Erfolg im Fußball: Das Glück erzwingen

Es waren erfolgreiche Wochen für den Branchenprimus der Bundesliga. Für die Taktiktafel aber deutlich ergiebiger als eine Diskussion über Erfolg ist die Erkenntnis: Das Ballgeschiebe, mit dem die Bayern ab und zu noch am Durchhaltewillen fußballerisch limitierter Bundesligisten scheitern, folgt immer offensichtlicher einem Plan. Das kann man in einer Liga, deren Fans bis heute zu großen Teilen dem Heldenfußball und der Überhöhung des individuellen Genius frönen, kaum überbewerten. Nach vorne richtet es bei Bayern eben nicht ausschließlich die individuelle Klasse der Offensivspieler. Die spielerische Dominanz, die der FCB besonders im Hinspiel gegen United entwickelte, wurde von fleißigen und disziplinierten Arbeitern im Kollektiv erzeugt.

Natürlich sind in einem Sport, dessen Spielziel im Vergleich zu anderen Sportarten selten erreicht wird, Einzelaktionen häufig entscheidend. Viel häufiger als etwa beim Basketball oder beim Handball kann ein einziger Moment, ein Dribbling, ein Torschuss, das komplette Spiel entscheiden. Eine Abseitsentscheidung, der Pfosten oder eine Rasenunebenheit aber eben auch. Fußball ist wegen der geringen Anzahl an Toren anfällig für den Zufall. Favoriten scheitern viel häufiger am Underdog, als in anderen Sportarten. Erst in der Summe vieler Spiele gleichen sich die Zufälle aus. Eine 20% höhere Erfolgswahrscheinlichkeit macht sich irgendwann in der Tabelle bemerkbar.

Um so wichtiger ist es für die Trainer, den Zufall so weit wie möglich einzuschränken und die Erfolgswarscheinlichkeit zu erhöhen.  Jedes Prozent mehr zählt. Erfolg als solcher ist nicht planbar, aber Leistung, die für eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit steht, ist es sehr wohl. Louis van Gaal hat bei den Bayern eindrucksvoll gezeigt, dass die dort einstudierten Offensivbemühungen sein Team in die Lage versetzen, sich von den genialen Einzelaktionen seiner Stars zu emanzipieren. Das sollte gleichzeitig Warnung an all jene sein, die sich große Chancen ausrechnen, nur weil ein Superstar des Gegners sich verletzt. Natürlich kann ein herausragender Spieler immer wieder herausragende Leistungen zeigen. Aber Genialität ist leider nicht planbar, wehe, wenn es keinen Plan B für einen schlechten Tag gibt.

Wie groß der Anteil des Zufalls im Fußball ist, können Statistiker mit ihren Modellen recht genau nachvollziehen. Einige Studien bemühen sich, die vielen Stellschrauben zu erkennen, an denen ein Trainer überhaupt drehen kann, um das Glück zu seinen Gunsten zu beeinflussen. In den Statistiken liegen Hinweise auf eine Ordnung im Chaos verborgen, die zu entschlüsseln neue Ansätze für Erfolg verspricht. Bücher wie die Fußball-Matrix und ein wachsender Trend zum Hinterfragen der Ursachen von Erfolg und Misserfolg in der Sportberichterstattung zeugen davon, dass immer mehr Fußballfreunde ihren Sport besser verstehen wollen. Nicht zuletzt in den neuen Medien kann der geneigte Leser seinen Horizont erweitern, wie bei Spox oder dem geschätzten Kollegen Petersen vom Werder-Fußball-Blog. Der Mythos des Fußballs wird um neue Kapitel erweitert, statt entzaubert, wenn wir nach und nach die Komplexität des Spiels begreifen und stets auf neue Geheimnisse stoßen.

