Pimp your beer: Die Braunschweiger Mumme

Pimp your beer: Die Braunschweiger Mumme

Dass die Deutschen ein dogmatisches Verhältnis zu ihrem liebsten Getränk haben, kann man nicht unbedingt behaupten. Reinheitsgebot hin oder her, auch hierzulande kippen sich die Menschen einiges ins Bier. Während der Konsum von reinem Gerstensaft zurückgeht, haben Mischgetränke Konjunktur. Gerade in der warmen Jahreszeit gelten Alsterwasser, Radler oder Diesel als erfrischende Alternative zum ewig gleichen Pils. Neben diesen Klassikern der Biermischgetränke sind in den letzten Jahren immer fragwürdigere Kombinationen auf dem Markt erschienen. Drachenfrucht oder Capuccino gehören zu den merkwürdigsten Zutaten, die in der Post-Alkopop-Welt überlebt haben. Eine weitaus ältere, doch kaum bekannte Misch-Komponente ist die Braunschweiger Mumme.
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Die Krawatte als Ausdruck der Bescheidenheit

In unserer Einführung zur Serie über Stil haben wir bereits darauf hingewiesen, dass ein Großteil der heute gültigen Benimmkonventionen willkürlich ausgewählte Symbole sind, die eine Wertschätzung der Mitmenschen demonstrieren sollen. Bestes Beispiel für solch ein Symbol ist die oft ungeliebte Krawatte. Sie erfüllt keinen funktionalen Zweck, sondern schränkt im Gegenteil nur die eigene Freiheit ein. Dahinter steckt System.

Warum bestehen Personalchefs auf Krawattenzwang für Mitarbeiter mit Kundenkontakt? Wieso muss es immer so förmlich sein, wenn ein Vorstellungsgespräch ansteht? Es gibt eine bessere Begründung als „weil sich das so gehört“. […] → zu Ende lesen

Tu mir mal ’nen Anruf!

Wer eine Zeitlang in Spanien oder einem anderen spanischsprachigen Land gelebt hat, kennt das Phänomen. „Hazme una perdida“, sagen die Iberer, und der Deutsche wundert sich. „perdida“ ist die Kurzform von „llamada perdida“, im Englischen „missed call“, und heißt auf Deutsch umständlich „Anruf in Abwesenheit“. Suchte man eine ähnliche Konstruktion in unserer Muttersprache, bliebe allenfalls der Stammtischspruch „Tu mir mal ein Bier!“, schließlich lautet die wörtliche Übersetzung des eingangs erwähnten Imperativs ungefähr „Mach mir einen verpassten Anruf!“. Informeller noch klingt „pégame un toque“, also so etwas wie „Lass einmal durchklingeln“ (wörtlich: „Verpass mir einen Schlag/ein Signal!“). Doch was ist damit gemeint, wenn sich diese Aufforderung am Ende einer SMS befindet?

Die Bitte um Rückruf ohne Gespräch kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Sender vom Empfänger eine Bestätigung erwartet. Die „Einverstanden“-Antwort kann man sich so sparen. Ebenfalls beliebt ist der „verlorene Anruf“, um die Ankunft an einem vorher ausgemachten Ort zu übermitteln. Verarmte Kommunikation oder Kommunikation für Arme? Weder noch, die gesparten fünf Cent machen wohl keinen reich. Bei jüngeren Handynutzern ist die „perdida“ schlicht sinnvolle Konvention. In Deutschland eingesetzt, führt diese Art, sich mitzuteilen dagegen eher zu Unverständnis. Schade!

Der beste Federer aller Zeiten!

Der beste Federer aller Zeiten!

Wer würde ein fiktives Match zwischen dem French Open-Champion 2009 und dem Wimbledon-Champion 2005 wohl gewinnen? Eines ist klar: Auf beiden Seiten des Courts wird in dieser Vorstellung Roger Federer stehen. Der Spieler, dem etliche Tennis-Experten den Paris-Titel nie zutrauen wollten. Vermeintliche Experten, die gut gemeinte Ratschläge wie einen festen Coach an seiner Seite, einen größeren Schlägerkopf oder gar eine ganz neue Taktik als Heilmittel für die selbst erdachte Krise ausgaben, merkten darüber nicht, wie sich Federer in seiner gesamten Karriere weiterentwickelt hat.Stillstand oder Rückschritt kann sich kein Spitzensportler leisten

Stillstand oder Rückschritt kann sich kein Spitzensportler leisten. Speziell im harten Tour-Alltag wartet die hungrige Meute junger Athleten, die wenig ehrfurchtsvoll auf das Erbe Federers schielt, auf jeden kleinen Fehler und nutzt ihn gnadenlos aus. „Alle fünf Jahre etwa macht Tennis eine Veränderung durch. Dann sind nicht nur die Spieler andere, sondern auch das Spiel entwickelt sich weiter“, wusste schon Andre Agassi kurz vor seinem Rücktritt vom aktiven Tennissport, dass seine Spielweise in der Zukunft weniger Erfolge erzielen wird.

