„Niemand ist objektiv“ – Interview mit Sabine Schiffer

Portrait Dr. Sabine SchifferFoto: Susanne Gabler. Mit freundlicher Genehmigung von Sabine Schiffer

Dr. Sabine Schiffer ist Gründerin und Vorsitzende des Institutes für Medienverantwortung. Sie promovierte über die Islamdarstellung in den Medien und formuliert zu diesem Themenkomplex Positionen, die durchaus das Prädikat kontrovers verdienen. Zumindest dienen ihre Thesen immer wieder als Projektionsfolie für wütenden Widerspruch, zum Beispiel den des Kolumnisten Henryk M. Broders. Wegen einer Aussage in einem Interview zum Mord an Marwa El-Sherbini, in dem Sie einen „sicherlich rassistischen“ Hintergrund des Polizistenfehlschusses in dem tragischen Ereignis vermutete, wurde ihr ein Strafbefehl des Amtsgerichtes Erlangen zugestellt. Ein in den Gerichtssaal stürmender Polizist schoss damals auf den Ehemann El-Sherbinis, während dieser mit dem Angreifer rang.

Frau Schiffer erklärte sich bereit, trotz des laufenden Verfahrens einige Fragen per Mail zu beantworten, nachdem Sie bereits einen anderen Artikel der Kontextschmiede kommentiert hatte. Wir haben uns darauf geeinigt, das Interview ungekürzt im Wortlaut zu veröffentlichen.

Mit Ihren Äußerungen zum Rassismus bewegen Sie sich stets auf heiklem Terrain zwischen Meinungsäußerung und Beleidigung, weil der Begriff in der Alltagswahrnehmung weithin mit einer diffamierenden Konnotation belegt ist. Zumindest die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth sieht das anscheinend so. Mussten Sie eigentlich Ihrem Anwalt erst Ihre Verwendung des Rassismusbegriffs erläutern?

Nein, mein Anwalt hatte sofort begriffen, dass es hier unter anderem um die Diskrepanz zwischen der Verwendung des Begriffs in der Wissenschaft und der des Alltags geht. Er hat sich nur gewundert, warum die Staatsanwaltschaft weder meine Doktorarbeit, in der alles akribisch definiert wurde, noch unsere Stellungnahmen in Form von Pressemitteilungen zur Kenntnis genommen zu haben scheint.

Was ist das Anliegen, das Ihnen persönlich am Meisten am Herzen liegt, wenn Sie an Ihren Alltag denken? Können Sie dieses Anliegen in nur einem Satz ganz umgangssprachlich formulieren?

In einem Satz und umgangssprachlich – sicher nicht, sorry! Das Zusammenleben von Menschen wird durch Kommunikation getragen und gestört – wie man auch hier sehen kann – und eines meiner Hauptanliegen ist die Verbesserung dieser Kommunikation, sprich dabei zu helfen, dass eigene Wahrnehmungs- und Handlungsmuster als Produkt der eigenen Umwelt bewusster werden und man eine kritische Distanz zu Vorurteilen jedweder Art entwickeln kann, um offen für weitere Eindrücke zu sein.

Sie selbst wurden wegen Ihrer Äußerungen in der Vergangenheit heftig angegangen. Von Ihren Gegnern werden Sie teilweise als verblendete Ideologin bezeichnet, und das ist noch die Sprache derer, die sich zivilisiert ausdrücken. Wie wirken sich solche medialen und auch jenseits der Öffentlichkeit vollzogenen Schlammschlachten auf ihr Privatleben aus?

