Sommerfernsehen — Cooles aus dem Internet

Heute ist es dank des Inter­nets mög­lich, sein Fern­seh­pro­gramm selbst zusam­men­zu­stel­len. Wer heute also von sich sagt, er habe kei­nen Fern­se­her mehr, muss des­we­gen nicht gleich auf span­nende Fern­seh­pro­duk­tio­nen ver­zich­ten. Er greift viel­leicht sogar geziel­ter auf diese zurück, als es der gewohn­heits­mä­ßige Zuschauer tut. Nicht genug, dass er sich dazu der Zweit­ver­wer­tung der­je­ni­gen deut­schen Sen­der bedient, die ihre Werke auch online zur Ver­fü­gung stel­len. Er kann als sein eige­ner Pro­gramm­di­rek­tor auch in den Genuss sol­cher Pro­duk­tio­nen kom­men, die noch gar nicht für den deut­schen Fern­seh­markt ver­wer­tet wur­den — und womög­lich nie ver­wer­tet wer­den. Viele ame­ri­ka­ni­sche Sen­der stel­len ihre Serien kurz nach dem Aus­strah­lungs­ter­min zur Ver­fü­gung. Wer nicht strea­men mag, kann bei iTu­nes und ande­ren Onli­ne­wa­ren­häu­sern ein­zelne Epi­so­den und ganze Staf­feln einkaufen.

Durch das neue Medi­en­an­ge­bot erge­ben sich neue Kon­sum­ge­wohn­hei­ten. Seri­en­fol­gen müs­sen nicht län­ger an ihrem Aus­strah­lungs­ter­min gese­hen wer­den. Das Inter­net fun­giert als der größte Video­re­kor­der der Welt und erlaubt end­lich span­nen­des Früh­stücks­fern­se­hen. Gleich­zei­tig passt sich der deut­sche Seri­en­freund den ame­ri­ka­ni­schen Sen­de­ge­wohn­hei­ten an. Dort wer­den Seri­en­pro­duk­tio­nen der gro­ßen Netz­werke anhand der Vor­ga­ben von Sen­de­plät­zen in einem Kalen­der­jahr gedreht. Um die rei­bungs­lose Zweit­ver­wer­tung sol­cher Pro­duk­tio­nen auf ande­ren Sen­dern und Toch­ter­netz­wer­ken zu ermög­li­chen, hat sich ein Stan­dard von Fol­gen pro Staf­fel, Wech­sel von Som­mer– und Win­ter­pro­gramm, Pau­sen für große Sport­er­eig­nisse und mehr her­aus­ge­bil­det, der eine eigene Form der Jah­res­zei­ten für den Fern­seh­zu­schauer bil­det.

Im Som­mer wer­den in den USA gerne neue Serien vor­ge­stellt und auf ihre Publi­kums­wirk­sam­keit getes­tet. Wer dank des Inter­nets den Blick über den gro­ßen Teich wagt, kann in die­ser Zeit die ein oder andere Neu­ig­keit für sich ent­de­cken — auf die Gefahr hin, dass die Serie nur einige wenige Fol­gen über­lebt. Eine Serie, die mitt­ler­weile zwei Staf­feln über­lebt hat und im Som­mer­pro­gramm für seichte Unter­hal­tung der coo­len Art steht, ist „Burn Notice“. VOX hat sich die Rechte an der Som­mer­perle des Kabel­netz­werks abc gesi­chert, aller­dings noch kei­nen Aus­strah­lungs­ter­min fest­ge­legt. Der inter­netaf­fine Seri­en­jun­kie erfreut sich aber meist nicht nur an der Fle­xi­bi­li­tät des Fern­se­hens im Netz. Er oder sie bevor­zugt häu­fig auch die Stim­men und das Sound­de­sign der Originalversion.

