Position vs Funktion — Begriffsklärung für die Taktiktafel

Ein Pro­blem, dem der geneigte Leser und natür­lich auch die Lese­rin in der Dis­kus­sion um Tak­tik im Fuß­ball begeg­net sein mag, ist die man­gelnde Klar­heit der Begriffe, mit denen han­tiert wird. Bevor wir uns im Fol­gen­den mit Stra­te­gien zur Tor­ver­hin­de­rung oder erfolgs­träch­ti­gen Offen­siv­be­mü­hun­gen beschäf­ti­gen, ist es viel­leicht ange­bracht, ein wenig über diese Begriffe nach­zu­den­ken. Zwei häu­fig pro­ble­ma­ti­sche Begriffe sol­len zur Erläu­te­rung als Bei­spiel die­nen: Posi­tion und Funktion.

1. Posi­tion

Die gän­gi­gen Erklä­rungs­an­sätze zu tak­ti­schen Vari­an­ten im Fuß­ball gehen davon aus, dass räum­li­che Kon­trolle eine ent­schei­dende Größe für das Spiel sei. Felix Magath ver­glich Fuß­ball tat­säch­lich ein­mal mit Schach, weil es ins­be­son­dere darum ginge, die Posi­tio­nie­rung der Spiel­fi­gu­ren oder Spie­ler in beson­ders gefah­ren­träch­ti­gen Räu­men in der Mitte des Spiel­fel­des zu kontrollieren.

In der geläu­fi­gen Dis­kus­sion wer­den des­we­gen Spiel­sys­teme her­an­ge­zo­gen, mit denen die Grund­ord­nung der Spie­ler einer Mann­schaft auf dem Feld beschrie­ben wer­den soll: 4−3−3, 4−3−2−1, 3−5−2, das WM-​​System und der­glei­chen mehr. Wer sich um Prä­zi­sion der Spiel­be­schrei­bung bemüht, unter­schei­det immer­hin zwi­schen der Grund­ord­nung bei eige­nem gegen­über der von geg­ne­ri­schem Ball­be­sitz. Es wird zum Bei­spiel ein 4−3−3 in der Rück­wärts­be­we­gung zu einem 4−5−1. All diese For­ma­tio­nen unter­tei­len das Spiel­feld in Zonen, die jeweils die gesamte Breite des Spiel­fel­des ein­neh­men.  Sie bie­ten somit einen Kom­pro­miss zwi­schen abso­lu­ter Posi­tio­nie­rung  der Spie­ler auf dem Feld und rela­ti­ver Posi­tio­nie­rung der Spie­ler auf einer ver­ti­ka­len Achse. Eine Beschrei­bung wie »4−4−2 mit Raute« oder 4−1−2−1−1 erläu­tert, dass es mehr als nur drei Zonen gibt, auf die Spie­ler sich ver­tei­len. Es sollte dem Fuß­ball­freund aller­dings stets bewusst sein, dass die­sem sta­ti­schen Modell  eine Reihe von Infor­ma­tio­nen fehlen.

Wie viele Spie­ler sol­len bei geg­ne­ri­schem Ball­be­sitz hin­ter dem Ball Räume und Pass­wege ein­schrän­ken? Wel­che Spie­ler sol­len vor dem Ball als Gefah­ren­quelle bei Bal­le­r­obe­rung Unruhe stif­ten? Wel­che Abstände sol­len die Spie­ler hin­ter dem Ball zu ihren jewei­li­gen Neben­män­nern ein­neh­men? Auf wel­cher Dis­tanz vom eige­nen Tor wird die Ver­knap­pung des Rau­mes ange­strebt? Wel­che Räume wer­den bei Ball­be­sitz gezielt gesucht und wel­che als freier Raum für Spiel­ver­la­ge­run­gen frei gehal­ten? Diese und ähn­li­che Fra­gen wer­den durch eine sta­ti­sche Beschrei­bung der For­ma­tion nicht beant­wor­tet. Schlimms­ten­falls ver­schlei­ert der Blick auf die abso­lute Grund­ord­nung sogar den Blick auf die ent­schei­den­den tak­ti­schen Anweisungen.

Wer sich das Spiel aus der Vogel­per­spek­tive anschaut, sieht schnell, dass sich alle Akteure stets um den Ball herum grup­pie­ren und sich gewisse Mus­ter je nach Spiel­si­tua­tion an ver­schie­de­nen Orten des Plat­zes wie­der­ho­len. Eine Beschrei­bung die­ser Cho­reo­gra­fie kann die Redu­zie­rung tak­ti­scher Über­le­gun­gen auf sta­ti­sche Modelle nicht leisten.