Ich habe den Eindruck, dass meine Kinder sehr viel dabei lernen, denn sie kennen mich ja und können genau das immer wieder nachvollziehen, worum es mir mit der Arbeit geht: Sie sehen die Diskrepanz zwischen dem, was mich bewegt und wofür ich mich mit welchem Ziel einsetze, und dem, was manche versuchen als Realität zu formulieren und was ihnen in ihren Kreisen auch gelingen mag, weil mich die Leser dieser Anwürfe nicht kennen, beziehungsweise verkennen. Damit muss man leben, wenn man sich öffentlich äußert – das tangiert mich persönlich nicht. Und ich vertraue darauf, dass die meisten Menschen doch die Schullektion gelernt haben, dass Attacken auf Personen darauf hinweisen, dass die Argumente fehlen. Über eine inhaltliche und fundierte Auseinandersetzung freue ich mich stets, die bringt auch für mich den Erkenntnisgewinn voran und derer gibt es zum Glück genug und daran orientiere ich mich im Arbeitsalltag als Wissenschaftler. Was man natürlich nicht ignorieren kann, sind die offenen Drohungen, die deutlich zunehmen. Da warte ich noch auf die Staatsanwaltschaft, dass sie dieses Gebaren ebenso ernst nimmt.

Warum glauben Sie, dass gerade das Thema Islam zu einer so unversöhnlichen Polarisierung in den diskutierten Positionen führt?

Ich kann verstehen, dass das so gekommen ist. In meiner Doktorarbeit beschäftige ich mich ja ausführlich mit dem Zustandekommen des subjektiven Islambildes durch übliche Medienmechanismen: Auswahl- und Kombinationsverfahren und metaphorische Strukturen, was andere Themen ähnlich betrifft, vor allem in den 1990er Jahren und dann dem Schub nach dem 11. September 2001. Die Erklärungen seither, dass der Islam für Anschläge verantwortlich sei, wenn Muslime die Täter sind, ist nicht nur extrem verallgemeinernd und anti-aufklärerisch, sondern sicherlich diesen frühen „Lektionen“ geschuldet. Besonderes Gewicht erhält ja die Tatsache, dass einige Täter versuchen, ihre Taten besonders islamisch zu begründen. Derlei Begründungen gibt es viele: Neo-Nazis, die glauben das Deutschtum notfalls mit Gewalt „verteidigen“ zu müssen, christliche Fundamentalisten, die die Welt auch nicht ganz gewaltfrei christianisieren wollen, oder auch demokratisch gewählte Regierungen, die behaupten mittels „Krieg gegen den Terror“ die Freiheit und die Demokratie zu verteidigen und zu verbreiten. Diese Behauptungen sind zu analysieren und nicht nur dann für bare Münze zu nehmen, wenn sie ins eigene Weltbild passen. Dabei reicht es nicht aus, eine fundamentalistische Textinterpretation des Korans vorzunehmen und auf Grund des Vorhandenseins bestimmter Textstellen allen Muslimen von Grund auf eine kriegerische Haltung zu unterstellen – das ist eben Neo-Rassismus im Sinne Memmis und Balibars. Genauso könnte man Christen das Einverständnis mit Menschenfressertum unterstellen und Juden eine Weltverschwörung, was im 19. Jahrhundert ja mit dem Verweis auf jüdische Quellen versucht wurde. Im Buch „Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich“ gehen Constantin Wagner und ich darauf ein.

Welchen Satz aus der Feder Henryk M. Broders würden Sie gerne irgendwann einmal über sich lesen?

Och, der darf ruhig weiter seine selbstentlarvenden Textversuche produzieren. Einem argumentativen Diskurs scheint er ja nicht gewachsen zu sein. Da habe ich keine Erwartungen, keine Hoffung und auch kein Interesse.

Sie selbst wirken mit Ihren öffentlichen Äußerungen ja auch immer an einer Medieninszenierung von gesellschaftlichem Diskurs mit. Pointierte Seitenhiebe auf den Gegner und knackige Parolen generieren Aufmerksamkeit. Da ist es doch stets verlockend, solche Zuspitzungen im Sinne der eigenen Präsenz auch mal etwas weiter zu treiben, als zur Verständigung beiträgt. Hinterfragen Sie manchmal die Rolle, die Sie in diesem Medienzirkus spielen?