Nun ist die Erkenntnis, dass der Zufall der Feind des planbaren Erfolges ist, kein großes Geheimnis. Trotzdem hakt es bei vielen Teams an der Akribie in der Umsetzung. Wie sonst ist zu erklären, dass Jens Lehmann im Interview ausplaudert, Aleksander Hleb sei am Training bei Arsenal fast verzweifelt, weil auch vermeintlich technisch beschlagene Stars sich erst an die Intensität und die Geschwindigkeit des Trainings von Arsene Wenger gewöhnen müssten? Fast wortgleich argumentiert Louis van Gaal, wenn er erklären will, warum die Früchte seiner Trainingsarbeit sich nicht sofort zeigten. Als Edgar Davids übrigens nach seiner Zeit in Italien zu Gast bei van Gaal mittrainierte, konnte er sich fast nahtlos in die Übungseinheiten einfügen. Die meisten davon kannte er noch aus dem Training bei Ajax Amsterdam. Trainer, die das Offensivspiel forcieren wollen, müssen Automatismen in die Köpfe ihrer Spieler bekommen. Sonst sind sie dem Zufall ausgeliefert.

Wenn ein Trainer es jedoch schafft, seine Mannschaft taktisch zu schulen, kommt er dem Ziel des planbaren Erfolgs schon näher. Seine Mannschaft kann verlässlich häufiger eigene Großchancen herausarbeiten oder gegnerische Großchancen verhindern. Die Laufwege und Passwege sind so abgestimmt, dass es weniger auf den genialen Geistesblitz ankommt, sondern viel mehr die Genauigkeit der Umsetzung, die natürlich auch mit der individuellen Qualität der Spieler zunimmt. Wenn man sich das Angriffsspiel der Bayern in der Rückrunde anschaut, sieht man immer wiederkehrende Situationen. Da ist Struktur drin, oder das, was gerne auch als Handschrift eines Trainers bezeichnet wird.

Spieler auf der ballabgewandten Seite werden isoliert. Nach Ballgewinn fallen die Innenverteidiger zurück. Vertikale Pässe in der eigenen Hälfte bis zum gegnerischen Strafraum sind fast immer diagonal, auch die nach hinten. Die gegnerischen Außenverteidiger werden durch Hinterlaufen mit hohem Tempo weit zurückgedrängt. Und vor allem: Es gibt eindeutige Phasen im Angriffsspiel. Erst wenn gewisse Räume besetzt sind und der Ball dort gesichert werden kann, rücken die Abwehrketten nach und es werden andere Passwege gesucht. Bis irgendwann das Spiel komplett in die Hälfte des Gegners verlagert ist und die Spieler nur noch nach der Möglichkeit zum finalen Pass suchen. Beeindruckend.

Die Kommentare sind abgeschaltet.

  • JUICEDaniel sagt:

    Zum Video: Wieder mal sehr gut gemacht, diesmal ist es mir nur einen Tick zu schnell. Vor allem das Lesen der Texte (etwas zu klein) war kaum möglich, da hättest du (mir) ruhig mehr Zeit geben können. Aber das ist „Meckern“ auf hohem Niveau, sieh es als konstruktives Feedback an. :)

  • Ich mecker auch mal ;)

    Ich bin nicht mitgekommen. Das lag am schnellen Erzählen, an den vielen Texten und meinem Background, so dass ich die Taktiken nur wenig nachvollziehen konnte. Ich hatte das Gefühl, dass da zuviel rein sollte. Reduzieren?

    Der Ton war etwas blechern. Schlechter als sonst, oder?

    Trotzdem natürlich gut – mich würden die Taktiken noch mehr interessieren als das Diagrammverschiebe am Anfang….

    Immer weiter, immer weiter…

  • heinzkamke sagt:

    Zwar finde ich auch, dass die Geschwindigkeit grenzwertig war und möglicherweise etwas zu viel auf einmal vermittelt werden sollte; die Lektüre des Textes _vor_ Ansehen des Videos erleichterte das Ganze jedoch deutlich, sodass ich schon ganz gut folgen konnte.

    Grundsätzlich wäre es aus meiner Sicht wünschenswert (die Frage der Realisierbarkeit lasse ich mal völlig außen vor), wenn auf die theoretische Hinführung und die grundsätzlichen Ausführungen zu van Gaals Taktik und deren Umsetzung eine Veranschaulichung anhand von Beispielen folgen könnte.

