Mal was Gutes tun

Im Winter können wir uns regelmäßig vor Spendenaufrufen kaum retten. Angesichts des überbordenden Elends in der Welt und der gleichzeitigen Kommerzialisierung von Wohltätigkeitsorganisationen mag sich mancher in Zynismus flüchten. Ich möchte mich an dieser Stelle gegen den Zynismus aussprechen und anmerken, dass bei mittlerweile 7 Milliarden Menschen mehr denn je Solidarität und Empathie die entscheidenden Währungen der gegenseitigen Unterstützung sind. Wir alle können einander auf die ein oder andere Weise helfen.

Ich habe für mich ein paar Projekte entdeckt, in denen ich mit meinem bescheidenen Beitrag etwas ausrichten kann. Jeder muss da seinen eigenen Weg finden. Bei einem dieser Projekte, für die UNESCO Stiftung Bildung für Kinder in Not, habe ich kürzlich inhaltliche Schützenhilfe geleistet. Die Arbeit habe ich als Video aufbereitet, damit ich die enthaltene Botschaft weiter verbreiten kann. Ich hoffe, ich kann damit meinem Publikum ein wenig Mut machen. Es lohnt sich, zu helfen, egal, was Ihr konkret in Angriff nehmt. Gemeinsam können wir viel bewegen. Also los, packen wir’s an!

Wenn die Welt auf dem Kopf steht

Im Angesicht einer Katastrophe sehen wir Menschen, deren Welt zusammen gebrochen ist. Vom Bettler bis zum Banker sind alle gleich in ihrem Bemühen, aus den Trümmern aufzustehen und der Rest der Welt fühlt sich ihrem Schicksal in Anteilnahme verbunden. In dieser mittelbaren Hilflosigkeit fällt es uns Zuschauern schwer, den Sinn zu finden für eine Welt, in der wir Mitmenschen beim Kampf ums nackte Überleben zusehen. An dieser Stelle wird Kommunikation zu einem Akt der Schöpfung. Konstruktivismus, die menschliche Eigenschaft sich eine eigene Realität zu schaffen, ist nirgends sichtbarer, niemals greifbarer als in Zeiten wo die Realität uns einholt und mit unserer verdrängten Ungewissheit konfrontiert.

Heute können wir Zeuge werden, wie Menschen, die wir ohne die social networks des Internetzeitalters nie kennen gelernt hätten, ihre Realität neu justieren. Wir können aus erster Hand beobachten, wie verschiedene Gesellschaften eine gemeinsame Perspektive teilen und wir können erfahren, wo sich diese Perspektiven unterscheiden. Eine Beobachtung aus den Informationsströmen des Twitterversums, wie auch der traditionellen Massenmedien war ziemlich eindrücklich. Das framing (siehe auch diesen Artikel) des Erdbebens, des folgenden Tsunamis und schließlich der drohenden Katastrophe in den japanischen Kernkraftwerken unterschied sich deutlich, je nach Nationalität, Kultur und Struktur der menschlichen Netzwerke. Auf Seiten der New York Times dauerte es einen ganzen Tag, bis die Angst vor einer Kernschmelze die Berichterstattung zur humanitären Katastrophe im Erdbebengebiet als Leitthema verdrängte. Die deutschen Leitmedien hatten bereits am ersten Tag diesen Aufhänger ganz oben auf den Startseiten platziert. Diese Themensetzung schlug sich analog bei Twitter nieder, auf englischsprachigen Timelines war Fukushima zunächst kaum ein Thema. […] → zu Ende lesen

Krimispiel: Das schmutzige Spiel der feinen Gesellschaft.

Das auf dieser Seite eingebettete Dokument ist eine Anleitung samt Spielzubehör für ein Detektivspiel, das auf privaten Parties mit 26 Gästen gespielt werden kann. Nachdem ich bei der Suche nach einem solchen Spiel zu keinem befriedigenden Ergebis kam, habe ich kurzerhand selbst eines geschrieben. Es steht zum Download zur Verfügung, falls noch jemand anderes eine Krimiparty in dieser Größenordnung selbst organisieren möchte.

Außerdem ist es eine Übung in angewandter Gameification – dieses Buzzword bekommt in letzter Zeit immer mehr Aufmerksamkeit. Sinnvoll verwendet beschreibt es einen Ansatz, wie sich Regelsysteme aus Spielwelten zur Motivation bestimmter Nutzerhandlungen im Designprozess integrieren lassen. Wenn es mehr sein soll als überflüssige Punktehatz, müssen natürlich auch grundlegende Erkenntnisse verarbeitet werden, wie Spiele überhaupt funktionieren; wie intrinsische Motivation von Spielern sich in interaktiven Modellen auswirkt und durch Regeln steuern lässt.