2. Funk­tion

Ein noch viel gra­vie­ren­de­res Pro­blem und womög­lich eine deut­sche Eigen­heit des Fuß­ball­dis­kur­ses ist die man­gelnde Tren­nung von Posi­tion und Funk­tion. Beide wer­den stän­dig unter einen gleich­lau­ten­den Begriff zusam­men­ge­fasst, gerne eine his­to­risch posi­ti­ons­ge­bun­dene Rücken­num­mer. So kommt es zu skur­ri­len Zah­len­spie­len ohne inhalt­li­chen Wert. Bei­spiels­weise fabu­liert der Kai­ser per­sön­lich, dass Michael Bal­lack kein klas­si­scher Zeh­ner sei, aber auch kein rich­ti­ger Sech­ser. Der Ach­ter sei ohne­hin der Zeh­ner des neuen Jahr­tau­sends und in den 80ern war Pink das neue Schwarz. Die Fixie­rung auf Zah­len, die für Posi­tio­nen ste­hen, die aber gleich­zei­tig eine damit ein­her­ge­hende Funk­tion des Spie­lers auf die­ser Posi­tion erläu­tern sol­len, haben Mons­ter wie die Dop­pels­echs her­vor­ge­bracht. Bevor noch eine drei­köp­fige Krea­tur mit der mytho­lo­gi­schen Urge­walt des Zer­be­rus den Raum vor dem Straf­raum bewacht, sollte diese Chi­märe von Posi­tion und Funk­tion aus dem Dis­kurs über Fuß­ball ver­bannt werden.

Die Posi­tion eines Spie­lers gibt keine umfas­sen­den Infor­ma­tio­nen über des­sen Funk­tion vor. Ein Spie­ler, der in der Defen­sive den Raum zen­tral vor den auf einer Linie ver­tei­di­gen­den Abwehr­spie­lern besetzt, kann sich bei Ball­be­sitz dar­auf beschrän­ken, als Anspiel­sta­tion für Kurz­pässe der Ver­tei­di­ger zu die­nen und Bälle stets auf kur­zem Weg in den Fuß der Mit­spie­ler zu spie­len. Er kann aber genau so gut die Anwei­sung haben, selbst den Ball durch das Mit­tel­feld zu tra­gen und nach Lücken für Zuspiele in den freien Raum über meh­rere geg­ne­ri­sche Spie­ler hin­weg zu suchen. In der Defen­sive kann er sich dar­auf beschrän­ken, Pass­wege zu blo­ckie­ren und Lauf­wege ein­zu­schrän­ken. Er kann aber auch der Spie­ler sein, auf den die Mit­spie­ler in sei­ner Nähe den geg­ne­ri­schen ball­füh­ren­den Spie­ler len­ken, damit er die Bal­le­r­obe­rung durch direk­tes Tack­ling versucht.

Selbst der Aus­druck Ver­tei­di­ger beschreibt eher die Posi­tion des Spie­lers als seine Funk­tion. Man­chem Spie­ler, der in der Grund­ord­nung bei geg­ne­ri­schem Ball­be­sitz auf einer Linie mit ande­ren Abwehr­spie­lern das Zen­trum vor dem Tor besetzt, ist es bei eige­nem Ball­be­sitz gestat­tet, als Anspiel­sta­tion bis in den geg­ne­ri­schen Straf­raum vor­zu­sto­ßen. Wenn der Geg­ner auf breite Kon­trolle des Mit­tel­felds bedacht ist und dafür nur einen Stür­mer in die Nähe des Straf­raums stellt, kann von vier Ver­tei­di­gern einer gemäß den Anschau­un­gen des Totaal­voet­bal seine Frei­heit nut­zen, sich in der Offen­sive zu betä­ti­gen. Lucio nahm sich sol­che Frei­hei­ten gerne auch unge­ach­tet der geg­ne­ri­schen Raumaufteilung.

