Spielbericht: Bayern München gegen Olympique Lyon

Die Tak­tik­ta­fel wurde in die­ser Woche bei einem Expe­ri­ment der taz in ein neues Medium trans­por­tiert. Dort möchte man sehen, ob eine tak­ti­sche Ana­lyse neben der klas­si­schen Spiel­be­richt­er­stat­tung funk­tio­niert und natür­lich schauen, wie die Leser so eine Neue­rung anneh­men. Ich selbst ver­su­che ja mit die­ser Reihe, das Inter­esse für die Hin­ter­gründe des beau­ti­ful game beim Leser zu wecken, die mög­li­che Erklä­rungs­an­sätze bie­ten, wie der Fuß­ball funk­tio­niert. Dabei wer­den zwar man­che Berei­che des Sports ent­my­tho­lo­gi­siert, dafür aber erkennt der Betrach­ter viel­leicht eine  unge­ahnte Kom­ple­xi­tät des Spie­les und neue, span­nende Ein­drü­cke, die Fuß­ball immer wie­der reiz­voll machen. Nicht zuletzt den Spaß an Spie­len, die »nur was für Tak­tik­freunde sind«, wie es manch­mal abfäl­lig heißt. Nicht sel­ten übri­gens zu unrecht, weil Spiele auch ein­fach nur grot­ten­lang­wei­lig sein können.

Je nach Medium und der dort lesen­den Ziel­gruppe muss ich abwä­gen, wel­che Kennt­nisse ich beim Leser vor­aus­set­zen kann und was ich an Infor­ma­tion ein­füh­ren muss. Die ent­schei­dende Limi­tie­rung in der Zei­tung ist dabei natür­lich der Platz. Ohne ein sol­ches Limit ist die Auf­merk­sam­keits­spanne der Leser die Grenze für die Fülle von Infor­ma­tio­nen, die ich prä­sen­tie­ren will. Die kom­pakte Bewer­tung der tak­ti­schen Maß­nah­men, die von Bedeu­tung für das Cham­pi­ons­lea­gue­halb­fi­nale waren, fin­det der Inter­es­sierte Leser oder die Lese­rin in der heu­ti­gen Aus­gabe der taz. Hier auf der Kon­text­schmiede habe ich dafür eine detail­lier­tere Zusam­men­fas­sung des Gesche­hens in einer Ani­ma­tion ver­ar­bei­tet, um die jewei­li­gen Vor­züge des Medi­ums her­aus­zu­stel­len. Es bleibt dem Betrach­ter über­las­sen, das Expe­ri­ment zu bewer­ten und den Trans­port von Infor­ma­tion über die Medien hin­weg einzuschätzen.

Falls die Bewer­tung posi­tiv aus­fällt, ist es natür­lich im Sinne des Tak­tik­freun­des, der taz in Leser­brie­fen seine oder ihre Zustim­mung auch mit­zu­tei­len. Bis auf wei­te­res war diese Zusam­men­ar­beit näm­lich nur ein ein­ma­li­ger Ver­such. Über Rück­mel­dun­gen freue ich mich natür­lich immer unge­mein, schließ­lich werde ich hier ver­su­chen, aus den Erfah­run­gen neue Erkennt­nisse abzuleiten.

Übri­gens, bei allem Hang zur Kri­tik an der Fuß­ball­be­richt­er­stat­tung des Main­streams: Nicht nur der Blick in die SZ von heute sollte dem anspruchs­vol­len Leser vor Augen füh­ren, dass es so schlecht um die Sport­presse in Deutsch­land nicht bestellt ist und auch tak­ti­sche Erwä­gun­gen längst Ein­gang in jour­na­lis­ti­sche Betrach­tun­gen von Fuß­ball gefun­den haben. Es könnte halt nur immer etwas mehr sein.

Meta-​​Analyse

Wei­tere Infor­ma­tio­nen, die für Fuß­ball unin­ter­es­sant, aber für Medi­en­schaf­fende viel­leicht von Bedeu­tung sein könn­ten: Ich habe das Spiel nur im Fern­se­hen (auf mei­nem Com­pu­ter) sehen kön­nen und mit­ge­schnit­ten. Zusätz­lich zu mei­nen Noti­zen wäh­rend des Spiels habe ich dann aus Stand­bil­dern ver­schie­de­ner Per­spek­ti­ven in Zeit­lu­pen und Wie­der­ho­lun­gen die Posi­tio­nen der Spie­ler ermit­telt. Der Arbeits­auf­wand für die Ana­lyse und die Vor­lage, die ich den Gra­fi­kern bei der taz zuge­schickt habe, liegt etwa bei sechs Stun­den, von denen knapp drei Stun­den mei­ner Unfä­hig­keit geschul­det sind, die der beglei­tende Redak­teur Michael Brake in Tele­fo­na­ten gedul­dig und hilf­reich kom­pen­siert hat.

Die Wei­ter­ver­ar­bei­tung der »Daten« in die Ani­ma­tion mit Keynote, die Nach­ver­to­nung und der Schnitt haben dann noch­mal sechs Stun­den gedau­ert. Für die Ani­ma­tio­nen kann ich mitt­ler­weile auf einige Vor­la­gen und eine begin­nende Rou­tine zurück­grei­fen. Da besteht rea­lis­tisch immer noch etwas Opti­mie­rungs­po­ten­tial, aber ent­schei­dend ist vor allem, das theo­re­tisch so eine Mul­ti­me­dia­be­richt­er­stat­tung zeit­nah am nächs­ten Mit­tag mög­lich wäre. Falls sich Online­ma­ga­zine je dahin­ge­hend pro­fes­sio­na­li­sie­ren soll­ten, dass es Bedarf dafür gäbe, sollte ein Autor also einen hoch­wer­ti­gen Bericht bin­nen 24 Stun­den lie­fern können.

Bleibt mir nur noch, mich noch ein­mal bei Michael Brake, der taz und unse­ren Lese­rin­nen und Lesern zu bedan­ken und viel Spaß mit der Ana­lyse  der Cham­pi­ons­lea­gue­halb­fi­nal­be­geg­nung (!) zwi­schen Olym­pi­que Lyon und dem FC Bay­ern Mün­chen zu wünschen.

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