Erfolg im Fußball: Das Glück erzwingen

Es waren erfolgreiche Wochen für den Branchenprimus der Bundesliga. Für die Taktiktafel aber deutlich ergiebiger als eine Diskussion über Erfolg ist die Erkenntnis: Das Ballgeschiebe, mit dem die Bayern ab und zu noch am Durchhaltewillen fußballerisch limitierter Bundesligisten scheitern, folgt immer offensichtlicher einem Plan. Das kann man in einer Liga, deren Fans bis heute zu großen Teilen dem Heldenfußball und der Überhöhung des individuellen Genius frönen, kaum überbewerten. Nach vorne richtet es bei Bayern eben nicht ausschließlich die individuelle Klasse der Offensivspieler. Die spielerische Dominanz, die der FCB besonders im Hinspiel gegen United entwickelte, wurde von fleißigen und disziplinierten Arbeitern im Kollektiv erzeugt.

Natürlich sind in einem Sport, dessen Spielziel im Vergleich zu anderen Sportarten selten erreicht wird, Einzelaktionen häufig entscheidend. Viel häufiger als etwa beim Basketball oder beim Handball kann ein einziger Moment, ein Dribbling, ein Torschuss, das komplette Spiel entscheiden. Eine Abseitsentscheidung, der Pfosten oder eine Rasenunebenheit aber eben auch. Fußball ist wegen der geringen Anzahl an Toren anfällig für den Zufall. Favoriten scheitern viel häufiger am Underdog, als in anderen Sportarten. Erst in der Summe vieler Spiele gleichen sich die Zufälle aus. Eine 20% höhere Erfolgswahrscheinlichkeit macht sich irgendwann in der Tabelle bemerkbar.

Um so wichtiger ist es für die Trainer, den Zufall so weit wie möglich einzuschränken und die Erfolgswarscheinlichkeit zu erhöhen.  Jedes Prozent mehr zählt. Erfolg als solcher ist nicht planbar, aber Leistung, die für eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit steht, ist es sehr wohl. Louis van Gaal hat bei den Bayern eindrucksvoll gezeigt, dass die dort einstudierten Offensivbemühungen sein Team in die Lage versetzen, sich von den genialen Einzelaktionen seiner Stars zu emanzipieren. Das sollte gleichzeitig Warnung an all jene sein, die sich große Chancen ausrechnen, nur weil ein Superstar des Gegners sich verletzt. Natürlich kann ein herausragender Spieler immer wieder herausragende Leistungen zeigen. Aber Genialität ist leider nicht planbar, wehe, wenn es keinen Plan B für einen schlechten Tag gibt.

Wie groß der Anteil des Zufalls im Fußball ist, können Statistiker mit ihren Modellen recht genau nachvollziehen. Einige Studien bemühen sich, die vielen Stellschrauben zu erkennen, an denen ein Trainer überhaupt drehen kann, um das Glück zu seinen Gunsten zu beeinflussen. In den Statistiken liegen Hinweise auf eine Ordnung im Chaos verborgen, die zu entschlüsseln neue Ansätze für Erfolg verspricht. Bücher wie die Fußball-Matrix und ein wachsender Trend zum Hinterfragen der Ursachen von Erfolg und Misserfolg in der Sportberichterstattung zeugen davon, dass immer mehr Fußballfreunde ihren Sport besser verstehen wollen. Nicht zuletzt in den neuen Medien kann der geneigte Leser seinen Horizont erweitern, wie bei Spox oder dem geschätzten Kollegen Petersen vom Werder-Fußball-Blog. Der Mythos des Fußballs wird um neue Kapitel erweitert, statt entzaubert, wenn wir nach und nach die Komplexität des Spiels begreifen und stets auf neue Geheimnisse stoßen.