Neue Fuß­ballspra­che braucht das Land

Einige der Angli­zis­men und Wort­neu­schöp­fun­gen, die in jün­ge­rer Zeit Ein­gang in den Dis­kurs fin­den, sind dem Bedürf­nis nach genaue­ren Beschrei­bun­gen geschul­det. All zu häu­fig wer­den sie von den reak­tio­nä­ren Kräf­ten der Stamm­tisch­kul­tur  vor­schnell ver­höhnt und abge­lehnt. Selbst wenn der »Umschalt­spie­ler« nicht leicht von der Zunge geht oder der »tar­get player« als eng­li­scher Aus­druck die Anmu­tung des Unter­neh­mens­be­ra­ter­jar­gons hat, sind bei­des Begriffe, die ein­deu­tig eine Funk­tion eines Spie­lers beschrei­ben. Man­che Aus­drü­cke mögen tat­säch­lich über­flüs­sig sein und zu Recht wie­der aus dem Wort­schatz der deut­schen Fuß­ballspra­che ver­schwin­den. Zumin­dest aber für die Beschrei­bung von Posi­tion und Funk­tion oder Auf­gabe eines Spie­lers in tak­ti­schen Über­le­gun­gen soll­ten wir uns nicht mit Chi­mä­ren wie der Dop­pels­echs begnü­gen. Bis tref­fen­dere Bezeich­nun­gen ihren Weg in den Wort­schatz der Fuß­ball­dis­kus­sion gefun­den haben, wird diese Reihe sich mit aus­schwei­fen­den Beschrei­bun­gen um Prä­zi­sion bemühen.

Anhand von hori­zon­ta­len Posi­ti­ons­an­ga­ben »links, halb­links, zen­tral, halb­rechts und rechts« wer­den die Spie­ler in einem Ver­bund sor­tiert. Mehr als fünf Spie­ler in eine Reihe zu stel­len, läuft mei­nes Wis­sens einer effi­zi­en­ten Raum­ver­knap­pung zuwi­der. Sollte es trotz­dem Gegen­bei­spiele geben, muss ich wohl Abbitte leis­ten und nach­bes­sern.  Die ver­ti­kale Ord­nung soll durch eine Unter­tei­lung von »Abwehr, defen­si­ves Mit­tel­feld, Mit­tel­feld, offen­si­ves Mit­tel­feld, hän­gende Spitze, Spitze« nach­voll­zo­gen wer­den. So weit es pas­send erscheint, möchte ich auf ver­traute Begriffe zurück­grei­fen und diese nach Bedarf prä­zi­sie­ren. Wenn wir dar­auf ach­ten, dass aus der Posi­tion nicht gleich die Auf­gabe eines Spie­lers ein­deu­tig defi­niert ist, kön­nen wir uns mit Attri­bu­ten, die wir für die jewei­lige Posi­tion ver­ge­ben, ein recht prä­zi­ses Bild von tak­ti­schen Anwei­sun­gen machen.

Dann kann ein zen­tra­ler Mit­tel­feld­spie­ler, der sich bei Ball­be­sitz in einem Kor­ri­dor kurz vor der geg­ne­ri­schen Abwehr­kette zum Ball hin anbie­tet und Flü­gel­läufe über Pässe in den Raum initi­iert, den »klas­si­schen Zeh­ner« ablö­sen. Vor allem, wenn er bei geg­ne­ri­schem Ball­be­sitz dafür zustän­dig ist, das Pres­sing­op­fer zu iso­lie­ren und zu atta­ckie­ren. Das sollte heute kei­ner von Gün­ter Net­zer verlangen.

Viel­leicht hat die ein oder andere Lese­rin oder auch manch ein Leser ja eigene Vor­stel­lun­gen, wel­che Fein­hei­ten tak­ti­scher Ana­ly­sen genaue­rer Bezeich­nun­gen bedür­fen. In den ver­schie­de­nen Spra­chen der Welt, in denen über Fuß­ball dis­ku­tiert wird, fin­den sich sicher­lich Anre­gun­gen für das Deut­sche. Und für die Taktiktafel.

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  • nedfuller sagt:

    Wie bei twit­ter schon gesagt:
    In dem Video die Ein­blen­dun­gen län­ger drauf las­sen, man kann es sonst nicht lesen.
    Tech­nisch klasse gelöst.

    Der Text ist flüs­sig zu lesen und man ver­steht, wohin das ganze gehen soll.

    Bitte wei­ter so!

