Kann Werbung Spaß machen?

Mit einer interessanten Idee versucht sich die von Benutzern gefütterte Inhaltsseite digg.com an einem neuen Paradigma zur Finanzierung ihres Angebots.

Der gemeine Surfer hat’s nicht leicht. Um ihre Inhalte zu finanzieren, geben Verlagshäuser und andere Content-Anbieter eine aufdringliche Werbemethode nach der anderen in Auftrag. Ist der geneigte Besucher einen Moment unaufmerksam und führt die Maus über eine Grafik, die nicht zum redaktionellen Angebot gehört, erklingen Jingles oder ein Video setzt sich in Bewegung. Halbseitige Grafikanimationen rollen sich beim Seitenaufruf vor den Augen des Besuchers aus, und die Suche nach dem meist gut verborgenen „Schließen“-Button verhindert eine genauere Beschäftigung mit der Aussage der Anzeige. Honig schlecken ohne Bienenstachel ist eben nicht möglich. Fairerweise muss dazu gesagt werden, dass Premium- oder Abo-Angebote bekanntlich in den wenigsten Fällen funktionieren.

Neue Impulse kommen wiederum von Internet-Startups, wie zuletzt die benutzergesteuerte Nachrichtenseite digg.com bewiesen hat. […] → zu Ende lesen

Wie in einem Schwarzen Loch

Von Januar 2002 bis August 2006 saß Murat Kurnaz unschuldig im US-Gefangenenlager Guantánamo. Er und sein Anwalt Bernhard Docke waren am vergangenen Donnerstag in der Bremer Universität zu Gast. In einer Podiumsdiskussion berichtete Kurnaz über Folter und Erniedrigung, während Docke die Hintergründe des mühsamen Kampfs gegen einen aus den Fugen geratenen Rechtsstaat schilderte. Er belegte mit Dokumenten eindeutig die unrühmliche Rolle des damaligen Kanzleramtschefs Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Studenten bei einer PodiumsdiskussionVolles Haus während der Podiumsdiskussion

Im Saal B3009 der Bremer Universität sitzt ein Mann. Seine kurzen Haare sind gepflegt zurückgekämmt, im Gesicht sprießt ein Dreitagebart. Unter dem schwarzen Jackett trägt er ein lachsfarbenes Hemd. Ihm gegenüber sitzen viele Studenten und hören zu. „Ich arbeite als Aushilfe im Theater, das bereitet mir Spaß“, erzählt der Mann. In seiner Freizeit fahre er gerne Motorrad. Ab und zu lächelt er. Hinter ihm wirft ein Beamer in flauen Farben den Ausschnitt einer Weltkarte an die Wand. Mit roter Farbe eingekreist: die Bucht von Guantánamo, jenes Fleckchen Land, auf dem die USA seit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg eine Marinebasis unterhält. 2002 wurde dort unter George W. Bush das berüchtigte Gefangenenlager für Terrorverdächtige errichtet. Der Mann, der in Saal B3009 sitzt und über sein Leben plaudert, war da.
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„Ich versuche, nicht zu vergessen“

Murat Kurnaz wurde der internationalen Öffentlichkeit bekannt als zu Unrecht inhaftierter deutsch-türkischer Guantánamo-Insasse. Murat KurnazMurat Kurnaz stellte sich nach der Diskussion für ein kurzes Interview zur Verfügung. Der 27-Jährige ist in Bremen geboren und aufgewachsen. Im Oktober 2001 flog er als gläubiger Moslem nach Pakistan, um in der Koranschule „Tablighi Jamaat“ mehr über den Islam zu lernen. Auf dem Rückweg im November, das Flugzeugticket in der Tasche, wurde er von der pakistanischen Polizei aus dem Bus geholt und festgenommen. Gegen ein Kopfgeld verkaufte sie ihn an US-amerikanische Spezialeinheiten weiter. Was folgte, war ein viereinhalbjähriges Martyrium. Nach einem Aufenthalt im afghanischen Kandahar wurde der Bremer im Januar 2002 ins neu angelegte US-Gefangenenlager Guantánamo Bay gebracht, wo er nach eigenen Angaben physisch und psychisch gefoltert wurde. Im August 2006, nach beständiger Intervention durch Bundeskanzlerin Merkel, kehrte er nach Deutschland zurück. Inzwischen hat er die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Am Rande der Podiumsdiskussion in der Bremer Universität stand er der Kontextschmiede für ein kurzes Gespräch zur Verfügung.
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