Position vs Funktion — Begriffsklärung für die Taktiktafel

Ein Problem, dem der geneigte Leser und natürlich auch die Leserin in der Diskussion um Taktik im Fußball begegnet sein mag, ist die mangelnde Klarheit der Begriffe, mit denen hantiert wird. Bevor wir uns im Folgenden mit Strategien zur Torverhinderung oder erfolgsträchtigen Offensivbemühungen beschäftigen, ist es vielleicht angebracht, ein wenig über diese Begriffe nachzudenken. Zwei häufig problematische Begriffe sollen zur Erläuterung als Beispiel dienen: Position und Funktion.

1. Position

Die gängigen Erklärungsansätze zu taktischen Varianten im Fußball gehen davon aus, dass räumliche Kontrolle eine entscheidende Größe für das Spiel sei. Felix Magath verglich Fußball tatsächlich einmal mit Schach, weil es insbesondere darum ginge, die Positionierung der Spielfiguren oder Spieler in besonders gefahrenträchtigen Räumen in der Mitte des Spielfeldes zu kontrollieren.

In der geläufigen Diskussion werden deswegen Spielsysteme herangezogen, mit denen die Grundordnung der Spieler einer Mannschaft auf dem Feld beschrieben werden soll: 4-3-3, 4-3-2-1, 3-5-2, das WM-System und dergleichen mehr. Wer sich um Präzision der Spielbeschreibung bemüht, unterscheidet immerhin zwischen der Grundordnung bei eigenem gegenüber der von gegnerischem Ballbesitz. Es wird zum Beispiel ein 4-3-3 in der Rückwärtsbewegung zu einem 4-5-1. All diese Formationen unterteilen das Spielfeld in Zonen, die jeweils die gesamte Breite des Spielfeldes einnehmen.  Sie bieten somit einen Kompromiss zwischen absoluter Positionierung  der Spieler auf dem Feld und relativer Positionierung der Spieler auf einer vertikalen Achse. Eine Beschreibung wie "4-4-2 mit Raute" oder 4-1-2-1-1 erläutert, dass es mehr als nur drei Zonen gibt, auf die Spieler sich verteilen. Es sollte dem Fußballfreund allerdings stets bewusst sein, dass diesem statischen Modell  eine Reihe von Informationen fehlen.

Wie viele Spieler sollen bei gegnerischem Ballbesitz hinter dem Ball Räume und Passwege einschränken? Welche Spieler sollen vor dem Ball als Gefahrenquelle bei Balleroberung Unruhe stiften? Welche Abstände sollen die Spieler hinter dem Ball zu ihren jeweiligen Nebenmännern einnehmen? Auf welcher Distanz vom eigenen Tor wird die Verknappung des Raumes angestrebt? Welche Räume werden bei Ballbesitz gezielt gesucht und welche als freier Raum für Spielverlagerungen frei gehalten? Diese und ähnliche Fragen werden durch eine statische Beschreibung der Formation nicht beantwortet. Schlimmstenfalls verschleiert der Blick auf die absolute Grundordnung sogar den Blick auf die entscheidenden taktischen Anweisungen.

Wer sich das Spiel aus der Vogelperspektive anschaut, sieht schnell, dass sich alle Akteure stets um den Ball herum gruppieren und sich gewisse Muster je nach Spielsituation an verschiedenen Orten des Platzes wiederholen. Eine Beschreibung dieser Choreografie kann die Reduzierung taktischer Überlegungen auf statische Modelle nicht leisten.