  • d’accord mit ned­ful­ler. Meis­tens sagt man ja: Drück auf die Tube, fass dich kurz. Bei einem sol­chen Stoff gilt eher das Gegen­teil. Alle Text­ein­blen­dun­gen brau­chen 5 Sekun­den mini­mum. Der Spre­cher muss ent­spre­chende Pau­sen machen oder das Sprechtempo mode­rie­ren. Man sollte nicht davon aus­ge­hen, dass der Zuschauer auf die Pau­se­taste drü­cken kann, um so sich sein eige­nes Rezep­ti­ons­tempo zu bas­teln. Der Fluss des Gan­zen geht dabei ver­lo­ren. Und der ist Teil der Präsentation.

    Ansons­ten: her­vor­ra­gende Anwen­dung gra­fi­scher Ideen. Auch für so etwas spen­diere ich bei Bedarf gerne Musik für Intro und Abspannzwecke.

  • heinzkamke sagt:

    Ich fühle mich ein wenig wie in der Sen­dung mit der Maus, und das ist kei­nes­wegs nega­tiv gemeint.

    Die Sache mit den Posi­ti­ons­num­mern sehe ich übri­gens kei­nes­wegs als deut­sche Eigen­heit, eher im Gegen­teil. In den frü­hen 90ern war ich zunächst etwas irri­tiert, als ich in Frank­reich gerne mal auf die 6 oder die 10 geschickt wurde, eben weil ich das aus Deutsch­land abso­lut nicht kannte. Ich habe eher den Ein­druck, dass junge Trai­ner und jung­ge­blie­bene Repor­ter das impor­tiert haben.

  • erz sagt:

    Die Bemer­kun­gen zum Timing sind zur Kennt­nis genom­men und flie­ßen in mei­nen Erfah­rungs­schatz ein. Ich hatte extra an der Geschwin­dig­keits­schraube gedreht, um das Video so kna­ckig wie mög­lich zu machen. Wenn die Leser hier mehr Wert auf Infor­ma­ti­ons­tiefe in der Gra­fik legen, werde ich das im Hin­ter­kopf halten.

    Aller­dings sollte die­ses Video neben einer Fin­ger­übung in visu­el­ler Auf­be­rei­tung ein Test­bal­lon für zwei kon­krete Anhalts­punkte sein:

    1. Besteht Bedarf und Inter­esse an einer sehr theo­re­ti­schen (sagen wir arro­gant stamm­tisch­frem­den) Fuß­ball­dis­kus­sion wider das Bie­le­fel­dis­ten­tum, wie ich sie mit den letz­ten Arti­keln posi­tio­niert habe und neh­men die Leser über­haupt als Kom­men­ta­to­ren daran teil?

    2. Bie­tet die gra­fi­sche Auf­be­ar­bei­tung so viel Mehr­wert, dass sie die nötige Auf­merk­sam­keits­hürde für den Start einer regel­mä­ßi­gen Dis­kus­si­ons­runde nimmt?

    Wenn die The­men, die ich mit der Tak­tik­ta­fel anreiße, Dis­kus­si­ons­grund­lage wer­den, werde ich dar­aus eine Serie machen. Ohne einen merk­li­chen Ertrag (am liebs­ten wären mir elo­quente Kom­men­tare, damit ich auch was lerne, Klicks sind da eher neben­säch­lich) ist aller­dings der Auf­wand nicht gerecht­fer­tigt. Ich hatte mir vor­ge­stellt, dass die Kom­men­tare auch immer wie­der Anknüp­fungs­punkte für wei­tere Epi­so­den berei­ten sollten.

    Also, wie soll es mit der Tak­tik­ta­fel wei­ter­ge­hen? Ist die the­ma­ti­sche Aus­rich­tung ver­ständ­lich? Ist sie womög­lich ver­mes­sen und unsäg­lich? Wollt ihr vom Zwöl­fen­der auf der Dop­pels­echs nicht las­sen und einen Gehörn­ten tun, auf die Zehn zu verzichten?

  • heinzkamke sagt:

    Ich bezweifle, dass wir die Fuß­ballspra­che sozu­sa­gen bottom-​​up ändern wer­den. In aller Regel ori­en­tiert sie sich mei­nes Erach­tens an den Län­dern, die uns (im Ide­al­fall) tak­tisch vor­aus oder (weni­ger ideal) ein­fach nur popu­lä­rer sind.

    Wenn Stef­fen Simon meint, dass One-​​Touch-​​Football und der Tar­get Player nicht nur cool, son­dern auch mehr­heits­fä­hig sind, dann geht er damit auf die Sportschau-​​Zuschauer los, und in vie­len Fäl­len wer­den die Begriffe mil­lio­nen­fach über­nom­men (noch extre­mer, wenn Jür­gen Klopp etwas gesagt hat).

