Bayerische Fähnchen im Wind

Neulich war zu lesen, Karl-Heinz Rummenigge wolle Real Madrid im Falle des weiteren Werbens um Bayern Münchens Superstar Franck Ribéry verklagen. In den wichtigen und von Natur aus bereits unruhigen Wochen der Sommervorbereitung ist es dabei durchaus verständlich, dass die bajuwarische Führungsriege empfindlich auf die ständigen Störfeuer aus der spanischen Hauptstadt reagiert. Zumal eine Kontaktaufnahme mit einem Spieler ohne vorherige Information und Zustimmung seines derzeitigen Vereins gemäß den FIFA-Statuten erst sechs Monate vor Vertragsende gestattet ist. Rummenigges Drohung mag also verständlich sein. Erst recht, wenn damit die Hoffnung verbunden ist, endlich Ruhe an der Säbener Straße einkehren zu lassen. Dennoch, Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender winkt aus dem Glashaus. Ein Kommentar der Kontextschmiede.

Via BILD-Zeitung lässt Manager und Vorstandskollege Uli Hoeneß verlauten, dass Manuel Neuer sich gerne dem deutschen Rekordmeister angeschlossen hätte. Ohne vorheriges Gespräch mit dem Schalker Torwart müsste Hoeneß schon Gedanken lesen können. Neuers Vertrag endet im Übrigen in knapp drei Jahren – am 30.06.2012.

Auch bei der Verpflichtung Sebastian Deislers von Hertha BSC Berlin zur Saison 2002/ 2003 ist fraglich, in wie weit die Münchner im Rahmen der FIFA-Statuten gehandelt haben. Bereits knapp ein Jahr vor dem eigentlichen Vertragsbeginn sind auf dem Konto des damals einundzwanzigjährigen Jungnationalspielers 20 Millionen Mark Handgeld eingegangen. Nach einem lauten Aufschrei der Empörung in der Öffentlichkeit wurde jenes Handgeld später als Darlehen bezeichnet und von Deisler wohl zurückgezahlt.

Am Hannoveraner Flughafen trafen sich die Münchner Macher einst mit dem damaligen Bremer Stürmer und WM-Torschützenkönig Miroslav Klose um über dessen Wechsel zum deutschen Branchen-Primus zu verhandeln. Zwei Tage vor dem UEFA-Pokal-Halbfinale der Norddeutschen bei Espanyol Barcelona. Und knappe vierzehn Monate vor dessen Vertragsende.

Im großen Geschäft des Profi-Fußballs in dem es um Erfolg, Prestige und vor allem viel Geld geht, ist sicherlich wenig Platz für Aufrichtigkeit, Tugend und Ethos. Wahrlich auch nicht für Moralapostel. Karl-Heinz Rummenigge jedenfalls täte gut daran, den Stein, den er in seiner Hand hält, nicht zu werfen. Die Wände seines Glashauses würden bersten.

Die Kommentare sind abgeschaltet.

  • Roberdinho sagt:

    wie es so schön heißt bei uns: „wer recht hod, der zoit a maß!
    tja, gegenüber rummenigge´s geistige geniestreiche ist einfach kein kraut gewachsen



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