Fotokabinen in Metropolen: Echt scharf!

Das beste Image hat­ten Foto­au­to­ma­ten nie. In zwie­lich­ti­ger Gegend plat­ziert, war­ten die Maschi­nen für gewöhn­lich mit wei­te­ren Unan­nehm­lich­kei­ten auf. Wäh­rend der Foto­wil­lige den quiet­schen­den Schraub­ses­sel auf die pas­sende Höhe ein­stellt, pfeift von unten der Wind. Zudem häm­mern Bewer­bungs­rat­ge­ber dem unbe­darf­ten Pass­fo­to­mo­dell ein, nie­mals auf die Qua­li­tät des Auto­ma­ten zu set­zen. Letzt­lich blei­ben den kan­ti­gen Kabi­nen nur ange­trun­kene Knei­pen­gän­ger oder ver­liebte Pär­chen als Kunden.

Warteschlange vor der Fotokabine in Hamburg.Zeit mit­brin­gen: War­te­schlange vor der Foto­ka­bine in Ham­burg. © Johan­nes Martin.

Dass es auch anders geht, zei­gen die Maschi­nen von Pho­to­au­to­mat. Hohe Schärfe und gute Kon­trast­werte (vor­aus­ge­setzt, der Wind hebt den Vor­hang nicht an) geben der Schwarz-​​Weiß-​​Darstellung einen edlen Anstrich. Für umge­rech­net 50 Cent pro Bild bekommt man vier 1a-​​Schnappschüsse, mit denen man eini­ges anstel­len kann, sogar eine kleine Hom­mage an die SZ-​​Magazin Inter­view­reihe „Sagen Sie jetzt nichts.“

In Ham­burg hat sich das offen­bar her­um­ge­spro­chen, für die Vierer-​​Reihe Por­trait­fo­tos muss man unter Umstän­den län­gere War­te­zei­ten in Kauf neh­men. In der Haupt­stadt steht gleich ein knap­pes Dut­zend die­ser Foto­ma­schi­nen, wäh­rend Köln, Wien und Paris mit nur einer vor­lieb neh­men müs­sen.

Passfotos aus dem Automaten als SZ-Hommage.Pass­fo­tos aus dem Auto­ma­ten als SZ-​​Hommage.

Das Pro­ze­dere an sich ist schnell erle­digt. Sobald der Auto­mat die Mün­zen geschluckt hat, schießt der Blitz zum ers­ten Mal los. Wann genau es wie­der klickt, bleibt jedoch im Dunk­len. Aus­dau­ernde Mimik­spe­zia­lis­ten sind klar im Vor­teil, denn eine Kor­rek­tur der Bil­der ist nicht mög­lich. Ande­rer­seits: Bis nach eini­gen Minu­ten end­lich der noch feuchte Foto­strei­fen aus­ge­spuckt wird, steigt die Vor­freude auf mög­li­cher­weise über­ra­schende Ergeb­nisse. In Zei­ten des Sofort-​​Abgleichs per Digi­tal­ka­me­ra­dis­play ein will­kom­me­ner Anachronismus.

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