»Krieg« für den Frieden

Seit dem 24. Juli 2009 führen deutsche Truppen in Afghanistan eine Offensive, die eine neue Qualität von Waffengewalt erfährt. Deutschen Soldaten ist es nun erlaubt, auf „flüchtende Angreifer“ zu schießen. Trotzdem möchte man in Deutschland noch immer nicht von Krieg reden. Krieg ist ein unschönes Wort. „Einsatz in Afghanistan“ – lautet die Sprachregelung der deutschen Regierung, die internationale Machtpolitik betreibt. Kontextschmiede-Autor Maks kommentiert.

Dass die Bundesregierung das heikle K-Wort scheut, hat einen rechtlichen Hintergrund: Sie müsste dann auch zugeben, das völkerrechtliche Abkommen der Vereinten Nationen verletzt zu haben. Nach der UN-Charta von 1945 sind keine kriegerische Handlungen der UN-Mitgliedstaaten erlaubt. Wenn der „Einsatz in Afghanistan“ „Krieg in Afghanistan“ genannt werden würde, müssten die Kampfhandlungen sofort gestoppt werden.

Offiziell wird die NATO-Intervention in Afghanistan mit dem kollektiven Selbstverteidigungsrecht der Vereinten Nationen gerechtfertigt, ausgelöst durch den Anschlag am 11 September 2001. Unmittelbare Bedrohung konnte nicht lokalisiert werden. Trotzdem wurde Afghanistan von den NATO-Truppen besetzt. Eine militärische Intervention in Afghanistan wurde vom UN-Sicherheitsrat in den Resolutionen zur terroristischen Bedrohung weder sanktioniert noch erlaubt.

Es ist äußerst fragwürdig, ob man die militärische Besetzung eines souveränen Landes als Verteidigung gegen ein international agierendes Terroristennetzwerk rechtfertigen kann. Deswegen bezeichnet die deutsche Regierung den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan als „humanitären Einsatz“. Die Waffengewalt wird hinter dem Roten Kreuz versteckt. Das hat konsequente Folgen - Panzerfahrzeuge der Bundeswehr, die mit dem roten Kreuz gekennzeichnet sind, werden vermehrt angegriffen. Humanitäre Einsätze werden immer schwieriger. Bereits seit 7 Jahren dauern die Kämpfe in Afghanistan an. Mittlerweile führt die deutsche Regierung mit ihrer Armee eine Großoffensive. Die Lage im Land hat sich in der letzten Zeit verschlechtert.

Die neuesten Regelungen für deutsche Soldaten offenbaren eine Verschärfung der Waffengewalt und eine klare offensive Kampfhaltung gegenüber jeder vermuteten Bedrohung, der die deutschen Soldaten in Afghanistan ausgesetz werden können.

Die neuesten Entwicklungen in Afghanistan zeigen einen klaren Trend zur offensiven Kriegsführung. Die Regierung darf diese Tatsache ihren Bürgern nicht vorenthalten. Erst wenn das Wort "Krieg" in der offiziellen Stellungnahme von Seite der deutschen Regierung zu der Beteiligung Deutschlands in Afghanistan fällt, wird es der erste Schritt zum Frieden sein. Mit der offiziellen Anerkennung eines Kriegszustandes wird die UN gezwungen sein, völkerrechtswidrige offensive Kampfhandlungen der NATO-Truppen zu überdenken. Dann wird eine Voraussetzung für ein Dialog geschaffen, der sich dem völkerrechtlichen Abkommen annähert. Andersfalls werden die Vereinten Nationen ihre Glaubwürdigkeit verlieren.

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  • Gigas sagt:

    Stellt sich die Frage wie der Krieg gegen Ter­ro­ris­mus eigent­lich enden soll?! Krieg gegen ein Land ist irgend­wann ein­deu­tig ent­schie­den, Krieg gegen ein Volk ist irgend­wann ein­deu­tig ent­schie­den, sogar Krieg gegen eine Reli­gion ist irgend­wann ent­schie­den, aber wie soll der Krieg gegen eine Stra­te­gie enden?!

    Die neue US Admi­nis­tra­tion hatte ver­spro­chen, die Trup­pen abzu­zie­hen, bis­her ist noch nichts der­glei­chen gesche­hen, da der »Krieg gegen den Ter­ror« noch anhält. Ich erwarte nun auch gar nicht mehr das der Krieg auf­hört, sind wir doch mal erhlich erwar­tet irgend­wer von uns noch die Schlag­zeile »Krieg gegen den Ter­ror end­lich gewon­nen« ? Diese Schlag­zeile wird es nie­mals geben und das bedeu­tet nicht nur, das der Krieg nie­mals enden wird, son­dern auch das jetzt gegen jedes Land der Welt auch Krieg ange­fan­gen wer­den kann. Ein Staat oder Staa­ten­bund hat noch NIE in der Geschichte irgend­eine Form der Macht frei­wil­lig abge­ge­ben und die Mög­lich­keit unbe­grenzt Krieg zu füh­ren wird kein Staat der Welt auf­ge­ben, von daher erwar­ten uns noch fins­tere Zeiten.

    • maks sagt:

      Die Funk­tio­na­li­tät eines Krie­ges ist zwei­deu­tig: die Auf­merk­sam­keit der Öffent­lich­keit wird auf aus­sen­po­li­ti­sche Kon­flikte gelei­tet und von den innen­po­li­ti­schen Pro­ble­men abge­lenkt — der innere Macht­in­ha­ber braucht den äuße­ren Feind, um die Bef­öl­ke­rung nicht an sei­ner Macht rüt­teln zu lasen. Der Krieg ist ein rie­si­ger undurch­schau­ba­rer Markt der Rüs­tungs­in­dus­trie und sehr erfolg­reich bei der Geld­wä­sche­rei. Ob Irak, Tsche­tsche­nien oder Afgha­nis­tan — die Olig­ar­chie fin­det mit dem Krieg ein Mit­tel, um seine Ansprü­che auf Macht/​Geld zu »legalisieren« — eine große Lüge, die für ihre Spielfiguren/​Menschen zur blu­ti­gen Wirk­lich­keit wird.




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