Echt, Zuspitzungen? Ich hoffe doch nicht! Bitte liefern Sie mir mal ein Beispiel! Es macht natürlich einen Unterschied, ob ich etwas schriftlich veröffentliche oder mündlich ausspreche – bei letzterem ist man natürlich pointierter und es empfiehlt sich zum Nachlesen, mit samt der Belegstellen. Dabei muss ich mir ja auch ständig des Risikos bewusst sein, dass nicht ich die Definitionsmacht über mich habe. Für die Arbeit, die wir im IMV leisten, haben wir ja vergleichsweise wenig Resonanz in den Mainstream-Medien – und diese haben die Möglichkeit, uns zu „framen“ oder zu „rahmen“, das heißt, uns einen Touch der Glaubwürdigkeit oder Unglaubwürdigkeit zu geben, allein schon durch die Wortwahl. Zwar greifen viele gerne auf unser Know-How zurück – man erwähnt uns dann aber oft nicht in den veröffentlichten Statements. Auf der persönlichen Ebene mache ich da übrigens sehr gute Erfahrungen, aber es kommt ja auch darauf an, welches Standing der Einzelne innerhalb der eigenen Organisation hat. Und ich kann mir gut vorstellen, dass gerade die kritisierten Medien in der Öffentlichkeit auch mal verführt werden, eine Gelegenheit zu nutzen, um uns in die Schranken zu weisen, weil wir ja nicht ganz bequem sind. Wie kürzlich im Kölner Stadtanzeiger geschehen. Es gibt zwar dann auch etliche Leser, die sich durch so eine Aneinanderreihung von Andeutungen und Behauptungen angeregt sehen, sich unsere Arbeit übers Internet erst einmal anzugucken – aber die Abhängigkeit von denen, die hier eine Gatekeeper-Funktion ausüben können, ist gegeben und bekommen wir deutlich zu spüren.

Der Strafbefehl wegen Beleidigung ist nun eine besondere Form der Eskalation. Wenn Sie auf die Ereignisse der letzten Wochen zurückblicken, haben Sie bei aller Enttäuschung das Gefühl, für sich wenigstens neue Erkenntnis gewonnen zu haben? Würden Sie in Zukunft anders handeln?

Ehrlich gesagt, nein – die angemahnten Klärungen und offenen Fragen stehen ja noch immer an und ich habe die Interviews in der ersten Juli-Hälfte 2009 gegeben, wo noch nicht klar war, dass auch der Polizistenfehlschuss sowie die anderen Versäumnisse um den tragischen Tod von Marwa El-Sherbini auf die Tagesordnung kommen. Außerdem macht sich die Klage an einer linguistischen Spitzfindigkeit und eben dem genannten Rassismusbegriff fest. Beobachten Sie doch mal an sich die Verwendung des Wörtchens „sicherlich“ im mündlichen Diskurs! Und dann schlagen Sie mal im Wörterbuch nach. Das scheint mir eher Ausdruck von etwas anderem zu sein und ich bin sehr gespannt, was im Laufe des Prozesses ans Tageslicht kommt, denn die angebliche Beleidigung eines Polizeibeamten, dessen Namen bis heute niemand kennt, kann ja nicht acht Mal so teuer sein, wie die Beleidigung Marwa El-Sherbinis, die während dieses Lappalien-Prozesses starb.

Würden Sie von sich selbst sagen, objektiv zu sein, oder begreifen Sie sich als Partei in einem Konflikt?

Niemand ist objektiv. Das ist wichtig zu erkennen. Ich muss meinen Standpunkt kennen, um das was ich sehe oder nicht, einordnen und im Rahmen des Vorgewussten erkennen zu können. Darum werbe ich ja auch immer für Selbstreflexion. Wenn ich Angst habe vor Spinnen, habe ich einen bestimmten Blick auf die Tiere und werde ihnen sicher nicht gerecht, wenn ich sie beobachte. Das lässt sich vielleicht nicht beheben, aber ich muss ein Bewusstsein für diese Verzerrung entwickeln, mich kennen, um mein eigenes Urteil einschätzen und einordnen zu können. Darum war und ist es mein Auf und Um, für diese Selbstreflexion zu werben: Welche Stereotype haben wir vom Bilderbuch bis zum heute journal vermittelt bekommen und wie wirken die sich auf weitere Wahrnehmungen und deren Interpretationen aus? Das führt oft zu überraschenden Ergebnissen, die man dann prüfen kann und immer wieder prüfen muss. Das ist das Gegenteil von einem geschlossenen Weltbild, wie es manche Propagandisten in Endlosschleifen herbeten.