    Ins­ge­samt ist mir der Gedanke an eine sprach­li­che Revo­lu­tion etwas zu mis­sio­na­risch, viel­leicht auch auf einer zu hohen Abs­trak­ti­ons­ebene.
    Noch span­nen­der fände ich es zudem, nicht das Fuß­ball­spiel an sich in zwei Minu­ten dar­zu­stel­len, son­dern ein­zelne Aus­schnitte. Ad-​​hoc-​​Beispiele: Anfor­de­rungs­pro­fil an einen Außen­spie­ler in der Vie­rer­kette; die Vor­teile der Raute gegen­über der Dop­pels­echs (sic!); Ver­än­de­run­gen des Spiel­sys­tems, wenn man Außen­stür­mer »falsch herum« besetzt, etc…

  • Ver­giss mal für einen Moment lang die Inhalte. Es geht doch hier­bei zunächst um die Umset­zung und deren Strahlkraft.

    Minus­punkte:
    Keine Spiel­bil­der, weil du das Geld für Lizen­zen nicht hast
    Keine opti­mierte, von Krea­tiv­spe­zia­lis­ten her­ge­stellte Ani­ma­tion (sicher auch ein Geld­pro­blem)
    Kein Publi­kum – quan­ti­ta­tiv und qua­li­ta­tiv (keine Ver­ma­krungs­stra­te­gie)
    Der anklin­gende Humor ist zu leise und geht gegen Null

    Plus­punkte:
    Sach­ver­stand und Medi­en­kom­pe­tenz
    video­tech­ni­sches Basis-​​Know-​​how
    Vision und Kon­zept­den­ken bei einem Thema, in dem es bis­her keine guten Krea­tiv­lö­sun­gen gibt

    Anre­gung:
    1. Schau dich mal bei YouTube um und sieh mal, ob es Ani­ma­tio­nen und Arbeits­an­sätze gibt, die dir lie­gen und ein­ge­ar­bei­tet wer­den kön­nen. Ich habe fest­ge­stellt, dass Leute (Ama­teure), die dort ihre Arbei­ten hoch­la­den, froh sind, wenn man sie um die Erlaub­nis bit­tet, ihr Mate­rial zu benut­zen. Auch wenn man von vorn­her­ein sagt: sorry, ich habe kein Geld. Bei­spiele für sol­che Leih­ga­ben in mei­ner noch nicht sehr weit fort­ent­wi­ckel­ten Serie »Neu­lich im (Sport)Fußball-Universum« auf YouTube oder bei mir im Blog.

    2. Stelle dir als Publi­kum lie­ber eine Gruppe von klei­nen wiss­be­gie­ri­gen Kin­dern vor und nicht die ober­schlauen Fußball-​​Stammtisch-​​Macker, die sowieso unbe­lehr­bar sind.

    3. Über­lege, wo in den eta­blier­ten Medien effek­tive Abspiel­part­ner sit­zen kön­nen. Zu den Eta­blier­ten zähle ich auch Fach­pu­bli­ka­tio­nen, die sich an Trai­ner wen­den. So etwas Gutes nur auf dem eige­nen Blog abzu­spie­len, ist verschenkt.

    4. Tat­säch­lich muss der logi­sche Denk­an­satz rund um deine Idee sein, eine Serie mit zahl­rei­chen Fol­gen zu ent­wi­ckeln. Und die dann auch auf Pro­duk­ti­ons­ef­fi­zi­en­zen hin zu kon­zi­pie­ren. Das machen die Pro­fis nicht anders. Gleich­zei­tig wird das ein­zelne Pro­dukt immer besser.

    5. Min­des­tens noch zwei wei­tere Fol­gen würde ich gerne sehen. Allein weil ich glaube, dass etwas Gutes dabei herauskommt

  • erz sagt:

    Ich fühle mich natür­lich geschmei­chelt, dass die gra­fi­sche Umset­zung so gut ankommt. Dar­über möchte ich aber die Inhalte nicht aus­blen­den, denn ich hatte eigent­lich nur ein Gim­mick schaf­fen wol­len, dass eine Tak­tik­dis­kus­sion durch Visua­li­sie­rung erleich­tert. Ich wollte keine ani­mierte Alter­na­tive zur Sport­schau schaffen.