2. Funktion

Ein noch viel gravierenderes Problem und womöglich eine deutsche Eigenheit des Fußballdiskurses ist die mangelnde Trennung von Position und Funktion. Beide werden ständig unter einen gleichlautenden Begriff zusammengefasst, gerne eine historisch positionsgebundene Rückennummer. So kommt es zu skurrilen Zahlenspielen ohne inhaltlichen Wert. Beispielsweise fabuliert der Kaiser persönlich, dass Michael Ballack kein klassischer Zehner sei, aber auch kein richtiger Sechser. Der Achter sei ohnehin der Zehner des neuen Jahrtausends und in den 80ern war Pink das neue Schwarz. Die Fixierung auf Zahlen, die für Positionen stehen, die aber gleichzeitig eine damit einhergehende Funktion des Spielers auf dieser Position erläutern sollen, haben Monster wie die Doppelsechs hervorgebracht. Bevor noch eine dreiköpfige Kreatur mit der mythologischen Urgewalt des Zerberus den Raum vor dem Strafraum bewacht, sollte diese Chimäre von Position und Funktion aus dem Diskurs über Fußball verbannt werden.

Die Position eines Spielers gibt keine umfassenden Informationen über dessen Funktion vor. Ein Spieler, der in der Defensive den Raum zentral vor den auf einer Linie verteidigenden Abwehrspielern besetzt, kann sich bei Ballbesitz darauf beschränken, als Anspielstation für Kurzpässe der Verteidiger zu dienen und Bälle stets auf kurzem Weg in den Fuß der Mitspieler zu spielen. Er kann aber genau so gut die Anweisung haben, selbst den Ball durch das Mittelfeld zu tragen und nach Lücken für Zuspiele in den freien Raum über mehrere gegnerische Spieler hinweg zu suchen. In der Defensive kann er sich darauf beschränken, Passwege zu blockieren und Laufwege einzuschränken. Er kann aber auch der Spieler sein, auf den die Mitspieler in seiner Nähe den gegnerischen ballführenden Spieler lenken, damit er die Balleroberung durch direktes Tackling versucht.

Selbst der Ausdruck Verteidiger beschreibt eher die Position des Spielers als seine Funktion. Manchem Spieler, der in der Grundordnung bei gegnerischem Ballbesitz auf einer Linie mit anderen Abwehrspielern das Zentrum vor dem Tor besetzt, ist es bei eigenem Ballbesitz gestattet, als Anspielstation bis in den gegnerischen Strafraum vorzustoßen. Wenn der Gegner auf breite Kontrolle des Mittelfelds bedacht ist und dafür nur einen Stürmer in die Nähe des Strafraums stellt, kann von vier Verteidigern einer gemäß den Anschauungen des Totaalvoetbal seine Freiheit nutzen, sich in der Offensive zu betätigen. Lucio nahm sich solche Freiheiten gerne auch ungeachtet der gegnerischen Raumaufteilung.

Neue Fußballsprache braucht das Land

Einige der Anglizismen und Wortneuschöpfungen, die in jüngerer Zeit Eingang in den Diskurs finden, sind dem Bedürfnis nach genaueren Beschreibungen geschuldet. All zu häufig werden sie von den reaktionären Kräften der Stammtischkultur  vorschnell verhöhnt und abgelehnt. Selbst wenn der "Umschaltspieler" nicht leicht von der Zunge geht oder der "target player" als englischer Ausdruck die Anmutung des Unternehmensberaterjargons hat, sind beides Begriffe, die eindeutig eine Funktion eines Spielers beschreiben. Manche Ausdrücke mögen tatsächlich überflüssig sein und zu Recht wieder aus dem Wortschatz der deutschen Fußballsprache verschwinden. Zumindest aber für die Beschreibung von Position und Funktion oder Aufgabe eines Spielers in taktischen Überlegungen sollten wir uns nicht mit Chimären wie der Doppelsechs begnügen. Bis treffendere Bezeichnungen ihren Weg in den Wortschatz der Fußballdiskussion gefunden haben, wird diese Reihe sich mit ausschweifenden Beschreibungen um Präzision bemühen.