Die Genderforschung und die Rassismusforschung sind geprägt von ihren Ursprüngen, sie können ihre Verwandtschaft mit emanzipatorischen Bewegungen nicht verhehlen. Viele Forscher und Forscherinnen arbeiten mit dem Anspruch, einen gesellschaftlichen Wandel mit zu gestalten und definieren klare Feindbilder, die es zu bekämpfen gilt. Wie kann das Lagerdenken, das mit so einer Selbstwahrnehmung einhergeht und die resultierende Gefahr der Selbstreferenzialität im Sinne des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns überwunden werden?

Das ist eine sehr gute Frage! Ich glaube, zum Teil habe ich die Problematik vorher auch schon angetippt; Stichwort Selbstreflexion. Ich möchte meinen selbstreflexiven Prozess mal an einem Beispiel festmachen: Es war und ist ungerecht und ärgert mich auch, dass Frauen sich immer noch irgendwie zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen. Männer nicht. Und egal, wie sich Frau entscheidet – sie wird entweder Karriereweib, Hausmütterchen oder Rabenmutter. Im Gegensatz zum Mann gibt es keine positiv konnotierte Rolle und bei ihm ist es auch nur der berufliche Erfolg, der gesellschaftlich zählt. Auch der Feminismus à la Alice Schwarzer hat hier versagt, weil nur die Berufstätigkeit als Emanzipationsmerkmal zu zählen scheint und damit den Mann zur Norm erklärt. Das entwertet Haus- und vor allem Erziehungsarbeit, wie auch die aktuelle politische Entwicklung in Bezug auf Unterhaltsregelungen zeigt.

Ein rassismuskritischer Ansatz in diesem Bereich wäre also, nicht nur von den einzelnen gleiche Leistungen und auch nur in äußerlich sichtbaren Domänen zu verlangen, sondern auch da Strukturen anzubieten, wo die Menschen eben nicht gleich sind, um ihre unterschiedlichen Fähigkeiten optimal zur Entfaltung zu bringen und sie wirklich für alle sinnvoll zu nutzen. So habe ich mal eben 9 Jahre für meine Doktorarbeit gebraucht, weil ich mich unbedingt um meine Kinder kümmern wollte und das war gut so, weil ich durch diese direkten Beziehungen viel mehr mit der Selbstreflexion konfrontiert war als nur im beruflichen Kontext. Das bedeutet aber die ganz bewusste Inkaufnahme des Verpassens etwa einer geregelten Laufbahn mit Einstiegsaltergrenzen, die es im akademischen Bereich nun mal gibt, und einer Absicherung im Alter. Ich habe mir die Freiheit genommen, mich für diesen Lebensweg zu entscheiden und würde es genauso wieder tun – wohl wissend, dass ich einem ungerechten System damit eigentlich zuarbeite, es nicht radikal bekämpfe. Wenn ich mir heute die chauvinistischen und hämischen Kommentare und auch die teilweise unflätige Post, die ich erhalte, anschaue, dann habe ich große Zweifel, dass die Ansprüche dieser Forschungsrichtungen weit über den Anspruchscharakter hinaus gekommen sind. Also, mit Ungerechtigkeit, struktureller Gewalt und Diskriminierung muss und kann man leben und dennoch innerhalb der Strukturen seine Möglichkeiten ausschöpfen und seine möglichst unabhängigen Ansprüche stellen und Wege gehen – das nennt man gesellschaftliche Entwicklung und die sollten wir ja nicht aufgeben, auch ohne in Verbissenheit zu geraten und sich das eigene Leben zu vermiesen.

Wenn es mir dann noch gelingt, die persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse zu abstrahieren – also auch das Dilemma der emotional eingeschränkten Lebensentwürfe für Männer zu erkennen, die zwar immer noch vom System mehr profitieren, aber darum nicht glücklicher werden – dann ist ein Stück konstruktiver, wissenschaftlicher Auseinandersetzung gelungen, die die gesamtgesellschaftliche Fortentwicklung im Blick hat. Und das führt dann unter anderem direkt zu der Forderung, nicht nur Mädchen (vermeintlich) alles anzubieten, sondern auch Jungs nach ihren Gedanken zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fragen und dergleichen. Die sprachlichen Rückordnungen des Erreichten sind dann ein weiteres Thema, das meine Aufmerksamkeit verlangt, auch wenn es mich persönlich nicht betrifft: Frauen in Männerberufen und solche Wendungen.