Roger Federer steht jedoch seit fünf Jahren kontinuierlich in Halbfinals der vier Grand-Slam-Events und hat soeben im Stade Roland Garros Geschichte geschrieben. Der Baselbieter hat die Chance genutzt und sich mit seiner Konkurrenz gesteigert. Spielerisch und mental.
Offensichtlich ist dies vor allem im Volleyspiel und auf der Rückhandseite. Tony Roche entwickelte Federers Flugbälle weiter. Ein Beleg dafür ist der Olympiasieg im Doppel an der Seite von Stanislas Wawrinka. Der Übergang vom Netz an die Grundlinie ist fließend, und als Stilmittel in seinem Allround-Spiel setzt der Schweizer die Netz-Attacke immer häufiger ein. Die größeren Bälle, das weiterentwickelte Material und die Fitness der Gegner lassen eine konsequente Serve-and-Volley-Taktik nicht mehr zu. Keine Veranlassung für Federer also, sich hier blindlings in der Offensive zu verrennen.
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Mutters Pfannkuchen

Es hat schon eine gewisse Tradition, dass ich immer, wenn ich Pfannkuchen backe, meine Mutter anrufe, um sie noch einmal nach dem Rezept für den Teig zu fragen. Das war bis vor Kurzem noch nicht einmal gespielt: Ich habe mir die Mengenangaben wirklich nie gemerkt – vielleicht weil mein Unterbewusstsein eine kleine Löschroutine installiert hat, die mich zwingen sollte, mich öfter bei Mama zu melden. Spätestens, wenn ich oder eine zu Speiseplanwünschen berechtigte Person in meinem Umfeld wieder Lust auf Pfannkuchen hatte, musste ich also telefonieren.

Irgendwann im letzten Jahr hat sich wohl mein Gedächtnis gegen mein Unterbewusstsein durchgesetzt, zumindest kann ich nun die Mengenangaben ohne Anruf abrufen. Weil aber jeder Tag, an dem man an seine Liebsten denkt, ein schon ein bisschen weniger schlechter Tag ist, werde ich als Appetithäppchen für alle weiteren Artikel über das Kochen dieses Rezept hier verewigen.Jeden Tag die Nerven und die Leidenschaft aufzubringen, sich ohne Ruhm um das Wohlergehen anderer zu sorgen, das ist hohe Schule

Im letzten Jahr ebbte die geradezu rauschhafte Begeisterung in Deutschland für das Kochen, anschaulich dokumentiert in der Inflation der Kochdarsteller, den Fernsehköchen, merklich ab. Zumindest die gefühlte Penetranz der löffelschwingenden Selbstdarsteller scheint zugunsten von Käfigreinigung und Gehegesanierung einer neuen Form des Renovierungsfernsehens gewichen. Die größte Wohltat in diesem Zusammenhang ist vermutlich die geradezu meditative Abkehr von der Selbstdarstellung. Kein Pfau ist so eitel wie ein Fernsehkoch. Und aus der Nabelschau ums Kochen erwuchs geradezu ein Leistungsdruck, in der heimischen Küche den neuen Ansprüchen an ein perfektes Abendessen gewachsen zu sein.
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Stilberatung – Etikette und Benimm

Etikette (oder auch Protokoll) ist nichts, wovon man sich verunsichern lassen sollte. Beides sind nichts weiter als willkürlich festgeschriebene Konventionen über zwischenmenschliches Verhalten. Die Regeln, die im historischen Gebrauch festgelegt wurden, nehmen allerdings eine gefühlte Wichtigkeit und Starrheit an, die über die eigentliche Ursache der Gründung solcher Regeln hinwegtäuscht. Weil gutes Benehmen eine Umdeutung in richtiges Benehmen erfuhr, erhalten Benimmregeln eine Aura von Wichtigkeit, die für manchen geradezu einschüchternd wirkt. Dieser Artikel bildet den Auftakt zu einer Reihe über gesellschaftliche Konventionen und ihre Ursprünge, die sich gegen den erhobenen Zeigefinger und Anspruch auf Richtigkeit richtet und einen neuen Zugang zu „gutem Stil“ bieten möchte. Wer sich aufrichtig bemüht, zuvorkommend und respektvoll zu sein, zeigt immer gutes Benehmen

Mit der Überhöhung der Bewertung von richtig und falsch wird Benimm zu einem Instrument der Abschottung sozialer Schichten. Die „feinere Gesellschaft“ erhöht ihren Status über die zumeist ohnehin schon bestehenden finanziellen Unterschiede und dem Unterschied des Bildungsgrades zu anderen gesellschaftlichen Schichten hinaus. Ihre Konventionen werden zum Vorbild und Maßstab für alle Mitglieder der Gesellschaft gemacht, obwohl die Kenntnis der teils völlig willkürlichen Regeln nicht in allen Schichten gleichermaßen verbreitet ist. Nicht ohne Grund sind es solche Benimmkonventionen, die in Zeiten gesellschaftlichen Wandels mit Eifer von den aufstrebenden Bevölkerungsschichten abgelehnt oder gar bekämpft werden, wie es zum Beispiel die 68er Generation im Moment ihres Aufbegehrens tat. Von den Werten anderer Generationen und Schichten sind es besonders die Benimmregeln, an denen sich als Symbol für das Überkommene die Geister entzünden.
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