Wikileaks, Justin Bieber und die Echokammern des Netzes

Einige der inter­es­san­tes­ten Erkennt­nisse, die Wiki­leaks ermög­licht, stam­men nicht aus gehei­men Doku­men­ten, son­dern aus den Dis­kus­sio­nen, die um die Platt­form ent­ste­hen. Da sind zum einen die Reak­tio­nen der betrof­fe­nen Amts­trä­ger, die das Selbst­ver­ständ­nis des Staa­tes, wie er von den Volks­ver­tre­tern in Demo­kra­tien ver­stan­den wird, ver­deut­li­chen. Clay Shirky hat die not­wen­dige Abwä­gung von berech­tig­ten Inter­es­sen nach Trans­pa­renz aber auch nach Geheim­hal­tung in demo­kra­ti­schen Sys­te­men schön erläu­tert, John Naugh­ton kom­men­tiert im Guar­dian, wie das Selbst­ver­ständ­nis von Staat durch Wiki­leaks in Frage gestellt wird. Zum ande­ren sind auch die Bür­ger selbst in die Mei­nungs­bil­dungs­pro­zesse inte­griert. Dies geschieht durch die ver­mit­telnde Funk­tion von Mas­sen­me­dien, durch die Instanz zwi­schen Bür­ger und Staat, die sich gerne vierte Gewalt nennt. Und durch die Äuße­run­gen in den vie­len Foren und Publi­ka­ti­ons­for­men, die das Inter­net bie­tet. Diese Netz­werke von öffent­li­chen Mei­nungs­be­kun­dun­gen wer­den immer mehr Teil der vier­ten Gewalt, weil die ent­hal­te­nen Infor­ma­tio­nen von den tra­di­tio­nel­len Mas­sen­me­dien gie­rig auf­ge­so­gen und ver­brei­tet wer­den. […] → zu Ende lesen

Was ist eigentlich »kulturelle Identität?«

Die Inte­gra­ti­ons­de­batte in Deutsch­land tritt auf der Stelle. Nun ist Inte­gra­tion auch kein ein­fa­ches Thema. Nicht, weil die damit ver­bun­de­nen gesell­schaft­li­chen Pro­bleme so kom­plex wären. Sie sind nicht kom­pli­zier­ter als die meis­ten ande­ren gesell­schaft­li­chen Pro­bleme. Kom­pli­ziert ist heut­zu­tage schein­bar jedes Pro­blem und befrie­di­gende Lösun­gen sind ohne­hin nicht die Stärke des poli­ti­schen Betrie­bes. Trotz­dem fin­den in den ande­ren Debat­ten die betrof­fe­nen Teil­neh­mer der Gesell­schaft statt, selbst wenn sie nur wüten­den Pro­test bei­tra­gen kön­nen. Die von der Inte­gra­ti­ons­de­batte betrof­fe­nen Mit­glie­der fin­den in der Debatte um ihre urei­ge­nen Inter­es­sen aber nicht statt.

Die Inte­gra­ti­ons­de­batte tritt auf der Stelle, weil die Bewer­tung die­ser Pro­bleme so fun­da­men­tal mit den per­sön­li­chen Vor­stel­lun­gen von Kul­tur ver­knüpft ist, dass sich die meis­ten Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer einer kri­ti­schen Über­prü­fung die­ser Vor­stel­lung ver­wei­gern — das würde näm­lich einer kri­ti­schen Über­prü­fung des eige­nen Iden­ti­täts­ent­wurfs erschre­ckend nahe kom­men. Und wer hin­ter­fragt seine Über­zeu­gun­gen schon gern? Die von der Inte­gra­ti­ons­de­batte betrof­fe­nen Men­schen sind jeden­falls nicht irgend­wel­che Aus­län­der. Die Men­schen, um die es in die­ser Debatte eigent­lich geht, sind wir. Es sind wir alle, die wir Mit­glie­der die­ser Gesell­schaft sind. […] → zu Ende lesen

Das Werkzeug ist nicht das Medium

Der Begriff »Medium« wird in vie­len ver­schie­de­nen Bedeu­tun­gen gebraucht. Nicht sel­ten kommt es dabei zu Miß­ver­ständ­nis­sen und fehl­ge­lei­te­ten Annah­men über das Wesen von Kom­mu­ni­ka­tion. Spe­zi­ell die Ver­ein­nah­mung der Begriffe »Medien« und »Kom­mu­ni­ka­tion« durch Publi­zis­tik und PR trübt den Blick dar­auf, wie Bedeu­tung zwi­schen Men­schen über­tra­gen wird, wenn es nicht gerade darum geht, Inhalte oder das Image eines Unter­neh­mens zu verkaufen.