Ich orientiere mich insgesamt immer gerne an der Formulierung der Menschenrechte und des Völkerrechts als ein positives Beispiel dessen, was langfristig geht. Das ist doch eine Erfolgsgeschichte. Über Generationen hinweg und mit vielen Opfern ist ein Wertekanon entstanden und schließlich formuliert worden, für den es sich lohnt, sich einzusetzen – damit er auch in der Realität ankommt, auch und gerade bei denen, die ihn gerne instrumentalisieren. Das hat nichts Dogmatisches, sondern etwas Menschenwürdiges, sich weiter zu entwickeln – und da haben wir noch einiges zu tun, wenn wir auch die Früchte unserer Arbeit nicht mehr selbst erleben werden. Insofern betrachte ich mich als einen Teil der Menschheit, der das beiträgt, was sowieso selbstverständlich ist und an der Stelle, wo er kann.

Der Orientalismus, so lautet eine viel diskutierte Theorie, ist ein ethnozentrisches Konstrukt einer westeuropäischen Identität, die sich einen Widerpart schuf. Ist es womöglich das ultimative Ziel der Islamismusforschung ihren Gegenstand abzuschaffen und sich selbst ad absurdum zu führen?

Meinen Sie Islam- oder Islamismusforschung? Ich sehe hier eher selbstbestätigende Reflexe. Man hält sich ja gerne für objektiv und weder chauvinistisch noch eurozentristisch. Es ist aber nun mal Fakt, dass etwa türkische, afrikanische oder asiatische Studenten die Schriften der europäischen Kultur im Laufe eines Studiums kennen lernen, wir umgekehrt nicht. Freilich kann ich durch den Verweis auf Missstände anderswo von den eigenen Unzulänglichkeiten ablenken und das ist sogar eine beliebte Übung und die nennt man in der Psychologie Projektion. Diese geschieht aber zumeist unbewusst, womit der sogenannte Orientalismus ja keine Ausnahmeerscheinung ist. Aber eine Feindbildbestätigung, egal ob früher russisch, heute muslimisch und morgen asiatisch, bedient doch zu aller erst eine Selbstidealisierung, die nicht unbedingt die Gleichwertigkeit und das Miteinander befördert – solche Prozesse sind zumeist wechselwirkend. Wobei ich uns hier eher als Opfer von Manipulationen und Missverständnissen sehen würde, denn es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass es wirtschaftliche und geo-strategische Interessen im sogenannten Mittleren Osten gibt, und es kein Zufall sein dürfte, warum wir nun so viel über Islam und Muslime diskutieren und daher die sogenannten Terroristen kommen. Siehe Brzezinski, Peak-Oil, Ganser, Todenhöfer, von Sponeck und viel mehr.

Zum Abschluss: Mit welcher Frage würden Sie einen gegen ihre Arbeit völlig voreingenommenen Kritiker am liebsten zum Nachdenken bringen?

Ich habe früher mal geglaubt, dass alle Menschen an der Klärung solcher Fragen interessiert sind, weil es um das geht, was das Menschsein ausmacht – aber das musste ich inzwischen korrigieren. Die „völlig voreingenommenen“ Kritiker, wie Sie sie nennen, wird man nicht erreichen. Dafür wurden schon genügend Analysen und Fragen von mir formuliert, mit denen man sich hätte auseinander setzen können. Aber es gibt ja viele andere Menschen, die das interessiert und für die sich die Fragestellung lohnt – darum hier also eine für mich ganz zentrale und bis heute unbeantwortete: „Wie kann man Missstände benennen und bearbeiten, ohne in eine Verallgemeinerungsfalle zu tappen?“ Denn mit jedweder Verallgemeinerung werden wir uns und anderen ja nicht gerecht.

Die Kommentare sind abgeschaltet.