Diese theoretischen Überlegungen können allen Hobbydetektiven natürlich egal sein. Viel Spaß bei der Mörderhatz im eigenen Haus. […] → zu Ende lesen

Medienkunst. Medien-Art. Sound-Art: Ein Interview mit Lilian Beidler

Und noch mal… Medienkunst. Medien-Art. Sound-Art… name dropping für die Begriffe, die Nutzer virtueller Suchmaschinen möglicherweise mit diesem Interview verbinden. Die Suche nach Informationen zu diesem Thema könnte einige Leserinnen und Leser jetzt zwar erfolgreich zu diesem Text führen, aber noch nicht die Erfahrung bieten, die man mit dem Thema Medienkunst gern verbunden hätte. Solche Erfahrung konnte man während der „interface“ – Tage am Forum Freies Theater (FFT) in Düsseldorf am Wochenende von 21 bis 22 Januar 2011 machen.

Was ist das Neue an Medienkunst? Wie ändert sich die Beziehung zwischen Mensch und Werk, wenn verschiedenen Medien gleichzeitig im Spiel sind? Die Beziehung zwischen dem Schaffenden und dem Geschaffenen, sowie zwischen dem Werk und dem Betrachter ist ein Prozess von dialektischer Dynamik. Auf diese Weise wird das Kunstwerk als ein Ganzes gesehen, das aus dem Künstler, dem Objekt und dem Betrachter besteht. Was be-zieht sich zu was? Und wer ist der Hin-gezogene? Peter Sloterdijk sagte: „Der Künstler und Erotiker lebt unter dem Eindruck, dass eher die Dinge etwas von ihm wollen als er von ihnen, und dass sie es sind, die ihn in das Abenteuer der Erfahrung verwickeln.“

Um diesen Fragen näher zu kommen, sprach ich mit Klangkünstlerin Lilian Beidler. […] → zu Ende lesen

Transformationen, Demokratie und der nahe Osten: Was wird aus Ägypten?

Nachdem in Tunesien sich eine Transformation des politischen Systems deutlich abzeichnet, ist nun auch in Ägypten eine Transformation in greifbare Nähe gerückt. An dieser Stelle ist bewusst nicht die Rede von „demokratischen Revolutionen,“ weil dieses Transformationsparadigma in seiner Beschreibung eine fragwürdige Perspektive darstellt. Die durch Samuel Huntington populär gewordene Metapher von den Wellen der Demokratisierung entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als wenig hilfreich. Ihre Definition von Demokratie ist beschränkt auf die prozessfixierte Dimension des Wahlvorgangs.

The ›democratic method,‹ he said, ›is that institutional arramgement for arriving at political decisions in which individuals acquire the power to decide by means of a competitive struggle for the people’s vote.‹

Schumpeter, zitiert durch Huntington

Die durch diese Linse wahrgenommenen Wellen der Demokratisierung führten dazu, dass eine große Anzahl autokratisch geführter Staaten kurzerhand die Bedingungen prozessuraler Demokratie einführten, um als „Demokratien“ in den Genuss von Entwicklungshilfe oder auch nur  öffentlicher Anerkennung zu kommen. Wahlen sind das beste Feigenblatt für Despoten. Huntingtons Metapher der demokratischen Wellen ist aber so griffig, dass sie im öffentlichen Diskurs als „Standard“ der Transformationsforschung wahrgenommen wird. Joseph Joffe hat das kürzlich wieder einmal demonstriert. Dabei hat die Politikwissenschaft längst andere Kriterien für die Demokratieforschung oder den Systemwandel aufgegriffen. […] → zu Ende lesen

Denn sie tun nicht, was sie wissen: Klimawandel in der Diskussion

Wir erleben zum zweiten Mal hintereinander einen für uns ungewöhnlich kalten Winter. Prompt wird auf das Wetter geschimpft: „Schnee im November, das gab es ja noch nie!“ oder auch „ich musste noch nie so früh die Heizung wieder anstellen.“ Zeit für Medien und Gesellschaft, sich mit dem Klima auseinander zu setzen. Dies geschieht in zuletzt ungewohnter Richtung – statt über Hitzerekorde wird über Kälterekorde gesprochen. Aber der Mensch ist ja flexibel, der Klimawandel ist schnell abgesagt.

Folgt man der internationalen Presse, so rumort es bereits seit Anfang des Jahres. Ausgelöst durch den sogenannten „Climategate“-Skandal gerieten Klimaforscher in Misskredit. In internen E-Mails diskutierten führende WissenschaftlerInnen, wie sie die größtmögliche Wirkung für ihre Forschungsergebnisse erreichen könnten. Außerdem wurde gleich eine ganze Fülle von Fehlern in den Berichten des zwischenstaatlichen Ausschusses zum Klimawandel (IPCC) gefunden. Die öffentlich gewordenen Emails waren ein gefundenes Fressen für Klimaskeptiker, das Befeuern von Kontroverse ist wiederum ein Garant für Auflage und weil jeder eine Meinung zum Wetter hat, findet das Thema Erderwärmung großen Anklang. Die Emails wurden zur Schlagzeile. […] → zu Ende lesen



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