  • heinzkamke sagt:

    Metin Tolan, Physiker und Fußballfan, der derzeit durch die Medien tingelt, um sein Buch „“So werden wir Weltmeister“ unter die Leute zu bringen, wir in der heutigen Stuttgarter Zeitung ausführlich interviewt. Auch er zieht den Quervergleich zu anderen Sportarten:

    „Wer sich für Fußball interessiert, lässt sich auf ein Spiel ein, in dem wenig Tore fallen. Das allein ist das ungerechteste am Fußball! Im Durchschnitt sind es nur 2,5 bis 3 Tore pro Spiel. Man kann sich daher ausrechnen, dass selbst eine deutlich schwächere Mannschaft immer noch eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit besitzt, das Spiel zu gewinnen … Nun gewinnt der Bessere im Fußball zwar auch häufiger, aber der deutlich Schlechtere hat auch noch eine relativ große Siegwahrscheinlichkeit … Wenn im Fußball mehr Tore fielen, sagen wir 20 oder 30 pro Spiel, hätten Sie diesen Effekt aber nicht mehr … Wenn im Fußball eine nur halb so gute Mannschaft gegen ein doppelt so gutes Team spielt, liegt die Wahrscheinlichkeit immer noch bei rund 25 Prozent, dass die schwächere gewinnt. 25 Prozent! Im Handball mit durchschnittlich 60 Toren pro Spiel liegt diese Wahrscheinlichkeit bei 0,7 Promille.“

  • erz sagt:

    Danke für die ehrliche Kritik. Jetzt, wo ich mir das Video mit ein wenig Abstand ansehe, muss ich zugeben, dass das Timing wirklich nicht optimal ist. Da war ich schon mal besser, aber ich weiß wenigstens woran es liegt: Ich war unter Zeitdruck und habe geschludert – da habe ich mir keinen Gefallen mit getan.

    Wenn es gar zu unverständlich ist, könnte ich das Paket nochmal aufschnüren, die Animationen etwas aufpolieren und das Video neu vertonen, aber das sind zwei Stunden Arbeit, die ich lieber in ein künftiges Video stecken würde. Was meint Ihr?

    Wir nähern uns ja nach einigen Grundlagen und Fingerübungen schon immer mehr der konkreten Anwendung auf Beispiele aus Spielen, zumindest ist diese Entwicklung in meinem Kopf schon sichtbar, vielleicht bin ich damit aber auch alleine. Ich habe nur ein gravierendes Problem, Spielszenen grafisch abzubilden: Mir fehlt das nötige Quellenmaterial, denn ich habe keinen Fernseher und keinen Videorecorder, und in der ZDF-Mediathek sind ausgerechnet die Spielsszenen nicht nach Ausstrahlung verfügbar. Falls ihr mir da weiterhelfen könntet, wäre ich sehr dankbar. Dann bleibt nur das Problem, dass ich solche Analysen nicht unbedingt Zeitnah liefern kann und ihr euch an das Spiel womöglich gar nicht mehr erinnert. Vorschläge?

    @heinzkamke
    Ein Problem habe ich mit Tolans Fixierung auf Tore. Dem Ansatz kann ich zustimmen, habe ich ja auch im Artikel aufgegriffen, aber die statistische Signifikanz der Anzahl der Tore im Fußball überschätzt er meines Erachtens. Die wichtigere Größe für Erfolg ist die Zahl der Großchancen, die herausgespielt werden. Dann relativieren sich die Freak-Spiele, in denen der Gegner aus einer halben Chance zwei Tore macht, doch recht deutlich: Wer viele eigene Chancen erspielt und wenige zulässt, der gewinnt signifikant häufiger. Tore sind schließlich an Chancen gekoppelt, deswegen gewinnt Nürnberg eben nicht eines von vier Spielen gegen Barcelona.

    Dass der Schlechtere trotzdem eine relativ gute Chance hat zu gewinnen, macht für mich das Spiel erst so großartig. Fußball mit 20 Toren pro Spiel wäre für mich deutlich unspannender (mal abgesehen davon, dass einige Regeln geändert werden müssten, damit so etwas überhaupt vorstellbar wird).