Coo­les Som­mer­fern­se­hen: Burn Notice

Alle, die nicht auf den Sen­de­ter­min war­ten wol­len, dür­fen sich auf Som­mer­fern­se­hen der leich­ten Art freuen: Eine Stil­mix aus Oceans 11, dem A-​​Team und McGuy­ver könnte den ein oder ande­ren Freund von rasan­ter Action, selbst­iro­ni­schem Voice­over und über­sti­li­sier­ter Cool­ness mit der Unre­flek­tiert­heit ver­söh­nen, mit der hier gewalt­same Selbst­jus­tiz ver­übt wird. Der Spion Michael Wes­ton wird zu Beginn der Serie von unbe­kann­ten Mäch­ten in der Welt der Geheim­dienste auf Eis gelegt — er wird offi­zi­ell gebrand­markt und in der Folge von all sei­nen Kon­tak­ten gemie­den. In Miami, wo immer die Sonne scheint und es anschei­nend völ­lig nor­mal ist, im Bikini zu dinie­ren, ver­sucht er, nach und nach dahin­ter zu kom­men, warum er kalt gestellt wurde und von wem.

Nach dem alten Mus­ter des vil­lain of the week löst der gebo­rene Altru­ist in jeder Woche die Pro­bleme ver­schie­de­ner Bür­ger der Stadt und wird dabei unter­stützt von sei­ner Ex-​​Freundin und einem alten Freund. Bonus­punkte bekommt die Serie, weil die­ser alte Freund Sam von der B-​​Movielegende Bruce Camp­bell gespielt wird, der Hawaii­hem­den tra­gen kann, wie kein zwei­ter, und dem die Rolle als Spion im Ruhe­stand und Play­boy in den bes­ten Jah­ren auf den Leib geschnei­dert ist. Machismo begeg­net dem Zuschauer vor allem in Frau­en­ge­stalt der ehe­ma­li­gen IRA-​​Aktivistin und hitz­köp­fi­gen Spreng­stoff­ex­per­tin Fiona. Ihre Bezie­hung zum lako­ni­schen Michael ist natür­lich nicht ganz so abge­schlos­sen, wie es beide sich stän­dig versichern.

Wer also von Fern­se­hen im Inter­net noch nicht genug hat: So viel Cool­ness tut dem Som­mer gut.

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  • Wer Internet-​​Fernsehen der neu­es­ten Gene­ra­tion gucken will, sollte nicht län­ger nur mit den alt­her­ge­brach­ten Sen­dern seine Zeit ver­brin­gen.
    Mal wie­der ist die Open-​​Source-​​Bewegung tech­nisch den Kom­mer­zi­el­len weit vor­aus:
    Mit Miro, dem freien (open-​​source) Internetfernseh-​​Programm ist es längst mög­lich,
    sich sein eige­nes Fern­seh­pro­gramm indi­vi­du­ell zusam­men­zu­stel­len, zu abonie­ren und zu auto­ma­ti­sie­ren.
    Werft mal einen Blick dar­auf, dage­gen sieht Media-​​Thek etc. alt aus.
    Zusätz­lich beginnt die Open-​​Source-​​Bewegung dank Miro auch HD-​​Qualität auf den hei­mi­schen Rech­ner zu strah­len. Da Miro auch noch Bit-​​Torrent nativ unter­stützt, merkt der User gar­nicht, ob er gerade von einem fes­ten Ser­ver oder über Tor­rent sein Pro­gramm bezieht — es wird uner­heb­lich.
    Jetzt schon beson­ders wert­voll ist Miro für alle Tierfilm-​​Freaks, denn dank Miro las­sen sich jetzt schon viele freie Tier­filme in HD-​​Qualität betrach­ten und bestau­nen. Da gewinnt Internet-​​Fernsehen eine ganz neue Bedeu­tung.
    Ob Miro einen ähn­li­chen Sie­ges­zug antre­ten wird wie MP3 wird sich zei­gen — aber mal wie­der ist Open-​​Source einen Schritt weiter.




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