Tu mir mal ’nen Anruf!

Wer eine Zeit­lang in Spa­nien oder einem ande­ren spa­nisch­spra­chi­gen Land gelebt hat, kennt das Phä­no­men. „Hazme una per­dida“, sagen die Ibe­rer, und der Deut­sche wun­dert sich. „per­dida“ ist die Kurz­form von „llamada per­dida“, im Eng­li­schen „mis­sed call“, und heißt auf Deutsch umständ­lich „Anruf in Abwe­sen­heit“. Suchte man eine ähn­li­che Kon­struk­tion in unse­rer Mut­ter­spra­che, bliebe allen­falls der Stamm­tisch­spruch „Tu mir mal ein Bier!“, schließ­lich lau­tet die wört­li­che Über­set­zung des ein­gangs erwähn­ten Impe­ra­tivs unge­fähr „Mach mir einen ver­pass­ten Anruf!“. Infor­mel­ler noch klingt „pégame un toque“, also so etwas wie „Lass ein­mal durch­klin­geln“ (wört­lich: „Ver­pass mir einen Schlag/​ein Signal!“). Doch was ist damit gemeint, wenn sich diese Auf­for­de­rung am Ende einer SMS befin­det?

Die Bitte um Rück­ruf ohne Gespräch kommt immer dann zum Ein­satz, wenn der Sen­der vom Emp­fän­ger eine Bestä­ti­gung erwar­tet. Die „Einverstanden“-Antwort kann man sich so spa­ren. Eben­falls beliebt ist der „ver­lo­rene Anruf“, um die Ankunft an einem vor­her aus­ge­mach­ten Ort zu über­mit­teln. Ver­armte Kom­mu­ni­ka­tion oder Kom­mu­ni­ka­tion für Arme? Weder noch, die gespar­ten fünf Cent machen wohl kei­nen reich. Bei jün­ge­ren Han­dy­nut­zern ist die „per­dida“ schlicht sinn­volle Kon­ven­tion. In Deutsch­land ein­ge­setzt, führt diese Art, sich mit­zu­tei­len dage­gen eher zu Unver­ständ­nis. Schade!

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