Geschichten erzählen mit Bild und Ton

Multimedia storytelling ist ein neues, im Internet geborenes Medium, das Fotojournalisten neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet. Nach und nach zeigen auch die Onlineausgaben der großen deutschen Zeitungen Beispiele hiervon.

Moderne Fotokameras sind längst nicht mehr nur fototauglich. Modelle für professionelle Fotografen, und zunehmend auch semiprofessionelle oder gar Einsteigergeräte, können Audio und Video in hochwertiger Qualität aufzunehmen. Die neuen technischen Möglichkeiten erweitern den Spielraum für Fotojournalisten, die sich bisher auf stehende Bilder beschränken mussten. Veränderte Ausgabeformate sind die Folge. Ein neues, im Internet geborenes Medium bildet sich, für das sich im Deutschen noch kein eigener Name etabliert hat und das als Slideshow mit Audiokommentar beschrieben werden kann. Im englischen Sprachgebrauch firmiert es unter multimedia storytelling. Dieser Begriff trifft den Kern der Sache, da sich die genutzten Medien der erzählten Geschichte unterordnen und aufeinander abgestimmt sein müssen. Die Länge variiert meist zwischen fünf und 15 Minuten.

Eindrucksvolle Beispiele bietet die Seite mediastorm.org, eine mehrfach ausgezeichnete Plattform, die 2005 ans Netz ging und seither unter anderem mit zwei Emmys prämiert wurde. Unter den 25 ausgestellten Projekten finden sich so wirkmächtige Werke wie die Dokumentation Ninth Floor, die in einem subtilen Verhältnis zwischen Nähe und Distanz heroinabhängige Bewohner eines New Yorker Hauses zeigt. Herausragende Fotos des Szene-Stars Jessica Dimmock sind hier kombiniert mit aufgenommenen Aussagen der Protagonisten und Hintergrundinformationen, die als kurze Texte eingeblendet werden. Über allem liegt ein bedrückender Soundtrack, in dessen Rhythmus die Bild- und Texteinblendungen geschnitten werden.

Die Online-Ausgaben amerikanischer Zeitungen sind regelmäßige Kunden von Mediastorm. So bietet die Los Angeles Times den Beitrag „Marlboro Marine“ an, der die berühmt gewordene Geschichte des Zigarette rauchenden Irak-Soldaten weitererzählt. Im rund 16-minütigen Beitrag ist zu sehen, wie das Leben des zum Symbol gewordenen Marines nach dem Abdruck des Fotos weiter ging. Häufig beobachten die Fotografen ihre Subjekte über einen längeren Zeitraum, der sich von einigen Tagen bis hin zu mehreren Jahren erstreckt. Interessant ist in „Marlboro Marine“ besonders der Beginn, in dem Einzelbilder aneinander gereiht werden und zugleich ein Audiokommentar hinterlegt ist.

In Deutschland sind solche Seiten noch Mangelware. Man muss die Medienlandschaft schon aufmerksam durchsuchen, um die in unregelmäßigen Abständen publizierten Beiträge zu finden. Als Einzelbeispiele seien hier die Deutsche Welle sowie die FAZ genannt. Ein guter Lesetipp zum Thema ist der Rufposten. Matthias Eberl analysiert die neuen Entwicklungen teils wissenschaftlich und stellt gute Links bereit.

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