Anhand von horizontalen Positionsangaben "links, halblinks, zentral, halbrechts und rechts" werden die Spieler in einem Verbund sortiert. Mehr als fünf Spieler in eine Reihe zu stellen, läuft meines Wissens einer effizienten Raumverknappung zuwider. Sollte es trotzdem Gegenbeispiele geben, muss ich wohl Abbitte leisten und nachbessern.  Die vertikale Ordnung soll durch eine Unterteilung von "Abwehr, defensives Mittelfeld, Mittelfeld, offensives Mittelfeld, hängende Spitze, Spitze" nachvollzogen werden. So weit es passend erscheint, möchte ich auf vertraute Begriffe zurückgreifen und diese nach Bedarf präzisieren. Wenn wir darauf achten, dass aus der Position nicht gleich die Aufgabe eines Spielers eindeutig definiert ist, können wir uns mit Attributen, die wir für die jeweilige Position vergeben, ein recht präzises Bild von taktischen Anweisungen machen.

Dann kann ein zentraler Mittelfeldspieler, der sich bei Ballbesitz in einem Korridor kurz vor der gegnerischen Abwehrkette zum Ball hin anbietet und Flügelläufe über Pässe in den Raum initiiert, den "klassischen Zehner" ablösen. Vor allem, wenn er bei gegnerischem Ballbesitz dafür zuständig ist, das Pressingopfer zu isolieren und zu attackieren. Das sollte heute keiner von Günter Netzer verlangen.

Vielleicht hat die ein oder andere Leserin oder auch manch ein Leser ja eigene Vorstellungen, welche Feinheiten taktischer Analysen genauerer Bezeichnungen bedürfen. In den verschiedenen Sprachen der Welt, in denen über Fußball diskutiert wird, finden sich sicherlich Anregungen für das Deutsche. Und für die Taktiktafel.

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  • nedfuller sagt:

    Wie bei twit­ter schon gesagt:
    In dem Video die Ein­blen­dun­gen län­ger drauf las­sen, man kann es sonst nicht lesen.
    Tech­nisch klasse gelöst.

    Der Text ist flüs­sig zu lesen und man ver­steht, wohin das ganze gehen soll.

    Bitte wei­ter so!

  • d’accord mit ned­ful­ler. Meis­tens sagt man ja: Drück auf die Tube, fass dich kurz. Bei einem sol­chen Stoff gilt eher das Gegen­teil. Alle Text­ein­blen­dun­gen brau­chen 5 Sekun­den mini­mum. Der Spre­cher muss ent­spre­chende Pau­sen machen oder das Sprechtempo mode­rie­ren. Man sollte nicht davon aus­ge­hen, dass der Zuschauer auf die Pau­se­taste drü­cken kann, um so sich sein eige­nes Rezep­ti­ons­tempo zu bas­teln. Der Fluss des Gan­zen geht dabei ver­lo­ren. Und der ist Teil der Präsentation.

    Ansons­ten: her­vor­ra­gende Anwen­dung gra­fi­scher Ideen. Auch für so etwas spen­diere ich bei Bedarf gerne Musik für Intro und Abspannzwecke.

  • heinzkamke sagt:

    Ich fühle mich ein wenig wie in der Sen­dung mit der Maus, und das ist kei­nes­wegs nega­tiv gemeint.

    Die Sache mit den Posi­ti­ons­num­mern sehe ich übri­gens kei­nes­wegs als deut­sche Eigen­heit, eher im Gegen­teil. In den frü­hen 90ern war ich zunächst etwas irri­tiert, als ich in Frank­reich gerne mal auf die 6 oder die 10 geschickt wurde, eben weil ich das aus Deutsch­land abso­lut nicht kannte. Ich habe eher den Ein­druck, dass junge Trai­ner und jung­ge­blie­bene Repor­ter das impor­tiert haben.

  • erz sagt:

    Die Bemer­kun­gen zum Timing sind zur Kennt­nis genom­men und flie­ßen in mei­nen Erfah­rungs­schatz ein. Ich hatte extra an der Geschwin­dig­keits­schraube gedreht, um das Video so kna­ckig wie mög­lich zu machen. Wenn die Leser hier mehr Wert auf Infor­ma­ti­ons­tiefe in der Gra­fik legen, werde ich das im Hin­ter­kopf halten.