Wenn wir uns nur Epiphä­no­mene der Kom­mu­ni­ka­tion anse­hen, weil wir zu sehr dar­auf fokus­siert sind, wel­che Akteure sich im gesell­schaft­li­chen Mei­nungs­bil­dungs­pro­zess posi­tio­nie­ren, ver­ste­hen wir nie die zugrunde lie­gen­den Wirk­me­cha­nis­men und gelan­gen schnell zu fal­schen Ver­all­ge­mei­ne­run­gen. Der Dis­kurs über neue Medien ist selbst ein gutes Bei­spiel dafür, wie Dis­tri­bu­ti­ons­ka­näle und Medium in einen Topf gewor­fen wer­den. […] → zu Ende lesen

Über Diskussionskultur, Wahrheitlichkeit und Berufsdemagogen

Was kön­nen wir von Thilo S. ler­nen? Wir leben in einem Zeit­al­ter der nor­ma­ti­ven Kraft der Öffent­lich­keit. Hin­ter der Wirk­macht von Öffent­lich­keit steht das Fak­ti­sche längst zurück. Schon vor Jah­ren prägte der ame­ri­ka­ni­sche Sati­ri­ker Ste­phen Col­bert das Wort der Trut­hi­ness. Trut­hi­ness (Wahr­heit­lich­keit) bezeich­net »Wahr­hei­ten«, die aus dem Bauch her­aus gefühlt wer­den und kei­ner ratio­na­len, logi­schen oder fak­ti­schen Über­prü­fung stand­hal­ten müs­sen. Wenn sol­che »Wahr­hei­ten« nur oft und laut genug wie­der­holt wer­den, wer­den sie in den Köp­fen der Men­schen zur Rea­li­tät. Dank Trut­hi­ness sind es nicht nur Mei­nun­gen, die jedem Men­schen frei zuste­hen. Mitt­ler­weile scheint auch jeder frei über Fak­ten ver­fü­gen zu dür­fen. […] → zu Ende lesen

Manifest eines Fußballpuristen

Respek­tiere das Spiel. Es beginnt und endet auf dem Platz. Alles andere ist Nebensache.

Lerne das Spiel lesen, nicht die Ergebnisse.

Widme deine Lei­den­schaft dem Spiel, nicht der see­len­lo­sen Hülle des Events.

Teile deine Lei­den­schaft mit anderen.

Medienkompetenz ist soziale Kompetenz

Wie­der ein­mal zer­bre­chen kluge Köpfe sich den ihri­gen, Regeln auf­zu­stel­len für den Umgang, den Men­schen mit­ein­an­der pfle­gen.  Mensch­li­ches ist den Nut­zern des Inter­nets zwar schon lange ver­traut, doch die tech­ni­schen Ver­bin­dun­gen des Net­zes ent­pup­pen sich schließ­lich auch den Lord­sie­gel­be­wah­rern des rich­ti­gen Lebens im Unge­ho­bel­ten als soziale Bande. Nun gilt es, Eti­ket­te­ver­stöße die­ses digi­ta­len Men­schelns anzu­grei­fen. Wer bes­ser als der Name Knigge stünde für ein Unter­fan­gen, Rat zu bie­ten wider die Fall­stri­cke des Sozia­len Net­zes? Wie sich her­aus­stellt: Jeder mit einer Spur von Medienkompetenz.

Der 2005 als Mar­ke­ting­platt­form für teil­neh­mende Benimm­be­ra­ter und –Auto­ren gegrün­dete Knigge-​​Rat hat in einer Pres­se­mit­tei­lung »[…] die For­de­rung von Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin Ilse Aigner nach neuen Ver­hal­tens­re­geln im Netz auf­ge­grif­fen und einen Social-​​Media-​​Knigge erar­bei­tet.« Das Ergeb­nis ist eine Kata­stro­phe. Gleich­zei­tig ist es ein gutes Bei­spiel für die These, dass Medi­en­kom­pe­tenz zu nicht gerin­gen Tei­len soziale Kom­pe­tenz ist. Für Umgangs­for­men gilt: Es gibt kaum »rich­ti­ges Beneh­men«. Es gibt nur ange­mes­se­nes Ver­hal­ten. […] → zu Ende lesen



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