The Championships: Kiefer fordert den Mythos Wimbledon heraus — und verliert
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Nicolas Kiefer hat es bereits vorher geahnt. „Der Zirkus in den Kabinen raubt viel Energie“, gab der deutsche Tennis-Routinier vor dem diesjährigen Wimbledon-Turnier im FAZ-Interview zu Protokoll. Nichts desto trotz rechnete sich Kiefer auf dem „heiligen Rasen“ durchaus Chancen aus, seine bislang schwache Saisonbilanz aufzupolieren. Die Auftaktrunde gegen den französischen Tennis-Künstler Fabrice Santoro, der sich in seiner letzten Saison noch einmal auf allen Major-Events präsentiert, wurde dann jedoch zum absoluten Desaster.
Mit 4:6, 2:6, 2:6 schlich Kiefer, der seit dem Viertelfinaleinzug 1997 dem elitären Kreis des „Last 8 Club“ angehört, nach 1:46 Stunden vom Platz. 34 unerzwungene Fehler, eine katastrophale Statistik beim ersten Aufschlag und nur zwei Breakbälle im gesamten Match zeugen von der unterirdischen Vorstellung des ehemaligen Weltranglisten-Vierten.
Fahrig, abwesend und zittrig wirkte „Kiwi“ auf dem „Friedhof der Stars“ gegen den sicherlich unangenehm spielenden Santoro. Ob dies am „Zirkus“ in den Umkleidekabinen lag oder an seiner Bauchmuskelzerrung, die ihn schon beim Vorbereitungsturnier im westfälischen Halle zur Aufgabe zwang, weiß nur Kiefer selbst.
Respekt vor der Tradition kann auch Energien freisetzen
In jedem Fall hat der Hannoveraner den Mythos Wimbledon herausgefordert. Halle-Organisator Gerry Weber für den Fortschritt im „All England Lawn Tennis and Croquet Club“ verantwortlich zu machen, wie Kiefer im Interview vor dem Turnier, ist, gelinde gesagt, gewagt. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass die Ostwestfalen eine kleine Kopie des großen Londoner Vorbilds gebaut haben. Darüber hinaus muss er sich nicht zwingend mit Juri Sharapova über die Bärenjagd unterhalten und darf sich gerne auf sein Match konzentrieren. Rückzugsmöglichkeiten, das hatte die Nummer 33 der Wimbledon-Setzliste selber eingeräumt, gibt es auf der Anlage genug.
Den Geist des wichtigsten Tennis-Turniers des Jahres zu provozieren, könnte sich also bitter gerächt haben. Besser hätte Kiefer wohl seinen Frieden mit dem „heiligen Rasen“ und seinen Eigenarten im Umfeld gemacht. So wie Kollege Tommy Haas, der unter Experten nun als Geheimtipp in Wimbledon gilt. Respekt vor der Tradition kann auch zusätzliche Energien freisetzen.
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