    Aller­dings sollte die­ses Video neben einer Fin­ger­übung in visu­el­ler Auf­be­rei­tung ein Test­bal­lon für zwei kon­krete Anhalts­punkte sein:

    1. Besteht Bedarf und Inter­esse an einer sehr theo­re­ti­schen (sagen wir arro­gant stamm­tisch­frem­den) Fuß­ball­dis­kus­sion wider das Bie­le­fel­dis­ten­tum, wie ich sie mit den letz­ten Arti­keln posi­tio­niert habe und neh­men die Leser über­haupt als Kom­men­ta­to­ren daran teil?

    2. Bie­tet die gra­fi­sche Auf­be­ar­bei­tung so viel Mehr­wert, dass sie die nötige Auf­merk­sam­keits­hürde für den Start einer regel­mä­ßi­gen Dis­kus­si­ons­runde nimmt?

    Wenn die The­men, die ich mit der Tak­tik­ta­fel anreiße, Dis­kus­si­ons­grund­lage wer­den, werde ich dar­aus eine Serie machen. Ohne einen merk­li­chen Ertrag (am liebs­ten wären mir elo­quente Kom­men­tare, damit ich auch was lerne, Klicks sind da eher neben­säch­lich) ist aller­dings der Auf­wand nicht gerecht­fer­tigt. Ich hatte mir vor­ge­stellt, dass die Kom­men­tare auch immer wie­der Anknüp­fungs­punkte für wei­tere Epi­so­den berei­ten sollten.

    Also, wie soll es mit der Tak­tik­ta­fel wei­ter­ge­hen? Ist die the­ma­ti­sche Aus­rich­tung ver­ständ­lich? Ist sie womög­lich ver­mes­sen und unsäg­lich? Wollt ihr vom Zwöl­fen­der auf der Dop­pels­echs nicht las­sen und einen Gehörn­ten tun, auf die Zehn zu verzichten?

  • heinzkamke sagt:

    Ich bezweifle, dass wir die Fuß­ballspra­che sozu­sa­gen bottom-​​up ändern wer­den. In aller Regel ori­en­tiert sie sich mei­nes Erach­tens an den Län­dern, die uns (im Ide­al­fall) tak­tisch vor­aus oder (weni­ger ideal) ein­fach nur popu­lä­rer sind.

    Wenn Stef­fen Simon meint, dass One-​​Touch-​​Football und der Tar­get Player nicht nur cool, son­dern auch mehr­heits­fä­hig sind, dann geht er damit auf die Sportschau-​​Zuschauer los, und in vie­len Fäl­len wer­den die Begriffe mil­lio­nen­fach über­nom­men (noch extre­mer, wenn Jür­gen Klopp etwas gesagt hat).

    Ins­ge­samt ist mir der Gedanke an eine sprach­li­che Revo­lu­tion etwas zu mis­sio­na­risch, viel­leicht auch auf einer zu hohen Abs­trak­ti­ons­ebene.
    Noch span­nen­der fände ich es zudem, nicht das Fuß­ball­spiel an sich in zwei Minu­ten dar­zu­stel­len, son­dern ein­zelne Aus­schnitte. Ad-​​hoc-​​Beispiele: Anfor­de­rungs­pro­fil an einen Außen­spie­ler in der Vie­rer­kette; die Vor­teile der Raute gegen­über der Dop­pels­echs (sic!); Ver­än­de­run­gen des Spiel­sys­tems, wenn man Außen­stür­mer »falsch herum« besetzt, etc…

  • Ver­giss mal für einen Moment lang die Inhalte. Es geht doch hier­bei zunächst um die Umset­zung und deren Strahlkraft.

