The Championships: Die Mischung macht’s

Das Rasen­ten­nis hat sich im ver­gan­gen Jahr­zehnt grund­le­gend ver­än­dert. Klas­si­sche Serve-​​and-​​Volley-​​Spieler gehö­ren der Ver­gan­gen­heit an. All­roun­der in der Her­ren­kon­kur­renz und „Hard-​​Hitter“ bei den Damen bestim­men aktu­ell die Sze­ne­rie in Wim­ble­don. Doch was ist nun die erfolg ver­spre­chendste Stra­te­gie im Mekka des wei­ßen Sports? Die Kon­text­schmiede beleuch­tet die Tak­tik der Stars.

Top-​​Favorit Roger Fede­rer mar­schiert der­zeit durch das wich­tigste Tur­nier des Jah­res bei­nahe ohne die Aufschlag-​​Flugball-​​Kombination. Auch Lokal­ma­ta­dor Andy Mur­ray scheut den direk­ten Weg ans Netz, kon­tert seine Geg­ner auf dem schnel­len Grün lie­ber aus. Der ver­letzte Titel­ver­tei­di­ger Rafael Nadal fühlt sich hin­ter der Grund­li­nie sowieso am wohls­ten. Moderns­tes Schlä­ger­ma­te­rial, schwe­rere Bälle und eine neue Rasen­mi­schung, die das Spiel lang­sa­mer macht, haben dazu geführt, dass druck­volle Grund­li­ni­en­schläge das Rezept der Gegen­wart sind.Die Zei­ten kom­pro­miss­lo­ser Vol­ley­spie­ler sind vorbei.

Doch gibt es in die­sem Wimbledon-​​Jahr auch über­ra­schende Aus­nah­men, die das Her­ren­ten­nis viel­sei­ti­ger machen. Geheim­fa­vo­rit Tommy Haas steht mitt­ler­weile zum ers­ten Mal in sei­ner Kar­riere im Vier­tel­fi­nale und greift dabei auf ein schein­bar ver­al­te­tes Kon­zept zurück. In sei­nem Drei­satz­er­folg über Igor And­re­jew machte der Deut­sche jeden drit­ten Punkt am Netz und ging ab und an sogar nach zwei­ten Auf­schlä­gen direkt ans Netz. Die eben­falls hoch gehan­del­ten Andy Rod­dick und Ivo Karlo­vić nut­zen die Eigen­hei­ten des „hei­li­gen Rasens“ zumin­dest mit tie­fen Slice-​​Bällen und rücken nach, sobald der Kon­tra­hent kür­zer spielt. Als fünf­ma­li­ger Wimbledon-​​Champion weiß auch Roger Fede­rer um die enorme Angriffs­kraft eines flach absprin­gen­den Schla­ges.

Ein­tö­ni­ger geht es dage­gen in der Damen­kon­kur­renz zu. Die Welt­rang­lis­ten­erste Dinara Safina kennt Varia­tio­nen in der eige­nen Stra­te­gie nur vom Hören­sa­gen. Falls ihr Power-​​Tennis gegen ähn­lich ver­an­lagte Spie­le­rin­nen nicht mehr den nöti­gen Erfolg bringt, würzt sie ihr Spiel ein­fach mit einem wei­te­ren Schuss Härte. Auch die Williams-​​Schwestern domi­nie­ren das Gesche­hen in Lon­don seit Jah­ren ohne viel Spiel­witz. Die Deut­sche Sabine Lisi­cki, die es bis ins Vier­tel­fi­nale geschafft hat, bestä­tigt den Trend und mei­det das Netz, wo sie nur kann.