Nun ist die Erkenntnis, dass der Zufall der Feind des planbaren Erfolges ist, kein großes Geheimnis. Trotzdem hakt es bei vielen Teams an der Akribie in der Umsetzung. Wie sonst ist zu erklären, dass Jens Lehmann im Interview ausplaudert, Aleksander Hleb sei am Training bei Arsenal fast verzweifelt, weil auch vermeintlich technisch beschlagene Stars sich erst an die Intensität und die Geschwindigkeit des Trainings von Arsene Wenger gewöhnen müssten? Fast wortgleich argumentiert Louis van Gaal, wenn er erklären will, warum die Früchte seiner Trainingsarbeit sich nicht sofort zeigten. Als Edgar Davids übrigens nach seiner Zeit in Italien zu Gast bei van Gaal mittrainierte, konnte er sich fast nahtlos in die Übungseinheiten einfügen. Die meisten davon kannte er noch aus dem Training bei Ajax Amsterdam. Trainer, die das Offensivspiel forcieren wollen, müssen Automatismen in die Köpfe ihrer Spieler bekommen. Sonst sind sie dem Zufall ausgeliefert.

Wenn ein Trainer es jedoch schafft, seine Mannschaft taktisch zu schulen, kommt er dem Ziel des planbaren Erfolgs schon näher. Seine Mannschaft kann verlässlich häufiger eigene Großchancen herausarbeiten oder gegnerische Großchancen verhindern. Die Laufwege und Passwege sind so abgestimmt, dass es weniger auf den genialen Geistesblitz ankommt, sondern viel mehr die Genauigkeit der Umsetzung, die natürlich auch mit der individuellen Qualität der Spieler zunimmt. Wenn man sich das Angriffsspiel der Bayern in der Rückrunde anschaut, sieht man immer wiederkehrende Situationen. Da ist Struktur drin, oder das, was gerne auch als Handschrift eines Trainers bezeichnet wird.

Spieler auf der ballabgewandten Seite werden isoliert. Nach Ballgewinn fallen die Innenverteidiger zurück. Vertikale Pässe in der eigenen Hälfte bis zum gegnerischen Strafraum sind fast immer diagonal, auch die nach hinten. Die gegnerischen Außenverteidiger werden durch Hinterlaufen mit hohem Tempo weit zurückgedrängt. Und vor allem: Es gibt eindeutige Phasen im Angriffsspiel. Erst wenn gewisse Räume besetzt sind und der Ball dort gesichert werden kann, rücken die Abwehrketten nach und es werden andere Passwege gesucht. Bis irgendwann das Spiel komplett in die Hälfte des Gegners verlagert ist und die Spieler nur noch nach der Möglichkeit zum finalen Pass suchen. Beeindruckend.

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  • JUICEDaniel sagt:

    Zum Video: Wie­der mal sehr gut gemacht, dies­mal ist es mir nur einen Tick zu schnell. Vor allem das Lesen der Texte (etwas zu klein) war kaum mög­lich, da hät­test du (mir) ruhig mehr Zeit geben kön­nen. Aber das ist »Meckern« auf hohem Niveau, sieh es als kon­struk­ti­ves Feed­back an. :)

  • Ich mecker auch mal ;)

    Ich bin nicht mit­ge­kom­men. Das lag am schnel­len Erzäh­len, an den vie­len Tex­ten und mei­nem Back­ground, so dass ich die Tak­ti­ken nur wenig nach­voll­zie­hen konnte. Ich hatte das Gefühl, dass da zuviel rein sollte. Reduzieren?

    Der Ton war etwas ble­chern. Schlech­ter als sonst, oder?

    Trotz­dem natür­lich gut — mich wür­den die Tak­ti­ken noch mehr inter­es­sie­ren als das Dia­gramm­ver­schiebe am Anfang.…

    Immer wei­ter, immer weiter…

  • heinzkamke sagt:

    Zwar finde ich auch, dass die Geschwin­dig­keit grenz­wer­tig war und mög­li­cher­weise etwas zu viel auf ein­mal ver­mit­telt wer­den sollte; die Lek­türe des Tex­tes _​vor_​ Anse­hen des Videos erleich­terte das Ganze jedoch deut­lich, sodass ich schon ganz gut fol­gen konnte.

    Grund­sätz­lich wäre es aus mei­ner Sicht wün­schens­wert (die Frage der Rea­li­sier­bar­keit lasse ich mal völ­lig außen vor), wenn auf die theo­re­ti­sche Hin­füh­rung und die grund­sätz­li­chen Aus­füh­run­gen zu van Gaals Tak­tik und deren Umset­zung eine Ver­an­schau­li­chung anhand von Bei­spie­len fol­gen könnte.

