Das Werkzeug ist nicht das Medium

Der Begriff „Medium“ wird in vielen verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Nicht selten kommt es dabei zu Mißverständnissen und fehlgeleiteten Annahmen über das Wesen von Kommunikation. Speziell die Vereinnahmung der Begriffe „Medien“ und „Kommunikation“ durch Publizistik und PR trübt den Blick darauf, wie Bedeutung zwischen Menschen übertragen wird, wenn es nicht gerade darum geht, Inhalte oder das Image eines Unternehmens zu verkaufen.

Wenn wir uns nur Epiphänomene der Kommunikation ansehen, weil wir zu sehr darauf fokussiert sind, welche Akteure sich im gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozess positionieren, verstehen wir nie die zugrunde liegenden Wirkmechanismen und gelangen schnell zu falschen Verallgemeinerungen. Der Diskurs über neue Medien ist selbst ein gutes Beispiel dafür, wie Distributionskanäle und Medium in einen Topf geworfen werden.

Das Internet wird häufig als Medium bezeichnet. Doch das Internet ist kein Medium. Ein Medium definiert sich über die in ihm transportierten Inhalte und das Spannungsfeld der Erwartungen und Konventionen von Sendern und Empfängern, die das Medium nutzen. Das Internet kann über seine Inhalte nicht definiert werden, weil es nur die Infrastruktur für völlig verschiedenartige Medienformen bietet. Das Werkzeug ist nicht das Medium.

Steal this presentation

Dieser Beitrag versucht, den Begriff des Mediums von der soziologischen Perspektive auf das Wirken der Massenmedien zu lösen und einen kognitionswissenschaftlich geprägten Ansatz zu entwickeln. Ausgehend von einem solcherart geschärften Blick auf Kommunikation fällt es leichter, das Werkzeug der Informationsübermittlung von dem eigentlichen Medium zu trennen. Daran anschließend setzen wir die Theorie in die Praxis um und schauen am Beispiel von „Präsentation,“ was passiert, wenn wir nicht blind für die Möglichkeiten des Mediums sind.

Im eingebetteten Video wird im Anschluss an die kommunikationstheoretische Begriffsklärung ein neuartiges Präsentationskonzept vorgestellt: Das interaktive Dokument auf der unendlichen Leinwand. Gleichzeitig werden die Grenzen der Präsentationssoftware Keynote  als Werkzeug für eben dieses Video ausgereizt. Das Prinzip des Pfades über eine infinite canvas, das Prezi bekannt gemacht hat, können Powerpoint und Keynote mit nur wenig Aufwand auch leisten. Obendrein wird ein Dokument bereit gestellt, das selbst Baustein des Konzeptes ist und gleichzeitig als kurze Einführung in das Präsentationskonzept für sich allein stehen kann. Die Kommentarspalte soll dem regen Austausch über „wie geht das,“ aber gerne auch für theoretische Diskussion dienen.

Zum Schluss sei erwähnt, dass es sich bei diesem Beitrag selbst um ein Medienexperiment auf der Metaebene handelt. Information über ein Konzept von Präsentation wird auf verschiedenen Kanälen verbreitet, die alle in einem Distributionskanal zusammenkommen. Kein Teil dieses Beitrages ist eine Präsentation. Die geneigte Leserin und der geneigte Leser möge sie trotzdem gerne stehlen.

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Die Kommentare sind abgeschaltet.

  • vera sagt:

    Ist geklaut – für die ‚Glanzlichter‘. Merci :)

  • Mr. Michael sagt:

    Hola Jakob,

    un presentacion maravilloso.

    Wirklich richtig fein, manches merkt man erst beim 2. 3. mal anschauen.
    Sachmal wie groß ist die keynote datei?

    un abrazo,
    michael.

    • erz sagt:

      Die Datei ist völlig übertriebene 11,8MB groß. Da ich bei der Auflösung des PDFs ganz sicher gehen wollte, dass es auch in HD gut aussieht, stecken da alleine schon knapp fünf MB drin. Dadurch wurde mein Laptop ohne Arbeitsspeichererweiterung beim Exportieren schon bis an die Grenzen gebracht, für eine live-Vorführung würde ich die Auflösung doch deutllich reduzieren.

  • Kaminski sagt:

    Ganz starker Beitrag. Idee und Umsetzung sind phänomenal, da gibt es nichts dran zu meckern. Auch wenn ich kein Fachmann auf dem Gebiet bin, könnte ich diese Art der Presentation in Zukunft durchaus gebrauchen, deswegen kommt der Beitrag natürlich in meine Favoriten. Noch einmal ganz großes Lob, das Video ist ebenfalls Extraklasse, ich kann mir vorstellen wieviel Arbeit dahinter steckt.

  • Gerald Brozek (hyperkontext) sagt:

    Manueller Trackback:
    Strukturelle Dokumentverarbeitung statt bloß Texte schreiben
    http://hyperkontext.at/weblog/artikel/strukturelle-dokumentverarbeitung-statt-bloss-texte-schreiben/

    […] Digitalter Kontext. Das Problem fängt bereits bei der Texteingabe an. Im Verständnis vieler ist ein Text­verar­beitungs­programm bloß das Werkzeug, Text drucken zu können […]



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