Nach dem Abschied von Jus­tine Henin steht nur noch Amé­lie Mau­resmo als All­roun­de­rin mit einem gefähr­li­chen Slice in der erwei­ter­ten Welt­spitze. Die große Zeit der rou­ti­nier­ten Fran­zö­sin scheint jedoch vor­bei zu sein. Im Ach­tel­fi­nale gegen Safina blitzte das Kön­nen der Wimbledon-​​Siegerin von 2006 noch ein­mal auf. Trotz eines frü­hen Breaks im ent­schei­den­den Durch­gang musste sie sich aller­dings der über­le­ge­nen Phy­sis der lange ein­falls­lo­sen Safina geschla­gen geben.

Eine ver­nünf­tige Mischung zwi­schen druck­vol­lem Grund­li­ni­en­spiel mit abschlie­ßen­den Netz­at­ta­cken und über­ra­schen­den Vol­leys nach tak­tisch gesetz­ten Auf­schlä­gen wäre für einige der groß gewach­se­nen Damen eine Erfolg ver­spre­chende Option. Klas­si­sche Serve-​​and-​​Volley-​​Spielerinnen wie Mar­tina Navrá­ti­lová oder Jana Novotná wird es in Wim­ble­don vor­erst jedoch nicht mehr geben. Tommy Haas macht zudem vor, dass Tak­tik, Spiel­witz und Varia­tion nicht der Rasen-​​Geschichte ange­hö­ren. Die Zei­ten kom­pro­miss­lo­ser Vol­ley­spie­ler der Kate­go­rie Becker, Edberg oder Sam­pras, um nur drei der zahl­rei­chen Spe­zia­lis­ten auf­zu­füh­ren, sind dage­gen vorbei.

Kommentar-icon Kommentieren

  • 7 sagt:

    Vor kur­zem war Tommy Haas noch Geheim­tipp. Aber auch als Geheim­fa­vo­rit wird’s gegen den FedEx­press nie und nim­mer rei­chen. Strai­ght Sets.

  • obi sagt:

    Etwas über­heb­lich mit den strai­ght Sets wie ich finde. Roger ist Favo­rit, glas­klar, aber Tommy braucht sich abso­lut kei­nen Stress zu machen und kann ihm befreit sein old­school serve and vol­ley aufzwingen^^

    • csp sagt:

      Recht hast Du, Obi!
      Das wird wohl die schwie­rigste Auf­gabe für Roger, obwohl der gerade wie­der zau­bert. Doch Tommy spielt wirk­lich momen­tan das Ten­nis sei­nes Lebens. Nicht zu glau­ben, wie natür­lich der ans Netz stürmt. Auf das Halb­fi­nale kön­nen wir uns auf jeden Fall freuen…

  • 7 sagt:

    Nee, so war das ganz und gar nicht gemeint. Tommy spielt beein­dru­cken­des Rasen­ten­nis im Moment. Aber von Roger erwarte ich ein­fach noch viel mehr. N°15.

    • erz sagt:

      Sagen wir mal so — Roger hat immer gesagt, Tommy wäre ein sehr unan­ge­neh­mer Geg­ner für ihn. Zum Favo­ri­ten, ob geheim oder nicht, wird der Deut­sche aber erst, wenn der Express mit Magen-​​Darmgrippe aus­fällt fürchte ich.




Kommentare können in der Kommentarschleife auf die Moderation warten. Bitte etwas Geduld beweisen und nicht neu absenden. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die uns nicht passen. Spam wird grundsätzlich gelöscht. Weitere Erläuterungen zu Kommentarregeln und Datenschutz finden sich in unseren Nutzungsbestimmungen.



  • Über uns

    Die Kon­text­schmiede ist eine Platt­form für junge Auto­ren, auf der ein brei­tes Spek­trum von gesell­schaft­lich rele­van­ten The­men abge­deckt wird. Die Bei­träge sol­len Zusam­men­hänge, Hin­ter­gründe und Ana­ly­sen bie­ten und Inhalte stets in einen Kon­text ein­bet­ten, der neue Per­spek­ti­ven eröffnet.

↑ Springe zum Seitenanfang

An der Technik der Kontextschmiede wird beständig gefeilt. Für Fehler bitten wir um Nachsicht. © Kontextschmiede