  • heinzkamke sagt:

    Metin Tolan, Phy­si­ker und Fuß­ball­fan, der der­zeit durch die Medien tin­gelt, um sein Buch »»So wer­den wir Welt­meis­ter« unter die Leute zu brin­gen, wir in der heu­ti­gen Stutt­gar­ter Zei­tung aus­führ­lich inter­viewt. Auch er zieht den Quer­ver­gleich zu ande­ren Sportarten:

    »Wer sich für Fuß­ball inter­es­siert, lässt sich auf ein Spiel ein, in dem wenig Tore fal­len. Das allein ist das unge­rech­teste am Fuß­ball! Im Durch­schnitt sind es nur 2,5 bis 3 Tore pro Spiel. Man kann sich daher aus­rech­nen, dass selbst eine deut­lich schwä­chere Mann­schaft immer noch eine rela­tiv hohe Wahr­schein­lich­keit besitzt, das Spiel zu gewin­nen … Nun gewinnt der Bes­sere im Fuß­ball zwar auch häu­fi­ger, aber der deut­lich Schlech­tere hat auch noch eine rela­tiv große Sieg­wahr­schein­lich­keit … Wenn im Fuß­ball mehr Tore fie­len, sagen wir 20 oder 30 pro Spiel, hät­ten Sie die­sen Effekt aber nicht mehr … Wenn im Fuß­ball eine nur halb so gute Mann­schaft gegen ein dop­pelt so gutes Team spielt, liegt die Wahr­schein­lich­keit immer noch bei rund 25 Pro­zent, dass die schwä­chere gewinnt. 25 Pro­zent! Im Hand­ball mit durch­schnitt­lich 60 Toren pro Spiel liegt diese Wahr­schein­lich­keit bei 0,7 Promille.«

  • erz sagt:

    Danke für die ehr­li­che Kri­tik. Jetzt, wo ich mir das Video mit ein wenig Abstand ansehe, muss ich zuge­ben, dass das Timing wirk­lich nicht opti­mal ist. Da war ich schon mal bes­ser, aber ich weiß wenigs­tens woran es liegt: Ich war unter Zeit­druck und habe geschlu­dert — da habe ich mir kei­nen Gefal­len mit getan.

    Wenn es gar zu unver­ständ­lich ist, könnte ich das Paket noch­mal auf­schnü­ren, die Ani­ma­tio­nen etwas auf­po­lie­ren und das Video neu ver­to­nen, aber das sind zwei Stun­den Arbeit, die ich lie­ber in ein künf­ti­ges Video ste­cken würde. Was meint Ihr?

    Wir nähern uns ja nach eini­gen Grund­la­gen und Fin­ger­übun­gen schon immer mehr der kon­kre­ten Anwen­dung auf Bei­spiele aus Spie­len, zumin­dest ist diese Ent­wick­lung in mei­nem Kopf schon sicht­bar, viel­leicht bin ich damit aber auch alleine. Ich habe nur ein gra­vie­ren­des Pro­blem, Spiel­sze­nen gra­fisch abzu­bil­den: Mir fehlt das nötige Quel­len­ma­te­rial, denn ich habe kei­nen Fern­se­her und kei­nen Video­re­cor­der, und in der ZDF-​​Mediathek sind aus­ge­rech­net die Spiels­sze­nen nicht nach Aus­strah­lung ver­füg­bar. Falls ihr mir da wei­ter­hel­fen könn­tet, wäre ich sehr dank­bar. Dann bleibt nur das Pro­blem, dass ich sol­che Ana­ly­sen nicht unbe­dingt Zeit­nah lie­fern kann und ihr euch an das Spiel womög­lich gar nicht mehr erin­nert. Vorschläge?