    Minus­punkte:
    Keine Spiel­bil­der, weil du das Geld für Lizen­zen nicht hast
    Keine opti­mierte, von Krea­tiv­spe­zia­lis­ten her­ge­stellte Ani­ma­tion (sicher auch ein Geld­pro­blem)
    Kein Publi­kum – quan­ti­ta­tiv und qua­li­ta­tiv (keine Ver­ma­krungs­stra­te­gie)
    Der anklin­gende Humor ist zu leise und geht gegen Null

    Plus­punkte:
    Sach­ver­stand und Medi­en­kom­pe­tenz
    video­tech­ni­sches Basis-​​Know-​​how
    Vision und Kon­zept­den­ken bei einem Thema, in dem es bis­her keine guten Krea­tiv­lö­sun­gen gibt

    Anre­gung:
    1. Schau dich mal bei YouTube um und sieh mal, ob es Ani­ma­tio­nen und Arbeits­an­sätze gibt, die dir lie­gen und ein­ge­ar­bei­tet wer­den kön­nen. Ich habe fest­ge­stellt, dass Leute (Ama­teure), die dort ihre Arbei­ten hoch­la­den, froh sind, wenn man sie um die Erlaub­nis bit­tet, ihr Mate­rial zu benut­zen. Auch wenn man von vorn­her­ein sagt: sorry, ich habe kein Geld. Bei­spiele für sol­che Leih­ga­ben in mei­ner noch nicht sehr weit fort­ent­wi­ckel­ten Serie »Neu­lich im (Sport)Fußball-Universum« auf YouTube oder bei mir im Blog.

    2. Stelle dir als Publi­kum lie­ber eine Gruppe von klei­nen wiss­be­gie­ri­gen Kin­dern vor und nicht die ober­schlauen Fußball-​​Stammtisch-​​Macker, die sowieso unbe­lehr­bar sind.

    3. Über­lege, wo in den eta­blier­ten Medien effek­tive Abspiel­part­ner sit­zen kön­nen. Zu den Eta­blier­ten zähle ich auch Fach­pu­bli­ka­tio­nen, die sich an Trai­ner wen­den. So etwas Gutes nur auf dem eige­nen Blog abzu­spie­len, ist verschenkt.

    4. Tat­säch­lich muss der logi­sche Denk­an­satz rund um deine Idee sein, eine Serie mit zahl­rei­chen Fol­gen zu ent­wi­ckeln. Und die dann auch auf Pro­duk­ti­ons­ef­fi­zi­en­zen hin zu kon­zi­pie­ren. Das machen die Pro­fis nicht anders. Gleich­zei­tig wird das ein­zelne Pro­dukt immer besser.

    5. Min­des­tens noch zwei wei­tere Fol­gen würde ich gerne sehen. Allein weil ich glaube, dass etwas Gutes dabei herauskommt

  • erz sagt:

    Ich fühle mich natür­lich geschmei­chelt, dass die gra­fi­sche Umset­zung so gut ankommt. Dar­über möchte ich aber die Inhalte nicht aus­blen­den, denn ich hatte eigent­lich nur ein Gim­mick schaf­fen wol­len, dass eine Tak­tik­dis­kus­sion durch Visua­li­sie­rung erleich­tert. Ich wollte keine ani­mierte Alter­na­tive zur Sport­schau schaffen.

    Bei all mei­ner Ten­denz zur Selbst­über­schät­zung Jür­gen, so groß wie du das ska­lierst kann und möchte ich die Prä­sen­ta­tion gar nicht wer­den las­sen. Ich wäre ganz zufrie­den, wenn sich nach und nach ein fei­nes Stamm­pu­bli­kum zur ver­ein­sun­ab­hän­gi­gen, etwas theo­re­ti­sche­ren Fuß­ball­dis­kus­sion auf dem eige­nen Blog ein­fände. Aus­gangs­punkt die­ses Ange­bots war schließ­lich meine Annahme, dass in der Fußball-​​Blogosphäre genau diese Nische noch frei ist.

