Pimp your beer: Die Braunschweiger Mumme

Pimp your beer: Die Braunschweiger Mumme

Dass die Deutschen ein dogmatisches Verhältnis zu ihrem liebsten Getränk haben, kann man nicht unbedingt behaupten. Reinheitsgebot hin oder her, auch hierzulande kippen sich die Menschen einiges ins Bier. Während der Konsum von reinem Gerstensaft zurückgeht, haben Mischgetränke Konjunktur. Gerade in der warmen Jahreszeit gelten Alsterwasser, Radler oder Diesel als erfrischende Alternative zum ewig gleichen Pils. Neben diesen Klassikern der Biermischgetränke sind in den letzten Jahren immer fragwürdigere Kombinationen auf dem Markt erschienen. Drachenfrucht oder Capuccino gehören zu den merkwürdigsten Zutaten, die in der Post-Alkopop-Welt überlebt haben. Eine weitaus ältere, doch kaum bekannte Misch-Komponente ist die Braunschweiger Mumme.

Erstmals ist die malzige Spezialität aus Niedersachsen im Jahr 1390 im Braunschweiger Stadtarchiv vermerkt. Als haltbares Lebensmittel durfte die ursprünglich alkoholhaltige Mumme auf keiner Schiffsreise fehlen, was ihr beim Hersteller auch den Beinamen eingebracht hat. Mehr als 700 Jahre später wird sie zwar immer noch hauptsächlich von der Hansestadt aus vertrieben. Die rund 40 000 Dosen pro Jahr lässt der Betreiber jedoch mittlerweile in Mülheim an der Ruhr produzieren. „Unsere Anlage ist in die Jahre gekommen, so dass wir hier nur noch abfüllen“, erklärt Geschäftsführer Christian Basilius von der H. Nettelbeck KG. Allein vom Verkauf der Mumme könne man nicht leben, fügt er hinzu. „Das geht schon in Richtung Hobby.“

40 000 Dosen pro Jahr

Das geschichtsträchtige Getränk, für das Basilius in dritter Generation verantwortlich zeichnet, schmeckt in purer Form ähnlich wie ein flüssiges Malzbonbon. Maltose stellt mit 21,6 Prozent den größten Inhaltsstoff des Gebräus dar, das als Zutaten nur Wasser und Malz enthält. Klebrig und süß ist die dunkle Flüssigkeit, die nach dem Öffnen aus der Dose im Retro-Look rinnt. Volles Pinnchen neben DoseDunkel und klebrig, malzig und süß. © cspEin Schnapsglas voll in der schön gezapften Tulpe verleiht dem Pils entsprechend eine süßlich-malzige Note. Und dabei muss es nicht bleiben, denn die sirupähnliche Flüssigkeit kann auch beim Backen oder Kochen zum Einsatz kommen.

Seit November 2008 haben die Braunschweiger wieder eine alkoholhaltige Variante der Mumme im Programm. Chef Basilius betont, dass es sich um ein eigenständiges Bier, kein Mischgetränk handelt. Letzteres ebenfalls einmal zu produzieren, hält er keineswegs für ausgeschlossen. Vielleicht mausert sich die Mumme dann zum einem Muss für Krefelder-Fans?

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