    @heinzkamke
    Ein Pro­blem habe ich mit Tolans Fixie­rung auf Tore. Dem Ansatz kann ich zustim­men, habe ich ja auch im Arti­kel auf­ge­grif­fen, aber die sta­tis­ti­sche Signi­fi­kanz der Anzahl der Tore im Fuß­ball über­schätzt er mei­nes Erach­tens. Die wich­ti­gere Größe für Erfolg ist die Zahl der Groß­chan­cen, die her­aus­ge­spielt wer­den. Dann rela­ti­vie­ren sich die Freak-​​Spiele, in denen der Geg­ner aus einer hal­ben Chance zwei Tore macht, doch recht deut­lich: Wer viele eigene Chan­cen erspielt und wenige zulässt, der gewinnt signi­fi­kant häu­fi­ger. Tore sind schließ­lich an Chan­cen gekop­pelt, des­we­gen gewinnt Nürn­berg eben nicht eines von vier Spie­len gegen Barcelona.

    Dass der Schlech­tere trotz­dem eine rela­tiv gute Chance hat zu gewin­nen, macht für mich das Spiel erst so groß­ar­tig. Fuß­ball mit 20 Toren pro Spiel wäre für mich deut­lich unspan­nen­der (mal abge­se­hen davon, dass einige Regeln geän­dert wer­den müss­ten, damit so etwas über­haupt vor­stell­bar wird).

  • Taktiker sagt:

    Bin gerade auf den Blog gesto­ßen über die SPOX-​​Blogschau, wirk­lich ganz ganz gro­ßes Kino was du hier ablie­ferst! Das Video ist klasse, auch wenn ich manch­mal anhal­ten musste um den den Zu lesen, aber ich muss wirk­lich sagen, dass das der beste Blog war, den ich bis­her gele­sen habe, ich mache mich gleich mal an die ande­ren. Dass du meine Gruppe auf Spox auch noch erwähnst find ich super, viel­leicht hät­test du Bock an gewis­sen Pro­jek­ten mit­zu­ma­hen, die Gruppe ist gerade im Aufbau…

    Auf jeden Fall wirk­lich super Blog und die rest­li­chen sind bestimmt auch klasse.

    Zur Bay­ern­tak­tik:

    Genau das hab ich auch beob­ach­tet, das Angriffs­spiel ist geplant, jeder Spie­ler weiß was er zutun hat. Das hat auch Phil­ipp Lahm im Kicker ange­deu­tet, aber erst im Spiel wird es deut­lich. Ziel sind eigent­lich immer die Außen­spie­ler, dann hin­ter­läuft der jewei­lige Aus­sen­ver­tei­di­ger ab einer bestimm­ten Posi­tion, und es bie­ten sich dem Außen­spie­ler nor­ma­ler­weise die optio­nen Dribblen oder Passen.

    Auf­fäl­lig ist dabei, dass die bay­ern Ribery und vor allem Rob­ben benut­zen, um den Geg­ner zurück­zu­drän­gen, dabei spie­len sie mit der Angst des Geg­ners, der anstatt ins Driobb­ling zu gehen lie­ber abwar­tet und zurück­weicht, so erzie­len die Bay­ern immer einen Raum­ge­winn von 30m, wenn Rob­ben den Ball an der Mit­tel­li­nie bekommt. Dann spielt er auf einen DM, meis­tens Schwein­stei­ger, der dann ca. 35m vorm Tor ganz andere Mög­lich­kei­ten hat einen gefähr­li­chen Pass zu spie­len. Die Bay­ern ver­la­gern auch sehr viel, außer­dem ist auf­fäl­lig, dass kei­ner der DM mit nach vorne rückt wie nor­ma­ler­weise üblich und dann den OM oder die HS gibt, so blei­ben die bei­den Anspiel­sta­tio­nen und das Spiel ist wirk­lich auf die Außen beschränkt.

    Wirk­lich klasse, hat mir den Tag versüßt. ;-)

  • Tag…

    ..mach es nicht noch­mal. Die Mühe ist es ver­mut­lich nicht wert, es sei denn du willst es für dich noch­mal kor­ri­gie­ren bzw. ver­bes­sern. Bei die­sen Geschich­ten bist du lei­der immer ein Sklave der begrenz­ten Zeit. Das merk ich auch alle Nase lang.
    Hast du schon mal bei Sky geschaut — da gibt es ab Mon­tag Zusam­men­fas­sun­gen aller Spie­ler für den Nicht­abon­nen­ten und ich sag mal bis zum Spiel­tag nach dem Spiel finde ich sowas immer spannend.