    Eine Serie wollte ich dar­aus natür­lich ent­wi­ckeln. Heinz­Kamke hat auch die The­men­breite, die ich auf­ar­bei­ten wollte, ganz gut abge­steckt. In jeder Folge soll es um ein ande­res Detail gehen. Wenn sich dar­aus eine Dis­kus­sion ent­spinnt, wel­che Wirk­me­cha­nis­men im Fuß­ball es gibt und wie man diese bewer­tet, wäre ich schon zufrieden.

    Den lin­gu­is­tic turn im Fuß­ball wer­den wir sicher­lich nicht von unten erzwin­gen. Es ging mir auch in ers­ter Linie darum, ein Pro­blem­be­wusst­sein zu schaf­fen, dass Fuß­ball in man­chen Din­gen kom­pli­zier­ter ist, als es die Begriff­lich­kei­ten ver­mu­ten las­sen. In Zukunft wird hof­fent­lich die Ein­stiegs­hürde zur Dis­kus­sion nied­ri­ger sein, wenn die Abs­trak­ti­ons­ebene nicht gar so abge­ho­ben ist. So bin ich halt auf hohem R0ß in die Arena gerit­ten und muss davon erst mal wie­der her­un­ter kommen.

  • nedfuller sagt:

    Ich hoffe nicht zu spät:

    1. Besteht Bedarf und Inter­esse an einer sehr theo­re­ti­schen (sagen wir arro­gant stamm­tisch­frem­den) Fuß­ball­dis­kus­sion wider das Bie­le­fel­dis­ten­tum, wie ich sie mit den letz­ten Arti­keln posi­tio­niert habe und neh­men die Leser über­haupt als Kom­men­ta­to­ren daran teil?

    2. Bie­tet die gra­fi­sche Auf­be­ar­bei­tung so viel Mehr­wert, dass sie die nötige Auf­merk­sam­keits­hürde für den Start einer regel­mä­ßi­gen Dis­kus­si­ons­runde nimmt?

    zu 1.
    Ich denke es gibt das ›Bedürf­nis‹ über das Dop­pel­pass Niveau hin­aus über Fuß­ball zu reden. Ich würde mich daran auch betei­li­gen und das auch noch gerne, ergo ant­worte ich JA!
    zu 2.
    Gerade das gra­fi­sche Abbil­den des geschrie­be­nen wirkt noch deut­li­cher und das Thema wird bes­ser zugäng­lich, also auch hier ein deut­li­ches JA!

    • Tobias sagt:

      Ich schließe mich mei­nem Vor­kom­men­tie­rer hun­dert­pro­zen­tig an und möchte noch etwas zu den Num­mern und den Posi­tio­nen ver­lie­ren: »Dop­pels­echs« sagt sich viel ein­fa­cher und kür­zer als »Halb­po­si­tio­nen im defen­si­ven Mit­tel­feld« und die Exper­ten wis­sen, was gemeint ist, auch wenn es nicht unbe­dingt dem moderns­ten Tak­tik­schema (im Sinne von Nach­fol­ge­mo­dell für 4−4−2 und 4−3−3, so wie du es erklärt hast) entspricht.

  • tafelrunde sagt:

    Da stößt man spät-​​nachts und dann auch noch viel zu spät, wenn man die Ver­öf­fent­li­chung betrach­tet, auf so einen Bei­trag. Wow. Obwohl selbst „nur“ Fuß­ball inter­es­siert und wirk­lich kein Fach­mann, werde ich diese Seite wohl künf­tig regel­mä­ßig auf­su­chen.
    Genau das fehlt im Fußball-​​Kosmos. Fun­dierte Ana­ly­sen, wie und was über­haupt vor­ging und vor­geht.
    Bitte mehr und stän­dig davon. Am bes­ten bei­spiel­haft an den auf­merk­sam­keits­stärks­ten Spie­len aus­ge­rich­tet. Wenn das mög­lich ist.
    So würde Dis­ku­tie­ren über ein Spiel auch für „Theo­re­ti­ker“ Spaß bringen.

  • Eine klasse Idee!

