Mutters Pfannkuchen

Es hat schon eine gewisse Tradition, dass ich immer, wenn ich Pfannkuchen backe, meine Mutter anrufe, um sie noch einmal nach dem Rezept für den Teig zu fragen. Das war bis vor Kurzem noch nicht einmal gespielt: Ich habe mir die Mengenangaben wirklich nie gemerkt – vielleicht weil mein Unterbewusstsein eine kleine Löschroutine installiert hat, die mich zwingen sollte, mich öfter bei Mama zu melden. Spätestens, wenn ich oder eine zu Speiseplanwünschen berechtigte Person in meinem Umfeld wieder Lust auf Pfannkuchen hatte, musste ich also telefonieren.

Irgendwann im letzten Jahr hat sich wohl mein Gedächtnis gegen mein Unterbewusstsein durchgesetzt, zumindest kann ich nun die Mengenangaben ohne Anruf abrufen. Weil aber jeder Tag, an dem man an seine Liebsten denkt, ein schon ein bisschen weniger schlechter Tag ist, werde ich als Appetithäppchen für alle weiteren Artikel über das Kochen dieses Rezept hier verewigen.Jeden Tag die Nerven und die Leidenschaft aufzubringen, sich ohne Ruhm um das Wohlergehen anderer zu sorgen, das ist hohe Schule

Im letzten Jahr ebbte die geradezu rauschhafte Begeisterung in Deutschland für das Kochen, anschaulich dokumentiert in der Inflation der Kochdarsteller, den Fernsehköchen, merklich ab. Zumindest die gefühlte Penetranz der löffelschwingenden Selbstdarsteller scheint zugunsten von Käfigreinigung und Gehegesanierung einer neuen Form des Renovierungsfernsehens gewichen. Die größte Wohltat in diesem Zusammenhang ist vermutlich die geradezu meditative Abkehr von der Selbstdarstellung. Kein Pfau ist so eitel wie ein Fernsehkoch. Und aus der Nabelschau ums Kochen erwuchs geradezu ein Leistungsdruck, in der heimischen Küche den neuen Ansprüchen an ein perfektes Abendessen gewachsen zu sein.
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