    Keep on rocking ;)

  • Enno sagt:

    Ganz gro­ßes Ten­nis, äh große Fußball-​​Taktik. Ich wün­sche mir mehr von sol­chen Bei­trä­gen und habe auch das Buch von Bier­mann mit regem Inter­esse gele­sen. Lei­der schei­tert es mit eige­nen Bei­trä­gen zum Thema Tak­tik daran, dass es echt auf­wen­dig ist, das ganze für sich selbst klar zu bekom­men und dann auch noch ver­ständ­lich auf­zu­be­rei­ten. Das ist echt ein gan­zer Bat­zen Arbeit, den ich der­zeit im All­tag gar nicht hin­be­komme. Inso­fern: Trotz aller Kri­tik: Hut ab!

  • In der Tat scheint das Bayern-​​Spiel dar­auf ange­legt zu sein, bei Ball­ge­winn nicht unbe­dingt sofort umzu­schal­ten, son­dern das Spiel­feld erst­durch Ball­sta­fet­ten zu kon­trol­lie­ren. Das geht aber nur, wenn man auf den Flü­geln über­ra­gende Ein­zel­spie­ler hat — wie so oft im hol­län­di­schen Fußball.

    Der behä­bige Spiel­auf­bau liegt mei­ner Mei­nung nach auch daran, dass die Bay­ern mit Aus­nahme von Schwein­stei­ger keine 6er haben, über die man das Spiel durchs Zen­trum schnell machen kann.

  • tafelrunde sagt:

    Vor kur­zem hat der Trai­ner beim freistoss-​​des-​​tages die eng­li­sche Seite zonal­mar­king vor­ge­stellt. Die Reak­tio­nen dar­auf im Forum waren, gelinde gesagt, über­schwäng­lich begeistert.

    Und nun das hier. Jaaaaaa!! Bitte wei­ter so, immer weiter.

    Dass es noch Ver­bes­se­rungs­po­ten­ziale gibt, wurde ja schon ange­spro­chen. Aller­dings ist diese Seite der Fuß­ball­be­trach­tung und –auf­be­rei­tung in Deutsch­land bis­her nicht wirk­lich zu finden.

    Viel­leicht trägt die­ses Blog ein wenig dazu bei, die­ses zu ändern und ganz, ganz viel­leicht in kleins­ten Trip­pel­schrit­ten den Fuß­ball­sach­ver­stand hier­zu­lande etwas mehr dem auf der Insel anzu­nä­hern. Ein from­mer Wunsch: 10% der Fuß­ball­an­hän­ger die­ses Lan­des mögen doch hier vorbeischauen.

    Nun gut, Rea­lis­mus sieht anders aus;-)

  • erz sagt:

    Ver­dammte Hacke, so Opta-​​Sport-​​Daten hätte ich auch gerne für die Tak­tik­ta­fel! Wie es der Zufall will, schließt sich jetzt sogar die DFL dem ganz allein von mir (!!) gestar­te­ten Trend zu Tak­ti­kana­ly­sen an und lob­preist den van Gaal. http://​www​.bun​des​liga​.de/​d​e​/​l​i​g​a​/​n​e​w​s​/​2​0​0​9​/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​f​=​0​0​0​0​1​5​1​2​2​0​.​p​h​p​&​a​m​p​;​f​l​a=4

    (OK, ich war das nicht ganz alleine mit den Tak­tik­ar­ti­keln. Jetzt müs­sen wir Tak­tik­freunde nur zusam­men­hal­ten und dar­auf hof­fen, dass unsere Sache auch von flüch­ti­gen Lesern in die Fan­fo­ren und nach außer­halb die­ses Inter­net­zes getra­gen wird)

  • tafelrunde sagt:

    Wenn’s der Wahr­heits­fin­dung dien­lich ist, dann auch von der DFL;-)
    Haupt­sa­che, es geht mal was voran in Sachen tak­ti­schem Ver­ständ­nis, odrrr?