  • Taktiker sagt:

    Bin gerade auf den Blog gestoßen über die SPOX-Blogschau, wirklich ganz ganz großes Kino was du hier ablieferst! Das Video ist klasse, auch wenn ich manchmal anhalten musste um den den Zu lesen, aber ich muss wirklich sagen, dass das der beste Blog war, den ich bisher gelesen habe, ich mache mich gleich mal an die anderen. Dass du meine Gruppe auf Spox auch noch erwähnst find ich super, vielleicht hättest du Bock an gewissen Projekten mitzumahen, die Gruppe ist gerade im Aufbau…

    Auf jeden Fall wirklich super Blog und die restlichen sind bestimmt auch klasse.

    Zur Bayerntaktik:

    Genau das hab ich auch beobachtet, das Angriffsspiel ist geplant, jeder Spieler weiß was er zutun hat. Das hat auch Philipp Lahm im Kicker angedeutet, aber erst im Spiel wird es deutlich. Ziel sind eigentlich immer die Außenspieler, dann hinterläuft der jeweilige Aussenverteidiger ab einer bestimmten Position, und es bieten sich dem Außenspieler normalerweise die optionen Dribblen oder Passen.

    Auffällig ist dabei, dass die bayern Ribery und vor allem Robben benutzen, um den Gegner zurückzudrängen, dabei spielen sie mit der Angst des Gegners, der anstatt ins Driobbling zu gehen lieber abwartet und zurückweicht, so erzielen die Bayern immer einen Raumgewinn von 30m, wenn Robben den Ball an der Mittellinie bekommt. Dann spielt er auf einen DM, meistens Schweinsteiger, der dann ca. 35m vorm Tor ganz andere Möglichkeiten hat einen gefährlichen Pass zu spielen. Die Bayern verlagern auch sehr viel, außerdem ist auffällig, dass keiner der DM mit nach vorne rückt wie normalerweise üblich und dann den OM oder die HS gibt, so bleiben die beiden Anspielstationen und das Spiel ist wirklich auf die Außen beschränkt.

    Wirklich klasse, hat mir den Tag versüßt. ;-)

  • Tag…

    ..mach es nicht nochmal. Die Mühe ist es vermutlich nicht wert, es sei denn du willst es für dich nochmal korrigieren bzw. verbessern. Bei diesen Geschichten bist du leider immer ein Sklave der begrenzten Zeit. Das merk ich auch alle Nase lang.
    Hast du schon mal bei Sky geschaut – da gibt es ab Montag Zusammenfassungen aller Spieler für den Nichtabonnenten und ich sag mal bis zum Spieltag nach dem Spiel finde ich sowas immer spannend.

    Keep on rocking ;)

  • Enno sagt:

    Ganz großes Tennis, äh große Fußball-Taktik. Ich wünsche mir mehr von solchen Beiträgen und habe auch das Buch von Biermann mit regem Interesse gelesen. Leider scheitert es mit eigenen Beiträgen zum Thema Taktik daran, dass es echt aufwendig ist, das ganze für sich selbst klar zu bekommen und dann auch noch verständlich aufzubereiten. Das ist echt ein ganzer Batzen Arbeit, den ich derzeit im Alltag gar nicht hinbekomme. Insofern: Trotz aller Kritik: Hut ab!

  • In der Tat scheint das Bayern-Spiel darauf angelegt zu sein, bei Ballgewinn nicht unbedingt sofort umzuschalten, sondern das Spielfeld erstdurch Ballstafetten zu kontrollieren. Das geht aber nur, wenn man auf den Flügeln überragende Einzelspieler hat – wie so oft im holländischen Fußball.

    Der behäbige Spielaufbau liegt meiner Meinung nach auch daran, dass die Bayern mit Ausnahme von Schweinsteiger keine 6er haben, über die man das Spiel durchs Zentrum schnell machen kann.