    Denn ich glaube, dass die klas­si­schen Medien das Tak­tik­in­ter­esse vie­ler Fans unter­schät­zen. Gerade die öffentlich-​​rechtlichen Sen­der ori­en­tie­ren sich nur noch am Main­stream, der zufäl­lig in der Sport­schau lan­det: der kleinste gemein­same Nen­ner im Jour­na­lis­mus ist immer Per­so­na­li­sie­rung und Emo­tio­na­li­sie­rung. Bei den pro­mi­nen­ten Show­leu­ten fehlt auch Sach­kennt­nis: je mehr Koch­shows einer mode­riert, desto weni­ger Spiele sieht er, und das merkt man.

    Gerade die Zei­tun­gen könn­ten mehr machen, wie neu­lich im öster­rei­chi­schen blog ball​ver​liebt​.eu am Bei­spiel des Guar­dian diskutiert.

    Lei­der kann jede gra­phi­sche Dar­stel­lung nur Grup­pen­tak­tik dar­stel­len. Aber Indi­vi­dual­tak­tik ist genauso span­nend. Wel­che Ent­schei­dung sollte der Stür­mer bei wel­cher Situa­tion im 1 gegen 1 gegen den Kee­per tref­fen? Wie soll­ten Mit­tel­feld­spie­ler den Ball aus der Abwehr ver­ar­bei­ten, damit sie ihre Funk­tion im Spiel­sys­tem erfül­len? Letz­te­res für mich eines der zen­tra­len Pro­bleme der Bay­ern bei eige­nem Ball­be­sitz, das kann auch ein Rob­ben auf dem Flü­gel nicht kompensieren.

  • erz sagt:

    Wit­zig, Indi­vi­dual­tak­tik war etwas, über des­sen gra­fi­sche Umset­zung ich kürz­lich nach­ge­dacht habe. Wie ich noch näher ran­zoo­men kann und dem Punkt zwei Füße ver­pas­sen zum Bei­spiel. Ich ver­mute sogar, dass der nächste Bei­trag etwas mit Stür­mern und Ent­schei­dun­gen zu tun haben wird. Auf jeden Fall wird es Fort­set­zun­gen geben.

  • Das mit den zwei Punk­ten bzw. Füs­sen ist ›ne gute Idee. Denn Beid­fü­ßig­keit in der Defen­sive ist auch so ein span­nen­des Thema. Ich würde gerne dar­stel­len kön­nen, dass am Sams­tag vor dem 0:1 Boe­nisch im Zwei­kampf mit Dzeko mit dem fal­schen Fuss vor­aus in den Zwei­kampf gegan­gen ist.

  • Noch­mal Frage an den Infor­ma­ti­ons­vor­sprüng­ler: wie bekommst du es hin, dass die Punkte sich gleich­zei­tig bewe­gen. Schaffe es irgend­wie nur nach­ein­an­der. Stehe auf dem Schlauch… :(

  • erz sagt:

    Bei Keynote gibt es eine Option, in wel­cher Rei­hen­folge die Ani­ma­tio­nen lau­fen sol­len. Dort kann man auch »gleich­zei­tig mit X« ange­ben. So ein­fach ist das. Oder so viel Arbeit. Jede Ani­ma­tion besteht halt aus lau­ter ver­schie­de­nen Einzelanimationen.

  • Ulf sagt:

    Hallo Erz,

    finde die Erklä­rung auch top, und wie von den Vor­red­nern möchte auch auch die Gra­fik loben. Vor Kur­zem habe ich eben­falls eine Tak­tik­ta­fel für den Onlin­ebe­reich erstellt: http://​tak​tik​ta​fel​.info/​t​a​k​t​i​k​t​a​f​el/ — Aller­dings eher für die Sport­art Vol­ley­ball und lange nicht so gra­fisch aus­ge­feilt. Deine Gra­fi­ken gefal­len mir gut, beson­ders der Schiefer-​​Hintergrund macht die Sache authen­tisch, so wie frü­her in der Kabine.




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