    Was bemer­kens­wert ist, ist die Tat­sa­che, dass es augen­schein­lich tat­säch­lich nur sehr wenige Trai­ner vom For­mat eines van Gaal gibt. Trai­ner, die eine Idee vom Spiel als sol­ches haben und die­ses auch den Spie­lern zu ver­mit­teln, also zu leh­ren imstande sind.

    Zwei­fel­los ist Klopp einer von die­sen. Bei Schaaf in Bre­men fehlt die Gesamt­sicht, sprich defen­sive Aus­rich­tung. Ansons­ten: Grass fres­sen, Zwei­kämpfe gewin­nen und Arsch auf­rei­ßen. Eigent­lich ein Armuts­zeug­nis für die BL. Jeden Sonn­tag im Dop­pel­pass zu bestaunen.

    Warum tau­chen denn im inter­na­tio­na­len Ver­gleich immer wie­der die­sel­ben Gestal­ten auf: Mourinho, Wen­ger, Fer­guson, Ance­lotti, van Gaal, auch Heynckes? Eben weil die ein in sich schlüs­si­ges Sys­tem haben!

    Auch ein Hitz­feld bei den Bay­ern hat stets situa­tiv gecoacht, ohne lang­fris­tige Vision. Warum? Aus Angst, weil dies Zeit braucht und weil der schnelle Erfolg auch anders zu errei­chen ist.

    Wenn man mal die ganz an der Spitze ste­hen­den Clubs betrach­tet, so zeich­net die alle ein gemein­sa­mes Kri­te­rium aus: Sys­tem­si­cher­heit. Auf­bau­end auf einer Basis-​​Philosophie. Genau die Mann­schaf­ten, allen voran Barca, die die höchste Sys­tem­si­cher­heit in ihrem Spiel haben, kom­men ganz, ganz weit nach vorne.

    Dass das so wenige in der Fuß­balls­cene wirk­lich begrei­fen, ist eigent­lich ein Skandal.

  • tafelrunde sagt:

    Noch eins: Hier ist wohl auch noch Winter.

  • Natür­lich hat Tho­mas Schaaf eine Idee vom Spiel, und die setzt er seit zehn Jah­ren um.

    Er hat auch ein kla­res Kon­zept für die Defen­sive, und die basiert eben dar­auf, dass die Kette hoch steht und bei Ball­ver­lust oft ste­hen bleibt. Das ist ris­kant und geht oft schief, und treibt mich in den Wahnsinn.

  • heinzkamke sagt:

    Was die Nach­be­ar­bei­tung anbe­langt, bin ich ganz bei Jens: nicht noch­mal machen.

    Bzgl. der Spiel­sze­nen sehe ich, ohne mich damit befasst zu haben, weni­ger deren Ver­füg­bar­keit (selbst bei bild​.de bekommst Du Sky-​​Zusammenfassungen, wenn ich mich nicht irre) als die Recht­e­frage als kri­ti­schen Punkt. Vor allem dann, wenn Du das regel­mä­ßig machen willst. Aktua­li­tät ist dabei aus mei­ner Sicht nur bedingt rele­vant. Wenn Du die Mög­lich­keit hast, Deine The­sen zu van Gaals Sys­tem zu illus­trie­ren, ist es mir nahezu egal, ob das anhand des Bayern-​​Spiels vom Wochen­ende oder von vor 5 Wochen geschieht, oder anhand alter Alkmaar-​​, viel­leicht gar ural­ter Ajax-​​Szenen.

  • erz sagt:

    Ich würde hier natür­lich keine Spiel­sze­nen zei­gen und da rein­ma­len wol­len (recht­lich unmög­lich), son­dern müsste die als Ani­ma­tion ver­wer­ten. Aber ich habe schon den Anspruch, da echte Spiel­sze­nen abzu­bil­den, statt hypo­the­ti­scher Sze­na­rios, des­we­gen brau­che ich eine Grund­lage, aus denen ich zuver­läs­sig und mit mög­lichst über­schau­ba­rem Auf­wand die Posi­tio­nen aller betei­lig­ten Spie­ler extra­hie­ren kann. Aber das wird schon, glaube ich. Für ein­zelne Spiel­sze­nen müsste das klap­pen, nur halt nicht für »das große Ganze«.