  • tafelrunde sagt:

    Vor kurzem hat der Trainer beim freistoss-des-tages die englische Seite zonalmarking vorgestellt. Die Reaktionen darauf im Forum waren, gelinde gesagt, überschwänglich begeistert.

    Und nun das hier. Jaaaaaa!! Bitte weiter so, immer weiter.

    Dass es noch Verbesserungspotenziale gibt, wurde ja schon angesprochen. Allerdings ist diese Seite der Fußballbetrachtung und –aufbereitung in Deutschland bisher nicht wirklich zu finden.

    Vielleicht trägt dieses Blog ein wenig dazu bei, dieses zu ändern und ganz, ganz vielleicht in kleinsten Trippelschritten den Fußballsachverstand hierzulande etwas mehr dem auf der Insel anzunähern. Ein frommer Wunsch: 10% der Fußballanhänger dieses Landes mögen doch hier vorbeischauen.

    Nun gut, Realismus sieht anders aus;-)

  • erz sagt:

    Verdammte Hacke, so Opta-Sport-Daten hätte ich auch gerne für die Taktiktafel! Wie es der Zufall will, schließt sich jetzt sogar die DFL dem ganz allein von mir (!!) gestarteten Trend zu Taktikanalysen an und lobpreist den van Gaal. http://www.bundesliga.de/de/liga/news/2009/index.php?f=0000151220.php&fla=4

    (OK, ich war das nicht ganz alleine mit den Taktikartikeln. Jetzt müssen wir Taktikfreunde nur zusammenhalten und darauf hoffen, dass unsere Sache auch von flüchtigen Lesern in die Fanforen und nach außerhalb dieses Internetzes getragen wird)

  • tafelrunde sagt:

    Wenn’s der Wahrheitsfindung dienlich ist, dann auch von der DFL;-)
    Hauptsache, es geht mal was voran in Sachen taktischem Verständnis, odrrr?

    Was bemerkenswert ist, ist die Tatsache, dass es augenscheinlich tatsächlich nur sehr wenige Trainer vom Format eines van Gaal gibt. Trainer, die eine Idee vom Spiel als solches haben und dieses auch den Spielern zu vermitteln, also zu lehren imstande sind.

    Zweifellos ist Klopp einer von diesen. Bei Schaaf in Bremen fehlt die Gesamtsicht, sprich defensive Ausrichtung. Ansonsten: Grass fressen, Zweikämpfe gewinnen und Arsch aufreißen. Eigentlich ein Armutszeugnis für die BL. Jeden Sonntag im Doppelpass zu bestaunen.

    Warum tauchen denn im internationalen Vergleich immer wieder dieselben Gestalten auf: Mourinho, Wenger, Ferguson, Ancelotti, van Gaal, auch Heynckes? Eben weil die ein in sich schlüssiges System haben!

    Auch ein Hitzfeld bei den Bayern hat stets situativ gecoacht, ohne langfristige Vision. Warum? Aus Angst, weil dies Zeit braucht und weil der schnelle Erfolg auch anders zu erreichen ist.

    Wenn man mal die ganz an der Spitze stehenden Clubs betrachtet, so zeichnet die alle ein gemeinsames Kriterium aus: Systemsicherheit. Aufbauend auf einer Basis-Philosophie. Genau die Mannschaften, allen voran Barca, die die höchste Systemsicherheit in ihrem Spiel haben, kommen ganz, ganz weit nach vorne.

    Dass das so wenige in der Fußballscene wirklich begreifen, ist eigentlich ein Skandal.

  • tafelrunde sagt:

    Noch eins: Hier ist wohl auch noch Winter.

  • Natürlich hat Thomas Schaaf eine Idee vom Spiel, und die setzt er seit zehn Jahren um.

    Er hat auch ein klares Konzept für die Defensive, und die basiert eben darauf, dass die Kette hoch steht und bei Ballverlust oft stehen bleibt. Das ist riskant und geht oft schief, und treibt mich in den Wahnsinn.

  • heinzkamke sagt:

    Was die Nachbearbeitung anbelangt, bin ich ganz bei Jens: nicht nochmal machen.