  • maks sagt:

    Wenn es uns gelingt die Theorie der Verallgemeinerung von der Theorie der Kategorien zu trennen, ist Identität als Zugehörigkeitsprinzip nicht zwingend. Und wozu eigenlich die Identitäts-Theorie? Wer hat für die bezahlt? Wer hat sie in Auftrag gegeben? Oder besser, welche Mechanismen werden mit dem Identitätszwang in Gang gesetzt und wem nützt das?

    Mich persönlich hindert das Steriotypendenken, mich und meine Meitmenschen so zu nehmen wie sie gerade sind. Es verhindert die Entwicklung meiner sozialen Kompetenz, die auf einer tiefgehenden Einsicht/Verständnis beruht. Dafür aber bin ich leicht lenkbar und kontrollierbar. Wenn die Kultupolitik (und auch die Wissenschaft) die Menschen auf den Mechanismus des steriotypen Denken eicht, bekommt man eine Welt, wo die eigene Erfahrung wenig Wert ist, bzw. von mir nicht mehr wahrgenommen wird. So reagiere ich nur auf die Mechenismen meiner steriotypen/kategoriellen Erziehung. Abweichungen, die nicht in das auferlegte Raster passen, werden ausgeblendet und stauben als „Ausnahmen“ in den dunklen Ecken meines Bewusstseins vor sich hin.

  • A.Bundy sagt:

    Scheint sich doch nicht zu rentieren, das bezahlte Ausstellen von Persilscheinen für obskure islamische Vereine durch ihr sog. „Institut für Medienverantwortung“, welches in Wirklichkeit nur eine Briefkastenadresse in Schiffers Wohnhaus ist. Deshalb versucht sie sich gerade die Anwaltskosten für den zu Recht verdienten Beleidigungsprozess zusammen zu schnorren, unter anderem auch auf dem berüchtigten XXX-Portal des XXX Arendt.
    http://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/

  • erz sagt:

    Da zu frühester Morgenstunde bereits der erste Kommentar von zweifelhafter Diskussionskultur aufschlägt, habe ich kurzfristig die Aussagen editiert, für die ich sicherlich keine Lust habe, Verantwortung zu übernehmen und obendrein die Kommentare auf Moderation umgestellt, weil ich keine Zeit habe, hier ständig aufzuräumen. Ich bitte um Verständnis. Nicht, dass die Ironie der Geschichte so weit geht, dass ich für fremde Aussagen analog zu der, für die Frau Schiffer Ärger hat, auch noch unangenehme Post bekomme.

  • Iris sagt:

    Ich bin für klare, verständliche Sprache. In diesem Sinne:
    Niemandem ist damit geholfen, wenn man den alltäglichen Rassismus in Deutschland nicht mehr als solchen benennen darf, denn dadurch verschwindet er ja nicht. Diese Tatsache hätte ich meinen Kindern schon im Kleinkindalter begreiflich machen können. Wieso einige deutsche Juristen offenbar immer noch nicht in der Lage sind, das sofort und ohne wissenschaftliche Nachhilfe zu durchschauen, ist mir unbegreiflich.
    Und wer sich gekränkt fühlt, wenn jemand den eigenen unterschwelligen Rassismus sieht und benennt, sollte im eigenen Interesse nicht danach trachten, den Boten zu bestrafen.

    Frau Schiffer wünsche ich, dass sie sich weder durch peinliche juristische Anklagen, noch islamfeindliche Drohgebärden einschüchtern lassen, sondern weiterhin offen und mutig das vertreten, was ihnen ihr gesunder Menschenverstand und ihre Bildung richtig erscheinen lassen.



  • Über uns

    Die Kontextschmiede ist eine Plattform für junge Autoren, auf der ein breites Spektrum von gesellschaftlich relevanten Themen abgedeckt wird. Die Beiträge sollen Zusammenhänge, Hintergründe und Analysen bieten und Inhalte stets in einen Kontext einbetten, der neue Perspektiven eröffnet.

↑ Springe zum Seitenanfang

An der Technik der Kontextschmiede wird beständig gefeilt. Für Fehler bitten wir um Nachsicht. © Kontextschmiede