  • Matthias sagt:

    Gro­ßer Spocht! Danke! Klasse gemach­tes Video (scheint ziiieee­em­lich auf­wän­dig zu sein) — wenn auch für mich etwas schnell…

    Möchte auch noch­mals wie Tafel­runde auf zonal​mar​king​.net hin­wei­sen: eben­falls sehr gut gemach­ter, eng­li­scher Blog über Fuß­ball­tak­tik, der ein­zelne Spiele bespricht. Meist Pre­mier Lea­gue und Cham­pi­ons Lea­gue, aber auch Bundesliga-​​Spitzenspiele.

    Gibt also immer mehr Quel­len für Fans des beau­ti­ful games. Danke dafür an die Macher!

  • Linksaussen sagt:

    @petersen:

    [zitat]In der Tat scheint das Bayern-​​​​Spiel dar­auf ange­legt zu sein, bei Ball­ge­winn nicht unbe­dingt sofort umzu­schal­ten, son­dern das Spiel­feld erst­durch Ball­sta­fet­ten zu kon­trol­lie­ren. Das geht aber nur, wenn man auf den Flü­geln über­ra­gende Ein­zel­spie­ler hat  —  wie so oft im hol­län­di­schen Fuß­ball. [/​zitat]

    die­ses (hol­län­di­sche?) sys­tem lässt sich ja auch bei barca betrach­ten, wo cruyff (danach van gaal, rij­ka­ard) maß­geb­lich zu des­sen imple­men­tie­rung beige­tra­gen hat. ent­spre­chend war bei zonal​mar​king​.net auch die ana­lyse zu real — barca: barca hatte (bis auf xavi) nicht mal einen über­ra­gen­den tag erwischt, son­dern ein­fach sein sys­tem (es wurde, so erwar­tungs­ge­mäß wie ange­bracht, von total foot­ball gespro­chen) run­ter­ge­spielt: ball­kon­trolle, ball­si­cher­heit, ball­staf­fet­ten, bis sich die lücke bietet.

    nach­trag zu dem ver­meint­li­chen fuss­ball­sach­ver­stand auf der insel: auch eng­li­sche leser von zonal​mar​king​.net äußer­ten sich eupho­risch über die seite und beklag­ten sich dar­über, daß man sowas in eng­li­schen zei­tun­gen nie finde. viel­leicht ist der »eng­li­sche fuß­ball­sach­ver­stand« ebenso ein mythos wie (inzwi­schen) die eng­li­sche fußballkultur?

    (diese hypo­these mögen andere wider– oder bele­gen, die eng­li­sche medien und fuss­ball­be­richt­er­stat­tung auf­merk­sa­mer ver­fol­gen als ich)

  • Sehr gelun­gene Ana­lyse, den von ande­ren bereits ange­führ­ten Kri­tik­punk­ten zum Trotz. Dis­kus­sio­nen über Fuß­ball­tak­tik finde ich ohne­hin inter­es­sant, erst recht, wenn sie auf so einer fun­dier­ten Ana­lyse beru­hen. Immer wei­ter so!

    @Jens Peter­sen:
    »Er hat auch ein kla­res Kon­zept für die Defen­sive, und die basiert eben dar­auf, dass die Kette hoch steht und bei Ball­ver­lust oft ste­hen bleibt. Das ist ris­kant und geht oft schief, und treibt mich in den Wahnsinn.«

    Dito! Inter­es­sant wäre es mal zu sehen, wie das bei ande­ren Ver­ei­nen mit noch grö­ße­rem Spie­ler­po­ten­zial funk­tio­nie­ren würde, also ob es dort bes­ser umge­setzt würde oder ob es schlicht in jeder Mann­schaft »zu ris­kant« wäre. Aus Wer­ders Sicht könnte man hof­fen, dass das pas­sive Abseits wie­der abge­schafft wird und 80% aller geg­ne­ri­schen Angriffe mit Frei­stoß Wer­der enden wür­den. Zumin­dest bis die Umstel­lung bei den ande­ren Teams erfolg­reich voll­zo­gen ist… ;)