    Bzgl. der Spielszenen sehe ich, ohne mich damit befasst zu haben, weniger deren Verfügbarkeit (selbst bei bild.de bekommst Du Sky-Zusammenfassungen, wenn ich mich nicht irre) als die Rechtefrage als kritischen Punkt. Vor allem dann, wenn Du das regelmäßig machen willst. Aktualität ist dabei aus meiner Sicht nur bedingt relevant. Wenn Du die Möglichkeit hast, Deine Thesen zu van Gaals System zu illustrieren, ist es mir nahezu egal, ob das anhand des Bayern-Spiels vom Wochenende oder von vor 5 Wochen geschieht, oder anhand alter Alkmaar-, vielleicht gar uralter Ajax-Szenen.

  • erz sagt:

    Ich würde hier natürlich keine Spielszenen zeigen und da reinmalen wollen (rechtlich unmöglich), sondern müsste die als Animation verwerten. Aber ich habe schon den Anspruch, da echte Spielszenen abzubilden, statt hypothetischer Szenarios, deswegen brauche ich eine Grundlage, aus denen ich zuverlässig und mit möglichst überschaubarem Aufwand die Positionen aller beteiligten Spieler extrahieren kann. Aber das wird schon, glaube ich. Für einzelne Spielszenen müsste das klappen, nur halt nicht für „das große Ganze“.

  • Matthias sagt:

    Großer Spocht! Danke! Klasse gemachtes Video (scheint ziiieeeemlich aufwändig zu sein) – wenn auch für mich etwas schnell…

    Möchte auch nochmals wie Tafelrunde auf zonalmarking.net hinweisen: ebenfalls sehr gut gemachter, englischer Blog über Fußballtaktik, der einzelne Spiele bespricht. Meist Premier League und Champions League, aber auch Bundesliga-Spitzenspiele.

    Gibt also immer mehr Quellen für Fans des beautiful games. Danke dafür an die Macher!

  • Linksaussen sagt:

    @petersen:

    [zitat]In der Tat scheint das Bayern-​​Spiel dar­auf ange­legt zu sein, bei Ball­ge­winn nicht unbe­dingt sofort umzu­schal­ten, son­dern das Spiel­feld erst­durch Ball­sta­fet­ten zu kon­trol­lie­ren. Das geht aber nur, wenn man auf den Flü­geln über­ra­gende Ein­zel­spie­ler hat — wie so oft im hol­län­di­schen Fußball. [/zitat]

    dieses (holländische?) system lässt sich ja auch bei barca betrachten, wo cruyff (danach van gaal, rijkaard) maßgeblich zu dessen implementierung beigetragen hat. entsprechend war bei zonalmarking.net auch die analyse zu real – barca: barca hatte (bis auf xavi) nicht mal einen überragenden tag erwischt, sondern einfach sein system (es wurde, so erwartungsgemäß wie angebracht, von total football gesprochen) runtergespielt: ballkontrolle, ballsicherheit, ballstaffetten, bis sich die lücke bietet.

    nachtrag zu dem vermeintlichen fussballsachverstand auf der insel: auch englische leser von zonalmarking.net äußerten sich euphorisch über die seite und beklagten sich darüber, daß man sowas in englischen zeitungen nie finde. vielleicht ist der „englische fußballsachverstand“ ebenso ein mythos wie (inzwischen) die englische fußballkultur?

    (diese hypothese mögen andere wider- oder belegen, die englische medien und fussballberichterstattung aufmerksamer verfolgen als ich)

  • Sehr gelungene Analyse, den von anderen bereits angeführten Kritikpunkten zum Trotz. Diskussionen über Fußballtaktik finde ich ohnehin interessant, erst recht, wenn sie auf so einer fundierten Analyse beruhen. Immer weiter so!

