glie­dert wer­den. Zahl­rei­che kleine Betriebe der Region belie­fern das Dürn­stei­ner Unter­neh­men mit bes­tem Trau­ben­ma­te­rial. Mehr als 30 Pro­zent der gesam­ten Reb­flä­che besit­zen die „Freien Wein­gär­ten“ dadurch. Stil­vol­les Ambi­ente in der moder­nen Vino­thek und das geschichts­träch­tige Kel­ler­schlös­sel als reprä­sen­ta­ti­ver Ver­an­stal­tungs­ort machen nur einen Teil des Rei­zes der Domäne aus. Selbst­re­dend sind es aber die ele­gan­ten Weine mit einem vor­züg­li­chen Preis-​​Qualität-​​Verhältnis, die für die Lobes­hym­nen in zahl­rei­chen Fach­pu­bli­ka­tio­nen sorgen.

Menschen im WeingartenZiel­ge­rich­tete Ver­kos­tun­gen in allen Ehren, doch gemüt­lich wird es in der Wachau, die seit dem Jahr 2000 auch Welt­kul­tur­erbe ist, vor allem in den Abend­stun­den, wenn die Heu­ri­gen einen lau­schi­gen Platz inmit­ten von Wein­gär­ten anbie­ten. Ries­ling und Velt­li­ner eig­nen sich her­vor­ra­gend als Essens­be­glei­ter und laden förm­lich zu einem Hap­pen ein. Große Küche wie im Niko­lai­hof, Loib­ner­hof oder im Land­haus Bacher muss es aber nicht unbe­dingt sein. Oft rei­chen fri­sche Wach­auer Laberln mit ver­schie­de­nen Brot­auf­stri­chen oder das berühmte Rind­fleisch mit Kür­bis­kernöl. Kom­bi­niert mit einer leich­ten Stein­fe­der spielt Zeit dann kaum noch eine Rolle und das gemäch­li­che Tempo der Umge­bung scheint die Heurigen-​​Gäste anzu­ste­cken. Ganz zum Leid­we­sen der Wirte. Denn erst wenn der letzte Besu­cher sich auf den Heim­weg macht, schlie­ßen sie den Aus­schank. Auch bei unge­lieb­ten Groß­städ­tern aus der Bun­des­haupt­stadt Wien.

Kommentar-icon Kommentieren




Kommentare können in der Kommentarschleife auf die Moderation warten. Bitte etwas Geduld beweisen und nicht neu absenden. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die uns nicht passen. Spam wird grundsätzlich gelöscht. Weitere Erläuterungen zu Kommentarregeln und Datenschutz finden sich in unseren Nutzungsbestimmungen.



  • Über uns

    Die Kon­text­schmiede ist eine Platt­form für junge Auto­ren, auf der ein brei­tes Spek­trum von gesell­schaft­lich rele­van­ten The­men abge­deckt wird. Die Bei­träge sol­len Zusam­men­hänge, Hin­ter­gründe und Ana­ly­sen bie­ten und Inhalte stets in einen Kon­text ein­bet­ten, der neue Per­spek­ti­ven eröffnet.

↑ Springe zum Seitenanfang

An der Technik der Kontextschmiede wird beständig gefeilt. Für Fehler bitten wir um Nachsicht. © Kontextschmiede