Der beste Federer aller Zeiten?

Der beste Federer aller Zeiten?

Zu Zei­ten, in denen schon Über­le­gun­gen ange­stellt wer­den, ob Roger Fede­rer nur der stärkste Ten­nis­spie­ler aller Zei­ten, doch auch der größte Sport­ler oder viel­leicht sogar der beste Mensch ist, quasi die Ein­stel­lung des Plan­solls der Evo­lu­tion, dür­fen Zwei­fel ange­bracht sein, ob er über­haupt der beste Fede­rer aller Zei­ten ist. Wenn man den ers­ten Arti­kel unse­rer Reihe über die French Open 2009 mut­wil­lig böse inter­pre­tiert, fällt einem viel­leicht gleich auf, dass der Schwei­zer wie­der ein­mal kämp­fen musste, um in ein Ten­nis­match zu fin­den.Wie der späte Muham­mad Ali kann Fede­rer seine Klasse und Erfah­rung auf den Punkt aus­spie­len und phy­sisch über­le­gene Geg­ner abwehren

Das sah man frü­her nicht so häu­fig von einem Spie­ler, der bei aller Ele­ganz auch eine gewisse Dis­tan­ziert­heit aus­strahlte. Sein Spiel war ein­fach zu per­fekt. Dabei sind es die emo­tio­na­len Momente um Sieg und Nie­der­lage, die einen Sport mit Bedeu­tung auf­la­den und zum gesell­schaft­lich prä­gen­den Phä­no­men machen. Im Ten­nis fokus­sie­ren sich diese Emo­tio­nen in den Kampf zweier Kon­tra­hen­ten um das Momen­tum, das flüch­tige Gefühl der Über­le­gen­heit, des psy­chi­schen Vor­teils, der aus gelun­ge­nen eige­nen Aktio­nen erwächst. Fede­rer musste sel­ten um das Momen­tum kämp­fen. Der Nim­bus sei­ner Per­fek­tion war so stark, dass sich manch andere welt­klasse Spie­ler bereits auf­ga­ben, bevor sie den Platz betra­ten, wenn sie gegen den Super­star antraten.

Fede­rer war noch vor ein paar Jah­ren ein biss­chen weni­ger beliebt, als er es heute ist, gerade wegen der Kühle, die trotz sei­ner per­sön­li­chen Emo­tio­nen seine Matches umwehte. Jedem Bewe­gungs­äs­the­ten ging das Herz auf, wenn er Roger Fede­rer dabei zuschauen durfte, den Umfang sei­nes Schlag­re­per­toires für Publi­kum und Geg­ner zu demons­trie­ren. Dar­aus erwuchs Bewun­de­rung und sicher auch Respekt, den der öffent­li­che Pri­vat­mann Fede­rer sich auch außer­halb des Plat­zes mit sei­nem beschei­de­nen Auf­tre­ten und sei­ner beson­ne­nen Art ver­diente. Liebe erwuchs dar­aus nicht.

Erst als Fede­rer Schwä­chen zeigte und schließ­lich im Nach­hin­ein erfuhr, dass sein phy­si­sches Leis­tungs­ver­mö­gen von einer lang­wie­ri­gen Krank­heit ver­min­dert wor­den war, erst im Moment sei­ner Gene­sung began­nen ihn die Mas­sen zu lie­ben. Es war der Moment, da Fede­rer kämp­fen musste, um zu sie­gen, in dem ihn das Publi­kum fre­ne­tisch anfeuerte.

Seit die­sem Moment war Roger Fede­rer nicht mehr der selbe Ten­nis­spie­ler. In den letz­ten Jah­ren ist die Streu­ung in sei­nen Grund­schlä­gen grö­ßer, als sie es zu Zei­ten sei­nes per­fek­ten Spiels war. Auch ihm unter­lau­fen nun unforced errors, sogar in kri­ti­schen Momen­ten des Matches. Der Fede­rer Moment, das Emp­fin­den, dass der Ball grö­ßer wird und das Spiel in Zeit­lupe ver­läuft, ist nach eige­nem Bekun­den sel­te­ner gewor­den. Trotz­dem hat er immer noch das Herz des Cham­pi­ons, das ihn zum Tri­umph über Spie­ler einer nach­fol­gen­den Gene­ra­tion beflü­gelt. Wie der späte Muham­mad Ali kann Fede­rer seine Klasse und Erfah­rung auf den Punkt aus­spie­len und phy­sisch über­le­gene Geg­ner abweh­ren. Viel­leicht fin­det er ja auch des­we­gen nicht zur Per­fek­tion zurück, weil er diese Emo­tio­nen nicht mis­sen möchte. Als er nach har­tem Kampf bis ins Finale von Paris 2009 dort sei­nem Geg­ner deut­lich über­le­gen war, wünsch­ten ihm längst alle Ten­nis­fans den letz­ten feh­len­den Tri­umph. Es war der emo­tio­nalste Tag in sei­ner Kar­riere. Das sagte vor ihm an glei­cher Stelle schon Andre Agassi, der die Tro­phäe über­reichte. Und Fede­rer ist womög­lich stark wie nie. Aber nicht mehr perfekt.

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