    Bei all mei­ner Ten­denz zur Selbst­über­schät­zung Jür­gen, so groß wie du das ska­lierst kann und möchte ich die Prä­sen­ta­tion gar nicht wer­den las­sen. Ich wäre ganz zufrie­den, wenn sich nach und nach ein fei­nes Stamm­pu­bli­kum zur ver­ein­sun­ab­hän­gi­gen, etwas theo­re­ti­sche­ren Fuß­ball­dis­kus­sion auf dem eige­nen Blog ein­fände. Aus­gangs­punkt die­ses Ange­bots war schließ­lich meine Annahme, dass in der Fußball-​​Blogosphäre genau diese Nische noch frei ist.

    Eine Serie wollte ich dar­aus natür­lich ent­wi­ckeln. Heinz­Kamke hat auch die The­men­breite, die ich auf­ar­bei­ten wollte, ganz gut abge­steckt. In jeder Folge soll es um ein ande­res Detail gehen. Wenn sich dar­aus eine Dis­kus­sion ent­spinnt, wel­che Wirk­me­cha­nis­men im Fuß­ball es gibt und wie man diese bewer­tet, wäre ich schon zufrieden.

    Den lin­gu­is­tic turn im Fuß­ball wer­den wir sicher­lich nicht von unten erzwin­gen. Es ging mir auch in ers­ter Linie darum, ein Pro­blem­be­wusst­sein zu schaf­fen, dass Fuß­ball in man­chen Din­gen kom­pli­zier­ter ist, als es die Begriff­lich­kei­ten ver­mu­ten las­sen. In Zukunft wird hof­fent­lich die Ein­stiegs­hürde zur Dis­kus­sion nied­ri­ger sein, wenn die Abs­trak­ti­ons­ebene nicht gar so abge­ho­ben ist. So bin ich halt auf hohem R0ß in die Arena gerit­ten und muss davon erst mal wie­der her­un­ter kommen.

  • nedfuller sagt:

    Ich hoffe nicht zu spät:

    1. Besteht Bedarf und Inter­esse an einer sehr theo­re­ti­schen (sagen wir arro­gant stamm­tisch­frem­den) Fuß­ball­dis­kus­sion wider das Bie­le­fel­dis­ten­tum, wie ich sie mit den letz­ten Arti­keln posi­tio­niert habe und neh­men die Leser über­haupt als Kom­men­ta­to­ren daran teil?

    2. Bie­tet die gra­fi­sche Auf­be­ar­bei­tung so viel Mehr­wert, dass sie die nötige Auf­merk­sam­keits­hürde für den Start einer regel­mä­ßi­gen Dis­kus­si­ons­runde nimmt?

    zu 1.
    Ich denke es gibt das ›Bedürf­nis‹ über das Dop­pel­pass Niveau hin­aus über Fuß­ball zu reden. Ich würde mich daran auch betei­li­gen und das auch noch gerne, ergo ant­worte ich JA!
    zu 2.
    Gerade das gra­fi­sche Abbil­den des geschrie­be­nen wirkt noch deut­li­cher und das Thema wird bes­ser zugäng­lich, also auch hier ein deut­li­ches JA!

    • Tobias sagt:

      Ich schließe mich mei­nem Vor­kom­men­tie­rer hun­dert­pro­zen­tig an und möchte noch etwas zu den Num­mern und den Posi­tio­nen ver­lie­ren: »Dop­pels­echs« sagt sich viel ein­fa­cher und kür­zer als »Halb­po­si­tio­nen im defen­si­ven Mit­tel­feld« und die Exper­ten wis­sen, was gemeint ist, auch wenn es nicht unbe­dingt dem moderns­ten Tak­tik­schema (im Sinne von Nach­fol­ge­mo­dell für 4−4−2 und 4−3−3, so wie du es erklärt hast) entspricht.

  • tafelrunde sagt:

    Da stößt man spät-​​nachts und dann auch noch viel zu spät, wenn man die Ver­öf­fent­li­chung betrach­tet, auf so einen Bei­trag. Wow. Obwohl selbst „nur“ Fuß­ball inter­es­siert und wirk­lich kein Fach­mann, werde ich diese Seite wohl künf­tig regel­mä­ßig auf­su­chen.
    Genau das fehlt im Fußball-​​Kosmos. Fun­dierte Ana­ly­sen, wie und was über­haupt vor­ging und vor­geht.
    Bitte mehr und stän­dig davon. Am bes­ten bei­spiel­haft an den auf­merk­sam­keits­stärks­ten Spie­len aus­ge­rich­tet. Wenn das mög­lich ist.
    So würde Dis­ku­tie­ren über ein Spiel auch für „Theo­re­ti­ker“ Spaß bringen.