    @Linksaussen: Mei­ner Erfah­rung nach gibt es in Eng­land tra­di­tio­nell schon ein grö­ße­res Inter­esse an den Hin­ter­grün­den, aber Deutsch­land hat da schon eini­ges auf­ge­holt. Zei­tun­gen wie z.B. der Guar­dian berich­ten in einer Tiefe über Fuß­ball, die ich noch bei kei­ner deut­schen Zei­tung gese­hen habe. Zu wich­ti­gen Spie­len gibt es tak­ti­sche Ana­ly­sen (von David Pleat, u.a. ehe­ma­li­ger Trai­ner von Tot­ten­ham), dazu Kor­re­spon­den­ten wie Sid Lowe (La Liga) und Raphael Honig­stein (Bun­des­liga) und auch län­gere Arti­kel über tak­ti­sche Aspekte von Jona­than Wil­son, u.a. Autor von »Inver­ting the pyra­mid, the history of foot­ball tac­tics«, das ich jedem an Tak­tik inter­es­sier­ten Fuß­ball­fan nur wärms­tens emp­feh­len kann.

  • tafelrunde sagt:

    Obwohl sicher nicht ganz ernst gemeint, dass für Bre­men die Auf­he­bung des pas­si­ven Abseits gut wäre, so wäre es seriös betrach­tet ein gro­ßer Rück­schritt für den heu­ti­gen Fuß­ball. Des­halb ist es abso­lut unver­ständ­lich, wenn Leute aus der Bran­che dies immer wie­der mit vol­lem Ernst einfordern.

    Die Mann­schaf­ten sind heute tak­tisch alle so weit geschult, dass sie es ver­ste­hen ein Spiel eng zu machen. Gerade auf hohem und höchs­tem Niveau, aber auch schon bis in die unters­ten Klas­sen. Jeder Trai­ner, der sich mit sei­ner Tätig­keit ein wenig inten­si­ver aus­ein­an­der­setzt, lässt den Umgang mit dem tak­ti­schen Abseits trainieren.

    Durch die Auf­he­bung des pas­si­ven Abseits würde sich das Spiel­ge­sche­hen nur noch 2 Meter links und rechts der Mit­tel­li­nie abspie­len. Für genauere Erklä­run­gen fra­gen Sie bitte den Trai­ner Ihres Vertrauens;-)

    Als Robin Dutt dies kürz­lich im Dop­pel­pass erklä­ren und the­ma­ti­sie­ren wollte, ging aller­dings kei­ner der anwe­sen­den „Fuß­ball­ko­ry­phäen“ dar­auf ein. Viel­mehr guck­ten sie ihn an, als spre­che er chi­ne­sisch. Danach ging es im übli­chen Plattitüden-​​Sprech weiter.

  • Natür­lich wäre es ein Rück­schritt, lei­der haben viele noch ein gro­ßes Pro­blem damit, die Regel und deren Aus­wir­kung zu ver­ste­hen. Nach Bosman-​​Urteil und Rück­pass­re­ge­lung wohl die wich­tigste Ände­rung der letz­ten 20 Jahre!

    Einene guten Arti­kel dazu gibt es übri­gens hier: Guar­dian

  • Linksaussen sagt:

    @tobias: ja, der guar­dian wird in sol­chen fäl­len immer genannt. lowe und wil­son sind mir auch schon so man­ches mal unter­ge­kom­men dank ent­spre­chen­der ver­lin­kung. aber ist der guar­dian mög­li­cher­weise auch in eng­land eine sin­gu­läre erschei­nung? die leser­schaft dürfte (bei einer auf­lage von knapp 400.000) ja die mil­lion nicht überschreiten.

  • Ja, der Guar­dian sticht her­aus, aber die Times macht auch eine gute Bericht­er­stat­tung und die BBC sowieso. Von daher würde ich schon sagen, dass es ins­ge­samt einen Unter­schied gibt. Aller­dings glaube ich auch, dass in Deutsch­land das Inter­esse an Fuß­ball­tak­tik in der letz­ten Zeit gewach­sen ist und auch wei­ter wach­sen wird. Gerade im Inter­net bie­ten sich dazu ja auch gute Platt­for­men abseits der Massenmedien.




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