    @Jens Petersen:
    „Er hat auch ein klares Konzept für die Defensive, und die basiert eben darauf, dass die Kette hoch steht und bei Ballverlust oft stehen bleibt. Das ist riskant und geht oft schief, und treibt mich in den Wahnsinn.“

    Dito! Interessant wäre es mal zu sehen, wie das bei anderen Vereinen mit noch größerem Spielerpotenzial funktionieren würde, also ob es dort besser umgesetzt würde oder ob es schlicht in jeder Mannschaft „zu riskant“ wäre. Aus Werders Sicht könnte man hoffen, dass das passive Abseits wieder abgeschafft wird und 80% aller gegnerischen Angriffe mit Freistoß Werder enden würden. Zumindest bis die Umstellung bei den anderen Teams erfolgreich vollzogen ist… ;)

    @Linksaussen: Meiner Erfahrung nach gibt es in England traditionell schon ein größeres Interesse an den Hintergründen, aber Deutschland hat da schon einiges aufgeholt. Zeitungen wie z.B. der Guardian berichten in einer Tiefe über Fußball, die ich noch bei keiner deutschen Zeitung gesehen habe. Zu wichtigen Spielen gibt es taktische Analysen (von David Pleat, u.a. ehemaliger Trainer von Tottenham), dazu Korrespondenten wie Sid Lowe (La Liga) und Raphael Honigstein (Bundesliga) und auch längere Artikel über taktische Aspekte von Jonathan Wilson, u.a. Autor von „Inverting the pyramid, the history of football tactics“, das ich jedem an Taktik interessierten Fußballfan nur wärmstens empfehlen kann.

  • tafelrunde sagt:

    Obwohl sicher nicht ganz ernst gemeint, dass für Bremen die Aufhebung des passiven Abseits gut wäre, so wäre es seriös betrachtet ein großer Rückschritt für den heutigen Fußball. Deshalb ist es absolut unverständlich, wenn Leute aus der Branche dies immer wieder mit vollem Ernst einfordern.

    Die Mannschaften sind heute taktisch alle so weit geschult, dass sie es verstehen ein Spiel eng zu machen. Gerade auf hohem und höchstem Niveau, aber auch schon bis in die untersten Klassen. Jeder Trainer, der sich mit seiner Tätigkeit ein wenig intensiver auseinandersetzt, lässt den Umgang mit dem taktischen Abseits trainieren.

    Durch die Aufhebung des passiven Abseits würde sich das Spielgeschehen nur noch 2 Meter links und rechts der Mittellinie abspielen. Für genauere Erklärungen fragen Sie bitte den Trainer Ihres Vertrauens;-)

    Als Robin Dutt dies kürzlich im Doppelpass erklären und thematisieren wollte, ging allerdings keiner der anwesenden „Fußballkoryphäen“ darauf ein. Vielmehr guckten sie ihn an, als spreche er chinesisch. Danach ging es im üblichen Plattitüden-Sprech weiter.

  • Natürlich wäre es ein Rückschritt, leider haben viele noch ein großes Problem damit, die Regel und deren Auswirkung zu verstehen. Nach Bosman-Urteil und Rückpassregelung wohl die wichtigste Änderung der letzten 20 Jahre!

    Einene guten Artikel dazu gibt es übrigens hier: Guardian

  • Linksaussen sagt:

    @tobias: ja, der guardian wird in solchen fällen immer genannt. lowe und wilson sind mir auch schon so manches mal untergekommen dank entsprechender verlinkung. aber ist der guardian möglicherweise auch in england eine singuläre erscheinung? die leserschaft dürfte (bei einer auflage von knapp 400.000) ja die million nicht überschreiten.

  • Der Guardian ist eine Qualitätszeitung, die sich auch in anderen Bereichen vom Rest abhebt.

    Hier gab es die Debatte schon mal: http://ballverliebt.eu/2009/10/27/qualitatsmedien-und-taktik/

  • Ja, der Guardian sticht heraus, aber die Times macht auch eine gute Berichterstattung und die BBC sowieso. Von daher würde ich schon sagen, dass es insgesamt einen Unterschied gibt. Allerdings glaube ich auch, dass in Deutschland das Interesse an Fußballtaktik in der letzten Zeit gewachsen ist und auch weiter wachsen wird. Gerade im Internet bieten sich dazu ja auch gute Plattformen abseits der Massenmedien.



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