  • Eine klasse Idee!

    Denn ich glaube, dass die klas­si­schen Medien das Tak­tik­in­ter­esse vie­ler Fans unter­schät­zen. Gerade die öffentlich-​​rechtlichen Sen­der ori­en­tie­ren sich nur noch am Main­stream, der zufäl­lig in der Sport­schau lan­det: der kleinste gemein­same Nen­ner im Jour­na­lis­mus ist immer Per­so­na­li­sie­rung und Emo­tio­na­li­sie­rung. Bei den pro­mi­nen­ten Show­leu­ten fehlt auch Sach­kennt­nis: je mehr Koch­shows einer mode­riert, desto weni­ger Spiele sieht er, und das merkt man.

    Gerade die Zei­tun­gen könn­ten mehr machen, wie neu­lich im öster­rei­chi­schen blog ball​ver​liebt​.eu am Bei­spiel des Guar­dian diskutiert.

    Lei­der kann jede gra­phi­sche Dar­stel­lung nur Grup­pen­tak­tik dar­stel­len. Aber Indi­vi­dual­tak­tik ist genauso span­nend. Wel­che Ent­schei­dung sollte der Stür­mer bei wel­cher Situa­tion im 1 gegen 1 gegen den Kee­per tref­fen? Wie soll­ten Mit­tel­feld­spie­ler den Ball aus der Abwehr ver­ar­bei­ten, damit sie ihre Funk­tion im Spiel­sys­tem erfül­len? Letz­te­res für mich eines der zen­tra­len Pro­bleme der Bay­ern bei eige­nem Ball­be­sitz, das kann auch ein Rob­ben auf dem Flü­gel nicht kompensieren.

  • erz sagt:

    Wit­zig, Indi­vi­dual­tak­tik war etwas, über des­sen gra­fi­sche Umset­zung ich kürz­lich nach­ge­dacht habe. Wie ich noch näher ran­zoo­men kann und dem Punkt zwei Füße ver­pas­sen zum Bei­spiel. Ich ver­mute sogar, dass der nächste Bei­trag etwas mit Stür­mern und Ent­schei­dun­gen zu tun haben wird. Auf jeden Fall wird es Fort­set­zun­gen geben.

  • Das mit den zwei Punk­ten bzw. Füs­sen ist ›ne gute Idee. Denn Beid­fü­ßig­keit in der Defen­sive ist auch so ein span­nen­des Thema. Ich würde gerne dar­stel­len kön­nen, dass am Sams­tag vor dem 0:1 Boe­nisch im Zwei­kampf mit Dzeko mit dem fal­schen Fuss vor­aus in den Zwei­kampf gegan­gen ist.

  • Noch­mal Frage an den Infor­ma­ti­ons­vor­sprüng­ler: wie bekommst du es hin, dass die Punkte sich gleich­zei­tig bewe­gen. Schaffe es irgend­wie nur nach­ein­an­der. Stehe auf dem Schlauch… :(

  • erz sagt:

    Bei Keynote gibt es eine Option, in wel­cher Rei­hen­folge die Ani­ma­tio­nen lau­fen sol­len. Dort kann man auch »gleich­zei­tig mit X« ange­ben. So ein­fach ist das. Oder so viel Arbeit. Jede Ani­ma­tion besteht halt aus lau­ter ver­schie­de­nen Einzelanimationen.

  • Ulf sagt:

    Hallo Erz,

    finde die Erklä­rung auch top, und wie von den Vor­red­nern möchte auch auch die Gra­fik loben. Vor Kur­zem habe ich eben­falls eine Tak­tik­ta­fel für den Onlin­ebe­reich erstellt: http://​tak​tik​ta​fel​.info/​t​a​k​t​i​k​t​a​f​el/ — Aller­dings eher für die Sport­art Vol­ley­ball und lange nicht so gra­fisch aus­ge­feilt. Deine Gra­fi­ken gefal­len mir gut, beson­ders der Schiefer-​​Hintergrund macht die Sache authen­tisch, so wie frü­her in der Kabine.




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